mini|Pius Strobl (2015) Pius Strobl (* 28. Juni 1956 in Wiener Neustadt, Niederösterreich) ist ein österreichischer Unternehmer, ehemaliger Politiker und Medienmanager. Er war Mitbegründer der Partei Die Grünen – Die Grüne Alternative und Unternehmenssprecher des Österreichischen Rundfunks (ORF).

Leben Pius Strobl wuchs als Waisenkind bei seiner Großmutter auf und arbeitete vor seiner politischen Laufbahn als Gendarm. 1991, während seiner Zeit als burgenländischer Landesgeschäftsführer der Grünen, wurde er mehrmals kurzzeitig von der Militärpolizei inhaftiert, weil er den Stellungsbefehl verweigert hatte. Strobl wurde wegen Wehrdienstverweigerung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.APA Jahresrevue 1991 (Innenpolitik), vom 9. Dezember 1991 (APA0028 5 II 0405)

Er war mit der ORF-Moderatorin Eva Pölzl verheiratet, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat.ORF-Paar Eva Pölzl und Pius Strobl hat sich getrennt, derstandard.at Aus einer früheren Ehe hat Strobl zwei Kinder.

Politische und berufliche Laufbahn Zunächst engagierte sich Pius Strobl bei der SPÖ. Unter anderem gehörte er zu jener Gruppe junger Politiker um Josef Cap, die am Parteitag der SPÖ 1982 mit drei Fragen den damaligen burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery in Bedrängnis brachte.Wrabetz’ wichtigster Mann verlässt den ORF. In: Der Standard. 19. November 2010 Später war er an der Gründung der österreichischen Grünen beteiligt. Noch vor der Parteigründung koordinierte er 1986 den Wahlkampf von Freda Meissner-Blau zur Wahl der österreichischen Bundespräsidentin.Grüne Burgenland: Er nahm am Gründungskongress der Partei am 13./14. Februar 1987 in Klagenfurt teil und war zunächst Pressechef. Gemeinsam mit Johannes Voggenhuber fungierte er von 1988 bis 1990 als einer von zwei Bundesgeschäftsführern der Grünen. Ende 1990 zog er sich aus der Berufspolitik zurück und wechselte als Vorstand der Conwert Immobilien Invest in die Immobilien-Gruppe von Günter Kerbler.Interview von Pius Strobl. In: Club-Carriere Er blieb jedoch als Landesgeschäftsführer Burgenland nebenberuflich bei den Grünen. Strobl verließ die Conwert AG 1996 und gründete eine Event- und Marketingagentur. Bekannte Projekte dieser Firma waren etwa der Wiener Eistraum und der Weihnachtsmarkt am Wiener Spittelberg.

ORF-Karriere Von 1989 bis 1998 saß Pius Strobl für die Grünen im ORF-Kuratorium. Seine Stimmenthaltung machte 1990 die Wahl Gerd Bachers zum ORF-Generalintendanten möglich. 1994 unterstützte er Gerhard Zeiler, 1998 Gerhard Weis. 1999 endete Strobls Zeit im Kuratorium, ihm folgte Sonja Puntscher-Riekmann nach.

Im Jahr 2004 zog Strobl neuerlich ins ORF-Aufsichtsgremium ein, das mittlerweile Stiftungsrat hieß. Er folgte auf Wolfgang Zinggl und war wie schon in der ersten Periode der einzige von den Grünen nominierte Stiftungsrat. Bei der ORF-Wahl unterstützte er (gemeinsam mit den der SPÖ und der FPÖ nahestehenden Stiftungsräten) Alexander Wrabetz, der neuer Generaldirektor wurde.Abhör-Causa im ORF: PR-Chef Strobl nimmt den Hut. In: Kronen Zeitung. 19. November 2010

Wrabetz machte Strobl in Folge zum Kommunikations- und Marketingchef des Senders. Strobl galt als Wrabetz’ wichtigster Vertrauter. Er trat im November 2010 im Rahmen einer Abhöraffäre von allen Ämtern im ORF zurück: Er hatte eine Mitarbeiterin beauftragt, während einer Sitzung des Stiftungsrats Gespräche von Journalisten und Direktoren ohne deren Wissen auf Tonband aufzuzeichnen.Doris Priesching: „Es ist vorbei…“: Kommunikationschef Pius Strobl tritt zurück. In: Der Standard. 19. November 2010 Im Zuge seines Abgangs wurden andere Vorwürfe gegen ihn erhoben, die vor allem auf Unvereinbarkeiten von Strobls wirtschaftlichen Beteiligungen und seinem Beruf abzielten.Isabella Wallnöfer: Szenen einer ORF-Krise: Pius Strobl verlässt den Sender. In: Die Presse. 19. November 2010

Nach seinem Ausscheiden ist Strobl wieder als freier Unternehmer und Berater tätig, auch auf Konsulentenbasis für den ORF. Hierbei setzt er die HD-Umstellung von Sendungen, den Chipkartentausch für den verschlüsselten Empfang des ORF-Angebotes sowie 2015 leitend die Veranstaltung des Eurovision Song Contest 2015 in Wien um.Pius Strobl: Der Vernetzungskünstler Oberösterreichische Nachrichten vom 27. Januar 2015, abgerufen am 26. Juni 2016

Ende 2015 wurde Strobl ORF-Sicherheitsbeauftragter und übernahm zudem die Bauherrenvertretung für den Um- beziehungsweise Neubau des ORF-Zentrums sowie die Agenden zur Optimierung der Bauplanung. In diesem Zusammenhang wurde das Büro des Medienstandortes neu geschaffen, dessen Leiter Strobl ist. Als Hauptabteilungsleiter bezog Strobl mit 425.677,43 Euro (zusätzlich zu Nebeneinkünften von 2500 Euro pro Monat) laut Transparenzbericht 2023 des ORF das zweithöchste Jahresgehalt. 2024 waren es 451.710 EuroORF-Spitzengehälter: Robert Kratky führt Liste vor Pius Strobl weiter an, Kleine Zeitung am 31. März 2025 und 469.000 Euro im Jahr 2025Transparenzbericht enthüllt Topverdiener: ORF hat neuen Gagenkaiser. Pius Strobl nach Kratky-Abschied neuer Spitzenverdiener (31. März 2026) – also jeweils mehr als der Generaldirektor.

Auszeichnungen 2023: Verleihung des Berufstitels Professor

Weblinks

Pius Strobl Tonaufnahmen aus dem Archiv der Österreichischen Mediathek

Einzelnachweise

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