mini|Saarland und Umgebung Die Wasserversorgung im Saargebiet fand vor der flächendeckenden zentralen Trinkwasserversorgung, die um 1900 initiiert wurde, auf verschiedene Weisen statt.
Geschichte Vorgeschichtliche und vorrömische Zeit Steinzeitliche Siedlungen sind im Saargebiet für die Gegend um Saarbrücken, die Region um St. Ingbert und das Schaumberggebiet nachgewiesen, wo sich natürliche Wasservorkommen fanden und leicht nutzen ließen. In der Mittelsteinzeit etwa gab es kleine landwirtschaftliche Ansiedlungen an der Nied und an Quellen beim heutigen Hemmersdorf. mini|Fürstinnengrab von Reinheim In der Bronze-, Kupfer- und Eisenzeit wurde Wasser nicht mehr nur als Lebensmittel, sondern auch für verschiedene Handwerke benötigt. Der wasserreiche Südteil des Saarpfalz-Kreises wurde in dieser Zeit besonders besiedelt. Neben Niederlassungen bei Furten und allgemein in Flusstälern, von denen etwa das Fürstinnengrab von Reinheim in der Talaue der Blies zeugt, wurden damals auch schon befestigte stadtartige Siedlungen auf Hügeln und Bergen angelegt, etwa auf dem Dollberg bei Ottenhausen, dem Limberg bei Wallerfangen oder dem Großen Stiefel bei St. Ingbert. Spuren spezieller wasserbautechnischer Einrichtungen aus dieser Zeit wurden im Saargebiet jedoch bislang nicht gefunden, obwohl aus anderen Regionen z. B. Zisternen und Wassergruben aus der Phase der Bandkeramik bekannt sind. Im Vergleich zu Württemberg oder dem Rheinland, wo solche Funde vorliegen, ist die Niederschlagsmenge in der Saarregion jedoch deutlich höher, was, zusammen mit wasserspeichernden Gesteinsschichten, das Fehlen derartiger Anlagen aus vorrömischer Zeit erklärt.Hans-Henning Krämer, Vom Dorfbrunnen zum Wasserwerk. Geschichte der Trinkwasserversorgung an der Saar, Gollenstein Verlag 1999, ISBN 3-933389-07-0
Römerzeit In der Saarregion kreuzten sich diverse römische Fernverkehrs- und Verbindungsstraßen; Vici und Villae rusticae sowie urbanae wurden angelegt. Schwarzenacker dürfte etwa 2000 Einwohner gehabt haben. Die Römer brachten ihren Lebensstandard auch in die Provinzen mit: Köln etwa wurde um 50 n. Chr. über einen 76 km langen Aquädukt mit Eifelwasser versorgt, Trier als größte römische Stadt nördlich der Alpen besaß zunächst zwei kleinere Wasserleitungssysteme und erhielt unter Kaiser Probus eine Kanalleitung, die mit Ruwerwasser gespeist wurde und bis ins Mittelalter Bestand hatte.
In der Saarregion gab es zwar keine derartig ausgedehnten römischen Ansiedlungen, aber unter anderem zahlreiche Handwerks- und Fabrikbetriebe, die auf eine funktionierende Wasserversorgung angewiesen waren. In Blickweiler etwa wurde 1913 die Abfallgrube einer Terra-sigillata-Fabrik gefunden, die über einen Brunnen mit Eichenbohlen versorgt wurde. mini|Benediktinerabtei in Tholey Auch in privaten Wohnbauten von relativ bescheidenem Umfang gehörten Baderäume zur normalen Ausstattung. So besaß etwa die Römervilla in Freisen zunächst nur sieben Räume, von denen jedoch einer als Bad genutzt wurde. Die gotische Abteikirche in Tholey wurde über einem römischen Badehaus errichtet. Dieses besaß ein Kaltbad mit zwei gemauerten Wannen sowie mehreren heizbaren Räumlichkeiten und wurde über einen Graben, der vom Schaumberg herabführte, mit Wasser versorgt. In den Wannen wurden später verstorbene Benediktinermönche bestattet.
Einzelstehende Badehäuser wie in Tholey gab es auch in Erfweiler-Ehlingen und in Nennig. Den größten Aufwand betrieben die Erbauer bei der Villa in Nennig. Das Badehaus dieser Anlage war durch eine überdachte Wandelhalle vom Wohntrakt her zu erreichen und besaß ein 65 m² großes Schwimmbecken, das beheizt werden konnte. Daneben gab es sieben weitere Baderäume, drei davon ebenfalls heizbar. mini|Römervilla in Perl-Borg Auch die Villa in Borg besaß eine aufwändig ausgestaltete Badeanlage und bereits der Zugang zur Villa fand auf einem Steg über einem Wasserbecken statt.
