mini|Frederick Taylor Gates um 1890 Frederick Taylor Gates (* 22. Juli 1853 in Maine, Broome County, New York; † 6. Februar 1929 in Phoenix, Arizona) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor. Er war ab 1888 Geschäftsführer der American Baptist Education Society (ABES), von 1907 bis 1917 Vorsitzender des General Education Board (GEB), Berater und Vermögensverwalter von John D. Rockefeller.
Jugend und Ausbildung Als Sohn des Pastors Granville Gates (1829–1906) und Sarah Jane Bowers Gates (1830–1906) wuchs er in ärmlichen Landgemeinden auf. Die Familie zog nach Forest City, Kansas, wo sie eine Farm kauften. Frederick musste die High School verlassen, um zu arbeiten und die Schulden der Familie abzutragen. Schließlich konnte er seine Schule beenden und an die University of Rochester gehen, wo er Theologie studierte und auch politische Ökonomie (political economy) unter Dr. Anderson belegte. Hier graduierte er 1877 und unterrichtete anschließend am Rochester Theological Seminary, wo er 1880 ordiniert wurde.
Pastor und Spendensammler in Minneapolis Von 1880 bis 1888 war er Pastor der Central Baptist Church in Minneapolis, Minnesota. Hier erbat Charles Alfred Pillsbury seinen Rat, der Begründer des Mühlenimperiums zur Herstellung von Weizenmehl. Dieser wollte in seinem Testament 200,000 $ für eine Schule hinterlassen. Gates konnte ihn jedoch davon überzeugen, sofort 50.000 $ für eine Schule zu spenden unter der Bedingung, dass die Kirchengemeinden in Minnesota noch einmal den gleichen Betrag aufbrächten. Im Testament sollten dann die restlichen 150.000 $ der Schule zugutekommen. Auch den Führern der Baptisten-Gemeinden gefiel diese Lösung und sie beauftragten Gates mit der Sammlung. 1888 gab er seine Pastorenstelle auf und konnte bei Kirchenmitgliedern 60.000 $ für die Gründung der Pillsbury Academy in Minnesota einsammeln. Das waren seine ersten Erfahrungen als erfolgreicher Spendensammler und er hatte seine Berufung gefunden.Pillsbury Baptist Bible College, Owatonna
Geschäftsführer der American Baptist Education Society 1888 Weil sich die Aufgabe der American Baptist Home Mission Society (ABHMS) nur auf die Erziehung von Afroamerikanern und Indianern beschränkte, begann Reverend Henry Lyman MorehouseBeschreibung von Rev. Moorhouse in: Thomas W. Goodspeed: History of University of Chicago. S. 40. dafür zu werben, eine nationale Baptisten-Organisation zu etablieren, die Akademien und Colleges im ganzen Land errichten sollte. Er fand Unterstützung für seine Idee bei den Führern der Baptisten im Westen und Süden, während die Führer im Osten nicht so angetan davon waren. Schließlich gelang es Moorhouse im Mai 1888, die American Baptist Education Society (ABES) zu gründen, die sich die Förderung von „christlicher Erziehung in Nordamerika unter Baptistischer Schirmherrschaft“ zum Ziel setzte. Da Gates Verbindungen zu jedem der gespaltenen Lager hatte, war er die logische Wahl, um in den Differenzen zu vermitteln und eine Versöhnung herbeizuführen. Moorhouse nominierte ihn als einzigen Kandidaten für den Posten des Geschäftsführers.
Gates nannte die Gründung der ABES in seinen Memoiren: ein populärer Sieg für den bettelarmen und erzieherisch Not leidenden Westen und Süden über die reichen und erzieherisch gut ausgestatteten Ost- und Neu England-Staaten.Frederick T. Gates: Chapters in My Life. Neuauflage. The Free Press, New York 1977, S. 91.
