mini|hochkant=0.9|Wappen derer von Dorgelo Dorgelo (auch Dorgeloh, Doringhelohe oder Dörgeloh) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das früher seinen Stammsitz in dem Varreler Ortsteil Dörrieloh (Landkreis Diepholz) in Niedersachsen hatte. Daneben gibt es noch die ganz offensichtlich daraus hervorgegangenen bürgerlichen Namen Dorgelo, Dorgeloh, Dorgelo(h)e, Dörgelo, Dörgeloh, Dorgerloh und Doringelo.
Geschichte Der zuerst (1381) urkundlich erwähnte Angehörige des Adelsgeschlechts ist Dethard von DoringeloGustav Nutzhorn: Zur Geschichte der Familie von Dorgelo. In: Oldenburgische Familienkunde Bd. 11, Heft 2, Juni 1969 (auch Dethard von Doringhelo bzw. Dethardus Doringerlo genannt). Er versetzte 1381 das Brockmannshaus zu Nottenstede (Natenstedt) an Sankt Hülfe. Ein Otto von Doringelo, mutmaßlich Dethards Bruder, war 1391 Vogt in Vörden. Als Vogt im Münsterland baute er ein Gut an der Lethe zur Burg Lethe aus.Bernd Rothmann: (PDF; 1,5 MB). Bürgerpost 12. 2009. S. 20–23 Der letzte adlige männliche Namensträger der Linie zu Lethe verstarb dort im Jahr 1654.Helmut Ottenjann: Zwei Veduten-Bilder vom niederstiftischen Gut Lethe. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2009. Vechta 2008. S. 117–133; hier: S. 120
Die verschiedenen Zweige des Adelsgeschlechts verbreiteten sich von ihrem Stammsitz Dörrieloh aus in nordwestlicher und in südwestlicher Richtung über Oldenburg sowie die Bistümer Osnabrück und Münster. Über Jahrhunderte hinweg werden immer wieder in Listen Vertreter der Familie von Dorgelo als Burgmannen der Burg Vechta, eines Außenpostens des Hochstifts Münster, aufgeführt, die in der Nähe der Burg einen eigenen Burgmannshof besaßen. Im 16. Jahrhundert erwarben die Dorgelos mehrere Güter, darunter Gut Loxten, Gut Twistel und die Schleppenburg. Zeitweilig befanden sich Gut Bomhof und Gut Welpe im Besitz der Familie.
Im Zuge der Reformation teilte sich das Adelsgeschlecht in eine katholische und eine protestantische Linie. Der Stammsitz Dörrieloh in der nunmehr evangelischen Grafschaft Diepholz wurde 1578 von der katholischen Linie derer von Dorgelo verkauft.
Zum Stammsitz der katholischen Linie der Familie wurde das 1511 erworbene Gut Brettberg, das nach dem Aussterben der Linie Dorgelo zu Brettberg 1835 verkauft wurde. Eine Nebenlinie bewohnte das Gut Höven in der Nähe von Wardenburg. Der letzte Vertreter der Linie Dorgelo zu Höven, August Wilhelm Anton von Dorgelo (geboren 1762), starb 1855 kinderlos. Sein Großneffe, der preußische OberstInstitut Deutsche Adelsforschung: Offiziere des Kürassier-Regiments Seydlitz. Register zu 431 dienstlichen Offizierslebensläufen von 1815 bis 1918 Ludwig Heinrich Freiherr von Lützow (1824–1899) erbte das Gut unter der Auflage, sich in Zukunft „von Dorgelo“ zu nennen. Im Jahr 1864 wurde das Gut Höven verkauft. Träger des Namens „von Lützow genannt von Dorgelo“ lebten noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Aufgrund der Zerstörung des Kirchenarchivs in Weyhe im Jahr 1776 lässt sich die Geschichte der evangelischen Linie der Dorgelos nur schwer rekonstruieren. Tatsache ist, dass im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hoya der Name Dorgeloh heute noch gehäuft vorkommt. Dorgelohs aus dem Raum Bremen wanderten im 17. Jahrhundert auch in die Niederlande aus.
Träger des Namens „von Dorgelo(h)“ gibt es heute nicht mehr. Allerdings können Adelige (z. B. der Darener Zweig der Familie von Frydag) und zahlreiche Bürgerliche ihren Stammbaum auf weibliche Angehörige der Familie von Dorgelo zurückführen. Auf welche Weise heutige bürgerliche Namensträger von dem Adelsgeschlecht abstammen, ist nicht vollständig geklärt. Jan Derk Dorgelo vermutet in seiner Familienchronik (siehe unter Weblinks), dass die Dorgelos, die heute noch im Landkreis Vechta leben, aus der zweiten Ehe Friedrich von Dorgelos (1641–1720) mit seiner Köchin hervorgegangen sein könnten. Der Verzicht auf das „von“ wäre demnach der Preis, den Friedrichs Kinder für seine „Mesalliance“ hätten zahlen müssen.
