mini|AGN-211-P (2008) AGN-211-P war der Forschungsreaktor der Universität Basel, der von 1959 bis 2013 betrieben wurde. Ursprünglich wurde er als Anschauungsobjekt für die Weltausstellung Expo 58 in Brüssel gebaut, wo er sich unter dem Atomium befand.

Für die Forschung selbst war er seit längerem nicht mehr relevant, er diente noch der Ausbildung der Studierenden, zur Demonstration sowie der Erzeugung von Neutronenstrahlung.badische-zeitung.de: Die Kernkraftzwerge, 22. Juni 2011, abgerufen am 7. Januar 2014.Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt: Interpellation Nr. 36 von Remo Gallacchi betreffend «Ausbildungs- und Forschungsreaktor der Uni Basel» vom 30. Mai 2013.

Der Hersteller des Reaktors war Aerojet General Nucleonics(AGN).Universität Basel: , September 2009.IAEA: Switzerland (Swiss Confederation): Research Reactor Details – AGN 211 PAGN war eine Tochter der Aerojet General Corporation, die wiederum der General Tire and Rubber Company gehörte (heute als Aerojet Rocketdyne firmierend); Quelle: Journal of the Assembly, Legislature of the State of California, 1959, S. 64.

Der Reaktor war im Betrieb gut zugänglich und es konnte u. a. das Tscherenkow-Leuchten beobachtet werden.

Bau und Betrieb miniatur|Der Reaktor AGN-211-P befand sich 1958 unter dem Atomium. In den 1950er Jahren stieg auch in der Schweiz das Interesse an einer zivilen Nutzung der Atomenergie. Dem entsprach die zunehmende Bedeutung des Atomkerns als Forschungsgegenstand an der Universität Basel. In seiner Rektoratsrede referierte der damalige Institutsleiter Huber 1958 über die Geschichte der Kernenergie und ihre Bedeutung für den Menschen. Für Huber war die Kernenergie eine der «tiefgreifendsten Entdeckungen der Menschheit». Um eine Ausbildung der Physikstudenten auf diesem Gebiet zu ermöglichen, entwarf Huber 1959 einen aussergewöhnlichen Praktikumsversuch und erwarb dazu einen Kernreaktor vom Typ AGN 211 von der amerikanischen Firma Aerojet General Nucleonics.

Der heutige Reaktor AGN-211-P war 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel unter dem Atomium installiert. 1959 wurde er in die Schweiz geholt. Gekauft wurde er bereits 1958 mit Unterstützung des Bundes. Als Baubeginn in der Schweiz gilt der 30. April 1959, die Inbetriebnahme erfolgte am 1. August 1959. Eingebaut wurde der Reaktor in den ehemaligen Kohlenkeller der Physikalischen Anstalt an der Universität Basel. Auf der Grundlage des Bundesgesetzes über die friedliche Verwendung der Atomenergie wurde per 1. Juli 1960 eine Betriebsbewilligung erteilt. Der Reaktorkern bestand ursprünglich aus einer Polyethylen-Uranoxidmischung. Dieser Kern erwies sich für die Rückhaltung von Spaltprodukten als ungeeignet. Daher wurden die Brennelemente im Jahr 1961 gegen Metallplattenelemente mit 90 Prozent angereichertem Uran ausgetauscht. Seitdem gab es auch kein Vorkommnis gemäss Richtlinien der ENSI. Seit diesem Jahr diente der Versuchsreaktor zu Ausbildungszwecken.https://www.ensi.ch/de/2017/05/24/ensi-beurteilt-stilllegungsprojekt-des-forschungsreaktors-der-uni-basel-als-vollstaendig/https://www.ensi.ch/de/themen/forschungsreaktoren/

Die Kontrollanlage wurde 1986 total erneuert.bazonline.ch: Das Miniatur-AKW mitten in Basel, 13. April 2011. Seit 1997 wurden zukünftige Operateure von schweizerischen Atomkraftwerken am Basler Reaktor ausgebildet.  Im Dezember 2000 beauftragte die Regierung Basel-Stadt das Kantonale Laboratorium, die Erdbebensicherheit des Reaktors zu überprüfen. 2003 erfolgte eine Störfallanalyse zur Erdbebensicherheit des Forschungsreaktors. Die Analyse wurde von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (heute Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI) durchgeführt. Als Ergebnis bestätigte der Bund, dass bei einem Erdbeben – unabhängig von seiner Stärke – die Dosisgrenzwerte für radioaktive Strahlung nicht überschritten würden, weder für die Bevölkerung noch für das Rettungspersonal.

