mini|Peter Wohlleben (2016)
Peter Wohlleben (* 3. Juni 1964 in Bonn) ist ein deutscher Förster, Autor und Naturschützer. Er setzt sich für eine ökologisch wie ökonomisch nachhaltige Waldwirtschaft ein. Auf weltweites Interesse und einige wissenschaftliche Kritik stieß sein 2015 veröffentlichtes Buch Das geheime Leben der Bäume.
Leben Peter Wohlleben verbrachte seine ersten Lebensjahre in der Bonner Weststadt; sein Vater arbeitete im Bundesfinanzministerium. Als Wohlleben fünf Jahre alt war, zog er mit seiner Familie nach Sinzig. Nach dem Abitur am Rhein-Gymnasium 1983 wollte Wohlleben zunächst Biologie studieren. Stattdessen bewarb er sich auf Anraten seiner Mutter bei der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, die ihn als Forstinspektor anstellte und eine Ausbildung zum Diplom-Forstingenieur an der heutigen Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg ermöglichte.
Nach der Verbeamtung arbeitete Wohlleben zunächst als Büroleiter eines Forstamtes, ehe er 1991 eine Stelle als Förster der Gemeinde Hümmel antrat. Im dortigen Forstrevier wurde überwiegend konventionelle Waldwirtschaft betrieben. In den 1990er Jahren trieb die Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz eine ökologische Waldentwicklung voran, die den Verzicht auf Kahlschläge, Monokulturen und andere Methoden beinhaltete. Im Zuge dessen begann Wohlleben, den Gemeindewald Hümmel wieder in einen Urwald zu verwandeln. Neben seinem Engagement für die ökologische Waldwirtschaft veranstaltete er unter anderem Wanderungen für Touristen und organisierte Kurse für Schüler. Außerdem führte Wohlleben beispielsweise Survival-Trainings durch. Für kontroverse Debatten sorgte seine Rolle bei der Einführung eines Bestattungswaldes.
Unter Wohllebens Leitung kehrte das Forstrevier Hümmel in die Gewinnzone zurück. Vor dem Hintergrund einer Organisationsreform bei den Landesforsten und der Kritik an klassischen Bewirtschaftungsmethoden kündigte Wohlleben 2006 seine Beamtenstelle und wechselte als Angestellter in den Dienst der Gemeinde. Er forcierte fortan seine Vorstellung eines ökologisch wie ökonomisch vertretbaren Naturschutzes. Nachdem sich die Nachbargemeinden Ohlenhard und Wershofen dem Forstrevier Hümmel angeschlossen hatten, wurde eine zweite Försterin eingestellt. 2026 werden die Gemeindewälder von Hümmel, Wershofen und Ohlenhard von den Landesforsten Rheinland-Pfalz beförstert.
2007 trat Wohlleben erstmals als Schriftsteller in Erscheinung. Im Laufe der Jahre veröffentlichte er mehrere Sachbücher und entwickelte sich zum Bestseller-Autor. Aufgrund eines Burn-out 2009 und einer Herzerkrankung im Jahr 2016 musste Wohlleben sein Forstrevier aufgeben. Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet seitdem die Anfang 2017 gegründete „Waldakademie Hümmel“, die heute Wohllebens Waldakademie GmbH & Co KG heißt, ihren Sitz in Wershofen hat und seit 2018 seinem Sohn Tobias und dessen Frau Johanna Wohlleben gehört.online-Handelsregister.de: Wohllebens Waldakademie GmbH & Co.KG kostenpflichtig, abgerufen am 8. Oktober 2025. Gegenstand des Unternehmens ist unter anderem die Durchführung von Veranstaltungen, Seminaren und Wanderungen, der Verkauf von Lehrmaterialien und Fachliteratur sowie die Bewirtschaftung und Betreuung von Forstbetrieben. Mit seiner Frau Miriam gründete Peter Wohlleben im März 2021 die gemeinnützige Gesellschaft Wohllebens Wald & Wildnis gGmbH, die gegen illegale Großkahlschläge staatlicher Forstverwaltungen juristisch vorging und 2026 liquidiert wurde.
Als Natur- und Wanderführer erkundet Peter Wohlleben in der Fernsehserie Der mit dem Wald spricht – Unterwegs mit Peter Wohlleben mit jeweils zwei Prominenten in zweitägigen Exkursionen verschiedene Waldgebiete im Südwesten Deutschlands. Die ersten sechs Folgen sendete der Südwestrundfunk im Herbst 2018. Im Januar 2020 erschien der Dokumentarfilm Das geheime Leben der Bäume, bei dem Jörg Adolph Regie führt.Das geheime Leben der Bäume auf Filmstarts.de, abgerufen am 23. Januar 2020.
