mini|hochkant|Andreas Dresen im Filmmuseum Potsdam (2023) Andreas Dresen (* 16. August 1963 in Gera) ist ein deutscher Filmregisseur. Von 2012 bis 2022 war er Laienrichter des Verfassungsgerichts des Landes Brandenburg. Seit 2018 ist er Professor für Filmschauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.
Leben und Werk mini|hochkant|Andreas Dresen mit dem Deutschen Filmpreis 2019 Andreas Dresen ist Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und der Schauspielerin Barbara Bachmann. Nach der Trennung seiner Eltern wuchs er bei seiner Mutter auf, der Theaterregisseur Christoph Schroth wurde sein Ziehvater.Ines Walk: In: film-zeit.de, März 2008, aufgerufen am 5. Januar 2015, hier mit der DEFA-Stiftung.
Dresen wuchs in Schwerin auf. Seine Mutter war am Staatstheater engagiert. Von 1979 bis 1982 besuchte er in Schwerin die Erweiterte Goethe-Oberschule. Dort drehte er seine ersten Amateurfilme und führte bei Schultheaterstücken Regie. In: Goethe-Gymnasium Schwerin – Allgemeinbildendes und Musikgymnasium, (archiviert). Nach seinem Wehrdienst in der NVA 1982/83 arbeitete er 1984/85 als Tontechniker am Schweriner Theater. 1985 und 1986 absolvierte er ein Volontariat im DEFA-Studio für Spielfilme und war Regieassistent bei Günter Reisch. Darauf folgte 1986 bis 1991 ein Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, das er mit einem Diplom abschloss. Sein Diplomfilm war Jenseits von Klein Wanzleben.Der DDR-Sozialismus als Exportmodell – die Außenstellen der FDJ-Jugendhochschule Sein im Studium entstandener mittellanger Film So schnell es geht nach Istanbul (1990) lief auch auf der Berlinale und erhielt den Prix Europa sowie den Preis der Unterzeichner des Oberhausener Manifests und Preis der DGB Jury bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. Mit seinem ersten Kinofilm Stilles Land (1991/92) reflektierte Dresen in ironischer Weise die Wirren der Wende in einem Kleinstadttheater. Seit 1992 ist Dresen als freier Autor und Regisseur tätig. Nachdem er zunächst für das Fernsehen gearbeitet hatte, drehte er seit Nachtgestalten (1999) überwiegend fürs Kino produzierte Filme. Dresen setzt seit Nachtgestalten häufig auf Improvisation und Handkamera, wodurch seine Filme einen sehr realistischen und halbdokumentarischen Charakter erhalten. In: Kino.de, aufgerufen am 5. Januar 2015.
Von 1990 an arbeitete er vorrangig mit Kameramann Andreas Höfer zusammen, mit dem er gemeinsam in Babelsberg studiert hatte, seit 2000 auch mit Michael Hammon. Für drei seiner Kinofilme arbeitete Dresen mit Wolfgang Kohlhaase als Drehbuchautor: Sommer vorm Balkon (2005), Whisky mit Wodka (2009) und Als wir träumten (2015). Kohlhaase schätzt an Dresen eine „freundliche“, „beinahe zärtliche“ Sicht- und Umgangsweise mit den Schauspielern und den von ihnen dargestellten Figuren. In: stichwortdrehbuch.de, 31. August 2009, 38:32 Min., Äußerungen zu Dresen gegen Ende des Interviews. Dresen bestätigte danach, dass Kohlhaase und er dieselbe „Sicht auf Welt und Menschen“ teilen.Andreas Dresen: Liebe, Tod und Wetter. Eine Hommage. In: Die Zeit, 11. Februar 2010, Nr. 7.
Seit 1996 arbeitet Dresen auch für die Bühne, so am Staatstheater Cottbus (Goethes Urfaust), am Schauspiel Leipzig sowie am Deutschen Theater in Berlin. Im Jahre 2006 inszenierte er an der Basler Oper Mozarts Don Giovanni und am Deutschen Theater Berlin Ödön von Horváths Schauspiel Kasimir und KarolineVgl. Anne Schimkus: Feste zum Feiern. Am Deutschen Theater bastelt Andreas Dresen Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“ kraftlos zurecht. In: junge Welt. 16. Juni 2006, S. 12. mit der Musik der 17 Hippies.
