Zwischen 1400 und 1430 erwarben die Bültzingslöwen drei, im Lehnsbesitz der Adelsfamilien von Asla und der von Osterode befindliche Güter in Haynrode und hielten die obengenannten Besitzungen in den umliegenden Siedlungen.Johann Vinzenz Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes, neu bearbeitet von K. Löffler, S. 120 und L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 146 und Ph. Knieb: Eichsfelder Gemeindechroniken, Niederorschel, Worbis, S. 19, 57 Die Höfe in Haynrode bauten sie als komfortable Rittersitze aus.Ulrich von Hutten 1518 an Willibald Pirckheimer Hermann (IX) übernahm dort etwa 1409 die Führung des im westlichen Ortsteil gelegenen Oberhofes, Siegfried (IX) um 1411 des Mittelhofes und des in seiner Lage nicht bekannten Hinterhofes.

Geschichte der Bültzingslöwen zu Haynrode In den Jahren 1459 und 1463 brachte der Mainzer Erzbischof Adolf II. von Nassau Siegfried d. J. (X) aus dem Mittel- / Hinterhof-Stamm (urkundlich auch Sifert genannt) in den Besitz eines Viertelpfandes an der Burg Bischofstein, auf der er als Burgmann agierte. Diese Pfandschaft bestand bis 1574.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 116, 455, 456 Zudem hielt Sifert bereits 1448 (bis 1520) das Vogtsamt von Scharfenstein gemeinsam mit den Herren von Wintzingerode und von Enzenberg, sowie 1469 ein rechtes Mannlehen mit einem Burglehen und verschiedenen anderen Liegenschaften.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes. S. 67–70, 116 und Ph. Knieb: Eichsfelder Gemeindechroniken. Niederorschel, Worbis, S. 21

Das Eichsfeld wurde damals bereits seit mehr als 300 Jahren von den Grafen von Hohnstein als Lehensnehmer der Staufer beherrscht. Die Bültzingslöwen erhielten ihrerseits in der 12. Generation am 1. Mai 1515 von dem hoch verschuldeten Grafen Volkmar Wolf von Hohnstein aus der Linie Lohra-Klettenberg mit Sitz auf Burg Lohra die rechtliche Belehnung der bereits Ende des 14. Jahrhunderts in Besitz genommenen Dörfer, Güter und Ländereien des Gemeinde- und Gutsbezirks Haynrode mit allen Nutzungen, nebst Gericht und Recht über Hals und Hand, oberst und niederst. Hierzu zählte auch das Kirchenpatronat, das sie mehr als 250 Jahre behielten.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes. S. 146, 893 und Johann Vinzenz Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst Abhandlung (ABH) von dem Eichsfeldischen Adel. S. 64 Haynrode war begrenzt im Süden durch den Königlichen Forst Harburg, im Osten von den Gemeindebezirken Buhla und Wallrode (Grafschaft Hohnstein), im Norden von den Bezirken Neustadt, Bischofferode und Holungen (Kurfürstlich Mainz) und im Nordwesten von dem Gemeindebezirk Kaltohmfeld und den Gutsbezirken Adelsborn und Bodenstein (Wintzingerode).L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 146

Der Mittel-Hinterhof wurde 1515 getrennt: Rudolf d. Ä. (XII), Hauptmann zu Duderstadt und zu MühlhausenL. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 638 und 566 und Amtmann in Bischofstein, führte den Haynröder Mittelhof und dessen Bruder Heinrich d. J. (XII), Gräflich Hohnsteinischer Marschall auf Burg Lohra, den Hinterhof. Zu dieser Zeit waren die Bültzingslöwen Pfandherren des Amtes Harburg-Worbis, eines Viertels des Amtes BischofsteinPh. Knieb: Geschichte der Reformation und Gegen-Reformation auf dem Eichsfelde, S. 13 (beide bis 1574) sowie des Amtes Greifenstein, das um 1539 durch Kurfürst Albrecht mit 600 Gold-Gulden wieder eingelöst wurde.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 495 Auch die Hasenburg war 1515 Lehnstück der Bültzingslöwen mit aller Zubehör und GerechtigkeitL. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 567, sowie Bischhagen, Lichtenhagen, Schönau und Glasehausen während des 16. bis 19. Jahrhunderts Lehn- und Gerichtsdörfer der Bültzingslöwen.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 413 f.

Bereits 1515 entzündete sich um den Besitz der im Norden der Gemarkung gelegenen Siedlungsstelle Salmerode ein jahrzehntelanger Streit zwischen den Grundherren des Oberhofes und den Hohnsteiner Patronatsherren. Salmerode ging schließlich im 16. Jahrhundert in der Gemarkung Haynrode auf.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes, S. 893 Ob diese, später als Wüstung bezeichnete Siedlung bei einer Pestepidemie ausstarb, konnte nicht geklärt werden.M. Köhler, S. 367–371 Über mehr als 60 Jahre (1544–1610) stritt die Hinterhof-Linie mit denen von Wintzingerode und deren Hohnsteiner Lehnsherren um die vermeintlich angestammten Waldrechte im Ohmgebirge.I. Meier: Der Grenzstreit zwischen den von Bültzingslöwen und den von Wintzingerode im 16. Jahrhundert.

