mini|Delphine von Schauroth nach einem Gemälde von Wilhelm Hensel, um 1839 Delphine von Schauroth, auch Adolphine von Schauroth, verheiratete Hill-Handley (* 13. März 1813nicht 1814, wie in mehreren Lexika verzeichnet ist. Die biographischen Daten nach: in Magdeburg; † 1887 in München), war eine deutsche Pianistin und Komponistin.

Herkunft Ihre Eltern waren Eduard Friedrich Roger Georg von Schauroth (1774–1829)Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1902, Dritter Jahrgang, S. 751. und dessen zweite Ehefrau Louise (von) Teltz (* 8. März 1792; † 20. Oktober 1847). Ihr Vater war ein Offizier, der zunächst in preußischen, später französischen Diensten stand.

Leben Delphine von Schauroth war als Pianistin eine Schülerin von Friedrich Kalkbrenner. Sie erregte schon als Neunjährige großes Aufsehen, das sich später durch Konzertreisen durch ganz Europa festigte:

Im Sommer 1829 kam das Gerücht auf, Delphine von Schauroth sei in der Funktion der zweiten Ehrendame in die Dienste von Amélie von Leuchtenberg getreten, der damaligen Kaiserin von Brasilien. Dies erwies sich jedoch nach kurzer Zeit als Falschmeldung, da die Pianistin „der protestantischen Confession zugethan ist, und nur die der brasilianischen Staatsreligion Angehörigen Hofstellen bekleiden können. Alle Freunde der Kunst werden sich Glück wünschen, diese ausgezeichnete Künstlerin nicht dem Vaterlande entnommen zu sehen.“

mini|Titelseite von Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 1 mit Widmung an Delphine von Schauroth Sie war eine der wenigen Frauen, mit denen Felix Mendelssohn Bartholdy ernsthaft flirtete. Während seiner Reise im Juni 1830 nach München spielten sie Duette und in Briefen dieser Zeit ist sie öfter erwähnt: „Was mich nun betrifft, so gehe ich Tag um Tag auf die Galerie und zweimal in der Woche morgens zur Schauroth, wo ich lange Visiten mache; wir raspeln grässlich.“Brief an seine Schwester Fanny Hensel vom 27. Juni 1830. Am 16. Oktober schrieb er in Venedig das berühmte Venetianisches Gondellied (Lieder ohne Worte, Buch 1, op. 19b Nr. 6), das im Autograph (nicht im Druck) eine Widmung an sie trägt. Auch sein Klavierkonzert Nr. 1 g-moll op. 25, 1831 in München geschrieben, ist ihr gewidmet.

Sie spielte am 17. Oktober 1831 (damals 17 Jahre alt) bei der Uraufführung des 1. Klavierkonzerts den Solopart. Bei der Aufführung im Odeonssaal in München war auch König Ludwig I. anwesend; es war ein Benefizkonzert »Zum Besten der Armenpflegegesellschaft«.

Bis 1833 lebte Schauroth mehrere Jahre in München. 1833 heiratete sie und folgte ihrem Mann, dem englischen Geistlichen Edwin Hill-Handley, nach London. Zum Abschied spielte sie Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert in A-Moll: „Das reichlich versammelte Publicum vernahm ihren musikalischen Scheidegruß mit unbeschreiblicher Rührung und ehrte die liebenswürdige, unvergeßliche Künstlerinn durch ein von Hrn. Dr. Firmenich verfertigtes Abschiedsgedicht.“ Die Ehe wurde 1837 geschieden; Delphine von Schauroth kehrte im Sommer 1837 nach München zurück, zog zu ihrer Mutter und nahm ihren Geburtsnamen wieder an.

Josephine Lang (ein anderer Schwarm Mendelssohns) widmete ihr ihre Lieder nach Gedichten von Johann Georg Jacobi op. 4.

Robert Schumann besprach zwei ihrer Kompositionen 1835 und 1837 in der Neuen Zeitschrift für Musik wohlwollend, lobte deren Musikalität, tadelte aber die Ausführung: „Hätte ich doch dabei sein können, wie sie die Sonate niederschrieb! Alles hätte ich ihr nachgesehen, falsche Quinten, unharmonische Querstände, kurz alles; denn es ist Musik in ihrem Wesen, die weiblichste, die man sich denken kann; ja sie wird sich zur Romantikerin hinaufbilden, und so ständen mit Clara Wieck zwei Amazonen in den funkelnden Reihen.“Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Band 1, S. 92–93. Auch Schumanns Anmerkungen sind nicht frei von erotischen Konnotationen.Das reicht von dem zitierten Ausspruch Alexander des Großen gegenüber der Amazonen-Königin Thalestris bis zur Evokation der dämmrigen Kammer der Komponistin. Siehe Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Band 1, S. 92–93. Bemerkenswerterweise urteilt Schumann über zwei Sonaten von Franz Graf von Pocci, deren zweite Delphine von Schauroth gewidmet ist, mit nahezu gleichen Kriterien und spricht ihn auch als Komponistin an: „Hätte mir Jemand den Titel zugehalten, so würde ich auf eine Componistin gerathen [haben]“ (Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Band 1, S. 154–155.).

