mini|Die Lage des Kastells am oberpannonischen Donaulimes. mini|Lageplan der Militäranlagen und zivilen Strukturen von Brigetio und Iža-Leányvár. Das Kastell Iža-Leányvár (lateinischer Name Celamantia beziehungsweise KelamantiaZsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 57.) war ein römisches Militärlager auf dem Staatsgebiet der heutigen Slowakei, Bezirk Nitriansky, Kreis Komarno. Es diente zur Absicherung eines wichtigen Flussüberganges und Brückenkopfes am Nordufer der Donau, letzterer lag direkt gegenüber dem Legionslager von Brigetio. Der Strom bildete dort in weiten Abschnitten die Grenze (Limes Pannonicus) der römischen Provinz Pannonia Superior zum sogenannten Barbaricum, sodass die Besatzung des Kastells auch Sicherungs- und Überwachungsaufgaben in diesem Abschnitt wahrnahm.
Das Kastell ist die größte bekannte römische militärische Niederlassung in der Slowakei. Seine der Öffentlichkeit zugänglichen Reste befinden sich auf den östlichen Gemarkungen des südslowakischen Dorfes Iža in unmittelbarer Nähe zum Donauufer. Mangels moderner Grabungen sind jedoch viele bauliche Befunde, die kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert ermittelt wurden, zeitlich nicht eindeutig zuzuordnen. Der Kastellort ist seit 2021 Bestandteil des zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Donaulimes.
Name Der Name Celamantia/Kelamantia findet sich erstmals im 2. Jahrhundert n. Chr. bei dem Geographen Claudius Ptolemäus im Rahmen seiner Beschreibungen der germanischen Gebiete außerhalb des römischen Imperiums, neben der Donau (II 11, 15). Jedoch gibt es bei den Angaben des Ptolemäus deutliche Anhaltspunkte dafür, dass er den Bereich des Legionslagers Brigetio fälschlicherweise an die Raabmündung (Arrabo) setzte, die in Wirklichkeit etliche Kilometer stromaufwärts – am Kastell Arrabona (Raab) – in die Donau floss. Arrabona erwähnte der Gelehrte hingegen überhaupt nicht. Der Fehler wird von der wissenschaftlichen Forschung auf eine notwendige Gradkorrektur zurückgeführt, die Ptolemäus anhand seines Datenmaterials vornehmen musste. Die Lage von Celamantia gegenüber dem Legionslager von Brigetio entstammt neuzeitlichen Überlegungen, bei denen das antike Material erneut aufgearbeitet wurde.Endre Tóth: Die ptolemäische Bestimmung der gemeinsamen Grenzen von Pannonia Superior und Inferior. In: Folia Archaeologica. 36, 1985, S. 85–100, hier: S. 92–93. Celamantia ist nicht in anderen wichtigen antiken Quellen wie dem Itinerarium Antonini, einem Verzeichnis der römischen Reichsstraßen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., und der Notitia dignitatum, einem spätrömischen Staatshandbuch, erwähnt. Der gebräuchliche ungarische Name Leányvár (Mädchenburg) soll auf der Sage vom römischen Soldaten Valentinus beruhen, der im Kastell angeblich seine Geliebte festgehalten hatte.
Lage Für den Standort des ersten Lagers von Brigetio (angelegt unter Kaiser Claudius, 41–54 n. Chr.) war vor allem seine Nähe zur Váh, dem größten Nebenfluss am nordpannonischen Grenzabschnitt, entscheidend. Der Fluss mündet rund vier Kilometer östlich von Brigetio in die Donau.László Barkóczi, András Mócsy: Die römischen Inschriften Ungarns (RIU). 2. Lieferung. Salla, Mogentiana, Mursella, Brigetio. Adolf M. Hakkert, Amsterdam 1976, ISBN 963-05-0680-7, S. 89. Das umliegende Terrain ist eben und mit wenig Aufwand leicht zu überwachen. Erst weiter östlich von Komorn steigt das Land auf pannonischer Seite zum Gerecse-Gebirge an. Von dort transportierte ein später errichteter Aquädukt Frischwasser bis in das unter Kaiser Hadrian (117–138) fertiggestellte Legionslager von Brigetio,. das auch ein wichtiger Straßenkreuzungspunkt war und an einer bedeutenden Heer- und Handelsstraße lag, die am Südufer der Donau entlangführte. Die Grundlage für die Erbauung des Kastells von Iža-Leányvár auf einer kleinen quadratischen Erhöhung bildete somit das Legionslager als bedeutende militärische Operationsbasis, zudem konnte im Zusammenspiel der beiden am rechten und linken Donauufer liegenden Besatzungen der Fluss bestens überwacht werden. Eine vom Südwestturm des Brückenkopfkastells zur Donau hin abgehende Mauer sowie eine spiegelgerechte Mauer auf Seiten des Legionslagers deuten ein Sperrwerk an, das eine Donaubrücke sichern sollte. Der Benediktinerpater Rudolf Gyulai (1848–1906) konnte gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei Brigetio noch die Überreste einer antiken Brücke über die Donau beobachten, die sowohl vom Militär als auch vom Handelsverkehr genutzt wurde. Der Kastellbesatzung war es somit möglich, trockenen Fußes zum Legionslager zu gelangen, oder von dort im Alarmfall rasch Verstärkung heranzubringen.
