mini|Wernrode mit Renaissance Schloss und Berg Feuerkuppe mini|Blick auf den Zengenberg mini|Blick vom Schloss auf die Kirche Wernrode und die Friedenseiche mini|Schloss Wernrode mini|Schild am Eingang des Spielplatzes mini|Spielplatz Wernrode „Kleine Uhu’s“ hinter dem Dorfgemeinschaftshaus mini|150-jährige Friedenseiche mit dem Sühnekreuz

Wernrode ist ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Bleicherode im Landkreis Nordhausen.

Geografie Lage Wernrode liegt zwischen Harz und Hainleite, südlich des Tals der Wipper bei Wolkramshausen und Kleinfurra. Er befindet sich zwischen Bleicherode mit den Bleicheröder Bergen und Sondershausen mit der Windleite am nördlichen Bergrücken der Hainleite unterhalb der Feuerkuppe nahe der Burg Straußberg. Durch das Dorf fließt der Wernröder Bach, der bei Kleinfurra in die Wipper mündet.

Nachbarorte

Geschichte Wernrode zählt zu den frühgenannten Orten der Südharz-Region und lag im Wippergau.

Frühgeschichte Auf den zu Wernrode gehörenden Flurstücken Rauchenberg und Sargberg sind erste Besiedlungen in der Spätbronze- und Früheisenzeit belegt. Die Keramikfunde legen eine Besiedlung in der jüngsten Urnenfelderzeit (Ha B3) um 880–800 v. Chr. sowie einen Siedlungsschwerpunkt in der späten Hallstattzeit (Ha D) um 620–450 v. Chr. bis frühen Latènezeit (LA) um 450–250 v. Chr. nahe.

Mittelalter Für 802 bis 817 wies Wolfgang Kahl die urkundliche Ersterwähnung von Wernroda nach.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 311. In Wernroda befand sich ein hochmittelalterlicher Herrensitz, der heute als Hochmotte im Schlosspark erkennbar ist. Der Grunddurchmesser der Hochmotte ist etwa 22 m, die Höhe 1,5 m und der obere Durchmesser 9 m. Im Süden ist ein flacher Graben von 18 m Breite zur Sicherung dieser Anlage zu erkennen.

Auf dem östlichen Teil des Zengenberges, am Nordrand der Hainleite und westlich von Wernrode, befand sich ab dem 11. Jahrhundert die Zengenburg, zur Sicherung des Ortes und von Wolkramshausen. Außerdem kontrollierte und sicherte man mit der Befestigung den Handelsweg über die Hainleite. Die Hochfläche der Burg ist noch durch einen zwei Meter breiten Wall mit Graben zu erkennen.

Südwestlich des Dorfes befindet sich die Ruine der Alten Burg und der Alten Kirche, auf der im 12. und 13. Jahrhundert die Grafen von Kirchberg lebten.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 273 und 279. Deren direkten Nachkommen sind die heutigen existierenden Königshäuser in Europa und die vergangenen Monarchien.

Im Dorf gibt es ein Schloss (unter Denkmalschutz) aus dem 12. Jahrhundert, eine frühere Wasserburg.

Am 31. August 1271 wurden Reinhardus, Lippoldus, Wernerus et Conradus de Werenrad urkundlich erwähnt.

Am 27. Januar 1278 wurde Alexander von Werenrode als Zeuge im Walkenrieder Urkundenbuch Nummer 448 genannt.Josef Dolle, Walter Baumann (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Walkenried. Band 1: Von den Anfängen bis 1300. Hannover 2002, Nr. 448.

Neun Urkunden (Nr. 577, 579, 580, 689f., 692ff., 700, 702f. und 718) des Klosters WalkenriedDolle, Josef; Baumann, Walter (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Walkenried. Bd. 1: Von den Anfängen bis 1300. Hannover 2002, ISBN 3-7752-6010-2 dokumentieren in den Jahren 1296/97, dass der Adeligen Alexander von Wernrode Abt Hermann von Walkenried, für die Tötung seines Sohns durch einen Konversen, vor dem Gericht der Grafen Dietrich und Heinrich von Honstein zur Verantwortung zog. Das Gericht verurteilte Abt und Konvent zur Zahlung einer Geldbuße für den Totschlag. Im Sommer des Jahres 1296 legte der Abt Revision ein. Das sächsische Landfriedensgericht reinigte den Abt von dem Vorwurf, an dem Totschlag mitschuldig zu sein. Die Römische Kurie unter Papst Bonifatius VIII. beauftragte im März und April 1297 den Dekan von Heiligenstadt, den Streit zwischen dem Kloster Walkenried und Alexander von Wernrode zu schlichten. Der vom Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein mit der Angelegenheit betraute Kantor der Heiligenstädter Kirche führte einen Vergleich zwischen den Streitparteien herbei.