1837 schrieb Schumann: „Die Caprice […] gehört mit allen ihren kleinen Schwächen zu den liebenswürdigen. Die Mängel sind solche der Ungeübtheit, nicht des Ungeschicks; der eigentliche musikalische Nerv fühlt sich überall an. Diesmal ist es noch eine sehr zarte leidenschaftliche Röthe, die dies Miniaturbild interessant macht.“Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Band 2, S. 71.

1839 spielte Schauroth, „welche leider nur höchst selten mehr sich öffentlich hören lässt“, in München Beethovens Es-Dur-Konzert anlässlich der Einweihung des Beethoven-Monument und „bewährte ihre Meisterschaft wieder auf das Glänzendste“.Allgemeine Musikalische Zeitung, 41. Jg. 1836, Spalte 488.

Am 4. Mai 1848 heiratete sie Stephan Leopold Friedrich Johann Heninger (* 1820), Freiherr von Eberg aus Böhmen – auch diese Ehe wurde wieder geschieden. Die am 19. Juli 1856 mit Edward Knight geschlossene dritte Ehe endete erneut mit einer Scheidung. Im Jahre 1870 lebte sie in Leipzig.

Am 4. (oder 5.) Februar 1870 gab sie in Leipzig ein Konzert zum Andenken an den 1847 verstorbenen Felix Mendelssohn Bartholdy („Concert zur Mendelssohn-Feier“). Das Konzert, „welches sie ausschließlich durch ihre eigenen Solovorträge auf dem Pianoforte ausfüllte“, fand aus Anlass von Mendelssohn Bartholdys Geburtstag „leider vor einer sehr kleinen Zahl von Zuhörern“ im Gewandhaus statt. Das Konzert nahm „einen etwas seltsamen Verlauf durch das Ausbleiben der vorher angezeigten Mitwirkenden“. Delphine von Schauroth widmete Felix Mendelssohn Bartholdy das fünfte und sechste ihrer Sechs Lieder ohne Worte op. 18 mit den Titeln Venezia und Am Arno.

1881 (oder früher?) bis kurz vor ihrem Tod lebte sie in Berlin-Charlottenburg. Dass diese starke Begabung nach einem strahlenden Anfang sich im Dunkel der Geschichte verlor, empfanden schon die Lexikographen ihrer Zeit als bedauerlich: „It is matter of great regret that a life which began so brilliantly should, to all appearance, be so much overclouded at its close.“Grove's Dictionary of Music and Musicians. S. 242.

Ihr Spiel wurde folgendermaßen charakterisiert: „Ihr Anschlag ist ganz der kräftige und gleichmäßige, der sich aus einer Kalkbrennerschen Schule erwarten läßt, nur erscheint er bisweilen etwas geziert. Ihr Spiel an sich ist, von jenen höheren Beziehungen noch abgesehen, auch solid, äußerst präcis und selbst bis zu einer übertriebenen Delikatesse rein.“Schilling Encyclopädie. S. 176.

Kompositionen für Klavier 6 Lieder ohne Worte op. 18, Heft 1, 1830 komponiert, 1870 gedruckt. Sonate brillante c-Moll, 1834 gedruckt. Caprice B-Dur, 1836 gedruckt.

Literatur chronologisch Robert Schumann: Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. Leipzig 1854, Band 1, S. 92–93 und Band 2, S. 71. Gustav Schilling: Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Band VI, 1838, S. 176. George Grove: Schauroth, Delphine (Adolphine) von. In: Grove's Dictionary of Music and Musicians. 3. Auflage. Band 3, 1883, S. 242. Otto Ebel: Schauroth (Delphine von). In: Women Composers – a Biographical Handbook of Women’s Work in Music. Brooklyn/NY 1902. (Frz. Übersetzung 1910 als Les femmes compositeurs de musique. S. 149–150) Auflage 1913 (englisch), S. 131 Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1902, Dritter Jahrgang, S. 752 Monika Schwarz-Danuser: Schauroth, Delphine von, geschiedene Hill Handley, geschiedene Henninger von Eberg, geschiedene Knight. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt, Bd. 2: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945. Böhlau, Köln u. a. 2019, ISBN 978-3-412-51145-6, S. 393–396. Maximilian Stoll: Delphine von Schauroth. Eine biografische Aufarbeitung anhand von Konzertrezensionen und Briefen. Hochschule für Musik und Theater München 2025.

Weblinks

Anja Zurlage: Ausführlicher biographischer Artikel des Sophie-Drinker-Instituts, Stand 2023 Dieter M. Backes: Lebenslauf bei Klassika.info, Stand 2012

Anmerkungen

Kategorie:Komponist (Romantik) Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Musiker (München) Delphine Kategorie:Deutscher Kategorie:Wunderkind Kategorie:Geboren 1813 Kategorie:Gestorben 1887 Kategorie:Frau