mini|Heute „Altes Rathaus“, Bau von 1788

Fützen (noch 1715: FuetzheimEintrag auf einer Karte des Schaffhauser Gebiets von Benjamin Krenckel, Augsburg, um 1715. Abbildung in: Richard Gertis: Blumberg, die Kirchengeschichte. In: Joachim Sturm: Die Geschichte der Stadt Blumberg. dold.verlag, Vöhrenbach 1995, S. 285.) ist seit 1975 Ortsteil der Stadt Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg. Auf der Gemarkung der Ortschaft, die von der Bundesstraße 314 umfahren wird, liegt ein Bahnhof der historischen Strategischen Bahn zur Umgehung des Schweizergebietes, die auch Wutachtalbahn und heute „Sauschwänzle“-Museumsbahn genannt wird.

Lage mini|Die Lage von Fützen zwischen dem Wutachknie und dem RandenEidgenössische Landestopographie: Landeskarte der Schweiz 1:25.000, Blatt 1011 Beggingen Fützen liegt im sich bereits weit öffnenden Talkessel an der Straße von Blumberg über Grimmelshofen nach Stühlingen und weiter in die Klettgaulandschaft. Nördlich wird die Tallandschaft vom Buchberg eingefasst, im Osten und Süden vom Randengebirge und der nahen Schweizer Grenze sowie westlich von der Wutachschlucht. Im Süden entlang der Wutach verläuft die Verbindung zur Ortschaft Grimmelshofen und der Stadt Stühlingen. Der Durchgang wird markiert vom „Fützener Viadukt“ der Strategischen Bahn. Die Fützener Gemarkung erstreckt sich vom tiefsten Punkt bei ca. 500 m ü. NN bis zum Gipfel „Hoher Randen“ auf 924 m ü. NN. In der Nachbarschaft befindet sich die Ortschaft Epfenhofen.

Ortschaft Fützen hat heute etwa 785 Einwohner und eine Gemarkung von ca. 1807 ha.. In der Ortschaft befinden sich eine Gastwirtschaft, eine Metzgerei, jedoch kein Lebensmittelhandel mehr. An Gemeindeeinrichtungen besteht die Mehrzweckhalle Buchberghalle.

Das Ortsbild wird von Gebäuden geprägt, die auf die Bedeutung des Ortes in früheren Zeiten hinweisen, etwa das „Alte Rathaus“. Die Daten des Erstbaus sind unbekannt, ursprünglich befand sich unten eine Taverne. Bau des „neuen Rathauses“ (1784–1788) mit Einrichtung von Schulräumen (Winterschule bereits vor 1594 erwähnt, seit 1700 existierte ein Schulhaus), 1902 umgebaut, am 26. April 1945 niedergebrannt, der rekonstruierte Neubau war 1951 wieder errichtet.

Fützen wird von einem siebenköpfigen Ortschaftsrat vertreten, Georg Schloms ist Stadtrat in Blumberg, Andrea Gut ist Ortsvorsteherin.

Religiöse Gemeinschaften Früh wird ein katholischer Pfarrer von Fützen genannt, der für die bald nach dem Dreißigjährigen Krieg unbesetzte Blumberger Pfarrei mit dem Riedöschinger Pfarrer „Aushilfe bis 1655 (leistete)“. Jahrhunderte war die katholische Pfarrei selbstständig, sie wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg Blumberg zugeordnet.Richard Gertis: Blumberg, die Kirchengeschichte. In: Sturm: Blumberg. 1995, S. 278.

mini|Die altkatholische Kirche in Fützen

Die Altkatholiken der Region nahmen 1934 ihre Angelegenheiten selbst in die Hand: „Die vier Gemeinden Blumberg, Epfenhofen, Fützen und Kommingen taten sich zusammen, um in Blumberg ein eigenes Pfarrhaus und in Fützen eine eigene Kirche zu bauen.“Georg Herbstritt: Die altkatholische Gemeinde. In: Sturm: Blumberg. 1995, S. 314.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten die Evangelischen von Fützen dann auch wie in anderen Gemeinden zur evangelischen Pfarrei Blumberg.

Naturraum mini|Wutach in den Fützener Flühen

In der Literatur zur Wutachschlucht wird insbesondere auf den Naturraum der Wutachflühen auf Fützener Seite hingewiesen – mit Felstürmen, seltenen „Alpenpflanzen der schattigen Tobel und Schutthalden“ und noch ursprünglichem Waldbestand, der „die standörtlichen Bedingungen wiederspiegelt [sic.].“Gerhard Kersting: Pflanzen- und Tierwelt. In: Sturm: Blumberg. 1995, S. 417.