Wappen Es existieren verschiedene Interpretationen über die Herkunft des Familienwappens dieses im Niederstift Münster heimischen Geschlechts. Das Wappen zeigt in Gold zwei ausgerissene pfahlweise gestellte Baumstämme, jeder auf der Seite mit zwei oder drei gestümmelten Ästen. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken und Wulst sind die Stämme nach außen geneigt.Spießen (1901–1903), S. 41 f.Otto Gruber: Die Wappen des südoldenburgischen Adels. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1971. Vechta 1970, S. 19 Ein solches „redendes“ Wappen bedeutet wahrscheinlich „verdorrter Wald“. Redende (sprechende) Wappen entstanden im 11. bis 13. Jahrhundert. Sie würdigten zumeist eine besondere Leistung der Familie. Offensichtlich wurde die Familie für etwas geadelt (Landadel), das im weitesten Sinne mit Wald zu tun hatte. Möglicherweise haben sie Sumpf/Moorgebiete trockengelegt und Wald angepflanzt oder sie haben Wald gerodet. Die Familie führte ihren Namen nach dem Ort Dörrieloh, wo sie bis 1578 den Engelken-Sattelhof besaß. Manche sagen auch, der Ort führe seinen Ortsnamen nach der Familie. Der Sattelhof war ein Lehen des Bistums Minden. Aus ihm wurde ein landtagsfähiges Rittergut. Der Familien- und Ortsname Dörrieloh bedeutet nach Nutzhorn „Wald des Dörrie“. Andere interpretieren ihn als „trockener Wald“ (Dörrieloh lag umgeben von großen Moor- und Sumpfgebieten), wieder andere meinen, er heißt „Thüringer Wald“ (Rüthning) und die Familie sei mit ihrem Wappen aus dem Thüringer Wald zugewandert.
Das Wappen der Familie von Dorgelo befindet sich unter anderem über dem Eingang des Gutshauses von Gut Brettberg in Lohne, das nach einem Brand 1895 neu errichtet wurde; es hat den Brand des Vorgängergebäudes heil überstanden.Ruth Irmgard Dalinghaus: Kunst und Kultur im Landkreis Vechta. Oldenburgische Landschaft / Landkreis Vechta 2004. S. 149. ISBN 3-00-014066-2 Ferner ist das Wappen auf dem Epitaph von Albrecht von dem Bussche zu Hünnefeld und Ippenburg in der Nikolauskirche Bad Essen angebracht.
Das Dorf Höven hat das Dorgelo-Wappen als Dorfwappen übernommen.Bürgerverein Höven: (PDF; 4,8 MB). August 2009. S. 2
Wirkungs- und Gedenkstätten Alfhausen: Das Landgut Schleppenburg ging von der Familie von Brawe in den Besitz der Familie von Dorgelo über und wurde später Werner Jakob von Dorgelo zugeteilt, der jedoch am 23. März 1615 wegen einer „unstandesgemäßen Heirat“ enterbt wurde. Weiterer Besitzer von Schleppenburg wurde Caspar von Dorgelo. Vom Landgut Schleppenburg sind noch Fundamente zu finden.
Bad Essen: In der St. Nikolaikirche befinden sich viele Epitaphe. Mit sechs Wappen wird an adlige Familien erinnert, die sich Verdienste in der Gemeinde erwarben. Eines von diesen Wappen ist das derer von Dorgelo.
Bakum: Das Landgut Daren ist heute im Besitz der Familie von Frydag. Früher war es im Besitz der Familie von Kobrinck. Gertrud Elise von Kobrinck war verheiratet mit Wulfert von Dorgelo zu Welpe.
Berge: In der Kirche des Börsteler Damenstifts befindet sich ein Grabstein von Magdalena von Dorgelo, Tochter von Johann von Dorgelo und Fredeke von Bernefuer. Sie war Äbtissin von Börstel und starb 80-jährig. Ihr Grabstein befindet sich im Chor der Kirche.
Cloppenburg: Das Amt mehrerer Droste des Niederstifts Münster in Cloppenburg wurde von der Familie Dorgelo ausgeübt. Der erste Drost des von der Grafschaft Tecklenburg eroberten Cloppenburg war ab dem 21. März 1394 Otto von Doringerloe. Ein weiterer Otto von Dorgelo war im Jahr 1461, Herbord von Dorgelo zu Lethe von 1474 bis 1507 Drost von Cloppenburg.
