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mini|300px|Blick von oben auf die Dreiflüssestadt

Ensemble Altstadt Passau mit Vorstädten mini|300px|Blick auf die Altstadt von Passau Aktennummer E-2-62-000-1

Das Ensemble umfasst die Altstadt von Passau in ihrer spätmittelalterlichen Ausdehnung einschließlich der westlichen Vorstadt „Neumarkt“ und den gegenüberliegenden Flussufersiedlungen an Inn, Donau und Ilz in den Grenzen der ehemaligen, im 15. Jahrhundert abgeschlossenen Stadtbefestigung. Hinzu kommen die Festungen Ober- und Niederhaus sowie der Mariahilfberg als stadtbildprägende Elemente.

Die Dreiflüssestadt Passau liegt auf einer schmalen Landzunge im Mündungsgebiet von Inn und Ilz in die Donau, die hier von Süden, Norden und Westen kommend, zusammentreffen. Von Wasser und Steilhängen der Flusseinschnitte auf drei Seiten geschützt, bildet der schmale Sporn zwischen Inn und Donau – beide seit jeher schiffbar – eine strategisch bedeutsame, topographisch unvergleichliche Situation. Entsprechend kann die Altstadthalbinsel mit Unterbrechungen auf eine mehrere tausend Jahre alte Siedlungsgeschichte zurückblicken, die bereits im Mittelneolithikum (Oberlauterbacher Gruppe, ca. 4900–4500 v. Chr.) ihren Anfang nahm. Auch ist eine bronzezeitliche Besiedlung der Altstadthalbinsel belegt. In der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit entstand auf dem Domberg eine Abschnittsbefestigung, welche eine zeitgleiche Siedlung schützte. In der Spätlatènezeit ist im gesamten Bereich von Altstadt und Neumarkt eine unbefestigte Großsiedlung nachgewiesen, während unter der römischen Herrschaft im Stadtgebiet die Kastellstandorte Boiodurum, Batavis und Boiotro und teilweise auch die zugehörigen Zivilsiedlungen zu verorten sind.

Mit der historisch überlieferten Errichtung einer Kirche durch den hl. Severin in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts, vor allem aber mit der Gründung des Bistums 739 gingen von hier entscheidende Impulse für die verstärkte Christianisierung des Landes und seiner kirchlichen Organisation aus. Die mittelalterliche Struktur der Altstadt, Ergebnis einer im 8. Jahrhundert einsetzenden Entwicklung, hat sich anschaulich erhalten: Auf der höchsten Stelle des Hügelrückens, zwischen der im 10. Jahrhundert in Stein ausgebauten sogenannten Römerwehr, ältester Teil der Stadtmauer, im Westen, dem Steinweg im Norden, der Carlonegasse im Süden und dem weiten Domplatz als repräsentativen Mittelpunkt, liegt die bischöfliche Stadt mit Stephansdom, Gebäuden der bischöflichen Verwaltung und den ab 1155 hierher verlegten Domherrenhöfen; die bischöfliche Residenz steht gegenüber der südlichen Domflanke. Die das Gebiet durchziehende Hauptverkehrsachse, der Steinweg, wird durch den Paulusbogen im Westen und das Immunitätstor St Maximilian im Osten begrenzt, die Bischofsstadt erhält dadurch den Charakter eines in sich geschlossenen Bezirks.

Die bürgerliche Stadt grenzt mit dem wesentlich kleineren Marktplatz, ehemals „Unter den Krämern“ genannt (heute Residenzplatz), an die Rückseite des Domes an. Der von Bürgerhäusern, Krämerläden, Brot- und Fleischbänken und der Fronwaag umstandene unregelmäßige Platz erfuhr seit der 1209 fertiggestellten Anlage des Neumarkts im Westen der Bischofsstadt einen zunehmenden Bedeutungsverlust als Handelszentrum. Durch die fürstbischöfliche Bautätigkeit des 18. Jahrhunderts – 1712 brach man das Kramhaus für den 1730 vollendeten Neubau der Bischofsresidenz ab – erhielt der vom gotischen Domchor überragte Platz mit dem ehemaligen Palais des fürstbischöflichen Kanzlers und Hofmarschalls als westliche Dominante die Gestalt eines barocken Residenzplatzes. Zum administrativen Zentrum der 1225 mit einem ersten Stadtrecht ausgestatteten Bürgerstadt entwickelte sich der am Donauufer gelegene Fischmarkt (Rathausplatz), als man, ebenfalls 1225, das Stadtrichterhaus hierher verlegte; sichtbares Zeugnis des gestiegenen bürgerlichen Selbstbewusstseins im Laufe des 14. Jahrhunderts – 1368 erhielt die Stadt Rat und Magistrat – ist der die gesamte Südseite des Platzes einnehmende, 1446 vollendete Rathauskomplex.

