Das Salzbergwerk Stetten, oft auch Salzwerk Stetten genannt, liegt am Südrand des Ortes Stetten bei Haigerloch im Zollernalbkreis und ist das älteste bergmännisch abbauende Salzbergwerk Deutschlands, das heute noch betrieben wird. Salz der Erde – 150 Jahre Salzbergwerk Stetten. Festschrift der Wacker Chemie AG. Abschnitt: „Wirtschaft“. (PDF, 1,2 MB)
Geschichte 1850 gelangten die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen an das Königreich Preußen. Hintergrund war die Amtsniederlegung der beiden hohenzollerschen Fürsten infolge der Märzunruhen von 1848, hierdurch waren die zuvor geschlossenen Erbverträge der Fürstentümer mit Preußen in Kraft getreten.
Angesichts der guten Erträge der Salinen von Sulz am Neckar, Wilhelmshall bei Schwenningen, Rottenmünster in Rottweil sowie weiterer Salinen in Bad Dürrheim und Bad Rappenau im nahegelegenen Großherzogtum Baden sah sich die preußische Regierung veranlasst, auch in den neu hinzugewonnenen Gebieten Hohenzollerns nach Bodenschätzen suchen zu lassen.
Besitzverhältnisse Durch den Zusammenschluss mit dem Königreich Preußen fielen die Erkundung und der Betrieb des Salzwerkes unter die Oberhoheit des Preußischen Staates (Bergfiskus), der als Eigentümer fungierte. Zum 15. Februar 1924 wurde das Salzwerk in den Besitz der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG überführt, einer Vorgängerin der Preussag AG. Bereits seit dem vorangegangenen Jahr bezog die Dr. Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie GmbH aus München (heute Wacker Chemie AG) große Mengen Steinsalz aus Stetten. Das Unternehmen benötigte das Salz für die Chlor-Alkali-Elektrolyse in seinem Werk in Burghausen. Die Wacker Chemie pachtete das Salzwerk zum 1. März 1924 und erwarb es im Oktober 1960 käuflich. Zum Bergwerk gehörten 1960 neben den Tagesanlagen vier Grubenfelder mit einer Fläche von insgesamt 8,8 km2. Diese erstreckten sich über die Markungen Stetten, Haigerloch, Gruol und Owingen (Haigerloch) im ehemaligen Landkreis Hechingen (heute Zollernalbkreis).
Geologie Das Steinsalzlager liegt im Grubenfeld des Salzbergwerkes in einer Höhe von 320–370 m über NN, das entspricht 80–130 m Teufe (unter der Tagesoberfläche). In diesem Bereich hat das Lager eine Mächtigkeit von 6–10 m. Das Salz ist mit 97–98 % sehr rein und so für den Einsatz als Industriesalz oder auch Streusalz bestens geeignet.
Das Lager fällt mit durchschnittlich 2–3 Grad von Nordwest nach Südost ein, stellenweise treten Verwerfungen auf. Das Hangende der Lagerstätte wird aus Ton- und Dolomitstein gebildet. Diesem schließt sich unmittelbar über dem Steinsalz eine 0,7–1,0 m mächtige Schicht von Bändersalz an, die hier „Tonsalz“ genannt wird. Darunter liegt das eigentliche Lager aus grobspältigem Steinsalz, das bis zu 5 m mächtig ist – einzig dieser Teil, der nur geringe Beimengungen enthält, wird abgebaut. Diesem Bereich folgt eine 0,1 bis 0,6 m mächtige Anhydritzone, darunter eine weitere 3–4 m mächtige Steinsalzschicht, die aber wegen ihres hohen Ton- und Anhydritgehaltes nicht abgebaut wird. Das Liegende wird von einer 2–3 m starken Schicht Grundanhydrit (schwarzgraue Anhydrite) gebildet, dem sich eine etwa ebenso starke Dolomitschicht anschließt. Den Abschluss bildet eine 7 m starke Schicht Tonmergel, die an vielen Stellen CO2-führend ist.
Erkundung der Lagerstätte Die Suche nach Bodenschätzen wurde im Oktober 1852 mit einer Probebohrung aufgenommen. Diese Bohrung 1 wurde 600 m südöstlich von Stetten und rechts, das heißt östlich, der Eyach angesetzt. Der Ansatzpunkt lag etwa 5 m oberhalb des Flusses bei einem Niveau von 450 m über NN. Im März 1853 stieß man in einer Teufe von 123 m auf das Salzlager, das an dieser Stelle eine Gesamtmächtigkeit von 8,80 m aufwies. Zur Überprüfung wurde 1853 eine weitere Bohrung niedergebracht, diese lag etwa 1,5 km westlich des ersten Standortes, gegenüber der Einmündung der Stunzach in die Eyach, auf einem Niveau von 437 m über NN. Hier wurde das Salzlager bereits in einer Teufe von 77 m angetroffen, an dieser Stelle hatte es aber nur eine Gesamtmächtigkeit von 2,25 m.