In der Antike zählte das Brigetio gegenüberliegende Ufer zum Siedlungsgebiet des germanischen Stamms der Quaden, der oftmals mit den etwas weiter östlich in der Großen ungarischen Tiefebene lebenden sarmatischen Jazygen für Rom bedrohliche Bündnisse einging und daher unter besonders scharfer Beobachtung der römischen Armee stand. Bis zur Angliederung Oberungarns an die Tschechoslowakei durch den 1920 abgeschlossenen Vertrag von Trianon gehörte der Platz zu Ungarn.
Forschungsgeschichte Die älteste als Draufsicht wiedergegebene Abbildung des Kastellareals erhielt sich in einer Darstellung des 17. Jahrhunderts, die infolge der Schlacht bei Komárno (1661) im Auftrag des Generals Louis de Souchés angefertigt wurde. Im 18. Jahrhundert erwähnte der Gelehrte Matthias Bel (1684–1749) die Ruinen und damals noch gut erhaltenen Wälle der „Burg“. Anlässlich ihrer Reise entlang der Donau wurden auch der Engländer Richard Pococke (1704–1765) und dessen Cousin Jeremiah Milles (1714–1784) auf das Kastell von Leányvár aufmerksam. Die beiden konnten auch das gegenüberliegende Legionslager als das antike Brigetio identifizieren. Milles fertigte eine Bestandsskizze der beiden Militäranlagen sowie des benachbarten Amphitheaters an.
Von 1906 bis 1909, sowie 1912 und 1913 untersuchte der im damaligen Izsa (Iža) geborene ungarische Lehrer und Amateurarchäologe János Tóth-Kurucz (1878–1969) große Abschnitte des Kastells, veröffentlichte die Ergebnisse und gründete den Freundeskreis der Burg Leányvár. Sein Befundplan ist in weiten Teilen noch gültig. Erst 1932 setzte der tschechoslowakische Archäologe Jaroslav Böhm (1901–1962) diese Arbeit mit kleineren Sondierungen an den Kastellgräben fort.Klára Kuzmová, Ján Rajtár: Bisherige Erkenntnisse zur Befestigung des Römerkastells in Iža. In: Slovenská Archeológia. Band 34, 1986, S. 185–222, hier S. 185. 1955 und 1956 folgten zwei Grabungskampagnen unter dem Prähistoriker Bedřich Svoboda (1896–1975) und 1957 eine von Mária Lamiová-Schmiedlová geleitete Untersuchung.Klára Kuzmová, Ján Rajtár: Anfänge des Römerlagers in Iža. In: Archeologické Rozhledy. Band 38, 1986, S. 358–377, hier: S. 358. Anschließend wurde 1959 nochmals an der Porta decumana gegraben.Klára Kuzmová, Ján Rajtár: Bisherige Erkenntnisse zur Befestigung des Römerkastells in Iža. In: Slovenská Archeológia. Band 34, 1986, S. 185–222, hier S. 198. Seit 1978 ist das Archäologische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften zu Neutra für den Erhalt, die Präsentation und Erforschung von Leányvár zuständig. Besonders die slowakischen Archäologen Ján Rajtár und Klára Kuzmová haben sich mit ihren Grabungen und Untersuchungen in den darauffolgenden Jahrzehnten um die Geschichte des Kastells hervorgetan. Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) und der Slowakischen Akademie der Wissenschaften zu Neutra wurden im Frühjahr 1990Emese Számadó, Lászlo Borhy: Brigetio Temporary Camps. In: Zsolt Visy (Hrsg.): The Roman army in Pannonia. Teleki Lázló Foundation 2003, ISBN 963-86388-2-6, S. 79. und im Frühjahr 1993 mit Hilfe der Luftbildarchäologie temporäre Erdlager nahe am Kastell entdeckt und unter der Leitung von Claus-Michael Hüssen und Jan Rajtár 1992/1993 archäologisch untersucht.Kurzbericht: Römische Feldlager in der Südslowakei. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 74, 1993, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1994, S. 859.
Baugeschichte Aus der Umgebung von Iža-Leányvár wurde eine kleine Gruppe frührömischer Lesefunde aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg publiziert, datiert in die Regierungszeit des Kaisers Domitian (81–96). Sie enthält eine Sigillate aus dem südgallischen La Graufesenque, die bronzene Schnalle eines Sattelgurts, den bronzenen blattförmigen Anhänger eines Pferdegeschirrs sowie das Fragment einer bronzenen Schnalle einer Doppelknopffibel. Der Archäologe Ján Rajtár ging davon aus, dass es trotz dieser spärlichen Funde eine zumindest kürzere militärische Anwesenheit römischer Truppen unter Domitian gab.Klára Kuzmová: Die Südwestslowakei in der frührömischen Kaiserzeit im Lichte archäologischer Quellen. In: Region im Umbruch. Region und Reich. Das Gebiet der oberen Donau im Imperium Romanum. Interdisziplinäre Tagung in Regensburg vom 18.–19. September 2008. Verlag Frank & Timme, Berlin 2010, S. 57–75, hier: S. 65–66. Die Geschichte von Iža-Leányvár muss aber stets auch in Zusammenhang mit den Entwicklungen am Legionslager Brigetio betrachtet werden, da sich daraus wichtige Analogien zur Entwicklung des Kastells erschließen.
Holz-Erde-Lager