mini|hochkant=1.8|Typisches Szenario während eines Rugby-Union-Spiels Rugby Union, gemeinhin einfach Rugby oder auch Fünfzehner-Rugby genannt, ist ein Vollkontakt-Ballsport, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England entstand. Benannt ist er nach seinem Entstehungsort, der Rugby School in der Stadt Rugby. Er ist neben Rugby League eine der beiden Hauptvarianten der Rugby-Familie. Ein Spiel wird zwischen zwei Mannschaften mit je 15 Spielern ausgetragen, die auf einem rechteckigen Feld versuchen, während 80 Minuten einen ovalen Ball am Gegner vorbei ans entgegengesetzte Ende zu tragen, zu werfen oder zu kicken und dadurch Punkte zu erzielen.

1845 verfassten Schüler der Rugby School die ersten Regeln. Weitere wichtige Entwicklungsschritte waren 1863 die Zurückweisung der Regeln der Football Association und 1895 die Abspaltung von Rugby League. Historisch war Rugby Union ein reiner Amateursport, aber 1995 fielen die Beschränkungen für die Bezahlung von Spielern, wodurch auf höchstem Niveau die professionelle Ära begann. World Rugby, ursprünglich International Rugby Board genannt, ist seit 1886 der Dachverband. Von England aus verbreitete sich Rugby Union über weite Teile der Welt. Es wird vor allem auf den Britischen Inseln, in Frankreich, Georgien, Ozeanien, Südafrika, Argentinien, Nordamerika und Japan gespielt. Während die Briten den Sport in den Ländern des Empires verbreiteten, war in Kontinentaleuropa und in weiten Teilen Afrikas insbesondere der französische Einfluss maßgebend.

Die erste internationale Begegnung wurde 1871 in Edinburgh zwischen Schottland und England ausgetragen. Die erstmals 1987 ausgetragene Weltmeisterschaft findet alle vier Jahre statt und ist der wichtigste Wettbewerb. Das Six Nations in Europa und die Rugby Championship in der südlichen Hemisphäre sind weitere bedeutende internationale Wettbewerbe. Zu den wichtigsten nationalen Wettbewerben gehören Premiership Rugby in England, die Top 14 in Frankreich, die Bunnings NPC in Neuseeland, die Japan Rugby League One und der Currie Cup in Südafrika. Wichtige länderübergreifende Vereinswettbewerbe sind die United Rugby Championship mit Mannschaften aus Irland, Italien, Schottland, Südafrika und Wales sowie Super Rugby in Ozeanien.

Mannschaften und Positionen

Jede Mannschaft beginnt das Spiel mit 15 Spielern auf dem Feld und sieben oder acht Auswechselspielern.World Rugby: Mannschaft. In: Regeln des Spiels, S. 31. Eine Mannschaft umfasst acht Stürmer und sieben Verteidiger. Für jede Position sind unterschiedliche physische und technische Eigenschaften erforderlich, weshalb Rugby Union bisweilen als „Spiel für alle Körperformen und -größen“ bezeichnet wird. mini|Die Stürmer sind im Gedränge gebunden, während die Spieler der Hintermannschaft über das Feld positioniert sind

Spielerpositionen im Rugby Union 1 Linker Pfeiler 2 Hakler 3 Rechter Pfeiler 4 Zweite-Reihe-Stürmer 5 Zweite-Reihe-Stürmer 6 LinkerFlügelstürmer 8 Nummer Acht 7 RechterFlügelstürmer   9 Gedrängehalb 10 Verbindungshalb 12 ErsterInnendreiviertel 13 ZweiterInnendreiviertel 11 LinkerAußendreiviertel 14 RechterAußendreiviertel 15 Schlussmann

Stürmer Die Hauptaufgabe der Stürmer () besteht darin, den Ball zu erobern und zu halten. Sie spielen eine wichtige Rolle beim Tackling von Gegenspielern und im offenen Gedränge (). Die Spieler auf diesen Positionen sind in der Regel größer und stärker als die übrigen; sie nehmen am Gedränge () und an der Gasse () teil. Oft werden sie als bezeichnet, vor allem in der Gedrängeformation.

