Die Zeche Victoria Mathias war ein Steinkohlenbergwerk im Essener Nordviertel nahe der Innenstadt. Das Bergwerk wurde zwischen 1857 und 1880 auch Zeche Victoria Mathias & Gustav genannt. Die Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Victoria Mathias war eines der Gründungsmitglieder des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats. Das Bergwerk gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Zechen des Regierungsbezirks Düsseldorf. In den Jahren 1858 bis 1869 war die Zeche Victoria Mathias sogar die größte Zeche an der Ruhr.
Geschichte Die Anfänge Im Jahr 1839 legte Mathias Stinnes die Mutung auf die Grubenfelder Mathias und Victoria ein. Diese Felder befanden sich im nördlichen Stadtteil von Essen. Im Jahr darauf gründete Stinnes die bergrechtliche Gewerkschaft Victoria Mathias. Noch im selben Jahr wurde mit den Teufarbeiten des Schachtes Mathias im Bereich der Essener Altstadt begonnen. Der Schacht hatte einen Querschnitt von sechs Quadratmetern. Im Jahr 1844 legte Ernst Honigmann im Auftrag von Mathias Stinnes die Mutung ein Feld ein, das den Namen Entschädigung trug. Noch im selben Jahr wurden alle drei Felder verliehen. Am 8. März des Jahres 1845 konsolidierten die drei Felder zu Victoria Mathias. Die gesamte Berechtsame umfasste nun eine Fläche von drei Quadratkilometern. Der Schacht Mathias hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Teufe von über 50 Lachtern. Bei einer Teufe von 107 Metern (- 35 m NN) befand sich die 1. Sohle.
Die ersten Betriebsjahre Im Jahr 1845 konnte der Schacht Mathias die Förderung aufnehmen. Im Jahr darauf wurden die Teufarbeiten fortgesetzt und der Schacht tiefer geteuft. Bei einer Teufe von 136 Metern (- 64 m NN) wurde noch im selben Jahr die zweite Sohle angesetzt. Um die Grubenbaue durchgängig zu bewettern, wurde neben Schacht Mathias ein kleiner Schacht mittels Bohrtechnik erstellt. Dieser Schacht hatte einen Durchmesser von 30 Zoll. Im Jahr 1847 wurde ein weiterer Wetterschacht mit denselben Abmessungen erstellt. 1849 wurde auf der Zeche Victoria Mathias eine Kohlenwäsche mit Separation in Betrieb genommen. Es war die erste Kohlenwäsche im gesamten Ruhrrevier. Im darauffolgenden Jahr wurden die Teufarbeiten an Schacht Mathias weiter fortgeführt. Im Jahr 1851 wurde bei einer Teufe von 183 Metern (- 111 m NN) die dritte Sohle angesetzt. Im Jahr 1856 wurden die Teufarbeiten an Schacht Mathias fortgesetzt und der Schacht tiefer geteuft.
Der Ausbau des Bergwerks mini|280x280px|Die Zeche zur Zeit der französischen Besatzung im Oktober 1923 Im Jahr 1857 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht Gustav begonnen. Der Schacht wurde etwa 400 Meter nordöstlich von Schacht Mathias im Bereich westlich der Viehofer- und der Beisingerstraße angesetzt. Im Jahr 1858 erreichte der Schacht Gustav bei einer Teufe von 84 Metern das Karbon. Der Schacht wurde mittels Mauerung ausgebaut. Im selben Jahr wurde im Schacht Mathias bei einer Teufe von 218 Metern (- 148 m NN) die vierte Sohle angesetzt. Am 11. August desselben Jahres wurde das Geviertfeld Georg Mathias verliehen. Im Jahr 1858 wurde der Schacht Gustav in Betrieb genommen. 1859 wurde im Schacht Gustav, im Niveau der zweiten Sohle von Schacht Mathias, die Wettersohle angesetzt. Im Jahr 1861 wurde im Schacht Gustav bei einer Teufe von 237 Metern (- 167 m NN) die erste Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurde mit der Förderung im Schacht Gustav begonnen. Aufgrund des Abbaus durch das Bergwerk kam es im Essener Stadtgebiet zu starken Bergschäden. Für diese Schäden musste die Gewerkschaft erhebliche Entschädigungszahlungen an die Betroffenen erbringen, was wiederum die wirtschaftliche Entwicklung des Bergwerks beeinträchtigte. Zu dieser Zeit gehörte das Bergwerk zum Oberbergamtsbezirk Dortmund und dort zum Bergrevier Frohnhausen. Im Jahr 1864 wurden die Teufarbeiten im Schacht Mathias weiter geführt. Im darauffolgenden Jahr wurde bei einer Teufe von 255 Metern (- 183 m NN) die Sumpfsohle angesetzt. Im Jahr 1870 wurde im Südfeld mit den Teufarbeiten für einen neuen Wetterschacht begonnen. Der Schacht wurde in der Nähe der Hofterbergstraße auf dem Hofterberg angesetzt. 1853 wurden die Teufarbeiten an Schacht Gustav weiter geführt und der Schacht tiefer geteuft. Im selben Jahr wurde im Schacht bei einer Teufe von 307 Metern (- 237 m NN) die dritte Sohle angesetzt. Im Jahr darauf wurde der Wetterschacht bis zur ersten Sohle in Betrieb genommen.
