Die Nickende Kragenblume (Carpesium cernuum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Carpesium innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in der Alten Welt weitverbreitet.

Beschreibung mini|Illustration

Vegetative Merkmale Die Nickende Kragenblume wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 80 (20 bis zu 100) Zentimetern. Der aufrechte und abstehend behaarte Stängel ist oben sparrig bis reich verzweigt.

Die unteren Laubblätter sind gestielt, die oberen am Stängel sitzend. Die weiche Blattspreite ist oval bis lanzettlich mit unregelmäßig wellig gezähnten oder entfernt schwach gezähnten Blattrand. Die Blattunterseite ist kurz behaart und die Blattoberseite manchmal fast kahl.

Generative Merkmale In China reicht die Blütezeit von Juni bis August oder in Mitteleuropa von Juli bis September. Die endständigen, nickenden körbchenförmigen Blütenstände weisen einen Durchmesser von 10 bis 25 Millimetern auf. Sie sind mit verschieden großen, abstehenden bis zurückgebogenen, laubblattartigen Hüllblättern umgeben. Die Blütenkörbchen enthalten nur, kompakt angeordnete Röhrenblüten, Zungenblüten fehlen. Die gelblich-grünen Röhrenblüten sind alle von gleicher Gestalt.

Die schmalen, bis zu 4 mm langen Achänen besitzen keinen Pappus, sind längsrinnig und enden in einem kurzen Schnabel von einer Länge von 0,5 mm mit typisch wulstiger, drüsig-klebriger Oberfläche. Die Früchte reifen in China zwischen September und Oktober.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.

Vorkommen Verbreitung Die Nickende Kragenblume ist im Mittelmeerraum von Südeuropa bis Vorderasien (Kaukasus) beheimatet. Auf dem asiatischen Kontinent sind Fundorte bekannt in Russland, Afghanistan, Pakistan, Indien, China, Korea und Vietnam. In Australasien kommt sie in Indonesien, auf den Philippinen, auf Taiwan, Japan, Papua-Neuguinea und Australien vor. In China kommt sie in den Provinzen Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Tibet, Yunnan sowie Zhejiang vor. In Deutschland gilt sie als ausgestorben. In Österreich kommt sie selten in Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten und der südlichen Steiermark vor. In der Schweiz kommt sie im Tessin, Wallis und Graubünden (Misox) vor. Das hauptsächliche Verbreitungsgebiet reicht von Slowenien bis Südwestasien.

Standortbedingungen Diese wärmeliebende Pflanze gedeiht in der tieferen Hügelstufe. Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche, schattige bis lichte Wälder und Gebüsche. In der Schweiz gedeiht sie in Gebüschen, Waldlichtungen und schattigen Wegrändern in den kollinen bis montanen Höhenstufen. Nach Oberdorfer ist sie ein submediterranes Florenelement und kommt in Gesellschaften des Verbands Alliarion vor. In China gedeiht sie auf Ödland und an Berghängen in Höhenlagen meist unterhalb von 2900, selten bis zu 3400 Meter. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Ehemalige Vorkommen Nach Hepp 1956 sind die ehemaligen Wuchsorte in Bayern erloschen. Sie kam nur an Salzach, Inn und Donau vor. In der Roten Liste Bayern 2003 wird der Gefährdungsgrad als „ausgestorben“ bewertet.

Neufund 2019 kam es zu einem Wiederfund im Landkreis Rottal/Inn, Niederbayern. Damit ist Carpesium cernuum als „vom Aussterben bedroht“ in Deutschland zu betrachten.

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Carpesium cernuum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 859. Ein Synonym für Carpesium cernuum ist Carpesium spathiforme . Auch die Synonyme Carpesium ciliatum, Carpesium pedunculosum und Carpesium pubescens (Wallich, Numer. List, nos. 3214, 3200, 3199. 1831) gehören hierher, sie sind aber nicht gültig veröffentlicht (nomina nuda: Vienna Code, Art. 32.1(d)).

Literatur Chen Yousheng, Arne Anderberg: Tribe Inuleae. In: (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)

Pietro Zangheri: Flora d’Italia. Volume I, Testo, CEDAM, Padova, 1976, S. 698. Rudolf Schubert, Walter Vent (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 8. Auflage (Neuausgabe). Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, Gustav Fischer, Jena 1994, ISBN 3-334-60830-1. Konrad Lauber, Gerhart Wagner, André Michel: Flora Helvetica. 2., überarbeitete und verbesserte Auflage. Paul Haupt, Bern 1998, ISBN 3-258-05735-4, S. 1076.

Einzelnachweise Chen Yousheng, Arne Anderberg: Tribe Inuleae. In: (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik). Konrad Lauber, Gerhart Wagner, André Michel: Flora Helvetica. 2., überarbeitete und verbesserte Auflage. Paul Haupt, Bern 1998, ISBN 3-258-05735-4, S. 1076. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 859 (). Gerald Parolly: Asteraceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 778.

Weblinks

Thomas Meyer: Kragenblume Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Inuleae (Tribus)