Ziemlich beste Freunde (Originaltitel: Intouchables, französisch für Die Unberührbaren) ist eine französische Tragikomödie der Regisseure Olivier Nakache und Éric Toledano aus dem Jahr 2011. Inspiriert wurde sie durch die 2001 erschienene Autobiografie Le second souffle des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo, der im Juni 1993 beim Paragleiten abstürzte und danach bis zu seinem Tod im Juni 2023 Tetraplegiker war. Ziemlich beste Freunde erzählt lose von der Freundschaft zwischen ihm und seinem neuen Pflegehelfer, der mit seiner unkonventionellen Art dem wohlhabenden, aber isoliert lebenden Philippe neuen Lebensmut gibt.

Der Spielfilm mit François Cluzet und Omar Sy in den Hauptrollen wurde unter anderem in Paris, Seine-Saint-Denis, Savoie und im Seebad Cabourg am Ärmelkanal gedreht. In Frankreich avancierte er nach seiner Veröffentlichung im November 2011 mit über 19,2 Millionen Zuschauern zur erfolgreichsten inländischen Produktion des Jahres. Das weltweite Einspielergebnis betrug über 426 Millionen US-Dollar.Intouchables. JP’s Box-Office.

Kritiker lobten einvernehmlich sowohl das Spiel der beiden Hauptdarsteller als auch die tragikomische Inszenierung. Bei der 37. César-Verleihung im Februar 2012 ging Ziemlich beste Freunde mit neun Nominierungen ins Rennen, und Omar Sy gewann die Auszeichnung als Bester Hauptdarsteller. Überdies wurde der Film für einen Golden Globe als Bester fremdsprachiger Film sowie den BAFTA Award in der Sparte Bester nicht-englischsprachiger Film nominiert. Zudem wurde er als offizieller Beitrag Frankreichs für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt.

Handlung In einer Vorausblende liefert sich die Hauptfigur Driss, der senegalesische Fahrer, mit dem gelähmten Franzosen Philippe auf dem Beifahrersitz eine Verfolgungsjagd mit der Polizei durch das nächtliche Paris. Driss wettet mit Philippe, in ihrem Maserati Quattroporte V GTS den Polizisten zu entkommen, doch diesen gelingt es bald, den Wagen zu stoppen. Driss wird rabiat aus dem Wagen gezerrt, doch mit Hilfe eines vorgetäuschten epileptischen Anfalls von Philippe und der Erklärung von Driss, dass dies der Grund für die Raserei gewesen sei, können beide einer Strafe entgehen; sie werden sogar im Eiltempo von den Polizeifahrzeugen zum nächstgelegenen Krankenhaus eskortiert.

Anschließend beginnt der eigentliche Handlungsstrang mit dem Kennenlernen von Philippe und Driss. Der vermögende Philippe ist seit einem Absturz mit dem Paragleiter vom dritten Halswirbelkörper an abwärts gelähmt und sucht eine neue Pflegekraft. Driss, der gerade eine sechsmonatige Haft wegen eines Raubüberfalls abgesessen hat, bewirbt sich der Form halber um die Stelle. Er ist sicher, dass er eine Absage erhalten wird. Er braucht jedoch eine Unterschrift als Bestätigung für das Arbeitsamt, um von dort Unterstützung zu erhalten. Philippe zeigt sich aber von Driss beeindruckt, weil dieser kein Mitleid mit ihm hat und sich über seine körperliche Behinderung amüsiert. Am Abend des Vorstellungsgespräches kehrt Driss nach seinem Gefängnisaufenthalt wieder nach Hause zurück. Er wohnt bei seiner Tante, die auch seine Ziehmutter ist, und deren anderen Kindern, die von mehreren Männern stammen. Am Abend eskaliert ein Konflikt zwischen ihm und seiner Tante, sodass er von ihr aus der Wohnung geworfen und ihm mitgeteilt wird, dass er dort nun unerwünscht sei. Ohne eine Aussicht auf eine feste Bleibe verbringt Driss die Nacht auf der Straße in Paris. Driss erhält zu seiner Überraschung am nächsten Tag die Arbeitsstelle auf Probe. Philippe ist verwitwet, hat eine Adoptivtochter und lebt mit etlichen Hausangestellten in einem Palais im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés.

