Dolgorukowo (, deutsch Domtau, Leißen im Kreis Preußisch Eylau, Pompicken und Gartenstadt Stablack) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Bagrationowsk. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk.
Geographische Lage Dolgorukowo liegt westlich des Flüsschens Pasmar (russisch: Maiskaja) am Ostrand des Stablack, nordwestlich der russischen Rajonshauptstadt und ehemaligen deutschen Kreisstadt Bagrationowsk (Preußisch Eylau). Der Ort ist über eine Nebenstraße zu erreichen, die Bagrationowsk (10 km) mit Slawskoje (Kreuzburg, 18 km) verbindet. Bis 1945 war die damals Stablack genannte Ortschaft eine Bahnstation an der Bahnstrecke von Heiligenbeil (heute russisch: Mamonowo) über Zinten (Kornewo) nach Preußisch Eylau (Bagrationowsk), von der heute nur noch das letzte Teilstück für Militärverkehr in Betrieb ist.
Geschichte
Dolgorukowo/Domtau (bis 1945)
Ort Der ehemals DomtauDomtau. Bildarchiv Ostpreußen, Ortsinformationen. genannte Ort liegt acht Kilometer nordwestlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) und südlich der Nebenstraße, die Bagrationowsk mit Slawskoje (Kreuzburg) verbindet. Im Jahre 1874 kam Domtau zum neugebildeten Amtsbezirk WackernRolf Jehke: Amtsbezirk Wackern. territorial.de (russisch: Jelanowka) im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. 1910 waren in Domtau 91 Einwohner registriert.
Am 30. September 1928 gab die Landgemeinde Domtau ihre Eigenständigkeit auf und schloss sich mit Schlauthienen (heute russisch: Tschapajewo) und den Gutsbezirken Grundfeld (russisch: Tschapajewo) und Jerlauken (Petrowskoje, seit 1993 auch: Tschapajewo) zur neuen Landgemeinde Schlauthienen zusammen.
Kirche Domtaus Einwohnerschaft war vor 1945 überwiegend evangelischer Konfession. Das Dorf war bis 1937 in das Kirchspiel Klein Dexen (russisch: Furmanowo), von 1938 bis 1945 in das neu errichtete Kirchspiel Stablack eingepfarrt und gehörte zum Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Dolgorukowo/Leißen (bis 1945) Ort Das früher LeißenLeißen. Bildarchiv Ostpreußen, Ortsinformationen. genannte Vorwerk liegt neun Kilometer nordwestlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) und war bis 1945 ein Ortsteil von Graventhien (russisch: Kamyschewo, seit 1993: Awgustowka). Es gehörte dadurch seit 1874 zum Amtsbezirk DexenRolf Jehke: Amtsbezirk Dexen. territorial.de (heute russisch: Nagornoje) und kam im Jahre 1930 zum Amtsbezirk WogauRolf Jehke: Amtsbezirk Wogau. territorial.de (heute russisch: Lermontowo), beide Male im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.
Kirche Die Leißener Bevölkerung gehörte vor 1945 fast ausnahmslos zur evangelischen Kirche und war bis 1937 in das Kirchspiel Klein Dexen (russisch: Furmanowo) eingepfarrt. Nach dessen Auflösung wurde Leißen bis 1945 ein Ort im Pfarrbereich Stablack, der wie Klein Dexen zum Kirchenkreis Preußisch Eylau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.
Dolgorukowo/Pompicken (bis 1945)
Ort Das einst PompickenPompicken. Bildarchiv Ostpreußen, Ortsinformationen. genannte Dorf liegt zehn Kilometer nordwestlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau). Im Jahre 1874 kam es zum neu gebildeten Amtsbezirk WackernRolf Jehke, Amtsbezirk Wackern (wie oben) (russisch: Jelanowka) im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 lebten in Pompicken 76 Einwohner.Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau (wie oben)
Am 30. September 1928 vergrößerte sich die Landgemeinde Pompicken, als nämlich der Gutsbezirk Waldkeim (Dolgorukowo) aus dem Amtsbezirk WogauRolf Jehke, Amtsbezirk Wogau (wie oben) (heute russisch: Lermontowo) nach Pompicken eingemeindet wurde. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1933 dann auch 239 und 1939 noch 222.