In den Landstädten dagegen wurden keine privaten römischen Bäder eingerichtet, sondern öffentliche Thermen sowie Laufbrunnen. Während für Schwarzenacker eine Therme bislang nicht nachgewiesen ist, deren Existenz jedoch als sicher angenommen wird, wurde in Bliesbrücken eine römische Badeanlage ausgegraben.
Neben den Funktionen als Lebensmittel und Mittel der Körperpflege spielte Wasser in römischer Zeit auch bei Kulthandlungen eine wichtige Rolle. Als 1903 eine Wasserleitung für Niedaltdorf angelegt wurde, entdeckte man ein gallorömisches Quellheiligtum bei Ihn. Die Tempelanlage bestand aus drei Sakralbauten und einem Brunnen mit sechseckigem Wasserbecken. Wahrscheinlich wurde sie wie ein Wallfahrtsort genutzt. Ein weiteres Heiligtum wurde 1927 im Bierbacher Klosterwald entdeckt. Hier gab es neben dem Tempelbezirk mit Vorhof einen Ziehbrunnen.
Dieser Ziehbrunnen bildete allerdings eher eine Ausnahme, da in römischer Zeit im Saargebiet vorwiegend noch auf Quellwasser zurückgegriffen wurde. Die Quellen wurden in Brunnenstuben gefasst und das Wasser wurde mit Deicheln an den Ort seiner Bestimmung geleitet. Neben Holzdeicheln wie in Saarbrücken, Wellesweiler und Dillingen wurden auch Ton-, Kalk-, Blei- und Bruchsteinkonstruktionen verwendet, wie Funde aus Fremersdorf, Tholey und Hirzweiler belegen. In Überherrn wurde eine Wasserleitung auch in Flechtwerk mit senkrechten Pflöcken gefasst. Häufig wurden auch in Sandstein gehauene Rillen mit Abdeckungen genutzt; Sandsteinbassins hatten zudem den Vorteil, dass sie für eine natürliche Klärung des Wassers sorgten. Hausleitungen von den Sammelbassins aus bestanden in der Regel aus Blei.
Eine technische Meisterleistung stellte die Wasserleitung des Vicus Saravus am Halberg dar, die vom Südhang des Schwarzenberges – heute als Römerbrünnchen bezeichnet – um den Eschberg herumführte. Die Leitung speiste eine Badeanlage im Römerkastell.
Von den Wasserleitungen und den übrigen Einrichtungen aus römischer Zeit sind nur Spuren, aber keine funktionstüchtigen Exemplare erhalten geblieben, da sie entweder von den Germanen oder durch den Zahn der Zeit zerstört wurden.
Burgen, Klöster und Schlösser Ein Rückschritt stellte sich durch die germanische Landnahme ein, da die römischen Einrichtungen entweder absichtlich zerstört oder nicht mehr fachgemäß gewartet wurden. Man griff nun wieder verstärkt auf natürliche Gewässer zurück und siedelte sich vorrangig dort an, wo diese leicht zugänglich waren. Ortsnamen aus der Rodungszeit mit den Endungen -bruch, -born oder -bach deuten auf den Wasserreichtum der gewählten Stellen hin. In den Dörfern wurden häufig Wasserlöcher direkt neben den Wohnhäusern angelegt, die z. B. in Diefflen unter dem Namen „Burkeschen“ bis ins 19. Jahrhundert erhalten blieben. Das Wasser aus solchen Mulden konnte jedoch, weil es zahlreichen Verschmutzungen ausgesetzt war, meist nur als Brauchwasser benutzt werden.
Hochmittelalterliche Burgenanlagen jedoch waren auf ausgeklügeltere Anlagen zur Wasserversorgung angewiesen, da sie ohne Zugang zu Trinkwasser leicht zu erobern gewesen wären und durch ihre Lage auf möglichst unzugänglichen Berghöhen kaum auf Quellen innerhalb der Anlage zurückgreifen konnten. Daher wurden in einigen Fällen Zisternen gemauert oder in den Fels gehauen – so etwa bei der Liebenburg bei Hofeld, deren sieben Meter tiefe Zisterne mit Hammer und Meißel aus dem Fels gearbeitet wurde. Ein Filter aus Sand, Kies und Steinen sollte das Wasser reinigen. Oberirdisch wurde die Zisterne durch einen Fachwerkbau geschützt. Problematisch an den Zisternen war jedoch die geringe Wassermenge, die zur Verfügung stand und zudem leicht erwärmt und verschmutzt werden konnte, weshalb auf anderen Burgen auch Brunnenanlagen gebaut wurden, die z. T. bis in 100 Meter Tiefe getrieben wurden. mini|Die Wasserversorgung der Burg Montclair konnte nicht geschützt werden. Die Schwarzenburg bei Lockweiler etwa wurde mit einer Vorburg ausgestattet, die den Brunnen schützen sollte. Auch die Quellen, die die Burg Montclair versorgten, wurden durch Jakob von Montclair mit einem Wassergraben, Mauern und einem Turm geschützt. 1351 wurde die Burg zunächst erfolglos belagert, doch schließlich gelang es dem Erzbischof Balduin von Luxemburg, diesen Turm abzubrennen, die Quelle abzugraben und Montclair in Schutt und Asche zu legen.
