Arleen Schloss (* 12. Dezember 1943 in Brooklyn, New York City, New York; † 23. Mai 2026) war eine US-amerikanische Performancekünstlerin, Video-Pionierin und Kuratorin.
Bedeutung Arleen Schloss gehörte der frühen amerikanischen Videokunst- und Performance-Szene an.Sonic Youth: Sensational Fix, S. 514, Walther König; Har/Com edition (1. März 2009) Mit der Konzeption „Wednesday’s A’s“ in einem Loft auf der Broome Street in der Bowery, einem ehemaligen Armenviertel, schuf sie 1979 in Downtown New York eine neue, alternative Kunstplattform für experimentell arbeitende, nicht etablierte Künstler. Jeden Mittwoch konnten diese ihre Videokunst, Performances, Musik, Zeichnungen oder Malerei einem Publikum vorstellen und mit diesem über das Werk ins Gespräch kommen. Ab 1980 war „Wednesday’s A’s“ eine bekannte Ausstellungsadresse für neue Kunst, Video und Musik, die bei etablierten Galerien und Institutionen keine Chancen hatten. Bei „A’s“ ausgestellte Künstler wurden teilweise später sehr bekannt, wie z. B. Eric Bogosian, Jean-Michel Basquiat und Ai Weiwei. „A’s“ zeigte Arbeiten unter anderem von Glenn Branca, The Coachmen, Kim Gordon, Phoebe Legere, Thurston Moore, Shirin Neshat, Lee Ranaldo, Sur Rodney Sur und Alan Vega. No-Wave und Noise Bands Bands u. a. wie Test Pattern, Gray und Mania D spielten Mittwochs bei „A’s“.http://www.nypress.com/article-17040-q-a-arlene-schloss.html Seine erste Ausstellung hatte SAMO, alias Jean-Michel Basquiat im Oktober 1979 bei „A’s“. Aufgrund des breiten Zuspruches ihres nicht akademischen „A’s“ Ausstellungs-Konzeptes, das „A’s“ zum Dauerbrenner in der New Yorker Underground-Szene machte, wurde Schloss eingeladen als Kuratorin zu arbeiten. Ausstellungen in der „Danceteria“, einer Kunst-Disco in SoHo, und im Schaufenster von „Art and Architecture“, ein in New York angesehener architektonischer Veranstaltungsort, kuratierte sie.
Leben und Werk mini|hochkant=0.9|Arleen Schloss (links) in Martin Kippenbergers Punkclub SO36, Berlin, Januar 1980
Schloss studierte an der Pädagogischen Hochschule des Bank Street College, an der Art Students League, Parsons School of Design und graduierte an der New York University. Sie arbeitete zuerst als Malerin, stellte in den Galerien von SoHo und der Lower East Side aus. Als Performance-Künstlerin trat sie 1977 erstmals im The Kitchen, einer multidisziplinären Non-Profit Galerie und im Museum of Modern Art in New York City auf. Über ihre musikalischen, Kunst-Poesie-Performances schrieb die SoHo Weekly News: „… her voice was like the way Patti Smith or Yoko Ono are musical“.SoHo Weekly News, Schloss/Smead, 30. Januar 1975 Performances, wie It’s an A zeigte sie in den U.S.A, Europa und Asien unter anderem bei Franklin Furnace, Betty Parsons Galerie, Bykert Galerie, Construction Company, Max Hutchinson Galerie in SoHo, Lenbachhaus Galerie in München, La Nuit Parcourt La Ceil in Belgien, Café Einstein und SO36 in Berlin und dem Ars Electronica Festival in Linz, Österreich. Ihre Performances beschrieb die New York Times als „herausragend unter den Performance-Künstlern“.Robert Palmer: Music (?): Kitchen Sink. In: The New York Times, 13. Oktober 1977
In den achtziger Jahren führte Schloss ihre Medien-Oper A.E. BLA BLA BLA (unter der Leitung von Butch Morris) auf der Ars Electronica in Linz, Österreich auf. Tänzer unter der Regie von Christa Gamper gestalteten das Werk. Peter Weibel, Kurator der Ars Electronica schreibt: „Als Praktikerin, die in vielen Medien zu Hause ist, und als energische Vorkämpferin verschiedener neuer Technologien hat sich Arleen Schloss schon, seitdem sie in den frühen 1970er-Jahren die Malerei aufgegeben hat, intensiv mit der Sprache beschäftigt.“Momente der Interaktivität – Peter Weibel
Als Digital Art Pionierin war Schloss Gast bei Willoughby Sharp’s Downtown ’86, einer preisgekrönten Kabel ACE Sendung, die die besten Künstler, Musiker, und Darsteller der 1980er-Jahre zeigte. Ihre lyrischen Klang-Collagen, wie beispielsweise How She Sees It By Her sind in der Anthologie Just Another Asshole (ein No Wave Kunst/Musik/Klang Magazin von Glenn Branca und Barbara Ess) dokumentiert.Carlo McCormick: The Downtown Book: The New York Art Scene, 1974–1984. Princeton University Press, 2006.
