mini|hochkant=1.3|Luftbild der Schlossanlage Schleißheim mini|hochkant=1.3|Karte der Schlossanlage Schleißheim

Die Schlossanlage Schleißheim ist ein Baudenkmal in der bayerischen Gemeinde Oberschleißheim bei München. Sie war von 1726 bis 1918 Sommersitz der Kurfürsten und Könige von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. In zwei Jahrhunderten wurde sie durch Herzog Wilhelm V. und Kurfürst Max Emanuel von Hans Krumpper und Enrico Zuccalli in den Stilen Renaissance und Barock vom kleinen Landhaus zur monumentalen Einflügelanlage ausgebaut. Sie besteht aus dem Alten Schloss Schleißheim im Westen, dem Neuen Schloss Schleißheim im Zentrum und dem Schloss Lustheim im Osten. Die Schlossanlage bildet zusammen mit einem Park, zwei Pavillons und drei Kanälen ein bedeutendes Bauensemble.

Überblick Die Schlossanlage Schleißheim liegt in der Gemeinde Oberschleißheim im Landkreis München. Es ist ein Baukomplex von drei einzelnen Schlossbauten des 17. und 18. Jahrhunderts, die durch eine großzügige Gartenanlage axial miteinander verbunden sind. Die in ostwestlicher Ausrichtung angelegte Schlossanlage mit drei Hauptgebäuden und der Parkanlage erstreckt sich über mehr als einen Kilometer. Das Areal umfasst das westlich gelegene Alte Schloss Schleißheim, das zentrale Neue Schloss Schleißheim und das am Ostende des Parks gelegene Schloss Lustheim. Das Gebäudeensemble wurde von den bayerischen Kurfürsten als Sommerresidenz errichtet, die Anlage blieb jedoch unvollendet.

Den Ursprung der Schleißheimer Schlösser bildete eine von Herzog Wilhelm V. vom Freisinger Domkapitel 1597 erworbene Schwaige mit einer kleinen Kapelle. Der Herzog ließ dort von 1598 bis 1600 neben dem Hof verschiedene Wirtschaftsgebäude, ein einfaches Herrenhaus und in den benachbarten Wäldern neun Kapellen für dort lebende Einsiedler errichten. 1616 übernahm sein Sohn, der spätere Kurfürst Herzog Maximilian I., das Schleißheimer Gut. Dieser ließ das Herrenhaus der Schwaige in den Jahren 1617–1623 durch das heutige Alte Schloss ersetzen. Herzog Maximilians Enkel Maximilian II. Emanuel ließ anlässlich seiner Hochzeit bis 1688 in einiger Entfernung zum alten Schlossgebäude das Schloss Lustheim als festliches Gartenpalais errichten. In Erwartung der Kaiserkrone ließ er außerdem ab 1701 das Neue Schloss entwerfen, das als Residenz nach Versailler Vorbild dienen und einen umfangreichen Hofstaat aufnehmen sollte. Die Pläne sahen vor, das Alte Schloss in den als großzügige Vierflügelanlage geplanten Neubau zu integrieren; die mehrfach reduzierten Entwürfe konnten aus Kostengründen jedoch nicht ausgeführt werden, und so wurde letztlich nur der Ostflügel der geplanten Anlage errichtet. Der riesenhafte Torso des neuen Schlosses wurde unter den Wittelsbachern nur selten bewohnt und im 19. Jahrhundert als Museumsschloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Schleißheim gehört neben Schloss Nymphenburg zu den größten Residenzen im Münchner Raum und wird zu den bedeutendsten Barockanlagen Deutschlands gezählt. Die Schlossanlage ist Teil der Bayerischen Schlösserverwaltung. Alle drei Schlösser und der Park können besichtigt werden. Neben den historischen Raumfolgen werden im Alten Schloss wechselnde Ausstellungen gezeigt, das Schloss Lustheim beherbergt die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider. Das Neue Schloss dient als Barockgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Altes Schloss Schleißheim mini|Altes Schloss Schleißheim mini|Uhrturm

Geschichte Das Alte Schloss Schleißheim geht auf ein unter Herzog Wilhelm V. (reg. 1579–1597) nach seiner Abdankung um 1598 errichtetes schlichtes Herrenhaus zurück, das den Mittelpunkt des umfangreichen Schwaighofs bildete und als Wilhelmsbau bezeichnet wurde. Die nahe der wittelsbachischen Sommerresidenz Schloss Dachau gelegene bescheidene Anlage sollte dem Herzog in seinen letzten Lebensjahren als Ort der Besinnung und des Gebets dienen. 1598 ließ Herzog Wilhelm V., der zuvor bereits das Hofbräuhaus gegründet hatte, im Wilhelmshof eine Brauerei einrichten, aus der das Schleißheimer Bier hervorging.