Im Jahr 2013 wurde er in die Wettbewerbsjury der 63. Internationalen Filmfestspiele von Berlin berufen. 2015 war Dresen mit seinem Film Als wir träumten nach 1999 (Nachtgestalten) und 2002 (Halbe Treppe) zum dritten Mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten., Filmgespräch in der Berliner Zeitung vom 3. Februar 2015, abgerufen am 7. Februar 2015
mini|Andreas Dresen auf der Berlinale 2022 2018 kam Dresens Spielfilm Gundermann in die Kinos, der insgesamt sechs Lolas beim Deutschen Filmpreis 2019 gewann, darunter den Preis für den Besten Film. Dresen hatte zwölf Jahre lang versucht, dieses Bio-Pic über den ostdeutschen Liedermacher Gerhard Gundermann zu realisieren. Zusammen mit dem Hauptdarsteller Alexander Scheer und Pankow-Gitarrist Jürgen Ehle spielt Andreas Dresen in einer ursprünglich zu den Filmpremieren gegründeten Band, die u. a. bekannte Lieder von Gerhard Gundermann, David Bowie und Rio Reiser wiedergibt.
Im Jahr 2022 erhielt er für seinen Spielfilm Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush eine Einladung zum Wettbewerb der 72. Berlinale.Berlinale 2022: Die Filme des Wettbewerbs. In: berlinale.de. 19. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022.
Es folgte das Historiendrama In Liebe, Eure Hilde (2024), das von der Widerstandskämpferin Hilde Coppi handelt. Dies brachte ihm eine Einladung in den Hauptwettbewerb der 74. Berlinale ein. Zudem soll Dresen Die Weihnachtsgans Auguste neu verfilmen.
Engagements und Mitgliedschaften Andreas Dresen gehörte 2003 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie. Er ist außerdem Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg. Zudem hatte Dresen von 2013 bis 2019 das Amt des Stiftungsratsvorsitzenden der DEFA-Stiftung.
Im Oktober 2012 wurde er auf Vorschlag der Fraktion Die Linke als juristischer Laie zum Verfassungsrichter im Land Brandenburg gewählt, im November 2012 stimmte er der Wahl zu.Wenke Husmann: Urteilen mit dem geübten Blick eines Filmemachers. In: Zeit online, 7. November 2012. Seine offizielle Amtszeit endete nach zehn Jahren im November 2022. Danach übte er das Amt auf Bitten des Präsidenten des Landesverfassungsgerichtes Markus Möller weiter aus, bis im Oktober 2023 mit Andreas Koch ein Nachfolger gewählt wurde.
Seit 2016 unterstützt Andreas Dresen das „Bündnis für Brandenburg“, eine Initiative des Bundeslandes Brandenburg, die dafür sorgen möchte, dass die Integration von Flüchtlingen gelingt.
Seit dem Sommersemester 2018 hat er die neu eingerichtete Professur für Filmschauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock inne.
Er war Erstunterzeichner des in der Zeitschrift Emma veröffentlichten Offenen Briefs an Bundeskanzler Scholz vom 29. April 2022, der sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ausspricht.Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz. emma.de, abgerufen am 30. April 2022.
Ende Juni 2023 wurde Dresen Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.Marcus Jones: Academy Announces 2023 Invitees, Including 'EEAAO' Alums, Taylor Swift, and David Zaslav. In: indiewire.com, 28. Juni 2023.
Gemeinsam mit anderen Filmschaffenden wie Doris Dörrie, Sönke Wortmann, Simon Verhoeven, Caroline Link und Detlev Buck macht sich Dresen in einem Videoclip für die Stärkung der Verleiher in der Neufassung des Filmfördergesetzes stark.
Dresen lebt in Potsdam.