Noch aufwändiger als auf Montclair war die Wasserversorgung auf Burg Homburg auf dem Schlossberg. Nachdem man sowohl mit der Wasservorratshaltung in Zisternen als auch mit dem Transport durch Esel keine zufriedenstellenden Erfahrungen gemacht hatte, setzte Graf Johann IV., der die Homburg im Jahr 1544 übernahm, auf ein anderes Konzept. Er beauftragte 1571 den Kemptener Brunnenmacher Hans Sommer, die Burg mit Wasser von einem Brunnen im Erbachtal zu versorgen. Da hier ein Höhenunterschied von etwa 100 Metern überwunden werden musste, war Sommer darauf angewiesen, eine Wasserkunst zu konstruieren, die diese Hebung möglich machte. Er wurde beauftragt, die technischen Anlagen zu konstruieren und bis Straßburg zu transportieren, von wo aus der Graf dann die Weiterbeförderung übernehmen sollte. Nur die Bleileitungen selbst sollten in Homburg gegossen werden. Die Homburger Wasserkunst dürfte große Ähnlichkeit mit dem Nürnberger Blausternwerk gehabt haben, das 1483 eingerichtet wurde. Hans Sommer stellte die Anlage, in der Wasser durch zwei Kolbenstangen, die von einem Fließgewässer per Kurbelwelle angetrieben wurde, in ein Saugrohr und dann in einen Zylinder gezogen und dann über ein Druckrohr geleitet wurde, erst nach dem Tod des Auftraggebers fertig und wurde im März 1575 dafür entlohnt. Sein Werk war mindestens bis in die Zeit der Französischen Revolution in Betrieb, danach wurde es wohl zerstört. mini|Abtei Wadgassen, Kupferstich von 1736 In Klöstern wie z. B. der 1135 angelegten Abtei Wadgassen wurde Wasser frühzeitig auch als Produktionsmittel genutzt, unter anderem für die Bierbrauerei. Darüber hinaus wurden in Wadgassen, wie ein Kupferstich aus dem Jahr 1736 bezeugt, auch Anlagen wie eine Schmiede, Springbrunnen, ein Waschhaus etc. errichtet, die alle mit Wasser versorgt werden mussten. Wadgassen wurde einerseits mit Wasser aus der Saar, andererseits über hölzerne Leitungen aus dem Quellgebiet im angrenzenden Wald mit Wasser versorgt. Auch andere Klöster wie Fraulautern oder Wörschweiler waren mit Einrichtungen ausgestattet, die einen erheblichen Wasserbedarf hatten.
Schlösser und Parks hingegen wurden auch aus repräsentativen Gründen mit Wasser versorgt. Wohl die älteste Wasserleitung bei einem Schloss im Saargebiet ist für das Schloss Saarbrücken bezeugt. Sie wurde 1545 unter Graf Philipp II. angelegt. Die Leitung führte von einer Brunnenstube am Homburg durch das Sulzbachtal und dann bis zu einem ersten Springbrunnen am Zollhaus. Von dort führte sie in den Schlossgraben und ins Schloss, wo sie einen zweiten Springbrunnen versorgte. Vom Schlossplatz aus führte eine Leitung auch in die Talstraße und eine zweite zum Herrgottsbrunnen. Ferner wurden Küche und Wasserstube in der Burg mit Wasser versorgt.
1575 wurde die Wasserversorgung für das Renaissanceschloss in Neunkirchen angelegt. Genutzt wurden Quellen auf der Spieserhöhe, nämlich die Altseitersquelle und der Rippelborn sowie der Katzenborn. Sie versorgten den Wallgraben und den Katzenweiher des Schlosses, das außerdem noch einen Ziehbrunnen besaß. Überreste der Leitungen wurden 1996 bei Bauarbeiten gefunden.
Herzog Gustav Samuel aus Zweibrücken wählte den Klosterberg bei Wörschweiler als Bauplatz für ein Lustschloss seiner Mätresse und späteren Gattin Luise Hoffmann, weil dort Wasser leicht zu bekommen war. Sein Nachfolger Christian IV. errichtete in Jägersburg das größte Jagdschloss in Südwestdeutschland, das mit einer riesigen Fontäne geschmückt wurde. Eine 1762 angelegte Tonrohrleitung führte das notwendige Wasser aus dem Quellgebiet der Glan zum Schloss.