Digitale Kunst Schloss war unter den ersten Künstlerinnen und Künstlern, die von Canon eine 8-mm-Video-Kamera zum Experimentieren zur Verfügung gestellt bekamen.Captured: A Lower East Side Film & Video History, By Clayton Patterson, 2005 Mit der Kamera entwarf sie ein Reisebericht-Videoformat Sun Daze Away, das 1989 auf der Central Park’s Sommerbühne in Europa and Asien gezeigt wurde. Ab 1990 arbeitete Schloss als Produzentin und Regisseurin des Dokumentarfilms FromKepler2Cyberspace, ausgeführt mit einer Hi8-Ausstattung von Sony. Dieser Dokumentarfilm stellt Pioniere künstlicher Intelligenz und virtueller Realität, wie z. B. Marvin Minsky, John Perry Barlow, Timothy Leary, William Gibson und Jaron Lanier vor. Zur gleichen Zeit filmte Schloss eine Serie von Interviews mit John Cage, die sie der Serie Windows of Chance/Change zufügte. Nickelodeon strahlte ihr Video-Kunst-Projekt für Kinder, das Alphabet, aus und beauftragte sie 1989 fünfzehn Live-Videos für die Zeichentrick-Serie Eureeka’s Castle zu produzieren. Diese gewannen den Cable-ACE-Award. In den 90ern setzte sie ihre Arbeit mit neuen Kunst- und Medienformen fort. Die elektronische Arbeit Marbelize zeigte Schloss auf der internationalen Digital und Technology Ausstellung, der ISEA, in Rotterdam, Holland.
Schloss erhielt Stipendien, Preise und Einladungen vom Experimental Television Center, Creative Artists Public Service Grant, New York Foundation of the Arts, Harvestworks, Allied Productions und der Ford Foundation. Sie saß im Vorstand des Art & Sciences Collaborations Inc, und ihre Arbeiten sind Teil der Sammlung Fales Library, AT&T, Aldrich Museum of Contemporary Art und der Donnell Library. Ein Dokumentarfilm über Schloss’ Lebenswerk Wednesdays at A’s von Stuart Ginsberg ist in Produktion. Das New York Undergroundmuseum dokumentierte ihre Arbeiten. Schloss lebte in New York City.
Ausstellungen und Performances Feet; Interaktive Umgebung, Soho, NYC 1970 Words & Sound Music. Jack Smead, Bykert Gallery, New York, 1975 „Snap“ on the making of an Elastic composition, Alphabet Orchestra, Betty Parsons Gallery, New York, 1976 A Shot.Chance, live Video performance, The Kitchen, New York, 1977 its A at MoMa live Video Performance, Museum of Modern Art, New York, 1978 The New York from the Performance Lenbachhaus, Städtische Galerie, München, 1980 Media Opera A.E.Bla Bla Bla, Ars Electronica Festival for Art, Technology and Society, Linz, 1986 Glenn Branca Symphony No. 4/Physics, Donnell Library, New York City, 1984 SUN DAZE AWAY, Central Park Summer Stage, 1989 Art Around the Park, Video un Film Dokumentation, Tompkins Square Park, NYC, 1992 From Kepler 2 Cyberspace, Hi8-Dokumentarfilm über virtuelle Pioniere, Symposium Virtuelle Realität, New York, 1993 Schloss mit Hochschule, Retrospektive, Städtische Galerie im Buntentor Bremen, 1994 Nine Dragon Heads, Nature Electronic 2nd International Environmental Festival, Chung Buck, Südkorea, 1997
Öffentliche Sammlungen Aldrich Museum of Contemporary Art, Ridgefield, Connecticut, 1970/72 AT&T Longlines, New Jersey, 1976 Belgium Television Network, Liege, Belgien, 1980 Lenbachhaus, Städtische Galerie, München, 1981 Museum of Modern Art Library, New York City, 1982 Donnell Film & Video Library of the City of New York, 1984 Swedish Television Network; Stockholm, Schweden, 1985 ORF TV; Linz, Österreich, 1990 A Table Matsuya, Tokyo, Japan, 1991
Preise Multi-Media, Soho Tech Award, A’s Salon Series, 1980 ACE Award, The Universe of A, on the making of performance opera, 1987 ACE Award Manhattan Cable Television, Eureeka’s Castle Nickelodeon TV, 1989
Stipendien Latin American Resource Inc, Electrostatic Books 1975 Multi-Media, Creative Artists Program, NYSCA, 1980 National Endowment for the Arts, an Allied Productions performance project, FLYING LETTERS, 1985 Media Bureau-SunDazeAway, 1989 CHANGE Inc., Artists Fellowship, Inc. 1990 New York Foundation for the Arts, Video fellowship 1992 Experimental Television Center, (Artist-In-Residence) electronic imaging 1995
Unterricht New York City Public School System, Englisch & Kunst, 1968–1982 University of Rochester, 1975 New York Public Schools, early childhood, experimental Piaget programs, primary NYC/Junior High School 1976–66. National Center for Afro American Artists, Roxberry, Mass., 1980 Children’s Art Carnival, NYC, 1982–84 Audio, The Sound Foundation, NYC, 1983 Rhythm/Rhyme, Audio/Video program Public School 75, NYC, 1987 Art Institute of Chicago, 1987 Media to the Fine Arts, Hochschule für Kunste, Bremen, Germany, 1993–94 Performance art workshops for children and adults since the 1970’s and 80’s at Center for Media Arts Videosound, Hochschule der Künste, Bremen Deutschland: School of Visual Art, New York. in the 90’s & 2000 Improvised workshops, no borders, School of Visual Arts, NYC 1999/2000 Video Consultant, Sidewalks of New York, Hi Tek Teens, NYC, 1990
Literatur Arleen Schloss. In: Goodbye 20th Century: Die Geschichte von Sonic Youth. Kiepenheuer & Witsch, 2009, ISBN 3-462-04162-2, S. 414 ff.
Weblinks Ben Forrest, Arleen Schloss, performance artist and no wave icon, dead at 82, faroutmagazine.co.uk, 26. Mai 2026 “Wednesday’s At A’s,” A Fascinating Window Into Arleen Schloss’ Avant-Garde World (englisch) Wednesdays at A's – Documentary about Arleen Schloss Guide to A's Events Collection 1979-1987 (englisch) (englisch) 25 Jahre Ars Electronica Arleen Schloss: Four Performances (1979-82), video by Werner Schmiedel
Einzelnachweise
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