Die kleine Saalkirche wurde Anfang des 14. Jahrhunderts aus Bruchsteinen gebaut.

Frühe Neuzeit Der evangelische Glaube wurde am 27. März 1556 auf einer Synode in Walkenried für die Grafschaft Hohnstein eingeführt. Damit galt die Augsburgische Konfession als Glaubensnorm für die Untertanen.

1573 wurden zwei Herren von Schiedung auf Burg und Gut genannt. Seit 1603 wohnte in dem umgebauten Renaissanceschloss die evangelische Familie von Jagemann. Johann von Jagemann war Braunschweigischer Kanzler. Ab 1661 lebten dort die Familie von Hagen und seit 1720 die Familie von Bila.

19. Jahrhundert mini|Dorfkirche Um 1800 wurde das Schloss erweitert und ab 1855 bewohnte es die Familie von Klatte. Im 19. Jahrhundert wechselten mehrere Besitzer. Neben dem Schloss und einem Gutshaus gibt es teilweise erhaltene, auch renovierte Wirtschaftsgebäude (ebenfalls unter Denkmalschutz) mit umliegenden Ställen und Scheunen. Das Dorf hatte bis dahin einen typischen Gutsdorfcharakter, mit einem Försterhaus neben der Kirche, einer Schmiede, einer Mühle, Obstplantagen und 13 kleinen Häusern (Katen). Gottfried Gaßmann pachtete 1836 den Freihof und kaufte diesen 1842.

Am 17. August 1869 eröffnete die Bahnstrecke Wolkramshausen–Erfurt mit den Bahnhöfen Kleinfurra und Wolkramshausen.

Die Wernröder Friedenseiche wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 auf dem Domplatz des preußischen Gutbezirkes des Ortes durch Einwohner gepflanzt. Die Eiche verkörpert den Willen der Bürger zum Frieden, denn Kriege bringen nur Leid, Not, Elend und Verderben. Sie ist seit 1988 ein Naturdenkmal.

20. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss nochmals umgebaut und erweitert.

Eine durch die Kalibohrgesellschaft Robertshall niedergebrachte Tiefbohrung im Jahr 1900 südlich von Wernrode erreichte bei 689,7 Metern ein 67,5 Meter mächtiges Steinsalzlager.

Von 1905 bis 1925 wurde im benachbarten Ludwigshall und Immenrode-Straußberg Kalibergbau betrieben. Eine 1,6 km lange Drahtseilschwebebahn, an der Loren befördert wurden, lag von 1908 bis 1956 zwischen beiden Orten.

1913 erfolgte der Anschluss des Dorfes an das öffentliche Stromnetz.

Nach der Wirtschaftskrise 1929 wurden 1930 12 Siedler und Kleinbauern „aufgesiedelt“.

Ein Kriegerdenkmal wurde 1934 auf dem Kirchhof errichtet, zur Erinnerung an die neun Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges.

Von 1942 bis 1945 befand sich an der Straße zwischen Kleinfurra und Straußberg, südlichen am Rasenweg (heute ein Teil der Putenmastanlage), ein Barackenkomplex mit Unterkünften und unterkellerter Küchenbaracke – ein Zwangsarbeiterlager mit 450 Franzosen, Belgiern, Flamen sowie russischen Kriegsgefangenen für die Heeresmunitionsanstalt „Muna“.

Im Zweiten Weltkrieg beklagte die kleine Gemeinde 18 Kriegsgefallene. Ab dem 11. April 1945 bezogen amerikanische Soldaten des V. US-Korps/2. US-Infanteriedivision die Schule als Quartier. Mit dem Besatzungswechsel ab dem 3. Juli 1945 nutzen sowjetische Soldaten die Schule als Nachtquartier.

Im Herbst 1945 wurden Arbeitskräfte der Schachtbaufirma Gebhardt & Koenig (G&K) mit Ortskenntnis im Kalibergwerk Ludwigshall dienstverpflichtet. Unter Aufsicht eines russischen Kommandanten, mussten die Einwohner von Wernrode die übrige Kriegsmunition aus der Heeresmunitionsanstalt Ludwigshall in das Kirchtal transportieren. Die Räumung war erst 1950 beendet. Die Detonationen der Sprengung erschütterten die Häuser des Dorfes und richteten Schäden an. Die Munition wurde, durch die heftigen Sprengungen, kilometerweit im Kirchtal verteilt. Durch Selbstentzündung kam es zu Waldbränden: 1949 am Mittelberg, 1952 und 1957 an der Alten Burg, sowie 1955 im Kirchtal.

Ab 1964 begann die Hauswasserversorgung des Dorfes. Bis zu dieser Zeit hatte jedes Grundstück einen pumpenbetriebenen Brunnen.

Am Sprengplatz im Kirchtal arbeiteten 1965 mehrere Einwohner. Überalterte Munition der NVA sowie alte Fliegerbomben wurden vernichtet. Heute befindet sich dort das Unternehmen Tauber Delaborierung GmbH.

