mini|hochkant|Die Designerdroge Explosion, deren Hauptbestandteil Methylon ist mini|hochkant|Verpackung Herbal Ecstasy mini|Spice, eine psychoaktive Kräutermischung, welche mit synthetischen Cannabinoiden versetzt ist Neue psychoaktive Substanzen (NPS), auch Designerdrogen, „Legal Highs“, „Herbal Highs“ oder „Research Chemicals“, sind psychoaktive Substanzen, die unter Decknamen wie „Forschungschemikalien“, „Lufterfrischer“/„Räuchermischungen“ oder „Badesalze“ abgerufen am 4. Januar 2012. angeboten werden, aber tatsächlich Rauschzwecken dienen. Diese Produkte werden zumeist offen im Internet, Smartshops oder Headshops angeboten, aber auch verdeckt auf Darknet-Märkten. Sie können verschiedene Formen aufweisen, bspw. Blotter, Pulver, Pillen oder Kräutermischungen. Teilweise enthalten sie Rauschmittel, Stimulanzien oder ähnliche chemische Wirkstoffe, die auf den Verpackungen nicht ausgewiesen werden.

In Deutschland bezeichnet der Gesetzgeber einen Stoff oder eine Zubereitung eines Stoffes aus den in der Anlage zum NpSG genannten Stoffgruppen (Abkömmlinge des 2-Phenethylamins, der Benzodiazepine, des N-(2-Aminocyclohexyl)amids, des Tryptamins sowie Cannabinoidmimetika) als neuen psychoaktiven Stoff.

Entwicklung der Verfügbarkeit von NPS Die Zahl neu entdeckter Substanzen auf dem europäischen Drogenmarkt wächst seit Jahren. Dem Frühwarnsystem der EU wurden im Jahr 2011 insgesamt 49 neue psychoaktive Substanzen gemeldet.Juliane Ziegler: Jede Woche eine neue Substanz. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 4. Juli 2012. Einige der als NPS vermarkteten Stoffe wie BZP, Mephedron oder Methylendioxypyrovaleron sowie die synthetischen, auf Cannabinoid-Rezeptoren wirkenden Alkylindol-Derivate JWH-018,, Drugcom, abgerufen am 4. Januar 2012. JWH-019 und JWH-073 wurden mittlerweile in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt. Es werden jedoch immer wieder neue Stoffe auf den Markt gebracht, um das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen. Die gesundheitlichen Folgen sowie deren Wirkung sind für Konsumenten nicht absehbar.F. Musshoff, L. Hottmann, C. Hess, B. Madea: „Legal highs“ from the German internet – „bath salt drugs“ on the rise. In: Arch Kriminol. 232(3–4), Sep–Oct 2013, S. 91–103. German. PMID 24358620 Alexis Goosdeel, Direktor der EMCDDA (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht), stellt in seinem Vorwort zum Europäischen Drogenbericht 2022 hinsichtlich neuer psychoaktiven Substanzen fest:

Wirkung Der aktuelle Wissensstand zur Wirkung beruht derzeit überwiegend auf Berichten von Konsumenten.Neue psychoaktive Substanzen (NPS) von mindzone.info (abgerufen am 16. August 2017). Der Konsum von NPS zielt auf eine Rauschwirkung ab. Grundsätzlich sind dabei die verschiedenen verfügbaren Stoffe zu unterscheiden. Räuchermischungen enthalten hauptsächlich synthetische Cannabinoide und sollen einen cannabisähnlichen Rauschzustand erzeugen. Darüber hinaus gibt es „Badesalze“, die hauptsächlich aus amphetaminähnlichen Stoffen bestehen und daher auch einen amphetaminähnlichen Rauschzustand auslösen. Als dritte Gruppe ist das Herbal Ecstasy erhältlich, das zum Teil aus Holzrosensamen, aber auch aus anderen, synthetischen, Bestandteilen besteht. Alle diese verschiedenen Substanzen sollen einen entweder beruhigenden, angenehmen Rauschzustand herbeiführen oder aber stark belebend bis halluzinogen wirken.

Gefahren Bei den meisten Substanzen handelt es sich um zufällige Entwicklungen; siehe auch Leitstruktur (Pharmakologie) und Wirkstoffdesign.M. A. Huestis, S. D. Brandt, S. Rana, V. Auwärter, M. H. Baumann: Impact of Novel Psychoactive Substances on Clinical and Forensic Toxicology and Global Public Health. In: Clinical chemistry. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Juni 2017, doi:10.1373/clinchem.2017.274662, PMID 28667187 (freier Volltext). Es sind weder die genaue Wirkweise noch eventuelle Kurz- und Langzeitfolgen in irgendeiner Weise ausreichend dokumentiert. Auch ist der Reinheitsgrad der chemischen Wirkbestandteile nicht sichergestellt, sodass teilweise giftige Verunreinigungen und Prozesszwischenstufen der Herstellung enthalten sein können.„Legal Highs“ werden verboten. auf: derstandard.at, 16. Dezember 2011, abgerufen am 19. Januar 2012.