Geschichte Frühzeit Auf eine Besiedlung in der Frühzeit weist ein Fund an der Gemarkungsgrenze nach Grimmelshofen hin: Aus der Römerzeit (1. bis 4. Jhdt. n. Chr.) ist „aus Fützen, Gewann Schlattereck, eine villa rustica überliefert. Sie liegt zum Teil auf schweizerischem Gebiet. […] Die Fundstelle ist mindestens seit 1825 bekannt. […]“ Heinrich Schreiber berichtet [um 1850], „daß 'Fundamente eines römischen Gebäudes mit Besetzplatten und großen Leistenziegeln' entdeckt wurden und zugleich kamen Metallstücke, ferner Silberstücke, dicker als Groschen mit Köpfen zum Vorschein.“Verena Nübling: Vor- und Frühgeschichte des Raumes Blumberg. In: Sturm: Geschichte der Stadt Blumberg. 1995, S. 17. Mit Lageplan der römischen Villa. Unklar ist, ob die römische Heeresstraße von Juliomagus (Schleitheim) nach Brigobanne (Hüfingen) durch den Talkessel und Fützen führte. Eine Wegverbindung zur Villa bei Fützen bestand mit Sicherheit. Nach dem Rückzug der Römer besiedelten Alamannen die Region, und auch hierzu gibt es eine Überlieferung: „In Fützen wurden 'beim Graben des Vorplatzes des Jacob Meisterschen neuen Hauses' nach einem Bericht von 1848 'mehrere Gräber mit Skeletten, Schwertern, Messern und Schmuckstücken' gefunden. Der württembergische Hauptmann Lieb, der 1848 im Pfarrhaus zu Fützen im Quartier lag, ließ durch Soldaten seiner Kompanie nachgraben. Dabei wurden eine Spatha, ein Schildbuckel, eine Lanzenspitze mit Lanzenschuh, Sporenreste 'immer nur an einem Fuß', Messer, Schnallen und Schmuckstücke geborgen. Die Funde sind zum größten Teil verschollen, einige Stücke jedoch im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart ausgestellt.“ Interpretiert werden die Funde als merowingisch, d. h., sie stammen von den fränkischen Überwindern der Alamannen (nach Ende des 5. Jhdt.).Verena Nübling: Vor- und Frühgeschichte. In: Sturm: Blumberg. 1995, S. 20 f. (Mit Fundabbildung).

Mittelalter und Neuzeit mini|Ortschaft mit historischem Kern um die Kirche

1083 urkundliche Ersterwähnung als „Phoezen“ oder „Phoezin“. Später Nennung einer Familie als „Herren von Vuezen“ (12./13. Jahrhundert). Der Ortsname wird auf den Märtyrer und Kirchenpatron Vitus zurückgeführt und entwickelte sich über Vitshem, Vitsheim, (Urkunde 1433: Fietsheimb), Phiezen, Fiezen zu Fützen weiter. Die Erstnennung Fützens nimmt als Ausgangspunkt „die handschriftlichen Aufzeichnungen des Paters Ambrosius Eichhorn, der von 1797 bis 1799 in Fützen als Pfarrer wirkte. Im Jahre 1883 hat der Schleitheimer S. Pletscher, in seinem Verlag diese handschriftlichen Niederschriften veröffentlicht.“

„In alten Urkunden kommt die Ortschaft zum ersten Mal vor im Jahre 1083, dem 4. Januar (Gerb. Hist. Silv. T III p 73),Hier besteht eine Verwirrung, indem an der angegebenen Stelle (Martin Gerbert: Historia Nigrae Silvae ordinis Sancti Benedicti coloniae, T III, [Sankt Blasien 1788], p 73, Digitalisat) die Bulle von Papst Innocentius II. vom 14. April 1139 abgedruckt ist. Der ehemalige Kreisarchivar des Schwarzwald-Baar-Kreises, Joachim Sturm, wies bei seinem Vortrag zur 925-Jahrfeier Fützens 2008 darauf hin, dass die Urkunde nicht mehr existiert. da Papst Innocentius II. die Güter des Klosters St. Georgen bei Villingen bestätigt, unter welcher der dritte Teil des Dorfes Fützen gerechnet wird: Tertiam partem villae Phiezen. – Hernach, im Jahre 1179, dem 28. März, in einer Bulle Papst Alexanders III. (Neugart Codex dpl. Alem. T.H.p. 105), wo abermals der dritte Teil des Dorfes Fützen nebst Kirche besagtem Kloster (St. Georgen) zugeschrieben wird: Tertiam partem villae Fuezen cum Ecclesia, woraus erhellet, daß Fützen wenigstens schon damals eine Pfarrkirche müsse gehabt haben. Wohin die zwei anderen Teile dieses Fleckens hingehört haben, ist noch nicht bekannt.“Paul Willimski: Fützen im Laufe der Zeit. Hrsg. Stadtgemeinde Blumberg, 1981, S. 4, insgesamt als Übertrag aus der Niederschrift Eichhorn markiert.

Die Herren von FützenEbenfalls unbekannt ist, „wie und auf welche Weise Fützen eine Ortschaft der Herrschaft Blumegg wurde und in den Besitz der Herren von Blumegg kam.“ Die Burg Blumegg wird im Besitz eines Familienmitglieds der Herren von Blumberg erstmals 1292 erwähnt.