In den Jahren 1944, 1965, 1973 und 2004 wurde mit weiteren Erkundungsbohrungen die Ausdehnung des Salzlagers überprüft. Die Ergebnisse der Messungen zeigten, dass es genügend Vorräte für eine Weiterführung des Betriebes gab.
Das Abbaufeld beschränkte sich anfangs auf das Mündungsdreieck der Stunzach in die Eyach. Heute (2012) reicht dieses bis zum östlich verlaufenden Rötenbach (einem weiteren Nebenfluss der Eyach) und erstreckt sich bis etwa 5 km südlich des Schachtes. Das untertägige Streckennetz hat eine Länge von über 240 km (Stand 2004).
Bauarbeiten 1854–1858 miniatur|Lageplan des Salzwerkes Stetten bei Haigerloch (um 1924) Anfang März 1854 begannen die Abteufarbeiten für den Schacht. Man hatte hierzu eine Stelle etwa in der Mitte zwischen den beiden Probebohrungen gewählt. Der Platz lag links der Eyach auf einer Anhöhe 12,5 m (449,54 m über NN) oberhalb des Flusses, so konnte man die Wasserkraft nutzen, war aber sicher vor einem Hochwasser. Beim Abteufen traten erste Probleme auf, als zwischen 51 und 68 m Teufe, im unteren Bereich der hangenden Dolomite des Mittleren Muschelkalks, erhebliche Wasserzuflüsse auftraten. Diese gingen später zurück und durch die Ausmauerung des Schachtes gelang es, sie so weit zu reduzieren, dass das restliche anfallende Wasser abgepumpt werden konnte.
Als im Dezember 1855 bei einer Teufe von 100 Metern unerwartete Kohlensäureeinbrüche auftraten, wurden die Schachtbauarbeiten eingestellt. Der Schacht wurde bis zur Teufe von 98 Metern aufgefüllt und abgedichtet. Die noch austretende Kohlensäure wurde abgefangen und durch eine Leitung über den zur Eyach führenden Wasserlösungsstollen abgeführt. In der Folgezeit wurde der Schacht ausgemauert und über Tage wurden Fördergerüst und Fördermaschine aufgestellt.
Der Schacht war mit einer lichten Weite von 3,20 × 4,80 m angelegt worden. Die erste in elliptischem Querschnitt ausgeführte Ausmauerung in Naturstein war im unteren Bereich etwa 70 cm stark, weiter oben verjüngte sie sich auf 40 cm. Das Material stammte aus den nahen Steinbruch bei Weildorf. Ende des 19. Jahrhunderts mussten erstmals die Schachteinbauten ausgetauscht werden und 1920 wurde die Schachtmauerung erneuert. Das bis dahin hölzerne Fördergerüst wurde 1926 bei Erneuerungsarbeiten durch einen eisernen Förderturm ersetzt und es wurde eine neue elektrische Fördermaschine aufgestellt. Ferner wurden 1973 größere Ausbesserungsarbeiten im Schacht ausgeführt.
Der Bau der Tagesanlagen war bereits 1854 begonnen worden, dazu gehörten neben dem Schachthaus die Werkstätten, eine Salzmühle und die Energieversorgung, weiter auch Wohngebäude und eine Saline. Diese Bauarbeiten wurden 1858 mit der Inbetriebnahme der Saline abgeschlossen. Ein großer Teil dieser in Massivbauweise errichteten Gebäude wird heute noch genutzt.
Schachtbauarbeiten 1944 bis 2008 Im Jahr 1944 wurden Arbeiten zu einem weiteren Vertikalschacht nördlich des Abbaufeldes aufgenommen. Auftraggeber war die Organisation Todt, die das Salzwerk für rüstungstechnische Zwecke nutzen wollte. Bei Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Arbeiten eingestellt und der bis 15 m niedergebrachte Schacht wurde wieder verfüllt.
Erster Schrägschacht 1966–1968 miniatur|Einfahrt zum ersten Schrägschacht Mitte der 1960er Jahre zeichnete sich ab, dass der 1854 abgeteufte Vertikalschacht für die steigenden Absatzmengen nicht mehr ausreichte. Überdies war es erforderlich, die Wetterführung zu verbessern und einen zweiten Schacht als Fluchtweg für die Belegschaft zu schaffen. Man entschied sich für den Neubau eines Schrägschachtes, der zum einen mit einer Transportbandanlage ausgestattet werden sollte, zum anderen aber auch genügend Platz bieten sollte, um schwere Geräte nach unter Tage verbringen zu können, ohne diese vorher weitgehend zu zerlegen.
