mini|Eike Becker (2014) Eike Becker (* 27. Januar 1962 in Osterholz-Scharmbeck) ist ein deutscher Architekt und Designer. Seit 1999 führt er zusammen mit dem Architekten Helge Schmidt das Büro Eike Becker_Architekten mit Sitz in Berlin.

Leben Becker studierte von 1983 bis 1989 Architektur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, von 1989 bis 1990 an der École nationale supérieure d'architecture de Paris-Belleville und an der Universität Stuttgart. Dort arbeitete er im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 230 „Natürliche Konstruktionen, Leichtbau in Architektur und Natur“ am Lehrstuhl von Klaus Humpert. 1990 schloss er sein Studium mit dem Diplom an der Universität Stuttgart ab. Es folgte ein jeweils halbjähriges Praktikum erst im Büro Norman Foster Associates, dann im Büro Richard Rogers Partnership in London.

Die Entwicklung Berlins nach der deutschen Vereinigung lockte Becker in die neue Hauptstadt. Dort gründete er Ende 1991 zusammen mit den Architekten Georg Gewers, Oliver Kühn und Swantje Kühn das Büro Becker Gewers Kühn & Kühn Architekten. Zwei erste Preise bei größeren Realisierungswettbewerben 1992 und 1995 machten das Büro bekannt. Beide Projekte, die Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG in Leipzig und die Hauptverwaltung der Berliner Volksbank eG in Berlin, wurden bei BGKK von Becker geleitet. 1997 entwarf er zusammen mit Geert Lovink und anderen für die documenta X in Kassel den Hybrid WorkSpace. Dieser Raum diente als Ausstellungsort, Medienlabor und Performancebühne.

1999 gründete Becker zusammen mit Helge Schmidt das Büro Eike Becker_Architekten. Das Büro hat etwa sechzig Mitarbeiter aus zwanzig Nationen (2019) und ist auf den Gebieten des Wohnungsbaus, des Bürobaus, des Geschäftsbaus, des Hotelbaus sowie des Kulturbaus aktiv. Im selben Jahr 1999 wurde Becker auch Vorsitzender des Vorstands des KW Institute for Contemporary Art, Berlin.

Eike Becker ist der Neffe des 2018 verstorbenen CDU-Politikers Curt Becker aus Sachsen-Anhalt.

Werk Bei jedem Entwurf, so Becker, geht es um einen Hüllraum, der thermische, hygienische, visuelle und akustische Behaglichkeit bietet, um einen Hüllraum, der physisches und psychisches Wohlbefinden erzeugt, ohne die Umwelt zu schädigen. Beispielhaft zeigt sich dies an den Bürobauten der Verbundnetz Gas AG in Leipzig (1992–1997), der Rheinkalk GmbH in Wülfrath (2000–2002), der Ed. Züblin AG in Stuttgart (2000–2002) und der Stadtwerke Neuss GmbH in Neuss (2003–2007).

Ein anderes, in den Projekten Beckers immer wiederkehrendes Thema ist die Fassade als Bildschirm, das heißt als Fläche für das Spiel mit wechselndem Licht und bewegtem Bild. Diese Fassaden orientieren sich an der oft enorm synästhetischen Architektur des Barock, bei der sich bildende und bauende Kunst vereinen. Gleichzeitig nutzen diese Fassaden die Möglichkeiten hoch entwickelter Technologien der Licht- und Bildproduktion. Beispiele für diese Haltung sind die von James Turrell gestaltete Fassade des Konferenzturms der Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG in Leipzig, der Entwurf der Fassade des Arcotel Velvet in BerlinFoto der Fassade und die Dächer der Haltestelle Hauptbahnhof in Leipzig.

Die Tätigkeit des Architekten fasst Becker, in einer Art Steigerung des Begriffs Interferenz, mit dem Begriff Superferenz zusammen:

