mini|hochkant|Meinrad Burch-Korrodi in seinem damaligen Juweliergeschäft an der Bahnhofstrasse 44 in Zürich Meinrad Burch-Korrodi (* 27. Mai 1897 in Giswil; † 21. Mai 1978 in Zollikon) war ein Schweizer Goldschmied und Sammler graphischer Kunst aus dem Kanton Obwalden. Als Goldschmied erreichte er auf dem Gebiet der sakralen Kunst durch die Rückbesinnung auf Funktion und Form neue Ausdrucksmöglichkeiten und überwand so in seinem Kunstbereich den Bruch, den das maschinendominierte und von industrieller Herstellung geprägte 20. Jahrhundert herbeigeführt hatte.

Burch und seine Werkstatt schufen sowohl profane als auch sakrale Gegenstände. Dies waren unter anderem Kelche, Patenen, Ciborien, Ostensorien, Monstranzen, Tabernakel, Kerzenstöcke, Taufgarnituren und -steine, Bischofs- und Abt-Insignien, vollplastische Arbeiten, Schmuck, Tee- und Kaffeeservices, Jardinièren, Silberbestecke, Medaillons, profane Becher und Ringe. Die Bekanntheit Burchs ist vor allem mit dem 1934 für die Gebeine des Bruder Klaus in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Sachseln errichteten Reliquiar verbunden.

Leben Kindheit und Ausbildung Die frühe Begegnung mit traditionellem Handwerk und dem Mystisch-Religiösen, das in der obwaldnerischen Landschaft des Friedensheiligen und Eremiten Bruder Klaus gegenwärtig war, prägten seine Kindheit und später sein Schaffen.Bruder Klaus-Darstellungen und -Embleme sind auf vielen seiner Kelche wieder zu finden. Ausserdem wurden in seiner Werkstatt zahlreiche Reliquiare für die Bruder-Klaus-Reliquien hergestellt. Bereits während der sechsten Primarklasse besuchte Burch Abendkurse an der Luzerner Kunstgewerbeschule, obwohl das in diesem Alter noch verboten war, und erhielt so schon früh Einblicke in die europäische Stilgeschichte.

Nach seiner Schulzeit trat er 1913 in die Lehre in der Luzerner Gold- und Silberschmiedewerkstatt Louis Ruckli ein. Er liess sich zum Gold- und Silberschmied sowie zum Graveur ausbilden. Während dieser Zeit besuchte er zusätzlich Kurse an der Luzerner Kunstgewerbeschule, um sich fortzubilden. Nach Abschluss der Lehre ging er nach London an die von William Morris’ Freund W. R. Lethaby (1857–1931) gegründete Kunstgewerbeschule London Central School of Arts and Crafts L.C.C. Diese war ganz auf eine Wiederbelebung der alten Handwerkskünste ausgerichtet. Hier wurde Burchs Grundauffassung über das Wesen echter Handwerkskunst geprägt. In London arbeitete er neben der Schule für ein englisches Juwelieratelier, welches die exklusiven Läden der Bond Street mit Schmuck belieferte. 1924 fuhr Burch nach New York zur weiteren Ausbildung. Er fand im Geschäft von Davidson und Schwab Arbeit. 1925 kehrte er nach Europa zurück, nach Paris, wo er sich ebenfalls in einem Goldschmiedebetrieb mit der praktischen Arbeit weiter vertraut machte.vgl. Karl Iten: Sammlung Burch-Korrodi Sarnen. Museumsführer. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1989. S. 21–23; Katja Andrea Wetzel-Haas: Die Werkstatt Meinrad Burch-Korrodi. Lizentiatsarbeit. Zürich 1994, S. 3.

Während seiner Auslandsaufenthalte profitierte er nicht nur von der Ausbildung an den Schulen und in den Werkstätten, sondern vor allem von den zahlreichen Museumsbesuchen und der Auseinandersetzung mit der Kunst und ihren Tendenzen. So entstand auch ein grosses Interesse für Le Corbusiers Absage an die dekorative Kunst, dessen Haltung für Burchs Schaffen von entscheidender Bedeutung wurde.

