Der TV Askania Bernburg war ein deutscher Sportverein aus Bernburg im Salzlandkreis. Heimstätte war der Sportplatz Askania. Der Klub musste zwischen 1945 und 1990 seinen Namen nacheinander in SG Bernburg-Süd, BSG KWU Eintracht Bernburg, BSG Eintracht Bernburg, BSG Empor Bernburg sowie zuletzt BSG Chemie Bernburg ändern. 2021 fusionierte der Verein mit dem SV Schwarz-Gelb Bernburg zum Sportclub Bernburg e. V. Vor Ort wurde dieser über viele Jahrzehnte erfolgreichste Bernburger Sportverein salopp 1. FC Bernburg oder regional mundartlich wegen einiger weniger, aber umso lautstärkerer Fans de Bläken genannt (nach Anhaltische Mundart: 'bläken' = grölen, sehr laut und misstönend singen oder schreien). Der Volksmund umschiffte damit die ständigen politisch bedingten Namensänderungen. Die Gründe für die häufigen Namens- und Strukturwechsel waren vor allem sportpolitischer Natur und in der DDR zu dieser Zeit keineswegs unüblich. Derartige Umwandlungen führten in der Regel zu einem Identitätsverlust bei den Fans. In Bernburg hingegen stieg die Identifikation mit den Bläken dadurch sogar noch.
Der Verein Der TV Askania Bernburg wurde 1879 als Turnverein gegründet. Im 1. Weltkrieg mussten die Vereinsaktivitäten stark eingeschränkt werden. Dafür wurde in den Nachkriegsjahren das Angebotsspektrum um etliche Sportarten erweitert.
1934 wurde der Verein von den Nationalsozialisten aufgelöst, konnte sich aber als dann nationalsozialistischer Verein nochmals neu etablieren. Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden nicht nur Parteien und Gewerkschaften verboten und gleichgeschaltet, sondern auch alle Sportverbände mit oppositioneller politischer (z. B. sozialdemokratischer, kommunistischer oder kirchlicher) Ausrichtung. Insbesondere betraf dies die Arbeitersport-Vereine und -Verbände noch im ersten Halbjahr 1933; viele von ihnen kamen einem Verbot durch Selbstauflösung zuvor. Die national-konservativen und bürgerlichen Sportverbände bestanden nominell noch bis 1934 weiter, bis sie in die Einheitsorganisation des Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert wurden. Am 23. Januar 1934 proklamierte der Reichsführerring des deutschen Sports die Gründung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL); die Gründungssitzung fand am 9. März 1934 statt.
Durch Erlass Adolf Hitlers vom 21. Dezember 1938 wurde der DRL unter Umbenennung in Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen (NSRL, auch NSRBL) zu einem „von der NSDAP betreuten Verband erhoben“ und war damit der NSDAP unterstellt. Während Sportvereine zunächst der nationalsozialistisch geprägten Kommunalverwaltung (Bürgermeister) untergeordnet waren, wurde der Verein nun dem in Dessau amtierenden Gauleiter der NSDAP für Magdeburg-Anhalt, Rudolf Jordan, unterstellt. Kreisleiter der NSDAP Bernburg war Otto Wienecke. Oberbürgermeister von Bernburg war von 1933 bis 1944 Max Eggert.
Der Sport erlebte während der nationalsozialistischen Diktatur eine „Aufwertung wie nie zuvor in der Geschichte. Vor allem die junge Generation wurde in der Schule und in der HJ in einem Ausmaß sportlich gedrillt, das beispiellos war.“Michael Grüttner: Brandstifter und Biedermänner. Deutschland 1933–1939, Klett-Cotta, Stuttgart 2015, S. 431. Körperliche Fitness galt als Grundlage militärischer Leistungsfähigkeit. Zudem sahen die Nationalsozialisten im Sport ein Instrument, um militärische Tugenden wie Härte, Mut und Disziplin zu fördern. Und schließlich war Sport auch ein Mittel, um die Volksgesundheit zu stärken. Daher erfuhr auch der Frauensport im NS-Staat einen kräftigen Aufschwung.Michael Grüttner: Brandstifter und Biedermänner. Deutschland 1933–1939, Klett-Cotta, Stuttgart 2015, S. 424–431.