Peter Wohlleben war einer der Ideengeber des neuen Bachelorstudiengangs „Sozialökologisches Waldmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Der Studiengang startete im Wintersemester 24/25.
Werk 2007 beschäftigte sich Wohlleben in seinem ersten Buch Wald ohne Hüter mit dem Interessenkonflikt zwischen Forstwirtschaft und Jagd. Später erklärte er in einem Interview, Jagd als Hobby abzulehnen und allenfalls zum Schutz der Pflanzen zu akzeptieren. 2008 nahm der Autor in Holzrausch den Boom bei Holzkraftwerken, Pelletheizungen und Hauskaminen unter die Lupe. 2009 kritisierte Wohlleben den Naturschutz ohne Natur, weil seiner Meinung nach viele deutsche Landschaften Kunstprodukte einer intensiven Bewirtschaftung seien. 2010 lieferte er in Der eigene Wald praxisorientierte Hinweise zur ökologisch und ökonomisch optimalen Nutzung privater Wälder.
Im Buch Evolution 2.0 setzt er sich unter anderem mit dem globalen Bevölkerungswachstum und dem Verlust der Artenvielfalt auseinander. 2011 versuchte er mit dem Buch Bäume verstehen, Menschen das Wesen der Bäume näher zu bringen. In Kranichflug und Blumenuhr aus dem Jahr 2012 spürte Wohlleben weitere Naturphänomene auf. 2013 erneuerte er mit Der Wald – ein Nachruf sein Plädoyer für Urwälder und führte sein Konzept in Mein Wald praxisorientiert aus. 2014 versuchte Wohlleben, Die Gefühle der Tiere zu erklären.
Wohllebens populärstes Buch ist das 2015 erschienene Das geheime Leben der Bäume, das 2020 für Kinos verfilmt wurde. Das Buch stand 2015 und 2016 an der Spitze der Bestsellerlisten, auch im Jahr danach gehörte es noch zu den beliebtesten Sachbüchern. Der Autor erzählt darin beispielsweise von Bäumen, die über ihr Wurzelsystem Nährstoffe austauschen oder Duftstoffe aussenden, um sich vor Schädlingen zu warnen. Im selben Jahr schrieb Wohlleben mit seiner Frau Meine kleine Farm, um die Erfahrungen des Ehepaars als Selbstversorger zu schildern. Darüber hinaus gab er in Menschenspuren im Wald (2015) und Wohllebens Waldführer (2016) praktische Tipps für Wanderer und andere Waldbesucher. Außerdem erschien 2016 Das Seelenleben der Tiere. In dem Buch setzt sich Wohlleben mit der Frage auseinander, ob Tiere Gefühle und ein Bewusstsein haben.
2017 erschien Wohllebens Gebrauchsanweisung für den Wald, in deren Zentrum erneut ein behutsamer Umgang des Menschen mit dem Ökosystem Wald steht. Bei Hörst du, wie die Bäume sprechen? handelte es sich um das erste Kinderbuch des Autors. Das geheime Netzwerk der Natur erschien ebenfalls 2017. Wenngleich einzelne Thesen bereits aus anderen Werken bekannt waren, lieferte er hiermit die bisher umfassendste Beschreibung seiner Sicht auf Flora und Fauna ab. Seit 2017 schreibt Wohlleben für die Zeitschrift Zeit Wissen die Kolumne Der Tierfreund. Seit 2019 hat Peter Wohlleben im SWR1 eine eigene, wöchentlich erscheinende Radiokolumne mit dem Titel Der mit dem Wald spricht. Im Jahr 2020 kritisierte Wohlleben die staatlich subventionierte Abholzung und Räumung abgestorbener Wälder und sagte: „Das Gebot der Stunde heißt: Abwarten und zugucken, was die Natur macht. Dann wachsen überraschend robuste Bäume, ganz ohne Fördergelder übrigens. Der nächste Laubwald kommt kostenlos um die Ecke.“ Nach den Überschwemmungen in West- und Mitteleuropa 2021, die er aus nächster Nähe im Ahrtal, wo auch sein Forsthaus und Revier liegt, mitbekam, machte er darauf aufmerksam, dass die Überschwemmungen nicht so verheerend gewesen wären, wenn es ein anderes Waldmanagement gegeben hätte.
Anlässlich der zunehmenden Waldbrände in Deutschland im Sommer 2022 forderte Wohlleben laut Bericht in Geo mehr alte Baumbestände und das Belassen von Totholz in den Wäldern, da dickes Totholz ihm zufolge ein Wasserspeicher sei: „Wenn die Feuerwehr Totholz als Brandgefahr verteufelt, ist das zu pauschal“.