Philippe erfährt über seinen langjährigen Freund von Driss’ krimineller Vergangenheit, was ihn aber nicht besorgt, solange dieser seine Arbeit ordentlich ausführt. Trotzdem sorgt sich das nähere Umfeld von Philippe um ihn. Er führt Driss an die klassische Musik und die Malerei heran. Driss nötigt Philippe, seine Brieffreundin Éléonore in Dünkirchen anzurufen und ihr ein Foto von sich zu schicken. Ein Treffen kommt jedoch nicht zustande, da Philippe kurz vor der vereinbarten Uhrzeit Angst bekommt und das Lokal verlässt. Beim Hinausgehen verpassen sich die beiden. Philippe, mit sich selbst unzufrieden, ruft daraufhin Driss an und verlässt mit ihm Paris in einem Privatjet. Im Flugzeug offenbart Philippe ihm, dass er für ein von Driss gemaltes Gemälde 11.000 Euro erhalten hat, und übergibt ihm das Geld. Philippes Ziel dieser kurzfristigen Reise ist, zusammen mit Driss Gleitschirm zu fliegen, und so steht der Senegalese plötzlich angstvoll vor seinem ersten Tandemflug.

Driss hat Probleme mit seiner Familie und verlässt Philippe nach einigen Monaten, als sein Cousin Adama in der Villa auftaucht. Dieser ist in kriminelle Machenschaften verwickelt. Die Trennung fällt Philippe und ihm sichtlich schwer. Driss kehrt zu seiner Familie zurück und nimmt eine Stelle als Kurierfahrer an.

Ersatzweise stellt Philippe mehrere Pfleger auf Probe ein, doch keiner kann ihn zufriedenstellen und man merkt, dass er die Anwesenheit und die Art von Driss vermisst. Die besorgte Hausdame Yvonne kontaktiert Driss, der noch einmal zurückkommt – und die zu Filmbeginn gezeigte Verfolgungsjagd findet statt. „Und wie geht es jetzt weiter?“, fragt Philippe, als sie vor dem Krankenhaus stehen. Driss fasst einen Entschluss und fährt mit Philippe unter dem Vorwand eines Restaurantbesuchs an die Kanalküste. Dort angekommen, lässt er Philippe allein am Tisch zurück und verspricht, dass dieser nicht allein essen werde. Er hat ein Treffen mit Philippes Brieffreundin Éléonore arrangiert, die kurz darauf erscheint.

Am Ende des Films werden in einer kurzen Einstellung der echte Philippe Pozzo di Borgo und sein Freund Abdel Yasmin Sellou gezeigt.

Hintergrund Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte des ehemaligen Geschäftsführers des Champagnerherstellers Pommery, Philippe Pozzo di Borgo, der zum Tetraplegiker wurde, als er am 27. Juni 1993 beim Paragleiten verunglückte und seitdem vom Hals abwärts querschnittgelähmt war. Damals wohnte er im Pariser Palais Hôtel de Longueuil im 7. Arrondissement und suchte einen Pfleger, der ihn rund um die Uhr versorgen sollte. Dabei fiel Pozzo di Borgo bei den vielen Bewerbern der 21-jährige Algerier Abdel Yasmin Sellou auf, der zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war und die Stelle eigentlich gar nicht haben wollte. Pozzo di Borgo stellte Sellou trotzdem ein, der die nächsten zehn Jahre lang sein Pfleger war. Nachdem 1996 Pozzo di Borgos erste Ehefrau an Krebs gestorben war, fiel der zu diesem Zeitpunkt 45-Jährige in eine Depression und dachte an Selbstmord. Sellou half ihm aus dieser Depression, und beide unternahmen zusammen viele Reisen. Aus der Angestelltenbeziehung entstand eine tiefe Freundschaft. Eine der letzten gemeinsamen Reisen führte sie 2003 nach Marrakesch, wo Pozzo di Borgo seine zweite Ehefrau kennenlernte. Mit ihr und seinen zwei Töchtern lebte er in der Nähe der marokkanischen Hafenstadt Essaouira. 2023 starb er 72-jährig in Marrakesch. Auch Sellou fand in Marokko seine Frau. Der Vater von drei Kindern ist Betreiber einer Geflügelzucht in Algerien.

Die Verfilmung basiert auf der Autobiografie von Pozzo di Borgo, die er 2001 unter dem Titel Le second souffle („Der zweite Atem“) in Frankreich veröffentlichte. Danach folgten viele Anfragen wegen Filmrechten, die er ablehnte. Erst 2010 konnte er von den beiden Regisseuren Olivier Nakache und Éric Toledano überzeugt werden, sein Leben auf die Kinoleinwand bringen zu lassen. Die beiden Regisseure hatten schon seit 2003 mit der Idee gespielt, nachdem sie eine Dokumentation von Mireille Dumas über die besondere Freundschaft zwischen Pozzo di Borgo und Sellou gesehen hatten. Im August 2010 luden sie Pozzo di Borgo zusammen mit den beiden Hauptdarstellern François Cluzet und Omar Sy zu einem Mittagessen nach Essaouira ein. Letztlich willigte Pozzo di Borgo unter der Bedingung ein, dass fünf Prozent der Erlöse an seinen Förderverein für Behinderte, Fédération Simon de Cyrène, gehen und dass eine Filmaufführung in seinem Reha-Zentrum in der Bretagne stattfindet. Bisher wurde auf diesem Weg rund eine Million Euro gespendet.