Maximilian I. (reg. 1597–1651), der Sohn Herzog Wilhelms, ließ das Gebäude bereits 1617 mit Ausnahme des Uhrturms bis auf die Kellermauern abbrechen und stattdessen das heutige Alte Schloss errichten.Bernhard Lohr: Die Alchemisten von Oberschleißheim. Süddeutsche Zeitung vom 13./14. Juni 2026. Seitdem war Schleißheim ein beliebter Aufenthaltsort der bayerischen Regenten. Diese unbefestigte Anlage ähnelt typologisch dem von Maximilians Bruder Albrecht im Jahr zuvor begonnenen Schloss Laufzorn. Auch dort führt eine Freitreppe zum herrschaftlich genutzten ersten Obergeschoss hinauf. Der an den Villenbauten Andrea Palladios orientierte Bau im Stil der Spätrenaissance konnte 1623 vollendet werden. Als ausführender Baumeister wurde vermutlich Heinrich Schön der Ältere verpflichtet, Peter Candid führte zahlreiche Wand- und Deckengemälde aus. Auch Isaak Bader war beteiligt. Das Schloss enthielt darüber hinaus bereits damals eine kostbare Sammlung von Gemälden, die teilweise speziell für Schleißheim geschaffen wurden. So die vier monumentalen Jagdstücke von Peter Paul Rubens, von denen eines in der Alten Pinakothek hängt, und den Monatsbilderzyklus von Joachim Sandrart, die sich jetzt im Neuen Schloss Schleißheim befinden. 1651 brach Maximilian von Schleißheim zu einer Reise von Ingolstadt auf, wo er nach kurzer Krankheit verstarb.

1679 starb Maximilians Sohn und Nachfolger Kurfürst Ferdinand Maria (reg. 1651–1679) im Alten Schloss. Zu seinen Baumaßnahmen gehörten ursprünglich drei polygonale Erker, von denen einer an der Stirnseite der heutigen Schlossschwaige (ehemalige Wohnung des Kurfürsten) erhalten ist. Sein Sohn Max Emanuel übernahm den Schwaighof und plante, das Alte Schloss in den umfangreichen Neubau einer Schleißheimer Residenz einzubeziehen, die Pläne wurden jedoch nie in vollem Umfang verwirklicht. Nach dem Bau des Neuen Schlosses wurde der ältere Bau seltener genutzt. Der große Mittelsaal diente ab dem 19. Jahrhundert als Schleißheimer Gemeindekirche. Das Alte Schloss erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden und befand sich noch Jahrzehnte nach Ende des Krieges im ruinösen Zustand. Eine Restaurierung fand ab 1970 statt, dabei wurden nicht alle der historischen Innenräume wieder hergestellt, sondern zum Teil einer modernen, musealen Nutzung zugeführt.

Bauwerk Das Alte Schloss Schleißheim bildet den Ausgangspunkt einer umfangreichen Hofanlage. Westlich des Schlosses liegt der von Wohntrakten umgebene Maximilianshof, der durch einen riegelartigen Querbau mit zentralem Uhrenturm vom Wilhelmshof mit seinen weitläufigen Wirtschaftsbauten getrennt ist. Nur der Uhrenturm stammt noch aus der ersten Bauzeit. Die umfangreichen Wirtschaftsgebäude gehen auf die Zeit um 1600 zurück und wurden großteils im 18. Jahrhundert erneuert. Sie dehnen den Schlosskomplex weit nach Westen aus.

Das in „italienischer Bauweise“ errichtete Alte Schloss ist ein breit gelagerter, verputzter Bau mit nur einem Hauptgeschoss auf einem Kellersockel. Das Gebäude ist durch dreizehn Fensterachsen gegliedert, der Mitteltrakt mit dem Festsaal tritt als Risalit aus dem Baukörper hervor. Der Eingangsbereich ist nach dem Palladio-Motiv gestaltet, die Fassaden sind sparsam mit Zierelementen der Renaissance dekoriert.

