mini|280px|Lage des Schachtes Wils Das Kaliwerk Wils der gleichnamigen Gewerkschaft war ein Bergwerk auf Kalisalze etwa 500 m südlich der Ortschaft Beesenstedt der heutigen Einheitsgemeinde Salzatal im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Die 1.000 Kuxe der „Gewerkschaft Kalibergwerk Wils“ hielt die „Gewerkschaft Johannashall“, sodass die Gewerkschaft Wils faktisch deren Tochterunternehmen war. Vorstand und Direktion waren auf beiden Bergwerksanlagen dieselben Personen.

Lage Das Bergwerk liegt am Nordostrand der Mansfelder Mulde. Bedingt durch die Nähe des Muldenrandes machten sich in der Umgebung der Grubenfelder Einflüsse der randnahen Salzauslaugung bemerkbar (z. B. lokal fehlendes Salinar des Zechstein 4 und 3). Bedingt durch den Einfluss der Randstörungen des Halleschen Porphyrgebietes sind die Lagerungsverhältnisse des Salinars auf Schacht Wils sehr kompliziert.

Abgebaut wurde das Kali-Flöz „Staßfurt“, überwiegend in carnallitischer Fazies, in geringem Umfang auch Hartsalz.

Im Zusammenhang mit dem Ende des deutschen Kalimonopols nach dem Ersten Weltkrieg und dem Bestreben nach grundlegender Reorganisation und Rationalisierung der Kaliindustrie, welche sich in der Stillegungsverordnung vom 18. Juli 1919 niederschlug, erfolgte die Betriebseinstellung 1922.

Teufzeit: 1909 bis 1911 (Endteufe 623,489 m); Schachtdurchmesser 4,5 m lichte Weite bis Teufe 233 m; 5,0 m lichte Weite bis Endteufe; noch offenstehende Grubenhohlräume: etwa 100.000 m³. Zur Erfüllung einer bergbehördlichen Forderung nach einem zweiten Ausgang wurde mit der benachbarten „Gewerkschaft Johannashall“ ein Durchschlagsvertrag geschlossen, so dass jedes Bergwerk den Schacht des jeweils anderen als Fluchtweg nutzen konnte. Der Durchschlag erfolgte im Februar 1912.

Geologische und hydrogeologische Lagerstättenverhältnisse der Schachtanlage Wils Die geologische und lagerstättenwirtschaftliche Situation + Schichtenverzeichnis Schacht Wils Teufe Bezeichnung von bis 0,0 3,0 Aufschüttung 3,0 5,0 Mutterboden 5,0 18,0 Lehm 18,0 19,0 grauer Kalkstein 19,0 20,0 blauer Schiefer 20,0 594,0 Sandstein und Letten in Wechsellagerung 594,0 596,0 Salzton 596,0 597,0 rötliches Steinsalz 597,0 602,5 Carnallitit und Steinsalz 602,5 623,5 Steinsalz mit Carnallititschnüren 623,5 632,0 roter Ton mit Steinsalz 632,0 651,0 Steinsalz (Endteufe bei 623,49 m) Die Schachtanlage Wils liegt im Nordostteil der Mansfelder Mulde. Gegen die präsalinaren Schichten der Halleschen Mulde (Rotliegendes, Porphyre) im Osten und die Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke im Norden hebt sich die Mansfelder Mulde hier relativ steil heraus.

Die Auslaugung des Zechsteins vom Ausgehenden her zum Muldeninneren ist in diesem Raume – bedingt durch das steile Fallen dieser Schichten – ziemlich weit fortgeschritten. Der Salzspiegel liegt am Nordrand der Mansfelder Mulde bei rund −190 m NN; er wurde u. a. mit der Bohrung Zaschwitz (Solequelle) nachgewiesen. Neben der Auslaugung führten tektonische Vorgänge zu starken Störungen der Lagerstätten des Zechsteins in diesem Gebiet. Das Generalstreichen des Salinars verläuft zwar annähernd parallel zur Achse der Mansfelder Mulde (SE-NW), jedoch kommt es durch den wellenförmigen Verlauf der Mulden- und Sattellinien zur Bildung unregelmäßiger Kuppen und Vertiefungen. Daneben sind durch Fließtektonik und Salzanstauung starre Horizonte (wie z. B. Hauptanhydrit) ausgegliedert worden, sodass im Bereich beider Schachtanlagen relativ komplizierte geologische Verhältnisse vorliegen.

Die Intensität der Störungen nimmt nach dem Muldenrand infolge des dort vorhandenen Porphyrwiderlagers zu, sodass der Zechstein im Grubenfeld Wils weniger stark tektonisch beeinflusst wurde als auf der nördlicher gelegenen Schachtanlage Johannashall. Nach MÜLLER existierten im Grubenfeld Aufschlüsse vom Zechstein 4 (Grenzanhydrit) bis zum Zechstein 2 (Staßfurt-Steinsalz). Einer stärkeren tektonischen Beanspruchung unterlagen vor allem der Grenzanhydrit (der in den Aufschlüssen stets stark zertrümmert und zerrissen vorlag), das Leine-Steinsalz, der Komplex Grauer Salzton/Hauptanhydrit und das Kaliflöz „Staßfurt“. Erwähnenswert ist ein Gasvorkommen (vermutlich Methan), das mit einem Vorbohrloch im Pegmatitanhydrit angetroffen wurde und unter hohem Druck stand (März 1921: 60 bar).