Die vordere Stürmerreihe () besteht aus zwei Pfeilern () und dem Hakler (). Die Aufgabe der Pfeiler ist es, die Mitspieler im Gedränge und in der Gasse zu unterstützen sowie im offenen Gedränge für Kraft und Vorwärtsbewegung zu sorgen. Der Hakler nimmt eine Schlüsselposition im Angriffs- und Verteidigungsspiel ein; er ist für den Ballgewinn im Gedränge verantwortlich und wirft den Ball in die Gasse. Die zweite Stürmerreihe () besteht aus zwei Zweite-Reihe-Stürmern (), den größten Spielern der Mannschaft. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, beim Gasseneinwurf einen Sprung aus dem Stand zu machen – oft unterstützt von den anderen Stürmern –, um entweder den geworfenen Ball zu fangen oder dafür zu sorgen, dass er auf der eigenen Seite landet. Sie spielen auch eine wichtige Rolle im Gedränge, indem sie sich direkt hinter der ersten Stürmerreihe einreihen und für zusätzlichen Vorwärtsdrang sorgen.

Die hintere Stürmerreihe () besteht aus zwei Flügelstürmern () und der Nummer 8 (). Die Flügelpositionen bilden die dritte Reihe im Gedränge und sind normalerweise die beweglichsten Stürmer im Spiel. Ihre Hauptaufgabe ist die Eroberung des Ballbesitzes. Die Nummer 8 steht zwischen den beiden Flügelstürmern am Ende des Gedränges. Seine Rolle ist es, den Ball zu kontrollieren, nachdem er vom vorderen Teil des zurückgeworfen wurde, und er stellt während der Angriffsphasen eine Verbindung zwischen den Stürmern und den Verteidigern her.

Hintermannschaft Die Aufgabe der Hintermannschaft () besteht darin, Chancen für das Erzielen von Punkten zu schaffen und auszunutzen. Sie sind im Allgemeinen kleiner, schneller und wendiger als die Stürmer. Ebenso werden von ihnen bessere Fähigkeiten beim Kicken und der Handhabung des Balls erwartet.

Zu den Halbspielern () gehören der Gedrängehalb () und der Verbindungshalb (). Als Bindeglied zwischen Stürmern und Hintermannschaft steht der Gedrängehalb oft im Zentrum des Spielgeschehens. Er bildet meist die erste Verteidigungslinie und steht hinter jedem Gedränge, um den Ball aus der Gefahrenzone herauszubringen. Der Verbindungshalb ist entscheidend für die Umsetzung der Spieltaktik der Mannschaft und gilt als dessen zentrale Schaltstelle. Er muss entschlossen handeln können und Führungsqualitäten besitzen. Viele Spieler auf dieser Position führen auch die Frei- und Straftritte durch.

In der Dreiviertelreihe () gibt es vier Spieler. Die Innendreiviertel () versuchen, die angreifenden Spieler aufzuhalten, während sie im Angriff ihre Schnelligkeit und Stärke einsetzen, um die gegnerische Verteidigung zu durchbrechen. Die Außendreiviertel () halten sich in der Regel an der Außenseite der Abwehrreihe auf. Sie sind üblicherweise diejenigen Spieler, die Spielzüge abschließen und Versuche erzielen. Meist sind sie die schnellsten Spieler der Mannschaft und können deswegen Tacklings ausweichen. Der Schlussmann () steht einige Meter hinter der Abwehrreihe. Er fängt gegnerische Kicks ab und leitet häufig Gegenangriffe ein. Zu seinen wichtigsten Eigenschaften gehören verlässliche Fangfähigkeiten und zielsicheres Kicken.

Spielregeln

Spielfeld mini|Diagramm eines Rugby-Spielfelds mit Markierungen und Entfernungen (in Metern) Die Spielanlage () besteht aus der eigentlichen Spielfläche (), den an beiden Enden anschließenden Malfeldern () und dem Perimeterbereich (). Spielfläche und Malfelder zusammen ergeben das Spielfeld ().World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 27. Eine typische Spielfläche ist 100 m lang und 70 m breit. Je nach den spezifischen Anforderungen des Geländes kann die Länge auch nur 94 m und die Breite nur 68 m betragen.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 26. Durch diese Flexibilität ist es beispielsweise möglich, auch Stadien zu nutzen, in denen auch Fußball oder Rugby League gespielt wird.

Die Spielfläche wird durch eine durchgezogene Mittellinie () geteilt, die senkrecht zu den Seitenauslinien () gezogen wird. Eine 50 cm lange Linie wird senkrecht zur Mittellinie gezogen und kennzeichnet den Bereich, in dem die Abstöße ausgeführt werden. Die Bereiche zwischen der Mallinie () und der Mittellinie sind die Spielfeldhälften. Außerdem werden zwei durchgezogene Linien senkrecht zu den Seitenauslinien gezogen, die 22 Meter von jedem Ende des Spielfelds entfernt sind und als 22-Meter-Linien bezeichnet werden. An beiden Enden der Spielfläche befindet sich ein Bereich, der von den Seitenauslinien, der Mallinie und der 22-Meter-Linie begrenzt wird, diese aber nicht einschließt.