Kirche Pompickens Bevölkerung war vor 1945 meistenteils evangelischer Konfession. Das Dorf war bis 1937 in das Kirchspiel Klein Dexen (russisch: Furmanowo) eingepfarrt, kam jedoch 1938 in das Kirchspiel Stablack. Beide Kirchspiele gehörten zum Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Dolgorukowo/Gartenstadt Stablack (bis 1945)
Gartenstadt Stablack Der Name des Ortes StablackDolgorukowo – Stablack. ostpreussen.net leitet sich von der Landschaft Stablack ab, einem waldreichen Landesteil zwischen dem Mittellauf der Alle (heute russisch: Lawa) und dem Unterlauf der Passarge (heute ) sowie deren Nebenflüssen Drewenz (russisch: Drwenza, ) und Frisching (russisch: Prochladnaja) gelegen. Im Rahmen der Neuanlage des Truppenübungsplatzes Stablack entstand ab Herbst 1935 zwischen den Flüsschen Liebe und Rgoßel und neun Kilometer nordwestlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) auf den Flächen des Dorfes Domtau und den Gütern Grundfeld (russisch: Tschapajewo) und Waldkeim (Dolgorukowo) eine Ansiedlung, die – wegen ihrer Häuser mit Gartenanlagen – Gartenstadt StablackGartenstadt Stablack. Bildarchiv Ostpreußen, Ortsinformationen. genannt wurde und auch über eine neu erbaute Kirche verfügte. Sie gehörte zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Noch zu Kriegsbeginn war die vorgesehene Planung nicht vollständig umgesetzt. Immerhin zählte das Städtchen im Jahre 1939 bereits 2734 Einwohner,Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Preußisch Eylau (wie oben) meistenteils Militärangehörige.
Amtsbezirk Stablack Bereits im Jahre 1874 wurde im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen ein Amtsbezirk mit der Bezeichnung StablackAmtsbezirk Stablack. Rolf Jehke. errichtet. Er umfasste den Gutsbezirk Preußisch Eylau, Forst mit den Forstbezirken Stablack und Wilhelmshöhe. Beide Forstbezirke wurden 1928 in die Landgemeinde Klein Dexen (russisch: Furmanowo) im Amtsbezirk DexenRolf Jehke, Amtsbezirk Dexen (wie oben) (russisch: Nagornoje) umgegliedert und der Amtsbezirk Stablack aufgelöst.
Am 1. Januar 1939 wurde aus diversen Teilen in den umliegenden Amtsbezirken der Gutsbezirk Stablack neu gebildet und ein neuer Amtsbezirk Stablack errichtet, der bis 1945 bestand. Am 10. Juli 1940 wurde der Gutsbezirk Stablack in einen „Gemeindefreien Gutsbezirk“ umgewandelt.
Kirche
Kirchengebäude Im Jahre 1937 wurde im Rahmen der Neuanlage der Gartenstadt Stablack auch eine Kirche errichtet, deren Ausstattung aus der Kirche in Klein Dexen (russisch: Furmanowo) stammte. Die Klein Dexener Kirche konnte wegen der Anlage des Truppenübungsplatzes Stablack nicht mehr genutzt werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stablacker Gotteshaus nur unwesentlich beschädigt.
Kirchengemeinde Bis 1938 war die Gartenstadt Stablack noch in das Kirchspiel Klein Dexen eingepfarrt. Dann wurde der Pfarrsitz von Klein Dexen nach Stablack verlegt, und die 32 Kirchspielorte fanden hier ihr neues Zentrum. Das Kirchspiel Stablack gehörte zum Kirchenkreis Preußisch Eylau (heute russisch: Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Pfarrer Zwischen 1938 und 1945 amtierten in der Gartenstadt Stablack die beiden PfarrerFriedwald Moeller: Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 138. Franz Kolaß (1938–1943) und Arnold Schrenk (1943–1945).
Stalag I A Stablack Südöstlich von Stablack errichtete die Wehrmacht wenige Wochen nach Kriegsbeginn im September 1939 ein Barackenlager für Kriegsgefangene, das Stalag (Stammlager I A). Es lag im Wehrkreis I. Hier fanden anfangs besonders polnische später auch andere Gefangene Aufnahme, 1945 wurden hier auch zahlreiche deutsche Frauen und Männer interniert.