Mit dem Anfang des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurden Fußball und der gesamte Sport wie schon zwischen 1914 und 1918 zur Nebensache und der Spielbetrieb sowie die Vereine waren durch die politische Situation stark beeinträchtigt. Erneut mussten viele Spieler und Sportler an die Front und kehrten teils nicht mehr heim.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen durch den Alliierten Kontrollrats verboten, eine Neugründung untersagt und sein Eigentum beschlagnahmt. Die im Reichsbund erfassten Sportvereine verbot die Kontrollratsdirektive Nr. 23 vom 17. Dezember 1945. Unter bestimmten Voraussetzungen erlaubte sie Neugründungen. Die Sportvereine sollten nicht wieder als „Pflanzstätten soldatischer Tugend“ missbraucht werden.
In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurden die sportlichen Strukturen der NS-Diktatur restlos zerschlagen. Alle Sportvereine wurden auf der Grundlage der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats der Besatzungsmächte vom 17. Dezember 1945 aufgelöst.Direktive Nr. 23 bzgl. der Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens in Deutschland vom 17. Dezember 1945, beispielsweise enthalten in Claus Tiedemann: (abgerufen am 23. Mai 2021) Sportwettkämpfe wurden zunächst nur auf lokaler Ebene mit lose organisierten Sportgemeinschaften in den Städten und Landkreisen zugelassen. Die Organisation lag in den Händen des Jugendverbandes Freie Deutsche Jugend (FDJ).
Der bürgerliche Verein TV Askania 1879 wurde aufgelöst und als SG Bernburg-Süd neu gegründet, wobei SG für (kommunale) 'Sportgruppe' stand.
Auf Initiative des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes und der FDJ wurde am 1. Oktober 1948 der Deutsche Sportausschuß (DS) als Dachorganisation gegründet. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Reorganisation des Sportbetriebes, die unter der Devise „Umstellung auf Produktionsbasis“ in Angriff genommen wurde. Unter Beteiligung des FDGB wurden in Produktions- und Verwaltungsbetrieben Betriebssportgemeinschaften (BSG) gegründet. Die sogenannten Trägerbetriebe übernahmen für ihre BSG die Finanzierung und Logistik, verantwortlich waren die Betriebsgewerkschaftsgruppen. Noch in der laufenden Serie 1948/49 erfolgte die Umbenennung von SG Bernburg-Süd in BSG KWU Eintracht Bernburg. KWU stand für Kommunales Wirtschaftsunternehmen, einer Wirtschaftsform zu Zeiten der Sowjetischen Besatzungszone.
mini|Logo der Sportvereinigung Empor Zur weiteren Optimierung des Systems beschloss der DS am 3. April 1950 „die Reorganisation des Sports auf Produktionsebene“. Der Beschluss sah die Bildung von zentralen Sportvereinigungen auf der Basis der Gewerkschaftsstruktur vor, nach der alle Betriebssportgemeinschaften entsprechend ihrer übergeordneten Sportvereinigung einheitliche Namen erhielten. Den 16 Gewerkschaftsbereichen fiel die Aufgabe zu, die Förderung der BSG innerhalb ihres Bereiches zu organisieren und den Sportverkehr zu regeln. Jede Sportvereinigung stand für einen Gewerkschaftsbereich.
Noch bevor der Punktspielbetrieb der Serie 1950/51 begonnen hatte, erfolgte in Umsetzung der zentralen Vorgaben der staatlichen Sportpolitik der DDR die Bildung eines Bernburger Großvereins in der Trägerschaft volkseigener Betriebe. Ende 1950 wurde die Sportvereinigung Empor gebildet und die BSG Eintracht Bernburg in die BSG Empor Bernburg eingegliedert. Der Name Empor war einer der 16 möglichen und oblag dem gewerkschaftlichen Bereich des Handels und der Nahrungsgüterwirtschaft.
Ab 1951 nutzte der Verein das heutige Sportgelände in der Krumbholzallee.
mini|Logo der Sportvereinigung Chemie Ende 1952 erfolgte die Überstellung der BSG Empor Bernburg in den Gewerkschaftsbereich für chemische Industrie, Glas und Keramik und damit eine erneute Namensänderung in BSG Chemie Bernburg, womit sich am wachsenden Chemiestandort Bernburg orientiert wurde. Diese Umbenennung hatte bis zur politischen Wende in den Jahren 1989/90 Bestand.
Mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes kam es 1957 zu einer erneuten grundlegenden Umstrukturierung des DDR-Sportsystems. Seither spielte die Untergliederung nach Sportarten, die in neugebildeten Sportverbänden (beispielsweise Deutscher Handballverband) Ausdruck fand, eine wichtigere Rolle als jene nach Gewerkschaftsbereichen. Folglich gingen 14 der 18 Sportvereinigungen im Mai 1957 in den Bezirksverbänden des DTSB auf.