Gates verließ Minneapolis und wurde 1888 Geschäftsführer mit einem Jahresgehalt von 2500 $. Er machte sich sofort an seine Aufgabe und erstellte einen Bericht, in dem er die erzieherischen Einrichtungen der verschiedenen Glaubensrichtungen zunächst demographisch verglich: Die 373.000 Baptisten im Westen der USA leiteten 11 Schulen mit 1257 Studenten, von denen ca. College-Kurse besuchte. Der Wert des Grundbesitzes betrug 881.670 $. Die 145.000 Kongregationalisten besaßen 8 Colleges mit 1639 Studenten mit einem Grundbesitz von 1.743.000 $. Die 119.000 Presbyterianer hatten ebenfalls 11 Schulen mit 1874 Studenten mit einem Grundbesitz von mehr als 2.437.000 $. Die Methodisten hatten 21 Schulen mit 5651 Studenten und einem Wert des Grundbesitzes von 5,3 Millionen $. Hierbei stellte sich für den Westen heraus, dass die meisten Schulen an unbedeutenden Orten lagen und für ein größeres Einzugsgebiet deshalb unattraktiv waren, so dass sie nur von einem Fünftel der Baptisten besucht wurden und somit ihr Einfluss innerhalb des Staates gering war. Gates Untersuchungen wurden noch detaillierter und bezogen neben den Colleges auch Akademien und Theologische Seminare über ganz Amerika mit ein. Als sich für Gates der Westen mit dem Standort Chicago herauskristallisiert hatte, folgte er einer Einladung der Baptisten von Chicago und legte diesen am 15. Oktober 1888 seine Ideen vor. Wichtig war ihm dabei ein Standort inmitten der Stadt und nicht irgendwo im Randgebiet.Kenneth Rose: Why a University For Chicago And Not Cleveland? (PDF; 66 kB)Religion And John D. Rockefeller’s Early Philanthropy, 1855–1900
Die Lösung, die Gates am 3. Dezember 1888 seinem Vorstand vorlegte, besagte „ein großes College zu gründen, das ultimativ eine Universität sein könnte, in Chicago, eine gut ausgestattete, beispielhafte Universität, die es mit den Universitäten auf dem Kontinent aufnehmen kann. Chicago ist das Herz des Westens, die Quelle westlichen Lebens, und die Stadt würde ein Baptisten College als intellektueller und religiöser Leuchtkörper so hoch erheben, dass sein Licht bis in jeden Staat und in jedes Heim eindringt vom Eriesee bis zu den Rocky Mountains.“ Überraschenderweise fand sein Vorschlag die Zustimmung des Vorstandes.
1888 hatte das Interesse von Mr. Rockefeller an einer Universität spürbar abgenommen, er hörte zwar zu, gab aber ausweichende Antworten. Gates fand die Erklärung hierfür später in Rockefellers Korrespondenz. Dieser wurde von drei Seiten für unterschiedliche Standorte bestürmt: Dr. Goodspeed und Dr. Harper für Chicago, Dr. Welling und seine Freunde für Washington oder Philadelphia und Dr. Augustus Strong für New York. Hinzu kamen unzählige Hilferufe von Schulen und Akademien der Baptisten überall im Land.Vorwort von Frederick T. Gates in: Thomas Wakefield Goodspeed: A History of the University of Chicago. The First Quarter-Century. The University of Chicago Press, Chicago 1916. Neuauflage. Cambridge Scholars Publishing, 2009, ISBN 978-0-217-77109-2,
Mit Rockefeller zur Gründung der Universität von Chicago Gates übergab seine Ausarbeitungen John D. Rockefeller im November und schlug ein Treffen mit den Verantwortlichen aus Chicago vor. Mitte Januar 1889 bat Rockefeller Moorehouse um eine Kostenübersicht der Gesellschaft und Gates zu einem Mittagessen mitzubringen. Danach lud er Gates ein, ihn auf seiner Zugreise nach Cleveland zu begleiten. Während dieser Fahrt diskutierten sie über die Ziele, Aufgaben und Personal des American Baptist Education Society und Gates drängte Rockefeller nicht zu einer Stellungnahme hinsichtlich Chicago. Gates gewann den Eindruck, dass für den Praktiker Rockefeller die Pläne für die Universität noch nicht ausgereift waren und zeigte ihm einen vorbereiteten Brief einer Einladung an die Baptisten-Führer und reiche Laien mit Einfluss in Chicago, um weitere Einzelheiten wie Standort und sich ergebende Fragen zu besprechen. Rockefeller griff den Vorschlag auf und Gates lud die Gruppe aus Chicago mit Goodspeed und Harper aus Yale zum frühen April 1889 nach New York ein. Hier wurde ein Plan ausgearbeitet und Rockefeller übermittelt. Rockefeller hatte einen guten Eindruck von Gates gewonnen. Kurze Zeit später erhielt die ABES 500 $ für ihre laufenden Kosten. Gleichzeitig teilte Rockefeller allen Beteiligten schriftlich mit, dass alles, was er bezüglich einer Universität in Chicago tun werde, über die ABES abgewickelt werden solle. Einen Monat später erhielt die ABES für ihre erzieherische Arbeit eine Zusage von 100.000 $, zahlbar in monatlichen Raten von 10.000 $.
