Scheinmohn (Meconopsis) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Die blau blühenden Arten und Sorten werden auch Blauer Mohn genannt. Die etwa 55 Arten weisen eine Verbreitung in der Sino-Himalaja-Region auf; davon weicht nur eine westeuropäische Art ab.
Beschreibung mini|links|Illustration von Meconopsis napaulensis mini|Blüte des Tibet-Scheinmohn (Meconopsis betonicifolia) mit vier Kronblättern, den vielen Staubblättern und dem Fruchtknoten mini|Kapselfrüchte und Samen des Wald-Scheinmohn (Meconopsis cambrica)
Vegetative Merkmale Scheinmohn-Arten wachsen als ein- bis mehrjährige, monokarpische oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Pflanzenteile führen einen gelben Milchsaft. Bei monokarpischen Arten sind dicke oder verdickte Pfahlwurzeln mit Faserwurzeln vorhanden oder sie besitzen nur Faserwurzeln. Die ausdauernden Arten bilden Rhizome. Wenn ein erkennbarer Stängel vorhanden ist, dann kann er verzweigt und beblättert sein und ist er flaumig oder borstig behaart oder kahl.
Die wechselständig und spiralig am Stängel verteilten und/oder in einer basalen Rosette angeordneten Laubblätter sind gestielt bis ungestielt. Manchmal sind die Laubblätter stängelumfassend. Die Blattspreite kann fiederschnittig bis -teilig oder einfach sein. Die Blattränder sind glatt oder gesägt. Die Blattflächen sind borstig behaart oder kahl. Nebenblätter fehlen.
Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen einzeln oder in traubigen, rispigen oder pseudodoldigen Blütenständen. Die oberste Blüte öffnet sich als Erste. Oft hängen die Blütenknospen.
Die relativ großen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und schüssel- oder tellerförmig mit einer doppelten Blütenhülle. Die zwei (selten drei oder vier in der obersten Blüte) freien, oft borstig behaarten Kelchblätter fallen beim Öffnen der Blüte ab. Die Farbe der vier bis zehn (selten mehr) Kronblätter variiert je nach Art von oft blau bis purpurfarben, manchmal rosafarben bis rot oder gelb, selten weiß. Die vielen freien, fertilen Staubblätter werden zentripetal gebildet. Die Staubfäden sind meist lineal. Die Staubbeutel sind oft länglich. Drei oder mehr Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen, der fast kugelig, eiförmig, verkehrt-eiförmig oder schmal-zylindrisch ist. Es sind viele Samenanlagen vorhanden. Auf dem Fruchtknoten befinden sich ebenso viele freie Griffel wie Fruchtblätter, die Griffel sind kurz bis kaum erkennbar und enden in kopfigen bis keulenförmigen Narben.
Früchte und Samen Die flaumig bis borstig behaarten, stacheligen oder kahlen Kapselfrüchte sind fast kugelig, eiförmig, verkehrt-eiförmig, elliptisch oder zylindrisch und enthalten viele Samen. Die Kapselfrüchte besitzen drei bis zwölf (-18) Fruchtfächer, deren Segmente leicht gelappt sind oder sie öffnen sich von der Spitze in Richtung Basis auf einem Drittel ihrer Länge oder mehr. Die eiförmigen, nierenförmigen, sichelförmig-länglichen oder länglichen Samen sind glatt oder longitudinal konkav.
Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie).
mini|Habitus, Laubblätter, Blütenknospen und offene Blüten des Wald-Scheinmohn (Meconopsis cambrica) mini|Blüten von Meconopsis forrestii mini|Großer Scheinmohn (Meconopsis grandis) mini|Knospige und offene Blüten vom Stachligen Scheinmohn (Meconopsis horridula) mini|Blüten des Roten Scheinmohn (Meconopsis punicea) mini|Ganzblättriger Scheinmohn (Meconopsis simplicifolia)
Systematik und Verbreitung Die Gattung Meconopsis wurde 1814 durch Louis Guillaume Alexandre Viguier in Histoire naturelle, médicale et économique des pavots et des argémones, Seite 48 aufgestellt. Als Typusart ist Meconopsis cambrica festgelegt. Gattungsname und Typusart wurden 2013 vom „Nomenclature Committee for Vascular Plants“, veröffentlicht durch Wendy Linn Applequis in Taxon, Band 62, Teil 6, Seite 1318 festgelegt. Synonyme für Meconopsis sind Cathcartia und Cumminsia nom. inval.