Stilllegung 2006 erhielt der Kanton Basel-Stadt eine neue Verfassung. Darin wandte sich der Kanton gegen die Nutzung von Kernenergie. Die Verfassung untersagte den Behörden jegliche Beteiligungen an Atomkraftwerken. Vor diesem Hintergrund verstärkte sich die öffentliche Kritik am Basler Kernreaktor. Im Parlament wurden kritische Vorstösse zur Sicherheit der Anlage eingereicht. Die Basler Regierung nahm 2011 Stellung und verwies darauf, dass die Anlage als Nullenergiereaktor mit einer Höchstleistung von zwei Kilowatt ungefährlich sei. Die produzierte Energie entspreche der Leistung eines Tauchersieders. Wegen dieser geringen Leistung hätten die Brennstäbe allerdings eine Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Und das verwendete Uran sei atomwaffenfähig – es bräuchte indes weit mehr als die für die Anlage benötigten 2 Kilo, um eine Bombe herzustellen.

Die Stilllegung war gleichwohl eine Frage der Zeit. Die Anlage war zu alt, entsprechende Spezialisten gingen in Pension. Die Jahresinspektion im November 2013 ergab zwar keine Beanstandungen. Trotzdem wurde der älteste Atomreaktor der Schweiz seit 2013 nicht mehr benutzt. Experimentelle Kernphysik war an der Universität Basel kein Forschungsschwerpunkt mehr. Zudem waren am Reaktor-Standort Neubauten geplant, denen die Anlage weichen musste.tagesanzeiger.ch: Der älteste Atomreaktor der Schweiz schaltet ab, 24. Juli 2013. Die Jahresinspektion im November 2013 ergab keine Beanstandungen. des ENSI Seit 2013 wurde der Reaktor nicht mehr betrieben.

Parallel dazu bemühten sich unter der Präsidentschaft Barack Obamas die amerikanischen Behörden um eine globale Abrüstung und damit verbunden um die verstärkte Kontrolle des Handels mit waffenfähigem Uran. Dies betraf auch das Uran im Basler Kernreaktor, das ursprünglich aus den USA stammte. 2015 wurden die 2,2 Kilo hochangereichertes Uran aus dem Forschungsreaktor in die USA gebracht. Der Atommüll sollte dort in nicht-waffenfähiges Material umgewandelt werden. Die Rückführung der 13 bestrahlten Uran-Brennelemente fand im Rahmen eines Rückführungsprogramms der amerikanischen National Nuclear Security Administration statt.National Nuclear Security Administration (NNSA): Last HEU Removed from Switzerland under NNSA Collaboration, 16. September 2015. Der Transport fand in enger Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und amerikanischen Behörden statt. Das Uran wurde in Spezialbehältern per Schiff in eine Anlage in Savannah River überführt.

Die Universität Basel hat Anfang Februar 2017 das Stilllegungsprojekt für den Forschungsreaktor beim Bundesamt für Energie BFE eingereicht. Am 13. Februar 2019 hat das UVEK die Stilllegungsverfügung erteilt,https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/aeltester-schweizer-atomreaktor-an-uni-basel-darf-stillgelegt-werden-134264097 sodass mit dem Rückbau begonnen werden konnte. Rasterförmige Wischtests, Probenahmen sowie Aktivierungsrechnungen hatten ergeben, dass nur in kernnahen Bauteilen Radioaktivität oberhalb der Grenzwerte vorhanden war. Daher war der technische Abbau vergleichsweise unkompliziert für einen Atomreaktor. Es brauchte weder Fernhantierung noch Abschirmung. Zur Demontage der radioaktiv aktivierten Strukturen werden staubarme mechanische Trennverfahren eingesetzt. Alle abgebauten Teile wurden für die spätere Verpackung passend abgelängt. Das verstrahlte Material wurde in etwa zehn 200-Liter-Fässer verpackt.

Die Rückbauarbeiten wurden 2020 abgeschlossen und der stillgelegte Forschungsreaktor 2021 aus der Aufsicht des Bundes entlassen. 2023 wurde er für die neue Energieausstellung «Experience Energy!» dem Verkehrshaus der Schweiz als Schenkung übergeben.

Technische Daten

Typ: offener Swimmingpool-ReaktorReaktoroperateur-Schule – Universität Basel Brennstoff: ca. 1,974 kg UAlx (hochangereichertes Uran) Steuerstäbe: 4 (je 1 Grobregelstab und 1 Sicherheitsstab aus Cadmium, 1 Feinregelstab aus rostfreiem Stahl und 1 Sicherheitsstab aus Boral) max. Nennleistung: 2 kW max. wöchentlich Beschränkung: 30 kWhhttps://www.ensi.ch/de/2017/05/24/ensi-beurteilt-stilllegungsprojekt-des-forschungsreaktors-der-uni-basel-als-vollstaendig/ Neutronenfluss: 4·1010 n/(cm²s) Moderator: Leichtwasser

Der Brennstoff würde für circa 800 Jahre Betrieb reichen.

Weblinks

ENSI: Die Stilllegungsarbeiten beim Basler Forschungsreaktor sind abgeschlossen, 9. Juni 2021

badische-zeitung.de: Die Kernkraftzwerge

Einzelnachweise

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