Nach der Wiedervereinigung schlossen sich noch 1990 die BSG Chemie Bernburg e. V. und die WSG Popgymnastik zusammen und gründeten einen neuen Verein TV Askania Bernburg, den alten Gründungsnamen von 1879.
Der TV Askania Bernburg e. V. hatte über lange Zeit etwa 500 Mitglieder, zum Zeitpunkt der Fusion allerdings nur noch 306 Mitglieder. Der Mitgliederschwund korrelierte mit dem signifikanten Einwohnerschwund der (Kern-)Stadt Bernburg. Trotz erheblicher Eingemeindungen (fast des halben ehemaligen Kreises Bernburg) sinkt die Einwohnerzahl infolge jahrzehntelanger Wegzugtendenz mit einhergehender Überalterung noch immer rapide. Mit der Fusion sollte auch diesen Demografie-Effekten entgegengewirkt werden.Mit der Fusion soll auch Demografie-Effekten entgegengewirkt werden. In: Gespräche über Fusion laufen. Was Schwarz-Gelb und Askania planen auf der Website des Vereins (abgerufen am 30. Juni 2021). Ursprünglich war die Fusion dreier Vereine vorgesehen, aber der SV Einheit Bernburg schied aus den Vorgesprächen aus: Die Stadt Bernburg als Kreisstadt sollte mit einem großen Sportverein ausgestattet sein, um somit die Wahrnehmung der Stadt – auch überregional – zu verbessern. Der fusionierte Verein möchte sich für unsere Stadt zum Aushängeschild im Sport entwickeln. (ebenda)
TV Askania Bernburg war ein Mehrspartenverein mit den Abteilungen Fußball, Sport und Gesundheit, Handball, Leichtathletik, Selbstverteidigung und Billard.
Seit 2002 besaß der Verein eine eigene Turnhalle. Gleichzeitig wurde über dem Sozialtrakt in der Krumbholzallee die Heimstätte der Billardabteilung eingerichtet. Seit 2010 verfügte der Verein über einen Kunstrasenplatz und eine Frauenhandballmannschaft.
Im Spielbetrieb Fußball war eine Männermannschaft (Fußball-Landesklasse Sachsen-Anhalt 1948–1952, Bezirksliga Halle, Fußball-Oberliga Nordost, Fußball-Verbandsliga Sachsen-Anhalt) organisiert. Der Nachwuchs war mit mehreren Mannschaften auf Kreis- und Landesebene aktiv. Im Spielbetrieb Handball war eine Frauenmannschaft (Sachsen-Anhalt-Liga) und im Spielbetrieb Billard eine Männermannschaft (DDR-Dreiband-Meisterschaft, I. DDR-Liga, 2. Bundesliga Dreiband, Dreibandliga Sachsen-Anhalt) organisiert.
Der Verein war Mitglied im Landessportbund Sachsen-Anhalt, im Fußballverband Sachsen-Anhalt, im Landesturnverband Sachsen-Anhalt, im Handballverband Sachsen-Anhalt und im Billardlandesverband Sachsen-Anhalt.
Abteilung Fußball Der TV Askania Bernburg trat im Fußballbereich bis 1945 nicht höherklassig in Erscheinung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der in SG Bernburg-Süd umbenannte Verein neben der SG Bernburg-West für die Staffel der 1. Klasse Männerbereich im Doppelkreis Köthen-Bernburg. Diese Umbenennungen nach Himmelsrichtungen hatte politischen Charakter und sollte die alten Bezeichnungen auslöschen. Mit der Austragung der ersten Serienspiele wurde im Monat März 1946 begonnen.Die Staffel 1. Klasse Männerbereich im Doppelkreis Köthen-Bernburg bestand aus folgenden Mannschaften: Köthen-Süd (Nachfolger von Germania 03), Köthen-Mitte, Köthen-West (Nachfolger von CHC 02), Großpaschleben, Bernburg-West, SG Baalberge, SG Nienburg, Bernburg-Süd, Osternienburg und Cörmigk.
Die Mannschaften hatten während der Spielzeit keine Auswechselmöglichkeiten. Diese Regel wurde auch in den Folgejahren beibehalten. Die SG Bernburg-Süd erreichte Platz 4 von zehn teilnehmenden Mannschaften.
Die 2. Spielserie begann am 10. November 1946.Die Mannschaften der 1. Klasse waren: Köthen-Süd, Köthen-Mitte, Köthen-West, Osternienburg, Baalberge, Bernburg-West, Bernburg-Süd, Cörmigk, Prosigk und Edderitz.