Das ursprüngliche Raumgefüge ist nach den Kriegszerstörungen nur in der südlichen Gebäudehälfte erhalten. Besonders erwähnenswert ist der Große Saal in der Mitte des Gebäudes, der heute das Foyer bildet. Im Wesentlichen erhalten ist auch die Stuckausstattung der ehemaligen Wilhelmskapelle.

Sammlungen Im Alten Schloss werden zwei Ausstellungen präsentiert, die Ökumenische Sammlung von Gertrud Weinhold „Das Gottesjahr und seine Feste“ sowie die Sammlung zur Landeskunde Ost- und Westpreußens, beides Zweigmuseen des Bayerischen Nationalmuseums.

Die insgesamt über 6000 Objekte der Sammlung Weinhold dokumentieren die Kalenderfeste des religiösen Jahres sowie deren Bräuche, Andachtsmittel und Ritualgegenstände im weltweiten Vergleich, während die Sammlung Preußens mit 400 Objekten der Geschichte und Kultur Preußens gewidmet ist, beginnend mit der Missionierung und Kolonisierung durch den Deutschen Orden bis zu den Erzeugnissen der Königlichen Majolika- und Terrakotta Werkstätten in Cadinen und Werken von ostpreußischen Künstlern wie Ernst Wichert, Max Halbe, Agnes Miegel und Lovis Corinth.

Neues Schloss Schleißheim mini|Neues Schloss Schleißheim, Westseite mini|Neues Schloss Schleißheim, Ostseite mini|Vestibül mini|Sala terrena mini|Treppenhaus mini|Großer Saal mini|Große Galerie mini|Modell der unvollendeten Schlossanlage

Geschichte Das Neue Schloss Schleißheim wurde ebenfalls im Auftrag des Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1679–1726) erbaut. Der bayerische Herzog konnte sich an der Wende zum 18. Jahrhundert Hoffnungen auf die Kaiserwürde machen und versuchte, seinen Status mit einem Residenzbau nach französischem Vorbild zu unterstreichen. Ab 1696 entstanden die ersten Pläne einer Sommerresidenz des Kurfürsten in Schleißheim. Das monumentale Neue Schloss wurde ab 1701 nach Plänen von Enrico Zuccalli errichtet, die Bauarbeiten kamen infolge des Spanischen Erbfolgekrieges jedoch 1704 zum Erliegen. Da die politischen Ziele des Kurfürsten scheiterten, ging er ins Exil. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten erfolgte nach der Rückkehr Max Emanuels 1715. Erst ab 1719 wurden die Fassade und die inneren Raumdekorationen nach Plänen von Joseph Effner ausgeführt. Von der ursprünglichen Absicht, eine vierflügelige barocke Residenz unter Einbeziehung des Alten Schlosses zu errichten, musste aufgrund der prekären Finanzlage des Bauherrn Abstand genommen werden und so wurde bis zum Tode des Kurfürsten 1726 – nach mehrfacher Reduzierung der Pläne – nur der Hauptbau fertig gestellt. Allerdings wurden die gleichzeitig laufenden Schlossneubauten Nymphenburg und Schleißheim vom Kurfürsten bis 1726 rasant vorangetrieben.

Ursprünglich als Sommerschloss (nur wenige Räume verfügen über einen Kamin) und neue Residenz geplant, wurde das Schloss aufgrund des wechselhaften Schicksals Max Emanuels nur selten bewohnt; seine Nachfolger bevorzugten das näher an München gelegene Schloss Nymphenburg. Der Sohn und Nachfolger Max Emanuels, Karl Albrecht (reg. 1726–45), ließ nur noch einige fehlende Marmorkamine, Wandbespannungen und Täfelungen sowie Bodenbeläge ergänzen, der Enkel Maximilian III. Joseph (reg. 1745–77) ließ den Gardesaal zum neuen Speisesaal ausbauen und gab unter anderem bei Ignaz Günther die reich geschnitzten Portale in Auftrag. Diese wurden mittlerweile 2018 durch Kopien ersetzt, um die Originale zu bewahren. Die Originale sind in Zukunft im Schloss zu besichtigen. Unter Kurfürst Karl Theodor (reg. 1777–1799) erhielt das kurfürstliche Schloss Schleißheim 1790 eine Hofpfarrei, die fortan von den Schleißheimer Franziskanern aus dem Kloster Mittenheim Schleißheim besetzt wurde. Die Klosterkirche war bereits zu Zeiten Max Emanuels durch Enrico Zuccalli entstanden.