Die Haynröder Gutsherren besaßen über ihre Bauern, Hintersiedler und Bürger die Zins- und Lehnsgerichtsbarkeit. Erbzinsen auf den Grundbesitz, Dienstgeld und regelmäßige Naturalienabgaben waren zu leisten. Hinzu kamen beträchtliche Frondienste, die entsprechend der Größe des jeweiligen Besitzes zu erbringen waren. Land-, Wald- und Bauarbeiten waren zu verrichten, die Äcker ihrer Lehnsherren zu bestellen, die Ernte einzubringen, Holz zu schlagen, Fuhr-, Jagd- und Handdienste und zu leisten.Ph. Knieb: Geschichte der Reformation und Gegen-Reformation auf dem Eichsfelde. S. 15–17 Im Zuge des bäuerlichen Aufruhrs wurde im Bauernkrieg am 15. Mai 1525 der Herrensitz derer von Bültzingslöwen, die Harburg, von aufständischen Mühlhäuser Bauern verwüstet und geplündert. Auch die Rittersitze derer von Bültzingslöwen in Heygenrode werden ausgeraubt.W. Russow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Worbis, S. 138 Nach Friedensschluss entschädigte die Stadt Mühlhausen die arg geschädigten eichsfeldischen Edelleute. Die Bültzingslöwen erhielten 1.200 Gulden. Der Adel ging schonungslos gegen die Aufständischen vor und ließ die Rädelsführer hinrichten. Die Bültzingslöwen’sche Gericht in Worbis ließ den langen Jakoff hängen. Frondienste und Abgaben wurden 1561 weiter erhöht.Ph. Knieb: Geschichte der Reformation und Gegen-Reformation auf dem Eichsfelde, S. 26–28

mini|Steinernes Haus aus Nord mini|Steinernes Haus aus West Nach der Verwüstung ihres Stammsitzes siedelten die Bültzingslöwen unter den Brüdern Rudolph (XII) und Heinrich (XII) nach Haynrode über. Die Harburg wurde als Steinbruch freigegeben und ganze Bauelemente beim Aufbau des Haynröder Mittelhofes, der Patronatskirche St. Anna und des Junkerhofes in Worbis verwendet: Auf dem Mittelhof entstand 1525 bis etwa 1535 der Herrensitz, ein mächtiges Langhaus unter dem Baumeister Hans Kilian aus Sollstedt, das heute als das Steinerne Haus bezeichnete Wohn-, Verwaltungs- und Patrimonialgebäude. Nach dem Brand 1847, dem Aussterben der Mittelhof-Linie und der fast völligen Zerstörung des Gebäudes im Jahre 1891 diente es als Zehntspeicher. Der ursprünglich dreistöckige Kalksteinbau, dessen ebenerdige Gewölbestruktur und das darüber liegende erste Obergeschoss mit seinen massiven Mauern erhalten geblieben waren, wurden wieder instand gesetzt und eingedeckt. Das zweite Obergeschoss und die beidseitigen, mittelalterlichen Stufengiebel waren eingestürzt oder wurden abgetragen. An der Westseite des Gebäudes führte ein steinerner Anbau in die oberen Geschosse. Sehenswert sind hier noch spätgotische Portale und Fenster.H. Hartmann: Das Steinerne Haus, ein Landsitz der von Bültzingslöwen. S. 267, 268

Der Mittelhof ist in seiner Struktur mit den um einen zentralen Platz liegenden Gebäuden noch heute gut erkennbar. Außer dem Steinernen Haus, dem Herrenhaus, liegen hier das gut erhaltene Wohn- und Verwaltungshaus des ehemaligen Gutspächters und mehrere große Scheunen und verschiedene Wirtschaftsgebäude. Diese Gutsanlage bezeugt noch heute eindrucksvoll die große Orts- und Familiengeschichte der Bültzingslöwen in Haynrode.

mini|Teilansicht (Nordost-Flügel) des Patrimonialgericht-Gebäudes der Bültzingslöwen im 16. Jahrhundert, in Worbis In der Bauzeit des Herrenhauses entstand unter dem Kirchenpatronat der Bültzingslöwen westlich des Mittelhofes die Dorfkirche St. Anna. Verschiedene Bauteile entstammen , denen auch die Lanzettbogen-Eingangsportal der Kirche zuzuordnen ist.W. Trappe: Die Bültzingslöwen zu Harburg und Haynrode, S. 26–36 Die große Kirchenglocke mit Inschrift und der Jahreszahl 1502 stammt ebenfalls aus der großen Zeit auf der Harburg. In der Kirche findet sich ein Ritterepitaph mit Wappen und der Jahreszahl 1526. Zwischen Kirche und Schule war die Erbbegräbnisstätte der Patronatsfamilie von Bültzingslöwen angelegt worden, die heute nicht mehr vorhanden ist.W. Trappe: Die Bültzingslöwen zu Harburg und Haynrode, S. 46 Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Bültzingslöwen in Worbis auf der Stätte der Burg den Junkerhof. Das mehrstöckige Wohn- und Gerichtshaus wurde von 3 Generationen der Haynröder Adelsfamilie bewohnt und bewirtschaftet.W. Russow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Worbis, S. 272 In dem später als Rentamt benannten Gebäude befand sich bis 1624 der Sitz des mit bestellten Richtern besetzten Harburger Gerichtes.L. Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes. S. 1469

mini|Kirche St. Anna aus Südwest (1940)