Im Jahr 1875 wurde die Förderung des Schachtes Mathias stillgelegt. Der Schacht wurde jedoch zum Wetterschacht umgebaut. Von diesem Zeitpunkt an verfügte das Bergwerk nur noch über einen Förderschacht. Im Jahr 1876 wurde im Schacht Gustav bei einer Teufe von 336 Metern (- 266 m NN) die vierte Sohle und im Jahr 1878 bei einer Teufe von 397 Metern (- 327 m NN) die fünfte Sohle angesetzt. Im Jahr 1884 wurde auf der fünften Sohle ein Durchschlag zu den Nachbarzechen Graf Beust und Friedrich Ernestine erstellt. Im Jahr 1885 wurde im Schacht Gustav bei einer Teufe von 429 Metern (- 359 m NN) die fünfte Sohle und bei einer Teufe von 450 Metern (- 370 m NN) eine Zwischensohle angesetzt. Im Jahr 1886 warf das Bergwerk trotz der Kosten für die Bergschäden noch Ausbeute ab. Im Jahr 1887 wurde der Wetterschacht am Hofterberg verfüllt. Am 17. Januar des Jahres 1890 wurde die auf dem Werksgelände von der Handelsgesellschaft Mathias Stinnes errichtete Kokerei erworben. Die Kokerei bestand aus 70 Koksöfen. Im selben Jahr wurde mit der Ausrichtung der siebten Sohle begonnen. Diese Sohle wurde über ein Gesenk bei einer Teufe von 516 Metern (- 446 m NN) aufgefahren. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Hugo Stinnes die Leitung der Bergbaubetriebe der Familie Stinnes. Im Jahr 1891 wurde die altrechtliche Gewerkschaft mit 128 Kuxen in eine tausendteilige Gewerkschaft umgewandelt. Von diesen tausend Kuxen übernahm die Familie Stinnes 949 in den Familienbesitz. Im Jahr 1892 kam es auf dem Bergwerk zu einer Schlagwetterexplosion, hierbei wurden drei Bergleute getötet. Im selben Jahr erhielt der Schacht Gustav eine neue Fördermaschine. Die Fördermaschine war eine dampfgetriebene liegende Zwillingsmaschine mit einer Antriebsleistung von 500 PS. Die Förderung von Schacht Gustav war als Treibscheibenförderanlage ausgerüstet. Im Jahr 1893 wurde der Schacht Mathias wegen zu geringem Querschnitt aufgegeben und bis zur siebten Sohle verfüllt. Im selben Jahr wurde über Tage ein Kompressor für die Drucklufterzeugung installiert. Der Kompressor konnte pro Stunde bis zu 4000 Kubikmeter Druckluft mit einem Druck von fünf Bar erzeugen.