Rückkehr in die Schweiz 1925 kehrte Meinrad Burch nach Luzern zurück und eröffnete dort ein eigenes Goldschmiedeatelier. Zuerst konzentrierte er sich vorwiegend auf die Herstellung von Schmuck, was sich aber ein Jahr später änderte. Fortan sollten seine liturgischen Geräte Hauptteil seines Schaffens werden. Das Besondere an seinem neuen Geschäft war, dass praktisch alles was er anbot, im eigenen Atelier nach eigenen Entwürfen hergestellt wurde. Schon damals hatte er gute Kontakte zur Innerschweizer Geistlichkeit, was bald zu einer gegenseitigen fruchtbaren Beziehung führte. Seine künstlerische Entwicklung ging in allen Bereichen auf immer grössere Einfachheit und Schlichtheit zu und die Schwerpunkte lagen auf dem Konstruktiven und der strengen Ordnung. Während dieser Jahre heiratete Burch seine erste Frau Martha Korrodi (1925), mit welcher er drei Töchter hatte.Karl Iten: Sammlung Burch-Korrodi Sarnen. Museumsführer. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1989. S. 23f; Katja Andrea Wetzel-Haas: Die Werkstatt Meinrad Burch-Korrodi. Lizentiatsarbeit. Zürich 1994, S. 3.

mini|hochkant|Das ehemalige Ladengeschäft Burch-Korrodi an der Bahnhofstrasse 44 in Zürich Nach sieben Jahren verlegte er 1932 seine Werkstatt nach Zürich. Burch versprach sich davon Wachstum und Anerkennung in seiner Arbeit, namentlich als Juwelier. Sein Geschäft befand sich an der Bahnhofstrasse, in Nachbarschaft zu den bekanntesten Juwelieren der Schweiz.

Schon 1930 widmete ihm Die Fachzeitschrift Deutsche Goldschmiedekunst einen vierseitigen Bericht, in dem zahlreiche profane Arbeiten aus seinem Schaffen vorgestellt wurden. Das Interesse am Werk von Meinrad Burch-Korrodi und seiner Werkstatt wuchs fortan, und selbst im damaligen Zürich wurde der aus der erzkatholischen Innerschweiz kommende Goldschmied und sein Atelier vorbehaltlos anerkannt. Ab 1928 nahm Burch-Korrodi an nationalen und internationalen Ausstellungen teil, wie beispielsweise 1930 an der Third International Exhibition of Contemporary Art im Metropolitan Museum in New York.Karl Iten: Sammlung Burch-Korrodi Sarnen. Museumsführer. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1989, S. 25. 1934 entstand eines der Hauptwerke, das lebensgrosse Silberreliquiar des Heiligen Bruder Klaus für die Pfarr- und Wallfahrtskirche Sachseln.

In den 1950er Jahren entstanden weitere figürliche Plastiken, so beispielsweise eine Muttergottes mit Kind für die Kirche St. Peter und Paul in Aarau (über dem rechten Seitenaltar), oder eine bronzene Kolossalfigur eines Christus für die Christuskirche in Nürnberg, Deutschland. 1951 erhielt Burch den goldenen Ehrenring der Goldschmiedekunst.Der Ehrenring der Goldschmiedekunst wird seit 1933 von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst verliehen. Vor Meinrad Burch-Korrodi wurden 18 Ehrenringe vergeben. Siehe: Karl Iten: Sammlung Burch-Korrodi Sarnen. Museumsführer. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1989, S. 29. Diese Verleihung ist die höchste internationale Auszeichnung, die einem Goldschmied verliehen werden kann.

1955 wuchs die Produktion, vor allem der Kelche, um ein Vielfaches. Geliefert wurde in die ganze Welt, vorwiegend in die USA. Aufgrund der immensen Nachfrage verliert sich der Überblick über die grosse Anzahl der produzierten liturgischen Geräte. Auftraggeber wurden in der Hektik kaum mehr registriert. Aus diesem Grund ist der Verbleib vieler Gegenstände unbekannt.

Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Burch 1959 Hedwig Wyser, die neun Jahre lang im Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse mitarbeitete und für die Korrespondenzen mit Kunden aus der ganzen Welt, die Buchhaltung und das Verkaufsgeschäft verantwortlich war. Bis zur Geschäftsaufgabe 1967 widmete sich Burch weiter der Weiterentwicklung der Form der sakralen und profanen Erzeugnisse. Sein Geschäft übergab er an Goldschmied Christoph Trudel. Am 21. Mai 1978 verstarb Meinrad Burch.