Auf seiner Reise nach Boston zur Jahresversammlung traf Gates noch einmal im Mai 1889 mit Rockefeller in dessen Haus No. 4, West Forty-fourth Street in New York zusammen. Fest stand zwischen beiden, dass eine Million Dollar für die Universität benötigt wurde. Im ersten Anlauf war Rockefeller bereit, 400.000 $ zu spenden. Am nächsten Tag trafen sie sich noch einmal und nahmen bei einem Spaziergang auf dem Bürgersteig vor Rockefellers Haus die Diskussion wieder auf. Gates hielt ihm vor, dass es für Chicago und die Baptisten unmöglich wäre, die Differenz von 600.000 oder auch nur 500.000 aufzubringen. Die höchste machbare Summe, die Gates sich vorstellen konnte, wäre 400.000, so dass für Rockefeller 600.000 blieben. Schließlich stimmte Rockefeller zu und Gates „fühlte eine große Erregung“ bei dieser Zusage nach all den Monaten der Ungewissheit. Danach wurde im Büro in New York alles Notwendige schriftlich festgelegt. Rockefeller verlangte von Gates absolute Geheimhaltung, bis alle seine Forderungen angenommen seien. Die Resolutionen bezogen sich auf die Art der Einrichtung: Sie sollte erst ein College sein, das später zu einer Universität wachsen könnte. Eine Akademie könnte damit verbunden sein. Die Einrichtung sollte innerhalb der Stadt und nicht in einem Vorort gelegen sein. Das Gelände sollte nicht weniger als 10 acres betragen. Der Präsident und 2/3 des Vorstands sollten Baptisten sein. Beiden Geschlechtern sollten gleiche Möglichkeiten eingeräumt werden. Es war die Pflicht des Sekretärs (Gates) darauf zu achten, dass die Vereinbarungen eingehalten würden und die zusätzliche Summe von 400.000 $ aufgebracht wird.Appendix mit Dokumenten über die Gründung der University of Chicago in: Thomas Wakefield Goodspeed: A History of the University of Chicago. The First Quarter-Century. The University of Chicago Press, Chicago 1916.
Letztendlich stimmte auch die ABES-Hauptversammlung in Boston für den Standort Chicago und akzeptierte ebenfalls alle Vorgaben, so dass Gates nun Goodspeed in Chicago mitteilen konnte, dass innerhalb eines Jahres die Summe von 400.000 $ eingeworben werden müsse.Kenneth W. Rose: John D. Rockefeller, The American Baptist Education Society, and the Growth of Baptist Higher Education in the Midwest. Enthusiastisch fuhr Gates nach Chicago und begann gemeinsam mit Reverend Thomas Wakefield Goodspeed, der Gates um Fürsprache bei Rockefeller gebeten hatte, die einjährige Kampagne, um diese Mittel einzuwerben. Dies war der Beginn einer langen Beziehung zwischen Gates und Goodspeed einerseits und William Rainey Harper und John D. Rockefeller andererseits zum Aufbau der University of Chicago. Diese konnte 1892 eröffnet werden und über die nächsten zehn Jahre steuerte Rockefeller über Gates Mittel für den Aufbau mit Bau- und Landkäufen sowie laufenden Kosten von insgesamt 36 Millionen $ bei.Schreiben Rockefeller vom 13. Dez. 1910 über seine letzte Spende von 10 Millionen $ in 10 Raten beginnend mit dem 1. Januar 1911. In: Goodspeed: The Story of the University of Chicago 1890–1925. University of Chicago Press 1925, S. 179 ff.,
In den 1890er Jahren verteilte Gates für Rockefeller über die ABES insgesamt 539.069,24 $ an 34 verschiedene Schulen und Einrichtungen.
Ein Brief von Gates ist im Rockefeller-Archiv erhalten geblieben, in dem er einem nicht weiter bekannten „Bruder Sunderland“ Tipps zum Spendensammeln gibt.Brief Gates an Bruder Sunderland 20. April 1891 (PDF; 733 kB) mit Ratschlägen wie man Spenden sammelt.
Rockefellers Finanzmanager