Infolge der ausgeprägten Fließtektonik waren die Anhydritlinien des Leine-Steinsalzes nur undeutlich und verschwommen ausgebildet. Dadurch konnte auf der Schachtanlage Wils auch Steinsalz (stratigraphisch vermutlich Liniensalz) mit über 99 % NaCl abgebaut und direkt als Speisesalz verkauft werden. Das Kalilager trat überwiegend eingefaltet in den jüngeren Salzfolgen auf. In bauwürdiger Mächtigkeit lag es vor allem im Nordost- und Nordwestfeld vor. Der abgebaute Carnallitit (petrographisch anhydritischer Carnallit-Halit mit wenig Kieserit) zeigte konglomeratische Ausbildung. Besonders im Nordwestfeld kam er nur als Trümmercarnallitit vor; geschichteter Carnallitit fehlte gänzlich.

Ebenso wie auf der benachbarten Schachtanlage Johannashall wiesen K2O- und Kieseritgehalt eine nach dem Hangenden zunehmende Tendenz auf. Der Kieseritgehalt lag niedriger als in den übrigen Aufschlüssen der Mansfelder Mulde und damit in gleicher Größenordnung wie auf Schacht Johannashall. Über Mächtigkeit und K2O-Gehalt des Lagers liegen bei den verschiedenen Autoren unterschiedliche, sich mitunter widersprechende Angaben vor. So soll 700 m vom Schacht ein hochprozentiges Carnallitlager auf 200 m streichender Länge und 150 m flacher Höhe erschlossen worden sein (K2O 10,1–12,6 %). Stellenweise wurden Hartsalz und Sylvin mit einem K2O-Gehalt bis 13,3 % und Mächtigkeiten von 1,5 m im Hangenden und Liegenden des Lagers festgestellt. Das zahlreiche Mulden und Sättel bildende Lager hatte eine durchschnittliche Mächtigkeit von 9 m und besaß K2O-Gehalte bis 12,9 % (durchschnittlich bei 10 %).

Im Bezug auf die Tektonik lagen auf der Schachtanlage Wils zwar einfachere Verhältnisse als auf der Schachtanlage Johannashall vor, trotzdem war die Lagerstätte von Wils im Vergleich zu anderen Aufschlüssen in der Mansfelder Mulde verhältnismäßig stark gestört. Der Querschlag nach Süden durchörterte den nach Süden einfallenden Schenkel eines Sattels. Ein bauwürdiges Kalilager wurde nicht angetroffen, eine Vorbohrung traf Schichten des Oberen Zechsteins an. Die Vortriebe in Richtung Norden standen überwiegend im Leine-Steinsalz. Lediglich im Nordwest- und Nordostfeld lag das Kalilager in bauwürdiger Mächtigkeit vor. In beiden Feldesteilen war das Lager an Sattelstrukturen gebunden; der Sattel im Nordostfeld soll dabei flacher als der im Nordwest-Feld gewesen sein.

Die hydrogeologischen Verhältnisse Die hydrogeologische Situation des Gebietes wird in gewissem Umfang durch die am Nordostrand der Mansfelder Mulde umgehende Auslaugung im Bereich des Ausgehenden des Zechsteins beeinflusst. In den Verbreitungsgebieten der Salzauslaugung sind nur selten nutzbare Wasservorkommen vorhanden. Meist ist das Hangende weitgehend entwässert, während das Liegende mehr oder weniger versalzen ist, bzw. je nach dem Stand der Auslaugung nur Wässer mit hohen Härtegraden auftreten.

Als Hauptwasserleiter tritt der Mittlere Buntsandstein in Erscheinung. In seinem Verbreitungsgebiet liegt der Hauptteil des Grubenfeldes Wils. Der Obere Buntsandstein zeigt nur geringe Wasserführung, hauptsächlich gebunden an den Unteren Röt. Die Wässer sind durch hohe Karbonathärten gekennzeichnet. Erwähnenswert sind weiterhin Wasservorkommen in quartären fluviatilen Bildungen, beispielsweise nordwestlich der Schachtanlage Wils, bzw. südöstlich der Schachtanlage Johannashall. Infolge der geringen räumlichen Ausdehnung dieser Vorkommen und ihrer kleinen Einzugsgebiete sind sie jedoch nur von lokaler Bedeutung. Detaillierte hydrogeologische Unterlagen liegen aus den Gebieten der Schachtanlage Wils bzw. der benachbarten Schachtanlage Johannashall nicht vor, sodass Angaben über Teufe und Verlauf wasserführender Horizonte sowie Angaben zum Chemismus der Wässer nicht gemacht werden können.