Filmografie mini|hochkant|Andreas Dresen auf der Berlinale 2015 Spielfilme 1990: So schnell es geht nach Istanbul 1992: Stilles Land 1994: Das andere Leben des Herrn Kreins 1995: Mein unbekannter Ehemann 1997: Polizeiruf 110: Der Tausch 1997: Raus aus der Haut 1999: Nachtgestalten 2000: Die Polizistin 2002: Halbe Treppe 2005: Willenbrock (nach dem gleichnamigen Roman von Christoph Hein) 2005: Sommer vorm Balkon 2008: Wolke 9 2009: Whisky mit Wodka 2011: Halt auf freier Strecke 2015: Als wir träumten 2017: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen 2018: Gundermann 2022: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush 2024: In Liebe, Eure Hilde
Dokumentarfilme 1986: Hofpause (Kurzdoku) 1989: Jenseits von Klein Wanzleben 1990: Simbabwe – Träume von der Zukunft 1993: Krauses Kneipe 1994: Kuckuckskinder 2003: Denk ich an Deutschland … – Herr Wichmann von der CDU 2010: 20 × Brandenburg – Menschen, Orte, Geschichten 2012: Herr Wichmann aus der dritten Reihe 2013: 16 × Deutschland – Menschen, Orte, Geschichten (Fernsehdokumentation; Film „Brandenburg“)
Kurzfilme 1976: Unser täglich Brot 1985: Der kleine Clown 1987: Konsequenzen – Peter, 25 1987: Schritte des anderen 1988: Nachts schlafen die Ratten 1988: Was jeder muß … 1989: Zug in die Ferne 1991: Lulu 1991: Die Narren sterben nicht aus 1992: Es bleibt alles ganz anders
Theater/Oper 1996: Johann Wolfgang von Goethe: Urfaust (Staatstheater Cottbus) 2006: Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni (Theater Basel) 2006: Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline (Deutsches Theater Berlin) 2015: Richard Strauss: Arabella (Bayerische Staatsoper) 2019: Wolfgang Amadeus Mozart: Die Hochzeit des Figaro (Hans-Otto-Theater Potsdam im Schlosstheater des Neuen Palais von Sanssouci) 2023: Peter Tschaikowski: Pique Dame (Semperoper Dresden)
Auszeichnungen Nationale Preise Preis der deutschen Filmkritik 1999: Bester Spielfilm für Nachtgestalten 2003: Bester Spielfilm für Halbe Treppe
Bayerischer Filmpreis 2003: Regiepreis für Halbe Treppe 2006: Regiepreis für Sommer vorm Balkon
Hessischer Filmpreis 1992: für Stilles Land
Grimme-Preis 2001: Adolf-Grimme-Preis in Gold für Die Polizistin 2011: Grimme-Preis, Sektion Information & Kultur/Spezial, für die künstlerische Leitung bei 20 × Brandenburg
Fernsehfilmfestival Baden-Baden 2000: Hauptpreis für Die Polizistin
Deutscher Filmpreis 1999: Nominierung Filmpreis in Gold für Außergewöhnliche Leistung in Regie für Nachtgestalten 2002: Filmpreis in Silber für Halbe Treppe 2002: Nominierung Filmpreis für Außergewöhnliche Leistung in Regie für Halbe Treppe 2009: Beste Regie für Wolke Neun 2012: Nominierungen in den Kategorien Regie und Drehbuch für Halt auf freier Strecke 2012: Preis in der Kategorie Regie für Halt auf freier Strecke 2019: Beste Regie für Gundermann
Deutscher Fernsehpreis 2001: Preis für beste Regie in einem Fernsehfilm für Die Polizistin
Internationales Filmfest Emden Aurich Norderney 1999: Nominierung für den Filmpreis Emden für Nachtgestalten
William-Dieterle-Filmpreis 2002: Hauptpreis für Halbe Treppe
1992: Deutscher Kritikerpreis 2001: Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst der DEFA-Stiftung 2007: Bundesverdienstkreuz am Bande 2011: Douglas-Sirk-Preis des Hamburger Filmfests 2011: „Goldener Biber“ auf den Biberacher Filmfestspielen für Halt auf freier Strecke 2012: Verdienstorden des Landes Brandenburg 2012: Regine-Hildebrandt-Preis 2014: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin 2019: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis) 2020: Theodor-Heuss-Preis 2020: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2024: Fliegender Ochse auf dem Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern für In Liebe, Eure Hilde
Internationale Preise Internationales Filmfestival Berlin Berlinale 1999: Nominierung Goldener Bär für Nachtgestalten Berlinale 2002: Preis der Gilde Deutscher FimkunsttheaterKunstkinos für Halbe Treppe Silberner Bär der Jury für Halbe Treppe Nominierung für den Goldenen Bären für Halbe Treppe
Internationale Filmfestspiele von Cannes 2008: Coup de cœur du jury für Wolke Neun 2011: Prix Un Certain Regard für Halt auf freier Strecke
Chicago International Film Festival 2002: Silberner Hugo – Beste Regie für Halbe Treppe
Europäischer Filmpreis 2002: Nominierung Regiepreis für Halbe Treppe 2008: Nominierung Regiepreis für Wolke Neun
Flanders International Film Festival Ghent 2002: Silver Spur für Halbe Treppe Nominierung Golden Spur für Halbe Treppe
Montreal World Film Festival 2000: Nominierung Grand Prix für Die Polizistin
Internationales Kinder- und Jugend-Filmfestival Lucas 1998: Lucas für Altersklasse 12- und 13-Jährige für Raus aus der Haut
Filmfestival Max-Ophüls-Preis (Saarbrücken) 1995: Förderpreis Langfilm für Mein unbekannter Ehemann
Prix Europa (Berlin) 2000: für Nachtgestalten
Internationales Filmfestival Karlovy Vary 2009: Regiepreis für Whisky mit Wodka
Berlin & Beyond Film Festival