Bei einer Online-Befragung zum Thema NPS des Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt im Jahr 2011 berichteten Konsumenten über Nebenwirkungen wie Angstzustände, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen, Kreislaufprobleme, Kreislaufversagen und Ohnmacht sowie über Vergiftungen, Wahnvorstellungen und Psychosen. (PDF) Stadt Frankfurt am Main – Drogenreferat Nach dem (Misch-)Konsum von NPS starben in den vergangenen Jahren nachweislich bereits mehrere Menschen.Legal Highs in Oberschwaben: Frau stirbt nach Rauchen gefährlicher Kräuter. In: Stuttgarter Zeitung, 21. Januar 2016.Legal Highs: Zwei Tote in Mecklenburg-Vorpommern. auf: aerzteblatt.de, 20. Mai 2016.

Es sind Fallberichte bekannt, nach denen es nach dem Konsum von synthetischen Cathinonen (Badesalz-Drogen) zu schwersten psychotischen Angst- und Verwirrtheitszuständen mit unmittelbarer Selbstgefährdung und Gefährdung der Umwelt sowie lebensbedrohlichen Organschäden (Rhabdomyolyse mit akutem Nierenversagen) gekommen ist.T. I. Benzer, S. H. Nejad, J. G. Flood: Case records of the Massachusetts General Hospital. Case 40-2013. A 36-year-old man with agitation and paranoia. In: N Engl J Med. 369(26), 2013, S. 2536–2545. doi:10.1056/NEJMcpc1304051. PMID 24369079, first page (PDF) Über einen Vorfall von 2016 berichtete das NEJM ausführlich unter dem Titel Zombie Outbreak in New York. Dabei wurden 33 Personen in hilflosem Zustand angetroffen, die durch verlangsamte, roboterhafte Bewegungen (zombiehaft) und unverständliche Lautäußerungen auffielen. 18 von ihnen wurden hospitalisiert und im Nachgang konnte durch Analyse erstmals die Beteiligung eines Δ9-Tetrahydrocannabinol-Abkömmlings als Auslöser nachgewiesen werden. Die gefundene Substanz, AMB-FUBINACA ist ein synthetisches Cannabinoid, das zuvor von Pfizer zur Erforschung von Analgetika und dem Cannabinoid-Rezeptor System entwickelt und patentiert wurde. Diese NPS wird illegal unter dem Namen AK47-Gold in Umlauf gebracht und weist eine 50-fach höhere Wirkstärke als THC auf.Roy Gerona et al.: “Zombie” Outbreak Caused by the Synthetic Cannabinoid AMB-FUBINACA in New York. NEJM, 19. Januar 2017, doi:10.1056/NEJMoa1610300

Von 2012 bis 2014 wurden in Japan 214 Zusammenstöße im motorisierten Straßenverkehr auf den Konsum illegaler Drogen zurückgeführt. In 93 von 96 näher untersuchten Fällen waren die beteiligten Substanzen vermutlich synthetische Cannabinoide (SC). Nach einer entsprechenden Verschärfung der Gesetze gingen die Fallzahlen seit 2015 zurück.S. Kaneko: Motor vehicle collisions caused by the ‘super-strength’ synthetic cannabinoids, MAM-2201, 5F-PB-22, 5F-AB-PINACA, 5F-AMB and 5F-ADB in Japan experienced from 2012 to 2014. In: Forensic toxicology. Band 35, Nummer 2, 2017, S. 244–251, doi:10.1007/s11419-017-0369-6, PMID 28706566, (Review).

Todesfälle In Deutschland stieg die Zahl der erfassten Todesfälle, verursacht durch NPS, von 39 im Jahr 2015 auf 76 im Jahr 2016. Bei Berücksichtigung auch der 2016 erstmals erfassten Todesfälle durch synthetische Opioide (u. a. Fentanylderivate) war 2016 die Gesamtzahl 98. Der Anstieg der Todesfälle von 2015 nach 2016 war somit bei NPS noch erheblich höher als der bereits vielbeachtete Anstieg um 9 % bei illegalen Drogen insgesamt.

Dosis Bei der Verwendung von NPS ist es für den Konsumenten oftmals schwierig, die eigene Reaktion auf die Substanzen durch eine anfangs geringe Dosierung genügend abzuschätzen, da einige Substanzen ein starkes Bedürfnis zur Dosissteigerung hervorrufen können. Dies erhöht die Gefahr einer Überdosierung, die zu lebensgefährlichen Zuständen bis hin zum Tod führen kann.

