mini|hochkant|Titelblätter der Ausgaben von 1498, deutsch (oben) und lateinisch (unten)

Die heimlich offenbarung iohannis, lateinisch Apocalipsis cum figuris, ist ein Druckwerk von Albrecht Dürer mit der Offenbarung des Johannes, das vor allem durch seine 15 Holzschnitte bekannt ist. Sie wurde 1498 veröffentlicht, zuerst mit dem deutschen, kurz danach mit dem lateinischen Text der Offenbarung. Sie war das erste Druckwerk, für das ein Künstler allein die Verantwortung trug. Sie war ein großer Erfolg und zählt auch heute noch zu den berühmtesten Werken Dürers, vor allem die Darstellung der vier apokalyptischen Reiter.

Beschreibung Dürers Apokalypse besteht aus 16 großformatigen Blättern (vier Lagen zu je zwei Doppelblättern): Die Größe der Holzschnitte beträgt 28,2 × 39,3 cm; die heute noch erhaltenen Exemplare sind größtenteils beschnitten, die ursprüngliche Blattgröße betrug vermutlich etwa 32,5 × 48 cm. Die Vorderseite (recto) eines jeden Blattes zeigt einen Holzschnitt, die Rückseite (verso) den in zwei Spalten zu 62 Zeilen gesetzten Text, sodass in aufgeschlagenem Zustand der Text links vom Holzschnitt rechts illustriert wird. Wenn Text und dazugehörige Illustration voneinander entfernt sind, so wird bei der entsprechenden Textstelle auf die Illustration verwiesen, z. B. Item zu der Achten figur vor Kapitel 10. Auf der Versoseite des Titelblattes befindet sich die einspaltig gesetzte Vorrede, die Versoseite des letzten Blattes ist leer. Für die Initialen der 22 Kapitel und der Vorrede wurde ein annähernd quadratisches freies Feld von vier Zeilen Höhe gelassen, das von einem Rubrikator mit der Hand ausgemalt werden konnte.

Entstehung Im Jahr 1498 war Dürer 27 Jahre alt und hatte sich kurz zuvor in Nürnberg selbständig gemacht. Auf seiner ersten Venedig-Reise 1494/1495 hatte er die italienische Renaissance kennengelernt (die Historizität dieser Reise ist in der Forschung jedoch umstritten). Die Apokalypse ist kein Auftragswerk, vielmehr hat es der Künstler aus eigener Initiative konzipiert, ausgeführt und veröffentlicht.

mini|Kolophon der deutschen Ausgabe von 1498 Das Kolophon auf Blatt 15v nennt auch Dürer selbst als Drucker: Gedrücket zu Nurnbergk durch Albrecht dürer maler nach Christi geburt .M.cccc. und darnach im xcviii. jar. Wahrscheinlich war Dürers Taufpate, der Buchdrucker Anton Koberger, am Druck beteiligt. Der Text der deutschen Ausgabe wurden von Kobergers deutscher Bibel von 1483 („Koberger-Bibel“) übernommen. Die Lettern stammen von der Schedel’schen Weltchronik, die Koberger 1493 veröffentlicht hatte: in der deutschen Ausgabe eine Frühform der Schwabacher, in der lateinischen Ausgabe eine Rotunda.

Vorbilder Vorläufer für illustrierte Bücher der Offenbarung gehen zurück bis in frühromanische Zeit. Die karolingische Trierer Apokalypse aus dem ersten Viertel des 9. Jahrhunderts und die ottonische Bamberger Apokalypse vom Beginn des 11. Jahrhunderts in Reichenau sind ähnlich angelegt wie Dürers, mit ganzseitigen Illuminationen auf der rechten und handschriftlichem lateinischem Text auf der linken Seite. Die Malerei ist jedoch ganz stilisiert, mit wenigen Figuren, horizontaler Gliederung durch monochromem, bzw. Goldgrund und häufig zwei Szenen in einem geteilten Rahmen. In der Folgezeit wurden in weiteren Ausgaben die Miniaturen zunehmend mit Text umstellt und Szenen beschriftet. Ähnliches gilt für illuminierte Handschriften mit größeren Teilen oder der gesamten Bibel.