Am 22. Januar 1944 fuhr ein fahrplanmäßiger Zug mit etwa 1000 belgischen Kriegsgefangenen von Stablack in Richtung Antwerpen. Er kam im Bahnhof Isenbüttel-Gifhorn an der Lehrter Bahn zum Stehen. Unmittelbar danach fuhr ein Güterzug ungebremst auf den Zug auf. 122 Menschen, meist Belgier, fanden den Tod, etwa 80 wurden schwer verletzt.; abgerufen am 7. Januar 2012.
Persönlichkeit des Ortes Günter Neumann (* 22. August 1938 in Gartenstadt Stablack) war ein deutscher Opernsänger (Tenor).
Waldkeim (bis 1945) Der Ort wurde 1997 aus Dolgorukowo ausgegliedert und verselbständigt: siehe
Dolgorukowo (seit 1947) Die Orte Domtau, Leißen, Pompicken, Gartenstadt Stablack und Waldkeim kamen infolge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielten im Jahre 1947 den gemeinsamen Namen Dolgorukowo. Vor 1967 wurde der Ort Verwaltungssitz des Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks Tschapajewski selski Sowet (okrug). Im Jahr 1997 wurde der ehemalige deutsche Ort Waldkeim als Walki wieder aus Dolgurokowo ausgegliedert. Von 2008 bis 2016 war Dolgorukowo Sitz einer Landgemeinde und gehört seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.
Dolgorukowskoje selskoje posselenije 2008–2016 300px|mini|Die Lage der Landgemeinde Dolgorukowskoje selskoje posselenije im Rajon Bagrationowsk Die Landgemeinde Dolgoruwskoje selskoje posselenije () wurde im Jahr 2008 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 253 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Багратионовский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 253: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Bagrationowsk“) Aus den drei Dorfbezirken Orechowski selski okrug, Puschkinski selski okrug und Tschapajewski selski okrug wurden darin 18 Ortschaften als „Siedlungen“ eingegliedert. Im Jahr 2017 ging die Gemeinde in den neu geschaffenen Stadtkreis Bagrationowsk auf.
Ortsname Name bis 1947/50 Ortsname Name bis 1947/50 Awgustowka (Августовка) Drangsitten, Graventhien und Johnken Pobereschje (Побережье) Schnakeinen und Neu Schnakeinen, Porschkeim und Kissitten Bogatowo (Богатово) Bornehnen und Rositten Podgornoje (Подгорное) Penken Dolgorukowo (Долгоруково) Domtau, Leißen, Pompicken und Stablack Pogranitschnoje (Пограничное) Hussehnen Dubrowka (Дубровка) Görken, Klaussen und Pilzen Puschkino (Пушкино) Posmahlen Kamenka (Каменка) Groß Krücken Schirokoje (Широкое) Storchnest und Strobehnen Krasnoarmeiskoje (Красноармейское) Sollau und Kilgis Slawskoje (Славское) Kreuzburg Krasnosnamenskoje (Краснознаменское) Dollstädt und Vogelsang Tschapajewo (Чапаево) Schlauthienen, Grundfeld und Jerlauken Lermontowo (Лермонтово) Wogau und Boggentin Walki (Вальки) Waldkeim Nagornoje (Нагорное) Groß Dexen und Roditten Wyssokoje (Высокое) Tiefenthal
Kirche Kirchengebäude Das einzige Gotteshaus von Dolgorukowo ist die 1937 erbaute Kirche in der Gartenstadt Stablack. Sie überstand den Krieg mit nur unwesentlichen Beschädigungen. Doch wurde sie nach 1945 ausgeräumt und die aus der Klein Dexener Kirche stammende Innenausstattung ging verloren. Das Gebäude wurde zweckentfremdet und diente zunächst als Pferdestall, danach wurde es als Kino benutzt. Nach einer Nutzung als Clubhaus ist die vormalige Kirche jetzt ein Kulturhaus. Der Turm wurde bis auf Dachfirsthöhe abgerissen.
Kirchspielorte Die zur Kirche Stablack zugehörigen Ort waren die Kirchspielorte Klein Dexens.
Kirchengemeinde Während der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben so gut wie unmöglich. Erst in den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Kirchengemeinden, deren Dolgorukowo am nächsten liegende die in Gwardeiskoje (Mühlhausen) ist. Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).
Das nächstgelegene Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche steht in Bagrationowsk (Preußisch Eylau).
Einzelnachweise