Analytik Zur zuverlässigen qualitativen und quantitativen Bestimmung der verschiedenen Inhaltsstoffe der NPS werden die Methoden der Chromatographie in Kopplung mit der Massenspektrometrie eingesetzt. Die stets nötige Probenvorbereitung richtet sich nach dem Untersuchungsmaterial.B. D. Paul, T. Bosy: A sensitive GC-EIMS method for simultaneous detection and quantification of JWH-018 and JWH-073 carboxylic acid and hydroxy metabolites in urine. In: J Anal Toxicol. 39(3), Apr 2015, S. 172–182. PMID 25691387T. Toyo'oka, R. Kikura-Hanajiri: A Reliable Method for the Separation and Detection of Synthetic Cannabinoids by Supercritical Fluid Chromatography with Mass Spectrometry, and Its Application to Plant Products. In: Chem Pharm Bull (Tokyo). 63(10), 2015, S. 762–769. PMID 26423032Y. Erol Öztürk, O. Yeter, B. Alpertunga: Validation of JWH-018 and its metabolites in blood and urine by UPLC-MS/MS: Monitoring in forensic cases. In: Forensic Sci Int. 248, Mar 2015, S. 88–93. PMID 25616218V. L. Borova, P. Gago-Ferrero, C. Pistos, N. Thomaidis: Multi-residue determination of 10 selected new psychoactive substances in wastewater samples by liquid chromatography-tandem mass spectrometry. In: Talanta. 144, 1. Nov 2015, S. 592–603. PMID 26452866 Untersuchungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums in Bonn wurden 2013 veröffentlicht.Musshoff F, Hottmann L, Hess C, Madea B: Legal highs" from the German internet--"bath salt drugs" on the rise. Arch Kriminol. 2013 Sep-Oct;232(3-4):91-103, PMID 24358620

Rechtslage Deutschland Stand seit 2016

Am 26. November 2016 ist das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), in Kraft getreten, um eine bis dahin bestehende Gesetzeslücke zu schließen. Laut des NpSG ist im Sinne dieses Gesetzes ein neuer psychoaktiver Stoff . In Ergänzung enthält das NpSG zum einzelstofflichen Ansatz des Betäubungsmittelgesetzes eine Stoffgruppenregelung, um NPS rechtlich effektiver begegnen zu können. Das NpSG verbietet, mit einem neuen psychoaktiven Stoff Handel zu treiben, ihn in den Verkehr zu bringen, ihn herzustellen, ihn zu verlagern, ihn zu erwerben, ihn zu besitzen oder ihn einem anderen zu verabreichen ( Abs. 1 NpSG). Vom Verbot ausgenommen sind unter anderem ( Abs. 2 NpSG). Nach Abs. 1 NpSG ist der Handel, das Inverkehrbringen und das Verabreichen von neuen psychoaktiven Substanzen unter Strafe gestellt. Besitz oder Erwerb von NPS werden nach NpSG zwar nicht strafrechtlich verfolgt, sind jedoch nach NpSG verboten und unterliegen, unabhängig von einem Strafverfahren, der verwaltungsrechtlichen Sicherstellung und Vernichtung nach den §§ 47 bis 50 des Bundespolizeigesetzes und den Vorschriften der Polizeigesetze der Länder.

Die neun Gruppen psychoaktiver Substanzen und drei Einzelsubstanzen, die dem Verbot unterliegen, sind in den Anlagen des Gesetzes aufgeführt:

Anlage 1 Von 2-Phenylethylamin abgeleitete Verbindungen: mit Amphetamin verwandte Stoffe, einschließlich Cathinone Cannabinoidmimetika (synthetische Cannabinoide): Stoffe, die wie natürlich vorkommende Cannabinoide ihre psychoaktive Wirkung im Endocannabinoid-System entfalten, aber nicht in Cannabis vorkommen. Die Gruppe der Benzodiazepine umfasst 1,4- und 1,5-Benzodiazepine und ihre Triazolo- und Imidazolo-Derivate, einige speziell substituierte, von Loprazolam, Ketazolam, Oxazolam, Chlordiazepoxid und Bretazenil abgeleitete Untergruppen sowie einige offenkettige Prodrugs. Sie alle entfalten durch ihre Bindung an GABA-Rezeptoren psychotrope Wirkungen. Nicht aufgenommen wurden 2,3-Benzodiazepine, da bei ihnen ein anderer Wirkungsmechanismus vorliegt und nicht mit einem ausgeprägten Suchtpotenzial zu rechnen ist. Von N-(2-Aminocyclohexyl)amid abgeleitete Verbindungen: Diese wirken als volle Agonisten vor allem an Opioidrezeptoren vom Typ μ. Die Wirkungen und Nebenwirkungen sind mit denen von Morphin vergleichbar. Sie werden missbräuchlich als „Ersatz“ oder „Ergänzung“ für die klassischen Opiate Morphin und Heroin verwendet.