In beiden Hälften werden zusätzliche unterbrochene Linien von fünf Metern Länge gezogen, die jeweils einen bestimmten Zweck erfüllen: 10-Meter-Linien: Gestrichelte Linien zehn Meter beidseits der Mittellinie und parallel zu dieser geben die Mindestentfernung an, die eine Mannschaft zwischen sich und der anderen, die einen Antritt oder Wiederantritt ausführt, einhalten muss.World Rugby: Antritt und Wiederantritt. In: Regeln des Spiels, S. 64. 5-Meter-Linien: Gestrichelte Linien, die fünf Meter ins Spielfeld hineinreichen und parallel zur Mallinie verlaufen. Ein Gedränge oder Seiteneinwurf darf nicht näher als bis zu einer solchen Linie in Richtung Mallinie heranrücken. 15-Meter-Linien: Gestrichelte Linien 15 Meter beidseits der Mittellinie und parallel zu dieser kennzeichnen zusammen mit den 5-Meter-Linien jenen Bereich, in dem sich die Spieler beim Ausführen einer Gasse aufstellen müssen.World Rugby: Bilden einer Gasse. In: Regeln des Spiels, S. 93. Zusätzlich wird der Bereich zwischen den beiden senkrechten 5-Meter-Linien (d. h. fünf Meter von jeder Seitenlinie und fünf Meter von jeder Mallinie) als Gedrängezone () bezeichnet. Wenn eine strafwürdige Aktion außerhalb dieser Zone geschieht und die nicht regelverletzende Mannschaft ein Gedränge durchführen möchte, ordnet der Schiedsrichter eine Verschiebung des Gedränges in die Zone an.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 27.World Rugby: Gedränge. In: Regeln des Spiels, S. 104.

Anders als im Fußball, wo Werbung auf dem Spielfeld streng verboten ist, ist es gestattet, Sponsorenlogos auf den Rasen zu malen, was die Vereine, Profiligen und Turniere als zusätzliche Möglichkeit für Werbeeinnahmen nutzen. Immer häufiger kommt bei Fernsehübertragungen auch die Augmented-Reality-Technologie als Ersatz für die Bemalung zum Einsatz, um den Rasenbelag zu schonen, die Kosten für die Bemalung zu sparen oder Farbflecken auf den Trikots und der Haut der Spieler zu vermeiden.

Malfeld und Perimeterbereich Die Malfelder befinden sich hinter den Mallinien und entsprechen den Endzonen im American Football. Sie müssen zwischen 6 und 22 m tief sein und die gesamte Breite der Spielfläche abdecken. Ein Ball, den ein angreifender Spieler in diesem Bereich kontrolliert ablegt, wird als Versuch gewertet, es sei denn, es liegt ein vorheriger Regelverstoß vor oder der Spieler hat die Spielfläche verlassen, während er in Ballbesitz war.

Der Perimeterbereich, der die Spielfläche und die Malfelder umgibt, gilt als Aus (). Wenn der Ball oder ein Spieler das Seitenaus berührt, wird dem Gegner an jener Stelle bzw. mindestens fünf Meter vom Malfeld entfernt entlang der Seitenauslinie, an der er das Spielfeld verlassen hat, eine Gasse zugesprochen. Eine Ausnahme besteht, wenn der Ball zuerst nicht von der Spielfläche abprallte, bevor er ins Seitenaus ging. In diesem Fall findet die Gasse zwar ebenfalls an der Seitenauslinie statt, aber parallel zu jener Stelle, wo der Ball gekickt wurde. Der Perimeterbereich sollte mindestens fünf Meter von der Spielfläche entfernt frei von Hindernissen und schweren, festen Gegenständen sein, die eine Gefahr für die Spieler darstellen könnten.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 28.

mini|Torpfosten mit Polsterung Im Perimeterbereich stehen ausschließlich 14 Kunststoffpfosten mit einer Mindesthöhe von 1,2 m. Sie markieren die Schnittpunkte bestimmter Linien oder andere festgelegte Entfernungen. Die Pfosten (manchmal mit einer Fahne obenauf) stehen auf einem gefederten oder anderweitig weichen Sockel und sind mit Schaumstoff gepolstert.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 29.

Torpfosten