Das Budget des Kinofilms betrug 9,5 Mio. Euro. Mittlerweile wurden weltweit über 426 Mio. US-Dollar (ca. 321 Mio. Euro) eingenommen, davon allein in Frankreich über 166 Mio. US-Dollar und weitere 79 Mio. US-Dollar in Deutschland.

Synchronsprecher Der Film wurde bei der Christa Kistner Synchronproduktion GmbH in Potsdam synchronisiert. Michael Nowka schrieb das Dialogbuch und führte die Dialogregie. Rollenname Schauspieler Synchronsprecher Phillipe François Cluzet Frank Röth Driss Omar Sy Sascha Rotermund Magalie Audrey Fleurot Christin Marquitan Albert Christian Ameri Freimut Götsch Antoine Grégoire Ostermann Bodo Wolf Bastien Thomas Solivérès Patrick Baehr Fatou Salimata Kamate Mariamu Morris Marcelle Clotilde Mollet Marianne Groß Adama Cyril Mendi Sami El-Sabkhawi Mina Absa Diatou Toure Soraya Richter Yvonne Anne Le Ny Isabella Grothe Elisa Alba Gaïa Bellugi Katharina Ritter

Rezeption Veröffentlichung und Erfolg mini|Hauptdarsteller Omar Sy mit den beiden Regisseuren Éric Toledano und Olivier Nakache 2012

Der Film startete am 2. November 2011 in den französischen und belgischen Kinos. In Frankreich wurde er 2011 mit über 19,2 Millionen Kinobesuchern zur erfolgreichsten Komödie und zum dritterfolgreichsten Film.

Am 5. Januar 2012 war Kinostart in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Auch in Deutschland lief der Film sehr erfolgreich an. Am ersten Wochenende kamen rund 290.000 Zuschauer, wodurch Ziemlich beste Freunde in den Media-Control-Kinocharts auf Platz 2 einstieg.„Ziemlich beste Freunde“ mit ziemlich gutem Kinostart. Media Control. 9. Januar 2012 (Pressemitteilung). Eine Woche später sprang der Film mit 468.000 Besuchern an die Spitze der deutschen Kinocharts,Kino-Charts: US-„Verblendung“ neu auf Platz zwei. Media Control. 16. Januar 2012 (Pressemitteilung). wo er sich die nächsten Wochen halten konnte. Insgesamt sahen ihn in deutschen Kinosälen über 9 Millionen Zuschauer. In der Schweiz sahen den Film bisher über 1,4 Mio. Zuschauer. In Österreich wurden mit dem Film bei 704.000 Besuchern bisher insgesamt 4,67 Millionen Euro eingenommen.

Kritiken Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken und erreichte bei Rotten Tomatoes eine Bewertung von 75 %, basierend auf 119 Kritiken.. Bei Metacritic konnte ein Metascore von 57, basierend auf 31 Kritiken, erzielt werden..

Anne Facompre von Filmstarts.de bezeichnete Ziemlich beste Freunde als Wie zahlreiche andere Rezensenten lobte Facompre vornehmlich das Spiel der beiden Hauptdarsteller. Der Film überzeuge

Laut Lena Bopp von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vereine die Produktion „Ungleiches zart und witzig“. Obwohl das Drehbuch kaum eine Gelegenheit auslasse, sich „Kalauer zu bedienen“, sei die Komödie „rührend, ohne jemals peinlich zu sein“. Mit dem Film sei

Der Kritiker Hans-Ulrich Pönack befand, Ziemlich beste Freunde sei der „passende Spaßfilm zur heutigen Problem-Zeit“ und der erste Kinoknüller des Jahres 2012:

Der Welt-Autor Matthias Wulff bezeichnete Ziemlich beste Freunde als „ziemlich interessanten Film“, was zum einen an seinem großen Erfolg liege, zum anderen aus seinem ungewöhnlichen Humor resultiere, der insofern eher unüblich sei,

Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung urteilte gemäßigter. Er befand, dass der Film sich an eine bewährte Formel halte:

Emilia Roig kritisiert in ihrem Buch Why we matter, der Film reproduziere mit dem gebildeten, reichen Weißen und dem groben, einfachen, immer gut gelaunten Schwarzen diskriminierende Rollenklischees.