Dritter mittelalterlicher Siedlungskern ist die östliche Landzunge mit dem 888 erstmals erwähnten, 1010 zur Reichsabtei erhobenen Benediktinerinnen-Stift Niedernburg mit reichen Ländereien und lukrativem Salzhandel; mit der Übertragung der Vogtei über das Kloster 1193 erhielt der Bischof sämtliche Niedernburger Vorrechte mitsamt dem sogenannten Land der Abtei als umfangreichen territorialen Besitz. Das Quartier mit kleinen Bürger- und Handwerkerhäusern wird von der Klosteranlage mit ihren ehemals sieben Kirchen und Kapellen beherrscht. Von den großen Salzstadeln sind nur noch zu Wohnzwecken umgebaute Reste erhalten. Mit der Gründung des Jesuitenkollegs 1612 in unmittelbarer Nähe zum Kloster erhielt das Viertel einen neuen Mittelpunkt, auch wurde durch die Kollegsbauten die alle drei Stadtteile verbindende Straßenachse Steinweg-Messergasse-Schustergasse, die bis dato bis zur Innlände führte, unterbrochen. Die ursprünglich zur Herrschaft Niedernburg gehörende Spitze der Landzunge war bis zum 13. Jahrhundert durch einen Wasserarm „Im Ort“ inselartig abgetrennt; um 1250 stand hier eine bischöfliche Wasserburg. mini|Passau im Jahr 1827 Bereits ab dem 10. Jahrhundert entwickelte sich westlich des Altstadthügels im tiefer liegenden Überschwemmungsgebiet vor der Stadtmauer ein Suburbium. Hauptsächlich Fischer, Handwerker und Gewerbetreibende ließen sich in dieser wohl schon mit Wall und Graben bewehrten, vorstädtischen Ansiedlung nieder, die ab 1204 forum novum (Neumarkt) genannt und 1209 mit Graben, Zwinger und Ringmauer neu befestigt wurde. Außerhalb der Mauer blieb das um 1070 gegründete Augustinerchorherrenstift Sankt Nikola. Die zunächst zum Hochstift Passau gehörige Klosterhofmark kam 1248 an die Wittelsbacher. Das Patrozinium der Klosterkirche steht wohl in Beziehung zu der Fischersiedlung bei dem Schiffsanlegeplatz am Inn. In der Gegend zwischen der Stadtmauer und dem weit außerhalb gelegenen Stift siedelten sich zahlreiche Gewerbe an, die noch heute in manchen Straßennamen zum Ausdruck kommen. Die Hauptstraße (heute Ludwigstraße) entwickelte sich zu einem Straßenmarkt, von dem von Quergassen gekreuzte Seitenstraßen zu den Flussufern führen.

Auf dem Geländestreifen des südlichen Innufers zwischen den beiden einstigen Römerkastellen Boiodurum und Boiotro entwickelte sich die Innstadt als weiteres Wohn- und Handwerkerquartier. 1143 durch eine Brücke mit der Altstadt verbunden, erhielt die Vorstadt im frühen 15. Jahrhundert eine eigene Ummauerung. Auf dem jenseitigen Donauufer gegenüber der Altstadt bildete sich seit dem 10. Jahrhundert eine weitere Siedlung aus, der sogenannte Anger. Der ursprünglich als Weideplatz genutzte Uferstreifen, an dem sich Fischer, Bootsbauer und Wirte niederließen, war bis zum Bau der ersten Donaubrücke 1278 durch eine Fähre in Höhe der Roßtränke mit der Altstadt verbunden.

Bedeutender als der Anger war die sogenannte Ilzstadt, eine Siedlung entlang der Ilzmündung am Ausgangspunkt des Goldenen Steiges nach Böhmen. Hier wohnten hauptsächlich Fischer, Fährleute und Bootsbauer, zu denen sich mit der wachsenden Bedeutung des Handelsweges nach Böhmen auch Säumer und Gastwirte gesellten. Ab 1010 gehörte die Ilzstadt zur Reichsabtei Niedernburg und wurde mit dieser 1193 dem Bischof unterstellt, behielt aber ihre eigene Gerichtsbarkeit. Mit der 1410 abgeschlossenen Befestigung durch einen einfachen Mauerring wurde die Ilzstadt schließlich ebenfalls zum Stadtgebiet gerechnet. Die dem linken Ilzufer folgende einzeilige, im Bereich der Flussmündung zweizeilige Häuserreihe hatte bis zur durchgreifenden Sanierung 1967 ihr mittelalterliches Gepräge bewahrt.