Der Schachtbau Mit dem Schachtbau wurde 1909 begonnen. Im November 1911 wurde bei 600 m das Salzlager erreicht. Der Schacht Wils diente gleichzeitig als zweiter Schacht (sog. „Polizeischacht“) für das Grubenfeld der Gewerkschaft Johannashall, deren Schachtanlage ungefähr 2,8 km von Wils entfernt ist. Die Gesamtteufe des Schachtes beträgt dem amtlichen Rißwerk nach 623,489 m.

Die zugänglichen Unterlagen zum Schachtabteufen sind dürftig und z. T. auch widersprüchlich.

Diese Teufenangabe differiert gegenüber dem amtlichen Rißwerk um beachtliche 27,5 m. Die weiteren Ausführungen werden im Folgenden jedoch ausschließlich aus den Darstellungen im amtlichen Rißwerk der Schachtanlage WilsAmtliches Rißwerk der Schachtanlage Wils, angefertigt i.J. 1958 durch die Werksmarkscheiderei des Kaliwerkes Teutschenthal nach Übersichtsrissen Maßstab 1 : 2000 des Staatsarchivs Magdeburg. abgeleitet.

Schachtdurchmesser: 4,5 m lichte Weite bis Teufe 233 m; 5,0 m lichte Weite bis Endteufe.

Aus- und Vorrichtung, Abbau- und Versatzverfahren Das Abbaufeld des Schachtes Wils rechts|600px|Lageplan des Schachtes Wils der gleichnamigen Gewerkschaft und deren Berechtsame Erschließungsarbeiten: Bei den auf Wils betriebenen Erschließungsarbeiten wurde zunächst ein ca. 700 m östlich vom Schacht durchörtertes hochprozentiges Carnallitlager auf ca. 250 m streichende Länge und 150 m flache Höhe angetroffen. Dieses Lager besaß einen K2O -Gehalt bis 21 % und wurde stellenweise von Hartsalz und Sylvin (bis 1,50 m Mächtigkeit) am Hangenden und Liegenden begleitet. Den sehr komplizierten Lagerungsverhältnissen musste sich die Abbauweise flexibel anpassen. Es kamen vermutlich verschiedene Methoden der Rohsalzgewinnung – bedingt durch die Mächtigkeitsschwankungen- zur Anwendung.

In einer Übersicht über die Art des Abbaues wurde dem ehemaligen Oberbergamt Halle von der Wintershall AG / Kassel im November 1940 mitgeteilt:

Salzart: Carnallitit und Hartsalz, K2O-Gehalt: 7–9 %.

Mächtigkeit der Kalilagerstätte: 0 – 20 m.

Baufeldteufen: Ostfeld: −375 m bis −412 m NN. Südostfeld: −365 m bis −385 m NN. Südwestfeld: −373 m bis −412 m NN.

Abgebaute Mächtigkeit: volle Lagerstättenhöhe bzw. maximale Bauhöhe 9 m.

Art der Gewinnung: Kammerbau.

Abmessungen der Abbaukammern: Nordfeld 80 m lang, 10 m breit. Nordostfeld 80 m lang, 10 m breit. Reststücke wurden vereinzelt bis 20 m Breite gewonnen. Pfeilerstärken zwischen den Kammern = 7 m, zu den Strecken = 7 m (mindestens). Anzahl der Durchhiebe zwischen den Kammern: 3 m breite Durchhiebe im Abstand von 30–50 m. Abbauverluste: 40 bis 45 %.

Der Durchschlag vom östlichen Rand des Nordostfeldes des Grubenfeldes Wils zum nordwestlichen Bereich des Südwestfeldes der Grube Johannashall erfolgte im Februar 1912. Hierzu trieb man von Wils her einen Querschlag nach Nordosten im Niveau der 623-m-Sohle. Vom Johannashaller Grubenfeld her näherte sich das Gegenort mit einem Gefälle von 19 Grad, denn es galt einen Höhenunterschied von immerhin 73,1 m auszugleichen (Ansatzpunkt Wils: −446,6 m NN; Ansatzpunkt Johannashall: −373,5 m NN).

Angaben zum Versatz Versatzart: Trockenversatz, vollständiger oder unvollständiger Versatz.

Versatzmaterial: Steinsalz aus den Aus- und Vorrichtungsstrecken und in geringer Menge Rückstände der Kalifabrik.

Auf Grund der Ausnahmegenehmigung des Oberbergamtes Halle vom 11. April 1922 konnte der Versatz der auf Schacht Wils noch offenstehenden Abbauhohlräume unterbleiben.

Unversetzte Hohlräume 20.800 m³: Nordfeld: 6 Kammern, Breite: 9 und 10 m, Höhe: 6–8 m. Hohlraum: 15.900 m³ Nordostfeld: 4 Kammern, Breite: 10 m, Höhe: 2–4 m. Hohlraum 4.900 m³

Die finanziellen und betriebswirtschaftlichen Verhältnisse 300px|mini|Aktien-Schein der „Wintershall Aktiengesellschaft“