Die Gattung Meconopsis gehört zur Tribus Papavereae in der Unterfamilie der Papaveroideae innerhalb der Familie der Papaveraceae.
Die etwa 55 Arten kommen fast nur in der Sino-Himalaja-Region, vom Himalaja bis ins westliche China vor. Nur eine Art (Meconopsis cambrica) ist in Westeuropa heimisch. Etwa 43 Arten kommen in China vor, 23 davon nur dort. 22 kommen in Nepal vor, 11 davon nur dort, darunter einige Lokalendemiten.
Es gibt etwa 55 Arten in der Gattung Scheinmohn (Meconopsis): Meconopsis aculeata : Sie kommt im südwestlichen Tibet, südwestlichen Indien und in Pakistan vor. Meconopsis argemonantha : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3700 bis 4600 Metern nur im südwestlichen Tibet. Meconopsis autumnalis : Sie wurde 2011 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht auf subalpinen Weiden, auf alpinen Matten, auf Waldlichtungen und entlang von Fließgewässern in Höhenlagen von 3300 bis 4200 Metern nur in Nepal. Meconopsis balangensis : Sie wurde 2011 in Plant Diversity and Resources, Volume 33, S. 409 erstbeschrieben. In der Flora of China sind zwei Varietäten verzeichnet, die als Endemiten in der chinesischen Provinz Sichuan vorkommen: Meconopsis balangensis var. balangensis: Diese Endemit gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 4300 Metern nur in Balang Shan und Wenchuan. Meconopsis balangensis var. atrata : Diese Endemit gedeiht in Höhenlagen von 3950 bis 4000 Metern an der Grenze zwischen Xiaojin und Baoxing Xian. Meconopsis barbiseta : Dieser Endemit gedeiht auf Alpinen Matten in Höhenlagen von etwa 4400 Meter nur in Jigzhi im südöstlichen Qinghai. Meconopsis bella : Sie kommt im Himalaja von Nepal bis Bhutan in Höhenlagen von 3600 bis 5300 Meter vor. Tibet-Scheinmohn (Meconopsis betonicifolia ): Er kommt im südöstlichen Tibet (Cona, Mainling, Nyingchi), nordwestlichen Yunnan und nördlichen Myanmar vor. Meconopsis biloba : Sie wurde 2009 in Novon, Volume 19, S. 286 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht auf Felsschutt und felsigen Hängen in Höhenlagen von etwa 3050 Meter nur in Lingtan in Gansu. Wald-Scheinmohn oder Kambrischer Scheinmohn (Meconopsis cambrica ): Er ist die einzige westeuropäische Art. Die Zugehörigkeit zur Gattung Papaver wird diskutiert; dort müsste er den Namen Papaver cambricum tragen. Er kommt auf den britischen Inseln und in Westeuropa (auf der Iberischen Halbinsel) vor. Meconopsis chankheliensis : Sie wurde 2006 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Eichen-Tannen-Wäldern, auf Felsen und entlang von Fließgewässern in Höhenlagen von 3100 bis 4600 Metern nur in Nepal. Meconopsis chelidoniifolia : Er gedeiht im Schatten im Wald, an Bachufern und Straßenrändern in Höhenlagen von 1400 bis 2700 Metern im nördlichen und westlichen Sichuan sowie nordöstlichen Yunnan. Meconopsis concinna : Sie gedeiht an grasigen Hängen, unter Rhododendron-Sträuchern, Berg-Moorlandschaften und Heiden, Waldrändern in Höhenlagen von 3300 bis 4500 Metern im südwestlichen Sichuan, südöstlichen Xizang und nordwestlichen Yunnan. Kalk-Scheinmohn (Meconopsis delavayi ): Dieser Endemit gedeiht an grasigen Hängen, stabilisierten Moränen und felsigen Matten in Höhenlagen von 2700 bis 4000 Metern nur von Heqing bis Yulong Xueshan im nordwestlichen Yunnan. Dhwoj-Scheinmohn (Meconopsis dhwojii ): Dieser Endemit gedeiht in Eichen-Tannen-Wäldern, in Felsenspalten und entlang von Fließgewässern in Höhenlagen von 3600 bis 4800 Metern nur in Nepal. Meconopsis discigera : Sie kommt im südlichen Tibet (nur in Nyalam, Tingri), Bhutan, Sikkim sowie im zentralen bis östlichen Nepal vor. Meconopsis florindae : Sie gedeiht in Waldländern in Höhenlagen von 3300 bis 3900 Metern nur im südöstlichen Tibet. Meconopsis forrestii : Sie gedeiht in Höhenlagen von selten 3100 bis meist 3400 bis 4300 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan (Lijiang, Yangbi, Zhongdian). Meconopsis ganeshensis : Sie wurde 2006 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht auf Wiesen in Höhenlagen von 3600 bis 4600 