Wohlleben betreibt in Zusammenarbeit mit RTL und dem GEO-Magazin den Podcast Peter und der Wald.
Rezeption
Wissenschaftliche Rezeption Im Jahr 2021 benannten die Biologen Eberhard Fischer, Dorothee Killmann und Burkhard Leh eine neu entdeckte Baumart nach Peter Wohlleben. Dabei handelt es sich um eine Baumart aus der Familie der Mahagonigewächse, Carapa wohllebenii, die die Wissenschaftler in Ruanda entdeckt haben. Mit der Namensgebung wollten die Forscher Peter Wohlleben ehren – „in Anerkennung seiner Leidenschaft und seines Einsatzes für Bäume, Wälder und Naturschutz“.
Christian Ammer, Professor für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Georg-August-Universität Göttingen, beanstandete am Geheimen Leben der Bäume, dass es die Grenze zwischen Fakten und Mutmaßungen verwische und weder als Wissenschaft noch als Populärwissenschaft gelten könne. Ulrich Schraml, Professor für Forst- und Umweltpolitik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, stellte in einem Beitrag für das Holz-Zentralblatt dar, dass Wohllebens Thesen an das Anfang der 1970er erschienene Buch The Secret Life of Plants angelehnt seien, ohne dies zu erwähnen, und vielfach den gesicherten Stand des forstwissenschaftlichen Wissens verließen. Schraml kritisierte, Wohlleben gleite von der Metapher ins Metaphysische hinüber, mahnte jedoch zugleich die Fachwelt, sich konstruktiv mit ihm auseinanderzusetzen. Der Biologe Pierre Ibisch hingegen warf den Kritikern Wohllebens vor, „neueste Studien nicht zu kennen“.
Im Februar 2023 erschien eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in Nature Ecology & Evolution, die unter anderem Bezug auf Wohllebens Buch Das geheime Leben der Bäume nahm. Die Wissenschaftler diskutierten darin drei Behauptungen bezüglich des Nährstoff- und Informationsaustausches zwischen Bäumen, die in der Populärwissenschaftlichen Literatur und Medienberichterstattung häufig wiederholt werden. Die Übersichtsarbeit stellt heraus, dass für keine der untersuchten Behauptungen ausreichende Evidenz in der wissenschaftlichen Literatur gefunden werden konnte. In einem Interview mit Bild bezeichnete Wohlleben diese Veröffentlichung als „unwissenschaftlich“ und als „persönliche Meinung“ der Autoren. Laut Wohlleben hätten diese nicht alle Studien berücksichtigt; so sei „für den Leipziger Auwald gut beschrieben, wie Bäume kommunizieren“.
Ein 2024 im Fachblatt Trends in Plant Science erschienener Meinungsartikel internationaler Wissenschaftler erläuterte, dass von Peter Wohlleben propagierte Thesen nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gesichert seien und stattdessen im Gegensatz zu gut etabliertem Wissen stünden.Fachleute fordern: Pflanzen nicht vermenschlichen, Pressemeldung der Uni Göttingen, 20. September 2023 Seine Thesen seien überwiegend unwissenschaftlich, unbelegt und schädlich für einen sachlichen Diskurs. Die Gruppe warf ihm außerdem eine übertriebene Vermenschlichung von Pflanzen vor.
Mediale Berichterstattung Die größte mediale Rezeption erfuhr Wohlleben mit dem Werk Das geheime Leben der Bäume. Wieland Freund lobte es in der Welt als „faszinierendes Buch“ über eine gewaltige Kreatur, die sich bisher vor uns versteckt habe. Jan Heidtmann hob in der Süddeutschen Zeitung hervor, Wohlleben habe „dem Wald die Seele zurückgegeben“. Seine Berichte erinnerten an die Romantik eines Joseph von Eichendorff und entfalteten eine Wirkung wie der Science-Fiction-Film Avatar. Denis Scheck erklärte im Tagesspiegel, dass jeder Leser des Buches den Wald fortan mit anderen Augen sehen werde. Dieser Meinung war auch Sebastian Jutzi in Bild der Wissenschaft. Andrea Wulf bezeichnete das Werk in einem Beitrag für die Washington Post als „erhellend“ und „durch und durch unterhaltsam“, bemängelte aber zugleich „vermenschlichende“ und „niedliche“ Formulierungen. Richard Fortey klassifizierte in Nature das „fesselnde Buch“ als „anregende Naturgeschichte“, die „viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse“ enthalte. Er beanstandete jedoch den Erzählstil.