Die Kleine Klette (Arctium minus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kletten (Arctium) in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie stammt aus Europa, ist aber auch weitverbreitet in den gesamten Vereinigten Staaten als invasive Pflanze.

Beschreibung mini|Illustration mini|Ausschnitt des Gesamtblütenstandes mit einigen Blütenkörben und Blüten mit zweiästigen Griffeln mini|Blütenstand mini|Fruchtstand

Erscheinungsbild und Laubblatt Die Kleine Klette wächst als zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 1,5 oder 2 Metern. Sie bildet eine bis zu 30 cm tief in den Boden reichende, dicke Pfahlwurzel aus. Die vegetativen Pflanzenteile sind grünlich bis rötlich-purpurfarben und spärlich mit spinnenartigen Haaren bedeckt oder kahl. Der Stängel ist gut verzweigt.

Die Kleine Klette besitzt im ersten Jahr in einer grundständigen Rosette angeordnete und im zweiten Jahr wechselständig am Stängel verteilt angeordnete Laubblätter. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der mit spinnenartigen Haaren bedeckte Blattstiel ist typischerweise hohl, bis zu 40 cm lang und oben gerillt. Die Grundblätter sind mit einer Länge von bis zu 60 cm relativ groß. Die unteren Stängelblätter besitzen eine eiförmige Blattspreite mit gestutzter bis herzförmiger Spreitenbasis. Der Blattrand ist gebuchtet bis gewellt. Nach oben hin werden die Stängelblätter kleiner. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und die Blattunterseite ist wollig behaart.

Blütenstand, Blüte und Frucht Die Kleine Klette bildet im zweiten Lebensjahr Blütenstände aus. Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober. Die Blütenstände sind dornig. Die Brakteen sind mit Haken versehen. Die fast kugeligen, körbchenförmigen Blütenstände weisen einen Durchmesser von etwa 2 cm auf. In den Blütenkörben sind nur zwittrige Röhrenblüten vorhanden. Die Blütenfarbe ist rosa- bis lavendelfarben.

Es werden glatte Achänen mit einem Pappus gebildet. Fruchtreife ist von September bis Oktober.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 36.

Ökologie Autökologie Die Kleine Klette ist wie die anderen Arten der Gattung Arctium s. str. eine zweijährige Halbrosettenpflanze.

Synökologie miniatur|Hakenförmige Hüllblattspitze mini|Habitus mini|Flaumige Kleine Klette (Arctium minus subsp. pubens) Blütenbiologisch handelt es sich um den „Disteltyp“. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen und Schmetterlinge.

Ausbreitungseinheit sind die Klett-Fruchtstände mit hakigen Hüllblattspitzen und zahlreichen glatten Achänen. Die zur Fruchtzeit weitgehend geschlossenen Körbchen bleiben im Fell von Tieren hängen und werden zum Teil unversehrt abgerissen, wie dies bei Kletthaftern vorkommt. Danach werden die Klettfrüchte allmählich ausgeschüttelt. Zu Anfang der Reife können die Kletten noch an der Pflanze haften, schleudern dann aber beim Zurückschnellen der sparrig-dürren Pflanze die Früchte aus und werden damit zum Tierstreuer. Bei Nässe bleiben aber auch die Früchte selbst am Tierfell haften und werden damit zum Wasserhafter. Dazu kommt noch die Möglichkeit der Bearbeitungsausbreitung der Früchte durch Körner fressende Vögel, wie beispielsweise durch Distelfinken. Der Pappus der Achänen ist brüchig und hautreizend. Es handelt sich um einen Wintersteher. Nach Vertrocknung der Blütenstände und bei Reife der Früchte heften sich die behakten Brakteen an Menschen oder Tiere, um so den kompletten Fruchtstand, als Diaspore, zu transportieren (Epichorie).

Vorkommen Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Kleinen Klette umfasst Europa, Westasien und den Kaukasusraum, vielleicht auch Marokko. In Europa kommt sie fast in allen Ländern vor und fehlt nur in Island. In Norwegen ist ihre Ursprünglichkeit zweifelhaft. In Nord- und Südamerika, auf den Azoren, in Australien und Neuseeland ist sie ein Neophyt.

Die Kleine Klette gedeiht am besten auf stickstoffreichen, aber eher kalkarmen oder kalkfreien, locker-steinigen Lehmböden. Sie besiedelt Ödland, Ufer, Zäune, Wegränder. Im Allgemeinen tritt sie häufig auf, nur in Sandgebieten und Gegenden mit rauerem Klima kann sie kleinräumig auch fehlen. Sie meidet aber Hochlagen. In den Allgäuer Alpen kommt sie in Vorarlberg zwischen Hochtannberg und Körbersee bis in Höhenlagen von 1420 Metern vor. Im Kanton Wallis erreicht sie sogar 1480 Meter Meereshöhe.

Arctium minus ist eine Charakterart des Verbands Arction lappae, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Aegopodion podagrariae oder seltener des Verbands Onopordion acanthii vor.

Taxonomie und Systematik Im Mittelalter trug die Kleine Klette die lateinische Bezeichnung Lappa minor.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 196.

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1762 unter dem Namen (Basionym) Lappa minor durch John Hill in The Vegetable System Band 4 Seite 38. Die Neukombination zu Arctium minus wurde 1800 durch Johann Jakob Bernhardi in Systemartiges Verzeichnis der Pflanzen, welche in der Gegend um Erfurt gefunden werden Seite 154 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Arctium minus sind: Arctium chabertii , Arctium melanoceps , Arctium chabertii subsp. aellenianum , Arctium chabertii subsp. balearicum , Arctium chabertii subsp. corsicum , Arctium minus subsp. mediterraneum , Arctium minus var. melanoceps .

Man kann 2 Unterarten unterscheiden: Gewöhnliche Kleine Klette (Arctium minus subsp. minus): Bei ihr sind die inneren Hüllblätter kürzer als die Blüten. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind für diese Unterart in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 5 (sehr nährstoffreich oder überdüngt), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental). Flaumige Kleine Klette (Arctium minus subsp. pubens , Syn.: Arctium pubens , Lappa pubens , Arctium tomentosum subsp. pubens ): Bei ihr sind die inneren Hüllblätter kaum kürzer als die Blüten. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind für diese Unterart in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Quellen Datenblatt bei missouriplants.com: Photographs and descriptions of the flowering and non-flowering plants of Missouri, USA. Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart. 2. Auflage, Band 4, 2000. (Abschnitt Ökologie)

Einzelnachweise bei missouriplants.com: Photographs and descriptions of the flowering and non-flowering plants of Missouri, USA.

Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 632. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: Werner Greuter, E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Datenblatt Arctium minus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Seite 831–832. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987. ISBN 3-489-86020-9

Weiterführende Literatur John W. Thieret, William A. Niering, Nancy C. Olmstead: National Audubon Society Field Guide to North American Wildflowers, Eastern Region, Revised edition. Chanticleer Press, Inc, 2001, ISBN 0-375-40232-2. Richard H. Uva, Joseph C. Neal, Joseph M. Ditomaso: Weeds of the Northeast. Cornell University Press, 1997, ISBN 0-8014-8334-4.

Weblinks

Thomas Meyer: Klette Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Carduoideen