Wesentlicher Bestandteil der Passauer Befestigungsanlagen, deren Mauern im Zuge späterer Stadterweiterungen großenteils niedergelegt wurden, sind die beiden ehemals fürstbischöflichen Burgen Ober- und Niederhaus auf der zwischen Ilz und Donau steil ansteigenden Felsenzunge. Die Veste Oberhaus war bereits 1219 als Schutzburg des Bischofs gegen aufständische Bürger begonnen und im 15./16. Jahrhundert erweitert worden, die Veste Niederhaus kam als Ergänzung – durch einen doppelten Wehrgang mit Oberhaus verbunden – um 1250 hinzu.

Das heutige Erscheinungsbild der Stadt ist überwiegend durch die barocken Überformungen im späten 17. und 18. Jahrhundert bestimmt. Zwei verheerende Stadtbrände, 1662 und 1680, gaben Anlass zu baupolizeilichen Vorschriften, für den Wiederaufbau wurden die Dachformen der „Innstadtbauweise“ verbindlich. Die feuergefährlichen Legschindeldächer mussten durch Grabendächer mit hochgezogenen, meist waagrechten Feuermauern ersetzt werden.

Zur Wiederherstellung des Doms und der fürstbischöflichen Bauten wurden italienische Künstler berufen, die den Stil des italienischen Spätbarock nach Passau brachten. Der Domplatz mit der von Carlo Lurago neu aufgeführten Westfassade des Domes, die zu Stadtpalästen umgebauten Domherrenhöfe und der monumentale Neubau der Residenz durch Domenico d’Angeli sind hierfür charakteristisch. Die Kaufmanns- und Handwerkerhäuser entlang der mittelalterlichen Gassen erhielten Vorschussmauern mit Ablauföffnungen für die Dachrinnen, die Bürgerhäuser zum Teil vorgeblendete Barock- und Rokokofassaden. Ihr mittelalterliches Gepräge haben sich vor allem die Höllgasse, die Steiningergasse, die Kleine Messergasse und die Pfaffengasse bewahrt. Innenhöfe, teilweise mit Lauben, werden hier von dichter Bebauung umschlossen. Im ehemals niedernburgischen Stadtteil wurde das Jesuitenkollegium mit der Michaelskirche in spätbarocken Formen neu aufgebaut und bestimmt heute die Silhouette der Stadt von der Innseite her. Von 1749 stammt das palazzoartige Waisenhaus im Ort, an der Grenze zur östlichsten Spitze der Landzunge. Die von den Bränden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Bürgerhäuser im Klosterviertel und im Neumarkt wurden zumeist barockisierend erneuert, Grundriss und Gebäudekern sind meist noch mittelalterlich.

Trotz der geringen Auswirkungen der großen Stadtbrände von 1662 und 1680 in den Brückenkopfsiedlungen an den jenseitigen Ufern von Inn und Donau hat auch hier eine barocke Überformung stattgefunden. Besonders im Zentrum der Innstadt am Kirchenplatz zeugt u. a. das reich stuckierte Schiffsmeisterhaus der Familie Lüftenegger von solcher „Modernisierung“. Die Reihe giebelständiger Bürgerhäuser des 17. Jahrhunderts mit Krüppelwalmen an der Südseite des Platzes bewahrt dagegen niederösterreichische Bautradition. Die klassizistische St.-Gertrauds-Kirche und eine Vielzahl biedermeierlich geprägter Hausfassaden entstanden erst nach einem abermaligen Brand 1809 in der Innstadt. Vom Kirchenplatz zweigen, mit Ausnahme der Schmiedgasse, alle wichtigen Straßen der Handwerkersiedlung ab. Die Straßennamen erinnern zum Teil an die hier ursprünglich vorherrschenden Gewerbe der Lederer und Schmiede. mini|Hochwasser in Passau In deutlichem Sichtbezug zum Altstadthügel steht auf dem Schulerberg die 1622 gegründete und nach 1662 erneuerte Kapuziner-Wallfahrtskirche Mariahilf, die, außerhalb der Innstadtbefestigung liegend, durch eine Wallfahrtsstiege mit der Stadt verbunden ist. Auf dem gegenüberliegenden Donauufer erhielt der Stadtteil Anger durch das barockisierte Schlösschen Eggendobl, dessen Anlage im Kern noch aus dem 14. Jahrhundert stammt, seinen städtebaulichen Akzent. Durch die hier 1968–1976 angelegten Auf- und Abfahrtsrampen der Schanzlbrücke, die zum Abbruch der Nebengebäude und der Kapelle sowie zur Auflassung der Gartenanlage führten, steht das Herrenhaus heute isoliert auf einer Straßeninsel.

Im frühen 17. Jahrhundert erhielt auch die Ilzstadt mit der fürstbischöflichen Mälzerei ihren Akzente setzenden frühbarocken Neubau als nördlichen Abschluss der Bebauung entlang der Freyunger Straße. Die meist giebelständigen Handwerkerhäuser, die den Windungen der Ilz folgen, halten noch heute den Charakter der alten Fischer- und Schiffbaueransiedlung lebendig.