Die Koberger-Bibel war in Kooperation mit den Kölner Initiatoren Bartholemäus von Unckel und Heinrich Quentell entstanden, die 1479 eine erste Ausgabe in niederrheinischem Dialekt verlegt hatten.Dies war die insgesamt achte deutsche Gesamtübersetzung der Bibel seit der ersten von 1466. Kobergers war die Neunte. Siehe Vorlutherische deutsche Bibeln. Die Holzschnitte von Quentell übernahm Koberger für seine Edition.Biblia, niederdeutsch, Köln: Bartholemäus von Unckel und Heinrich Quentell für Johann Helman und Arnold Salmonster in Köln und Anton Koberger in Nürnberg, um 1478–1479, 544 Blatt (westmünsterländische und niederrheinische Dialektformen), GW 4308, ISTC ib00637000, Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf von 2015.

Dürer hat sich kompositorische Ideen und viele Motive nicht nur von Quentell zum Vorbild genommen und in seine Bildsprache und -technik übersetzt. Er wird auch die Grüninger Bibel, 1485 in Straßburg von Johannes Grüninger gedruckt, ebenfalls gekannt haben, deren Illustrationen sich stilistisch von den Kölner Holzschnitten unterscheiden, aber motivisch viele Gemeinsamkeiten haben.Digitalisat des Exemplars der Universitätsbibliothek Freiburg, Ink. 4.L 2240-2, GW 4304. Beiden Bibeln ist gemeinsam, dass sich ihre Illustrationen durch Holzschnitte auf die Offenbarung konzentrieren. Ebenso geläufig war Dürer wohl auch eine Ausgabe der Offenbarung des Johannes, die 1470 als sogenanntes Blockbuch veröffentlicht worden war.Exemplar der Apocalypsis Sancti Johannis in der Library of Congress, Incun. 1474.T45. ([:Datei:Apocalypse of Saint John WDL368.pdf PDF] auch auf Commons.) Alle Holzschnitte dieser Ausgaben sind sehr einfach in ihrer grafischen Gestaltung und kein Vergleich zu Dürers ersten großen Zyklus mit seinen plastischen Figuren, der räumlichen Staffelung, der geometrischen Anlage der Kompositionen mit starken Senkrechten, die waagerecht in Linien durchkreuzt werden mit Objekten in unterschiedlicher Bildtiefe; ebenso gibt häufig parallel laufende Diagonalen, Pyramidalformen und symmetrische Bögen als kompositorische Mittel. Schließlich durchdringt die Bilder ein dramatisches Pathos, das im Zusammenspiel mit der im Detail realistischen Darstellung die visionären Szenen unmittelbar wirken lässt. „Da gibt es kein Ruhendes und gleichgültig Stilles… Manchmal möchte man sagen, die Zeichnung koche“ (Heinrich Wölfflin 1905). Als Zeichen künstlerischen Ausdrucks sind seine Holzschnitte zudem alle mit dem bekannten Dürer-Monogramm signiert, welches er schon seit 1493 einsetzte, was damals, insbesondere für Holzschnitte, noch unüblich war.

mini|Holzschnitt aus der Kölner Bibel von 1479 Dürer nannte seine Apokalypse des Formats wegen „Großes Buch“. Später veröffentlichte er noch zwei „Große Bücher“, das Marienleben und die Große Passion. Alle drei Großen Bücher haben dasselbe Format und wurden gelegentlich gemeinsam verkauft und zu einem Sammelband gebunden. Die Apokalypse war ein großer Erfolg und machte Dürer in kurzer Zeit weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt. In einer von Endzeiterwartungen geprägten Zeit politischer und religiöser Umwälzungen – wenige Jahre vor der Jahrhundertwende und der anschließend aufkeimenden Reformation – war das Interesse an apokalyptischen Themen groß. Auch finanziell war die Apokalypse für Dürer sehr einträglich, sie verschaffte ihm sein Leben lang beträchtliche Einkünfte. Für den Vertrieb beschäftigte Dürer „Reisediener“, die von Stadt zu Stadt reisten und Drucke verkauften.Drei solcher Reisekaufleute, die ansonsten auch in der Werkstatt aushalfen, sind urkundlich belegt. Einträge 40, 41 und 55 in Auch seine Frau Agnes und seine Mutter verkauften Exemplare auf Märkten und Messen. 1511 gab Dürer eine zweite Auflage der lateinischen Version heraus, der er einen weiteren Holzschnitt als Titelblatt hinzufügte.