Werkstatt Burch-Korrodi mini|Die Goldschmiedwerkstatt Burch-Korrodi in Zürich In der Werkstatt Burch-Korrodi waren während der Jahre zwischen sechs und zwanzig Mitarbeiter angestellt. Burchs Kaufmännisches Talent ermöglichte eine ideale Besetzung der verschiedenen Aufgaben in der Werkstatt. Er wusste genau, welches Talent er wo einzusetzen hatte, um den grösstmöglichen Erfolg zu erlangen. So war es v. a. Burchs Aufgabe, im Geschäft die Fäden zusammenzuhalten und Aufträge einzuholen, was ihm dank seines guten Beziehungsnetzes bestens gelang. Die hohe Qualität der Entwürfe und das fachgemässe Bearbeiten der Materialien ist aber vorwiegend den Mitarbeitern der Werkstatt Burch-Korrodi zu verdanken.Information aus einem Gespräch mit dem ehemaligen Mitarbeiter der Werkstatt Martin Häringer. Vier der Mitarbeiter spielten eine besonders grosse Rolle: Heinrich Baumann, von 1933 bis 1942 in der Werkstatt tätig, sowie Kurt Aepli in den Jahren zwischen 1942 und 1967, waren nicht nur an der handwerklichen Ausführung, sondern auch an der künstlerischen Formung, besonders der plastischen Arbeiten beteiligt. Als dritte Person ist Martin Bucher zu nennen, der nicht nur seine Lehre in der Werkstatt Burch-Korrodi absolvierte, sondern der Firma bis zum Schluss erhalten blieb und der von Burch und seinen Mitarbeitern grosse Anerkennung genoss. Ab 1962 leitete Bucher die Werkstatt als Technischer Leiter und setzte dementsprechend alle künstlerischen Entwürfe technisch um. Schliesslich ist auch der norwegische Emailleur Berger Bergersen zu nennen, der während der letzten Werkstattjahren zum Erfolg der emaillierten Geräte und Objekte Grosses beigetragen hat.Katja Andrea Wetzel-Haas: Die Werkstatt Meinrad Burch-Korrodi. Lizentiatsarbeit. Zürich 1994, S. 5–6.

Auch wenn die Formgebung und Ausführung an Meinrad Burchs Vorstellungen und Ideale gebunden war, liess er seinen Mitarbeitern mit ihren vielseitigen Talenten und Fähigkeiten bei ihrer Arbeitsgestaltung äusserste Freiheit. Ohne den Einsatz der vielen Mitarbeiter wäre dieses Lebenswerk undenkbar gewesen.

Sammlung Meinrad Burch-Korrodi mini|Im Kellergeschoss des Ehemaligen Kollegiums in Sarnen befindet sich die Sammlungsausstellung Am 26. Februar 1972 errichteten Meinrad Burch und seine Frau Hedwig Maria Burch-Wyser die Stiftung Graphische Sammlung Meinrad Burch-Korrodi. Die Stiftung bezweckt, das Sammelgut Burchs aufzubewahren und in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Stiftungsgut besteht einerseits aus der graphischen Sammlung Burch-Korrodi, andererseits aus Gold- und Silberschmiedearbeiten von Meinrad Burch. Die Sammlung umfasst neben der eigentlichen Graphik auch Handzeichnungen, Aquarelle, Gouachen und Ölbilder sowie eine Sammlung historischer Fotografien aus Obwalden.vgl. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi (Hrsg.): Obwalden – die Landschaft und ihre Menschen in alten Darstellungen. Werke aus der graphischen Sammlung Meinrad Burch-Korrodi. Heimatmuseum Sarnen, Ausstellung vom 31. Juli – 12. September 1982. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1982, S. 6.

Unter anderem sind eine Reihe Handzeichnungen des Malers Ludwig Vogel (1788–1879), eine Porträtsammlung von Franz Andreas Heymann (1798–1873), eine Sammlung von Ölgemälden und Holzschnitten von Giuseppe Haas-Triverio (1889–1963), eine Reihe von Porträt- und Figurenzeichnungen von Wilhelm Balmer (1865–1922) (diese werden seit dem Hochwasser 2005 vermisst) und zahlreiche Zeugnisse obwaldnerischer Volkskunst in der Sammlung vertreten.

Wie in seiner Arbeit war sein Interesse auch in seiner Sammlungstätigkeit darauf gerichtet, Veränderungen der Gegenwart als solche erkennbar werden zu lassen. Seine Sammlung sollte den Betrachter auffordern, der sich verändernden Heimat kritisch entgegenzutreten. Die Sammlung graphischer Blätter wurde in diesem Sinne durch meist selbst erstellte Fotografien fortlaufend ergänzt und in die Sammlung eingegliedert.vgl. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi (Hrsg.): Obwalden – die Landschaft und ihre Menschen in alten Darstellungen. Werke aus der graphischen Sammlung Meinrad Burch-Korrodi. Heimatmuseum Sarnen, Ausstellung vom 31. Juli – 12. September 1982. Stiftung Meinrad Burch-Korrodi, Sarnen 1982, S. 7.

Der Sammlungsbestand wurde dem Kanton Obwalden als Schenkung überlassen. Um der Öffentlichkeit die Gold- und Silberschmiedearbeiten aus dem Zürcher Atelier zugänglich zu machen, wurde im Jahr 2007 im Untergeschoss des Bildungs- und Kulturdepartements im Ehemaligen Kollegium ein Ausstellungsraum geschaffen. Die Dokumentationen zu seinen kirchlichen Arbeiten übergab Burch-Korrodi 1972 dem Archiv des Klosters Engelberg.

Werk Ausgangslage für das Schaffen Burchs