Bauten 1992–1997: VNG – Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG in Leipzig 1997: Informations-, Kommunikations- und Diskussionslabor Hybrid WorkSpace auf der documenta X in Kassel 1999–2002: ffeff – Büro- und Geschäftshaus, Friedrichstraße 148 in Berlin 1998–2000: PlanetM – Bertelsmann-Pavillon, Expo 2000 in Hannover 2000–2002: Ha² Hauptverwaltung der Rheinkalk GmbH in Wülfrath 2000–2002: Z_Zwo – Erweiterung Hauptverwaltung, Ed. Züblin AG in Stuttgart 2000–2004: Seize – Wallhöfe an der Wallstraße in Berlin 2001–2004: TiWi – Arcotel Velvet in Berlin 2003–2007: wYe – Hauptverwaltung der Stadtwerke Neuss GmbH in Neuss 2004–2006: Fling – Haltestelle Hauptbahnhof Leipzig in Leipzig 2004–2010: Zack – Büro- und Geschäftshaus an der Schloßstraße in Berlin 2005–2016: Olivaer Platz – Restaurierung eines Wohngebäudes in Berlin 2005–2013: Basou – Fehrbelliner Höfe in Berlin 2006–2013: Zirkus – Wohn-, Büro- und Hotelbau Am Zirkus in Berlin 2008–2016: R fl x – Wohnhaus, Kollwitzstraße in Berlin 2008–2016: The Garden – Wohnensemble in Berlin 2009–2012: PaLett – Hotel Steigenberger am Flughafen Berlin-Schönefeld in Berlin 2010–2013: WQtel – Hotel Steigenberger und Varietétheater im Weserquartier in Bremen 2010–2013: ThF – Tempelhofer Hafen in Berlin 2012–2016: Speyer – Wohnensemble in Speyer 2012–2016: ma|ro Büro- und Geschäftshäuser in Frankfurt am Main 2012–2017: Colours – Büro- und Wohnkomplex in Bahnstadt Heidelberg 2014–2016: Bernem – Entwurf für das Wohn- und Geschäftshaus, Arnsburger Straße in Frankfurt am Main 2014–2018: Spreeturm – Bürohochhaus am Postbahnhof in Berlin 2014–2019: Kaiserlei – Stadtquartier in Offenbach am Main 2015: Campustower – Wettbewerb Wohn- und Bürokomplex, Baakenhafen in Hamburg 2015–2018: Flughafenstraße – Mikro-Apartments, Flughafenstraße in Berlin 2015–2019: Twotel – Wettbewerb, 1. Platz, Hotelkomplex, Europaviertel in Stuttgart 2015–2020: XBergTower – Wohnkomplex in Berlin 2016–2019: TLW – Wohnhochhaus im Theodor-Loos-Weg in Berlin 2017–2020: Europa-Allee – Bürohochhaus und Hotelgebäude in Frankfurt am Main 2020–2022: FAZ-Tower – Bürohochhaus in Frankfurt am Main 2018–2024: ROCKYWOOD – Bürogebäude in Offenbach am Main 2015–2026: Revitalisierung des Postbank-Hochhauses in Berlin

Auszeichnungen Büro Becker Gewers Kühn & Kühn Architekten DEUBAU-Preis für die Hauptverwaltung Verbundnetz Gas AG, Leipzig, 1998; Balthasar-Neumann-Preis, Anerkennung, für die Hauptverwaltung Verbundnetz GAS AG, Leipzig, 1998; RIBA Award for Architecture, für die Hauptverwaltung Verbundnetz Gas AG, Leipzig, 2001 Büro Eike Becker Architekten Innovationspreis Architektur und Office, Auszeichnung, für das Büroschreibtischsystem W4, 2003; red dot design award, für das Büroschreibtischsystem W4, 2004; iF Product Design Award, Gold, für den Tafelschrank Wide Board, 2006; Office Application Award, Kategorie Best Office Concept, für die Hauptverwaltung Stadtwerke Neuss GmbH, Neuss, 2007; Gütesiegel für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, für die Erweiterung Hauptverwaltung Ed. Züblin AG, Stuttgart, 2009 European Property Award für das Projekt The Garden, Berlin, 2020/2021; Real Estate Brand Award, 2021; Outstanding Innovation Award für das Projekt TLW in der Gropius-Stadt, Berlin, 2023; IF Design Award für das Projekt Theodor-Loos-Weg, Berlin. 2024; Deutscher Immobilienpreis für ROCKYWOOD in Offenbach, 2024;

Literatur Aedes East (Hrsg.): Mix_t. Becker Gewers Kühn & Kühn Architekten. Ausstellungskatalog, Berlin 1995. Becker Gewers Kühn & Kühn Architekten BDA. Projekte und Bauten 1992-1995. Wiesbaden 1996. documenta, Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH (Hrsg.): dX. documenta X. Kurzführer. Hatje-Cantz, Ostfildern-Ruit 1997, S. 284–287. Ingeborg Flagge, Anette Hellmuth: Leipzig. Bauten 1989-1999. Birkhäuser, Basel et al. 1999, S. 138–143. Miriam Wiesel, Peter Herbstreuth (Hrsg.): Children of Berlin. Voices, Berlin / New York 1999, S. 7–9. Eike Becker: Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG Leipzig. Becker Gewers Kühn & Kühn Architekten. München 1999, ISBN 3-7913-2130-7. AIT Architektur Innenarchitektur Technischer Ausbau, Heft 10/2004, S. 84–86. Architektur Aktuell, Heft 4/2005, S. 50–59. Karl-Werner Schulte, Stephan Bone-Winkel (Hrsg.): Handbuch Immobilien-Projektentwicklung. Köln 2008, S. 697–719. Superferenz. Eike Becker_Architekten. Hatje-Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3150-8.

Weblinks

Website von Eike Becker_Architekten Interview mit Eike Becker über sein Projekt The Garden Living Baunetz - Eike Becker

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Deutschland) Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1962 Kategorie:Mann