Aufgrund der für damalige Zeiten hohen Auflage sind noch etliche Exemplare des Offenbarungszyklus erhalten, die meisten wurden jedoch aufgeschnitten und im Kunsthandel als Einzelblätter verkauft. Sie befinden sich in Sammlungen und Museen über die ganze Welt verstreut. Die Ausgabe von 1498 ist wesentlich seltener als die von 1511, beispielsweise gibt es nur vier Exemplare in öffentlichen Sammlungen der Vereinigten Staaten: in der National Gallery of Art in Washington, dem Saint Louis Art Museum, der Houghton Library an der Harvard University und dem Museum of Fine Arts, Boston. Das Exemplar der Houghton Library ist vollständig koloriert. Auch das British Museum in London, die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und die Staatliche Graphische Sammlung München besitzen ein Exemplar in deutscher Sprache. Gelegentlich gelangen Exemplare in den Kunsthandel. Für die Ausgabe von 1511 werden um die 100.000 € bezahlt, für die Ausgabe von 1498 über eine Million.

Die einzelnen Holzschnitte Dürer nennt die Holzschnitte „Figuren“. Sie sind nummeriert, wobei nur die eigentlichen Illustrationen der Offenbarung gezählt werden. So steht auf der Versoseite vor dem Holzschnitt mit der Leuchtervision unter dem Text Nachvolget die Erst Figur.

Frontispiz der Ausgabe von 1511 mini|hochkant|Frontispiz der Ausgabe von 1511 Die Titel der beiden Ausgaben von 1498 mit ihrer kunstvollen Kalligraphie sind ebenfalls in Holz geschnitten und nicht mit beweglichen Lettern gesetzt. Für die Neuauflage 1511 erweiterte Dürer den Titelholzschnitt um eine bildliche Darstellung des Evangelisten Johannes und der Madonna mit dem Kind. Johannes ist durch sein Evangelistensymbol, den Adler, gekennzeichnet und schreibt an der Offenbarung. In seiner Vision trägt die Madonna eine Sternenkrone, ist von einem Strahlenkranz umgeben und ruht auf einer Mondsichel. Diese Ikonografie stammt aus der Offenbarung: Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen .

Martyrium des Evangelisten Johannes mini|hochkant|Martyrium des Evangelisten Johannes Den Illustrationen der Offenbarung ist eine Darstellung des Martyriums des Heiligen Johannes vorangestellt. Der Evangelist Johannes – von dem Dürer nach der offiziellen Lehre der Kirche annahm, dass er auch der Verfasser der Offenbarung ist – wurde der Legende nach bei der Porta Latina in Rom in siedendes Öl geworfen, das ihm jedoch nichts anhaben konnte, woraufhin er von Kaiser Domitian nach Patmos verbannt wurde, wo er die Offenbarung niederschrieb. Diese Legende ist bereits im 3. Jahrhundert bei Tertullian bezeugt, später wurde dem Heiligen bei der Porta Latina die Kirche San Giovanni a Porta Latina errichtet und ein eigener Feiertag zum Gedenken an sein Martyrium eingerichtet (Iohannes ante portam latinam, 6. Mai).

Kaiser Domitian und der neben ihm stehende Mann mit Schwert sind als Türken gekleidet – eine damals übliche Art, Ungläubige und Feinde Christi darzustellen. Die Zuschauermenge und die Bewaffneten hinter der steinernen Balustrade sind zeitgenössisch gekleidet, die Gebäude im Hintergrund sind die einer deutschen Stadt des 15. Jahrhunderts.

1. Die Leuchtervision mini|hochkant|Die Leuchtervision Die erste Figur illustriert die Leuchtervision des Johannes :

12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.

Wie in allen Illustrationen folgt Dürer sehr getreu dem Text der Offenbarung. Gott thront auf einem doppelten Regenbogen, vor ihm kniet Johannes auf einer Wolkenbank. Die sieben prunkvollen Leuchter sind nahezu symmetrisch angeordnet. Dürer hatte in seiner Jugend das Goldschmiedhandwerk erlernt, daher galt wohl den reichen, bei allen Leuchtern unterschiedlichen Verzierungen sein besonderes Interesse.

2. Die 24 Ältesten vor dem Thron mini|hochkant|Die 24 Ältesten vor dem Thron Die zweite Figur zeigt die 24 Ältesten vor dem Thron (, ):