Metern nur in Nepal. Meconopsis georgei : Dieser Endemit gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 4300 Metern nur in Weixi nordwestlichen Yunnan. Meconopsis gracilipes : Dieser Endemit gedeiht auf Wiesen, an Waldrändern und entlang von Fließgewässern in Höhenlagen von 2400 bis 4900 Metern nur in Nepal. Großer Scheinmohn (Meconopsis grandis ): Er kommt im östlichen sowie westlichen Nepal, Sikkim und südlichen-zentralen Tibet vor. Meconopsis henrici : Die zwei Varietäten gedeihen auf alpinen Matten und Wiesen sowie offenen Strauchland in Höhenlagen von 3200 bis 4500 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Gansu, nordwestliches bis westliches Sichuan. Meconopsis heterandra : Sie wurde 2010 erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur 4200 bis 4500 Metern in Mianning in Sichuan gefunden. Stachliger Scheinmohn (Meconopsis horridula , Syn.: Meconopsis horridula var. typica nom. inval., Meconopsis racemosa , Meconopsis prattii , Meconopsis sinuata var. prattii , Meconopsis rudis , Meconopsis horridula var. rudis ): Er gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 5400 Metern im nordöstlichen Indien, Bhutan, nördlichen Myanmar, Nepal, Tibet und in den chinesischen Provinzen Qinghai, westliches Gansu sowie westliches Sichuan. Meconopsis impedita : Sie kommt im nordöstlichen Myanmar, in Zayü im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan (Daocheng, Muli, Qagchêng) sowie nordwestliches Yunnan vor. Gelbhaariger Scheinmohn (Meconopsis integrifolia ): Die etwa zwei Unterarten kommen im nördlichen Myanmar, westlichen sowie südlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südwestliches Gansu, westliches sowie südliches Qinghai, westliches Sichuan, nordöstliches sowie nordwestliches Yunnan vor. Meconopsis lancifolia : Sie kommt im nordöstlichen Myanmar, im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südwestliches Gansu, nordwestliches bis westliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan vor. Meconopsis lyrata : Sie kommt Bhutan, Sikkim, Nepal, südlichen Tibet (Gyirong, Yadong) und im nordwestlichen Yunnan (Dêqên, Gongshan) vor. Meconopsis manasluensis : Sie wurde 2011 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht auf kräuterreichen alpinen Matten und zwischen Sträuchern in Höhenlagen von etwa 400 Metern nur in Nepal. Meconopsis muscicola : Sie wurde 2012 erstbeschrieben. Sie gedeiht in Höhenlagen von 3300 bis 4000 Metern im südwestlichen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan. Meconopsis napaulensis : Dieser Endemit gedeiht auf Wiesen und entlang von Fließgewässern in Höhenlagen von 3200 bis 4500 Metern nur in Langtang-Region des nepalesischen Rasuwa. Meconopsis neglecta : Sie ist nur vom Typusstandort im westlichen Pakistan bekannt. Meconopsis oliveriana : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1500 bis 2400 Metern in den chinesischen Provinzen Chongqing, Henan, westliches Hubei (Badong, Shennongjia), südliches Shaanxi und vielleicht südliches Sichuan. Rispen-Scheinmohn (Meconopsis paniculata , Syn.: Meconopsis paniculata var. elata ): Er kommt im östlichen Himalaja und Tibetanischen Hochland von Nepal bis zum südöstlichen Tibet in Höhenlagen von 2700 bis 5000 Metern vor. Meconopsis pinnatifolia : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 4900 Metern in Nepal und im Tibetanischen Hochland. Meconopsis prattii : Sie kommt im nördlichen Myanmar, südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südwestliches bis westliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan vor. Meconopsis primulina : Sie kommt im westlichen Bhutan und südlichen-zentralen Tibet vor. Meconopsis pseudohorridula : Dieser Endemit gedeiht in Bergregionen in Höhenlagen von etwa 4700 Metern nur in Nyingchi im südöstlichen Tibet. Meconopsis pseudointegrifolia : Die etwa drei Unterarten kommen im nordöstlichen Myanmar, im südlichen bis südöstlichen Tibet in den chinesischen Provinzen südliches Gansu, südwestliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan vor.