Dörrieloh: In Dörrieloh findet man noch heute das ehemalige landtagsfähige Rittergut, den Engelken-Sattelhof, Lehen des Bistums Minden. Diedrich oder Otto von Dorgelo verkaufte 1580 das Familiengut. Heute befindet sich der Sattelhof Nr. 20 im Besitz der Familie Gödeker. Im August 1977 fand man in einem alten Schrank, der in diesem Gehöft stand, 40 alte Lehnsbriefe, worin der Bischof von Minden den Sattelhof an die Familie von Dorgelo zu Lehen gab. Diese sind im Archiv von Diepholz aufbewahrt. Das Archiv in der Schule von Dörrieloh beginnt mit Dethard von Dörrieloh (1381). Der Heimat- und Verschönerungsverein Dörrieloh hat 1991/1992 im Ortszentrum auf einem Findling das Wappen der Nachfahren der von Doringherloes anbringen lassen, das auch als Ortswappen dient.
Emstek: Die Burg Lethe lag am linken Ufer der Lethe. 1393 soll Otto von Dorgelo, bevor er Drost von Cloppenburg wurde, diese Schutz- und Zollburg errichtet haben, um die Grenze nach Nordosten und der wichtigen Flämischen Straße zu sichern. Die Burg Lethe wurde später zu einem umfangreichen Gut erweitert und mehrere Generationen lang von den Dorgelo(h)s bewohnt. Nach einer Karte von 1564 umfasste die „Leedburg“ ein Wohnhaus mit zwei Stockwerken, eine massive Kapelle und mehrere Stallgebäude. Die Begräbnisstätte befand sich auf dem Chor (Evangelienseite) der alten Emsteker Kirche. Im Jahre 1654 starb die Familie Dorgelo(h) auf Lethe mit Caspar von Dorgelo aus. Nahe beim Landgut befindet sich eine Insel im Fluss Lethe, wo die frühere Burg gestanden hat, auf der die von Dorgelohs etwa vom 14. bis 17. Jahrhundert lebten. Zum Teil sind die Fundamente noch zu sehen. Alle Funde, die bei Ausgrabungen gemacht wurden, sind im Landesmuseum Oldenburg archiviert.
Freren: Elisabeth von Schade, Tochter von Johann Heinrich von Schade und Elisabeth von Dorgelo (Besitzerin vom Landgut Ihorst) erbte das Landgut Hange, ehemals Stammsitz des Geschlechts von Hange (seit 1303). 1874 wurde das Gut weiterverkauft. Später gelangte es 1910 an das Georgstift in Thuine. Die Thuiner Schwestern vergrößerten es durch eine Kapelle. Das alte Landgut dient heute karitativen Zwecken. An der Nordseite vom gegenwärtigen Eingang ist ein Grabstein eingemetzelt mit dem Wappen derer von Voss und von Dorgeloh mit der Randschrift: „ANNO 1658 DE MEI 29 IST DER HOCHEDELL GEBHORNER JOHANN ANDREAS VOSS SHONN VOM HEREN SELICH IM HEREN ENTSCHLAFFEN SEINES ALTERS 13 (?) JHAR DER SEEL GOTT BEGNADE.“
Friesoythe: 1439 besaß Evert von Kobrinck eine Burg in Altenoythe. Heute existieren nur noch Fundamente von der Burg. Wulfert von Dorgelo zu Welpe war verheiratet mit Gertrud Elise von Kobrink. In der Kirche von Altenoythe befindet sich ein prächtiges Epitaph von der Familie Kobrinck-Grothaus von 1675 mit den Wappen der Familie.
Hessisch Oldendorf: Das Damenstift Fischbeck befindet sich am Ufer der Weser. Hier befindet sich ein alter Grabstein des 1580 gestorbenen Stiftfräuleins Anna von Dorgelo, Tochter von Wulfert von Dorgelo und Magdalena von Quernheim. Auf einem Wandteppich ist die Legende von Fischbeck aufgestickt. An dieser Wandbekleidung haben verschiedene adlige Damen mitgewirkt, so auch Gisela von Dorgelo, Annas Schwester, erkennbar am oben rechts im Wandteppich eingestickten Familienwappen derer von Dorgelo.
Holdorf: Das Landgut Ihorst, das heute im Besitz der Familie von Spee, befindet sich im Nordosten von Holdorf. Von hier stammte Heinrich von Schade, der mit Elisabeth von Dorgelo getraut war; sie war die Tochter von Rötger von Dorgelo.
Lohne: Das ehemalige 115 ha umfassende Gut Querlenburg ist aus einem Bauernhof (1290: „Querlenborg“) hervorgegangen und liegt im Süden von Lohne in der Brockdorfer Mark. Durch Heirat kam das Gut dann 1602 an Johann von Dorgelo auf Welpe, später durch Heirat an Ewo van Jemigum (auch Jemgum) aus Norden. Heute besteht diese Burg nicht mehr.
In der Kirche St. Gertrud in Lohne steht im Turm das gemeinsame Grabmal (Grabplatte) von Otto von Dorgelo († 1584) und Elske von Korff-Schmiesing († 1605), die 1542 geheiratet hatten. Das benachbarte Grabmal erinnert an Friedrich von Dorgelo und an seine Frau Maria Catharina von Voss zu Enniger.