Im Jahr 1895 wurde die achte Sohle angesetzt. Die Sohle wurde über ein Gesenk bei einer Teufe von 603 Metern (- 533 m NN) angesetzt. Im darauffolgenden Jahr begann man, ab der siebten Sohle den Schacht 2 mittels Aufbruch zu erstellen. Der Schacht wurde 60 Meter südlich von Schacht Gustav (Schacht 1) erstellt. Um die Grubenbaue ausreichend mit frischen Wettern zu versorgen, wurde über Tage ein Grubenlüfter installiert. Der Lüfter stammte von der Maschinenfabrik Emil Wolff und wurde durch eine 150 PS starke Einzylinder-Dampfmaschine angetrieben. Der Lüfter war in der Lage, bis zu 2400 Kubikmeter Abwetter pro Stunde aus der Grube zu saugen. Im selben Jahr einigte sich die Gewerkschaft mit den Eigentümern der Zeche Vereinigte Sälzer & Neuack bezüglich der Berechtsamsüberschneidungen. Aufgrund dieser Einigung wurde das Feld Mathias westlich der Mathias-Verwerfung an die Vereinigte Sälzer & Neuack abgegeben. Im Gegenzug dafür erhielt Victoria Mathias die östlich der Verwerfung befindliche Hagenbecker Flözpartie. Im Jahr 1898 entschloss sich der Grubenvorstand, einen weiteren Förderschacht abzuteufen. Noch im selben Jahr wurden die Teufarbeiten des Schachtes von über Tage aus begonnen. Bevor dieser Schacht fertig wurde, kam es zu einer Störung an Schacht Gustav. Am 19. August ging der Schacht Gustav zu Bruch. Bei dem Versuch, den Schaden zu beheben, kam es am darauffolgenden Tag zu einem weiteren Einsturz im Schacht. Hierbei wurden sieben Bergleute getötet. Der Betrieb wurde daraufhin unverzüglich eingestellt. Der Schacht Gustav wurde verfüllt und neu abgeteuft. Am 18. September desselben Jahres wurde das Feld geteilt in die Felder Victoria Mathias und Essen III. Victoria Mathias hatte eine Fläche von 1,8 km2 und Essen III eine Fläche von 1,2 km2. Noch im selben Jahr ließ Hugo Stinnes auf dem Zechengelände das erste Elektrizitätswerk der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) errichten. Durch dieses Kraftwerk wurde ein Zweckverbund zwischen dem Bergwerk und der RWE eingegangen. Victoria Mathias lieferte an das Kraftwerk anstelle der Kohlen den im Kesselhaus des Bergwerks erzeugten Dampf. Dadurch sparte sich die RWE die Kohleumlage an das Steinkohlesyndikat. Hugo Stinnes erhielt dadurch einen Aufsichtsratsposten bei den RWE, ohne Aktionär in dem Unternehmen zu sein. Am 6. Januar des Jahres 1899 wurde das Längenfeld Victoria Mathias I von der Zeche Hagenbeck erworben. Außerdem wurde ein Teil eines Feldes von der Zeche Zollverein erworben. Im selben Jahr waren beide Schächte bis zur fünften Sohle abgeteuft. Der Bereich unterhalb der sechsten Sohle war abgesoffen. Das Feld Essen III wurde an die Friedrich Krupp AG abgegeben.
Der weitere Betrieb mini|Gedenkstein an die Opfer des Grubenunglücks auf dem Alten Friedhof Segeroth Gegen Ende des Jahres 1900 konnte sowohl der Schacht Gustav als auch der Schacht Victoria Mathias 2 die Förderung aufnehmen. Im Jahr 1901 wurde der Schacht 2 mit einer neuen Fördermaschine ausgerüstet. Die Maschine stammte von der stillgelegten Zeche Vereinigte Hoffnung & Secratarius Aak. Bei der Maschine handelte es sich um eine liegende Zwillingsdampfmaschine. Die von der Friedrich Wilhelms-Hütte erbaute Maschine hatte eine Leistung von bis zu 445 PS. Um das anfallende Grubenwasser zu heben, wurde über Tage eine Woolfsche Wasserhaltungsmaschine installiert. Die Maschine konnte bis zu drei Kubikmeter Wasser pro Minute aus einer Teufe von 700 Metern heben. Im selben Jahr wurde der Schacht 2 mit der siebten Sohle durchschlägig. Es wurde mit der Zeche Graf Beust ein Abbauvertrag geschlossen. Aufgrund dieses Vertrages konnte Graf Beust nun im Südfeld von Victoria Mathias oberhalb der sechsten Sohle abbauen, Victoria Mathias baute unterhalb der sechsten Sohle ab. Im Jahr 1903 wurde im Schacht 2 die Förderung bis zur siebten Sohle getätigt. Im selben Jahr wurde ein weiterer Grubenlüfter installiert. Der Lüfter wurde von einem Drehstrommotor angetrieben, der eine Leistung von 200 PS hatte und pro Minute bis zu 3000 Kubikmeter Abwetter aus dem Grubengebäude saugen konnte. Im Jahr darauf wurde eine neue moderne Waschkaue erbaut. Außerdem wurde die Kokerei vergrößert und eine Kohlenwertstoffgewinnungsanlage in Betrieb genommen. Die Kokerei bestand nun aus drei Koksofenbatterien mit insgesamt 104 Öfen. Es waren 35 Regenerativöfen, 30 Unterbrenneröfen und 39 Kopee-Öfen vorhanden. Mit diesen Öfen konnten zusammen bis zu 145.000 Tonnen Koks pro Jahr produziert werden. In der Zeit von 1904 bis 1908 trat die Gewerkschaft den Bochumer Kohlenwertstoffverbänden bei. Im Jahr 1905 wurde ein zweiter Kompressor in Betrieb genommen. Der Kompressor konnte bis zu 8000 Kubikmeter Druckluft mit einer Druck von fünf Bar erzeugen. Im Jahr 1908 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Im Jahr 1909 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 618 Metern (- 548 m NN) eine neue achte Sohle angesetzt.