„Der letzte Angehörige der Herren von Blumegg war Gregor Gaudenz von Blumegg. Mit ihm starb diese Familie aus.“Hier existiert ein Widerspruch zu Angaben im Rahmen der Chronik der Herren von Blumberg: Die Familie der Blumegger sei erst ein Jahrhundert nach dem letzten Blumberger (1457) ausgestorben. Möglich erscheint, dass zwar die Familie nicht mit Gregor Gaudenz ausstarb, doch dieser seine Herrschaft noch im 14. Jahrhundert verkaufte. Siehe die hier anschließende Fortsetzung bei Willimski.

„Einige Jahre vor seinem Tod verkaufte er sein Herrschaftsgebiet im Jahre 1366 an Egloff von Wollfurth. Ulrich von Wolffurth, ein Nachkomme des Egloff von Wollfurth verkaufte dann die Herrschaft Blumegg an Friedrich von Friedingen. Aber nicht lange blieb die Herrschaft Blumegg, zu der die Ortschaften Blumegg mit Burg, Dillendorf, Fützen, Grimmelshofen, Lausheim, Ewattingen, Aselfingen, Opferdingen und Eschach gehörten, im Besitz der Herren von Friedingen. Friedrich von Friedingen verkaufte die Herrschaft Blumegg im Jahre 1432 an das Reichsstift St. Blasien.“Bei Willimski, S. 4: „Die Herren von Friedingen hatten ihr Herrschaftsgebiet im Jahre 1432 an das Reichsstift St. Blasien verkauft, weil im Jahre 1429/30 Kriegsscharen des Herzogs von Urslingen, des Ludwig von Blumegg, des Conrad Suevelin, des Bernlapp von Zähringen und des Friedrich vom Haus in ihr Herrschaftsgebiet eingedrungen waren. […] Die Ritter fielen mit ihren Reisigen in das Herrschaftsgebiet ein, zertrampelten mit ihren Rossen die Felder und steckten die Häuser […] in Brand. Auch in Fützen.“ Die Hallwyler, die 1436 das Herrschaftsgebiet gekauft hatten, fürchteten eine Wiederholung der Fehde und verkauften 1448 die Herrschaft wieder an Klöster: Je zur Hälfte an St. Blasien und das Kloster Reichenau. 1457 wurde es ganz vom Kloster St. Blasien übernommen. Aber bereits im Jahre 1436 trat der damalige Abt Nikolaus von St. Blasien diese Herrschaft wieder für 12.712 Gulden an die Edlen von Hallwyl (auch Hallwil geschrieben) käuflich ab.

mini|Territorien mit Schaffhauser Hoheitsrechten (schraffiert)

Die Ortschaft Fützen gehörte nun „vom Jahre 1448 bis 1806 ununterbrochen dem Freien Reichsstift St. Blasien.“ Im Mittelalter wechselnde Klosterherrschaft und lange Besitzstreitigkeiten zwischen der Stadt Schaffhausen und den Stühlinger Landgrafen.

Die historische Verkehrslage der Ortschaft von der Anhöhe der Schwäbischen Alb hinunter in die Rheinuferlandschaft Klettgau bot die Vorteile einer 'Durchgangsstation'; allerdings wurde die Siedlung auch regelmäßig Opfer von Truppendurchzügen – überliefert ist im Dreißigjährigen Krieg die Plünderung 1634 beim Durchzug eines schwedischen Kommandos unter Schaffalitzky mit dem Ziel Küssaburg, deren Besatzung dann die eigene Festung in Brand gesetzt haben soll.

1722 endgültige Übernahme durch das Kloster St. Blasien.

mini|Die Antonius-Kapelle an der alten Landstraße

Die Antonius-Kapelle wurde von der Gemeinde nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) erbaut.

Marktstätte

Fützen war nicht nur Gerichts-, sondern schon im Mittelalter Marktstätte (erste Beurkundung erst am 18. Juli 1561), und damit war auch das Recht des 'Münzwechsels' verbunden.

Das Marktrecht – insbesondere „die Genehmigung zum 'Aufstellen der Stände zu erteilen und das Standgeld' einzuziehen“ – hielt sich ungeschmälert bis 1806, vermutlich, weil St. Blasien und Schaffhausen an dem Umschlagplatz („auch Vieh in großen Mengen“) beide interessiert waren. Trotz vielfachen Streites um das „Standrecht“ (und dessen Einkünfte) „ließ sich das Gotteshaus St. Blasien dieses Recht niemals einschränken oder gar wegnehmen.“Paul Willimski: Fützen. 1981, S. 126.

„Bis zur Auflösung des Freien Reichsstiftes Sankt Blasien durch die Säkularisation (1806) […] kam Fützen zum Bezirksamt Bonndorf, das vom Rent- und sanktblasianischen Regierungsamt […] in ein badisches Bezirksamt umgewandelt“ worden war.Willimski: Fützen. S. 33.

Strategische Bahn mini|Der Viadukt um 1920 mini|Bahnhof Fützen der Strategischen Bahn