Wernrode war seit 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Wolkramshausen und wurde am 1. Januar 2019 in die Stadt Bleicherode eingemeindet.

Zwischen dem Schloss und der Kirche befindet sich ein großes, markantes Sühnekreuz auf einer Rasenfläche der Friedenseiche. Das Steinkreuz stand bis 1925 vor dem Grundstück Wernröder Hauptstraße Nr. 8, bis es ein Fuhrwerk beschädigte. Dann wurde es, beim Brückenbau, als Baumaterial verwendet. Eberhard Knappe aus Wernrode hatte es 1975, etwa 1300 m östlich des Ortes, aus 0,75 m Tiefe geborgen und sichergestellt. Nach Restaurierung im Jahr 1993, mit finanziellen Fördermitteln vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, wurde es 1994 unter der Friedenseiche aufgestellt.

Das Gutshaus wurde seit 1949 bis 1989 als Konsum, Kindertagesstätte, Büro des Bürgermeisters, als Arztpraxis und als Kinderferienlager „Gladys Marín“ der Handelsorganisation HO genutzt.

21. Jahrhundert Seit 2015 ist die Ortschaft an das Erdgasnetz angeschlossen.

Zum Kindertag am 1. Juni 2020 wurde der Spielplatz „kleine Uhu’s“ Wernrode, hinter dem Dorfgemeinschaftshaus, fertiggestellt.

Ein Internet Breitbandnetz bis VDSL2 250.000 kbit/s und eine Basisstation für den Mobilfunkstandard LTE+ (4G) sowie 5G stehen seit November 2022 bzw. September 2023 zur Verfügung.

Ortsbürgermeister mini|Das Gebäude der Alten Schule (bis 1968) ist heute das Büro des Ortschaftsbürgermeisters und Dorfgemeinschaftshaus. Jahr Liste der Ortsbürgermeister 1737 Nicolaus Koch 1810 G. Koch 1839–1856 Georg Koch, mit Ortsteil Hopperode. Er erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen vom König Friedrich Wilhelm IV. 1877–1914 Karl Gaßmann 1928–1933 Otto Schneider 1933–1935 Erich Schattke 1936–1945 Herr Riemann 1945–1953 Otto Schneider († 1954) 1953–1956 Fritz Fischer 1956 Karl Sandmann 1956–1962 Klaus Balzer 1962 Willy Beyer (zwischenzeitlich) 1962–1972 Günter Schirmer (geb. 9. Juli 1933; gest. 1. September 2017 in Wernrode) 1972–1989 Adalbert Thiel (Bürgermeister von Wolkramshausen mit Ortsteil Wernrode) (geb. 30. Juli 1934; gest. 2. November 2016 in Braunsbedra) 1989–1994 Bernd Gaßmann (Bürgermeister von Wolkramshausen mit Ortsteil Wernrode) 1994–2016 Wolfgang Morgenstern (Bürgermeister von Wolkramshausen mit Ortsteil Wernrode) 2016–2019 Daniel Braun (Bürgermeister von Wolkramshausen mit Ortsteil Wernrode) Seit 2019 Heiko Karthäuser (Ortschaftsbürgermeister)

Wappen Der schwarz eingerahmte Wappenschild mit halbkreisförmig abgerundeter Spitze, auch als Spanischer Schild bezeichnet, die einem U ähnelt, ermöglicht eine besonders gute Raumaufteilung bei der Gestaltung. rechts|rahmenlos|150px|Ortswappen Wernrode In dunkelgrünen Großbuchstaben, auf hellgelben Hintergrund, schwarz eingerahmt, erscheint der Ortsname WERNRODE.

Die hellgrüne Farbe, im mittleren Teil, symbolisiert die Wälder der umliegenden Hainleite. Durch eine weiße wellenförmige Linie abgegrenzt, ist der untere Teil orange eingefärbt. Die Farbe Orange steht für die Fröhlichkeit, die Kreativität und das Miteinander der Einwohner. Die zwei gekreuzten schwarzen Beile symbolisieren Macht und Würde. Diese deuten auf die Entstehung des Ortes als Rodungssiedlung um das Jahr 800 hin. Ein silbergrauer stehender Uhu, in einer leicht nach heraldisch rechtsgekehrter Haltung, mit spitzen Ohren seitlich abgespreizt, befindet sich im Zentrum. Als Könige der Nacht bezeichnet, steht der Uhu als Symbol für Weisheit, Schutz und Treue. Die grünen Eichenzweige bedecken den rundförmigen Wappenboden und symbolisieren die Wernröder Friedenseiche von 1871 für den Willen der Bürger nach Frieden.

Die Einwohner von Wernrode erhielten von den Nachbarorten den Spitznamen Uhus.