Die Teufarbeiten wurden an die Gewerkschaft Walter aus Essen (heute Deilmann-Haniel Shaftsinking GmbH) vergeben. Der Schrägschacht erhielt ein Lichtraumprofil von 4 m Breite und 2,5 m Höhe. Der Ansatzpunkt des 360 m langen Schachtes lag bei 439,8 m über NN, der Schacht führte bei einer Neigung von 17,5° bis auf 334 m über NN.
Die Schachtbauarbeiten wurden 1966 begonnen. Die Arbeiten wurden häufig durch Wasserzuflüsse mit bis zu 800 l/min behindert, dabei entfielen nur 30 % der Bauzeit auf Vortriebsarbeiten, die übrige Zeit wurde für Abdichtungs- und Säuberungsarbeiten benötigt. Nach zweijähriger Bauzeit erfolgte am 14. Juni 1968 der Durchschlag zur Grube, im Dezember 1968 wurde der Schrägschacht in Betrieb genommen.
Zweiter Schrägschacht 2007–2008 miniatur|Einfahrt Clara-Stollen Ein zweiter Schrägschacht mit einem Querschnitt von 36 m2 wurde zwischen Juni 2007 und Mai 2008 niedergebracht. Dieser 891,5 m lange Clara-Stollen kann von Lastkraftwagen bis vor Ort befahren werden und gestattet sowohl eine kostengünstige Verladung des unter Tage gewonnenen und dort aufbereiteten Salzes als auch die Anlieferung von Versatz zum Verfüllen der Hohlräume.
LKW-Verladeturm 2012 miniatur|hochkant|LKW-Verladeturm Im Jahr 2012 wurde ein neuer LKW-Verladeturm fertiggestellt.
Betrieb des Bergwerks Aus- und Vorrichtung des Bergwerks Durch Teufarbeiten im benachbarten Bergwerk bei Bergfelden wusste man, dass sich die kohlesäureführenden Schichten im Liegenden (also unterhalb) des Salzlagers befanden. Der Stettener Schacht befand sich also außerhalb des Salzlagers und dieses musste jetzt durch Erkundungsstollen aufgefunden werden. Die erste Untersuchungsstrecke wurde 1856 nach Norden aufgefahren, diese brachte aber keine Ergebnisse, ebenso wie eine nach Westen angesetzte Querstrecke. Erst über eine dritte nach Süden führende Strecke wurde man am Anfang Juli 1857 endlich fündig. Die Lagerstätte wurde dann von hier aus in östlicher Richtung aufgefahren. Noch im selben Jahr wurde die Salzförderung aufgenommen.
Abbauverfahren Zum Abbau des Salzlagers wurden von der annähernd west-/östlich verlaufenden Hauptstrecke 3–6 m breite Örter vorbereitet, die in etwa diagonal zur Hauptstrecke ausgerichtet waren. Zum Abbau des Steinsalzes wurde anfangs das Wasserschlitzverfahren angewendet. Hierbei wurden durch Aufspritzen von Süßwasser auf das Steinsalz zuerst Schlitze in das Lager „geschnitten“. Die ablaufende Sole, die etwa 14–16 % Salz enthielt, wurde aufgefangen und der Saline zur Weiterverarbeitung zugeführt. Die stehengebliebenen Schichten des Steinsalzes wurden dann angebohrt und mit Schwarzpulver weggesprengt. Dieses Verfahren bot im Zusammenhang mit der betriebenen Saline einige Vorteile, es zeigte sich aber auch, dass durch den Einsatz des Wassers die Standfestigkeit der zur Einsturzsicherung stehengelassenen Salzpfeiler bedroht war. Ab 1875 wurde das Salz ausschließlich durch Sprengarbeiten gewonnen und die Grube blieb nun trocken.
Zwei Jahre später wurde das Abbauverfahren geändert und anstelle des Örterbaus der Pfeilerbau eingeführt. Der Abbau erfolgte dabei in rechtwinklig zueinander verlaufenden Strecken, die eine Breite von 11 m hatten. Zwischen diesen ließ man zur Abstützung quadratische Pfeiler von 8 × 8 m stehen. Von oben betrachtet ergab sich so ein schachbrettähnliches Muster. Bei diesem Abbauverfahren beliefen sich die Abbauverluste durch die stehenbleibenden Pfeiler, die ja auch aus Steinsalz bestanden, auf etwa 25 bis 30 %. Zur zusätzlichen Sicherheit ließ man ab den 1930er Jahren längs der Hauptförderstrecke größere Sicherheitspfeiler stehen.