mini|St. Johannes der Täufer
St. Johannes der Täufer ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Todtnau im Schwarzwald, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Architekten Georg Schäfer erbaut wurde. Der neoromanische Bau zitiert neben Stilformen der Renaissance auch die des Barocks und gilt damit als Einzelfall von großem kunsthistorischen Wert.Hermann: Katholische Kirchen Todtnau, S. 20. Durch den erhöhten Standort ist das Gotteshaus weithin in der Stadt sichtbar und gilt als ihr Wahrzeichen. Ende des 13. Jahrhunderts wurde Todtnau zur eigenen Pfarrei erhoben und im August 1288 eine Steinkirche zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers geweiht.Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 386. Mehrfach brannten die Vorgängerkirchen nieder. Auch die unmittelbare Vorgängerkirche fiel einem verheerenden Brand im Juli 1876 zum Opfer. Die Pfarrei St. Johannes bildete zusammen mit der von St. Jakobus in Todtnauberg eine Seelsorgeeinheit, die sich 2012 mit der ehemaligen Seelsorgeeinheit Schönau, bestehend aus der Pfarrei Allerheiligen in Wieden und der Filialkirchengemeinde St. Wendelin (Geschwend), zur Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental zusammengeschlossen hat.Katholische Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental online
Geschichte Ursprünge Todtnau gehörte zunächst der Pfarrei Tegernau an und ab 1164 Schönau im Schwarzwald. 1283 stellten wohlhabende Silbergrubenbesitzer aus dem Ort einen Antrag an den Abt vom Kloster St. Blasien, ein eigenes Bethaus oder eine Kapelle errichten zu dürfen.C. G. Fecht: Der Großherzoglich Badische Amtsbezirk Schönau, 1860, S. 98–99. Dem Wunsch wurde stattgegeben, so dass am 21. August 1283 sehr wahrscheinlich auf dem Grund des heutigen MarktplatzesHumpert: Todtnau – Wesen und Werden einer Schwarzwaldstadt, 1959, S. 183ff. eine hölzerne Kapelle mit beweglichem Altar geweiht worden war, in der samstäglich ein Priester aus Schönau einen Gottesdienst abhielt.F. X. Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Band V, 1901, S. 173. Am 8. September 1288 wurde Todtnau in den Stand einer eigenen Pfarrei erhoben und eine steinerne Kirche anstelle der Kapelle errichtet. Die Weihe dieser Kirche vollzog bereits als Stellvertreter des Konstanzer Bischofs im August der Deutschordensbruder und Titularbischof von Litauen, Johann von Letovien.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 19.
Erste Steinkirche und Folgebau 1341 kam es am selben Platz zu einem Neubau. Für das geostete Gotteshaus verwendete man Material aus dem Fahrnauer Steinbruch.Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 386 (01.3) Die gotische Kirche war im Süden ein dreigeschossiger Glockenturm mit Satteldach angebaut.Hermann: Katholische Kirchen Todtnau, S. 5. Um 1490 entstand ein Schnitzaltar mit den Heiligen Petrus und Paulus. Nachdem am 12. August 1553 diese Kirche aufgrund einer Feuersbrunst im Tal zerstört worden war, stelle man sie in den Jahren 1578 bis 1580 im Renaissance-Stil wieder her. Die Glocken für diese Kirche goss der Waldshuter Glockengießer Hans Sternecker kurz nach Errichtung der Kirche. 1602 erhielt das Gotteshaus einen neuen Hochaltar. Infolge des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde Todtnau und in der Folge auch die Kirche am 15. Juni 1689 durch französische Truppen niedergebrannt.
Dritte Kirche 1692 stellte man die Kirche unter Verwendung der ausgebrannten Turm- und Langhausmauern wieder her. Das Kloster St. Blasien stiftete den barocken Hochaltar und mehrere Gemälde. Im Jahr 1700 wurde vom Baumeister Franz Schuck aus Mittelberg im Kleinwalsertal das Pfarrhaus neu erbaut. Die drei Altäre der Kirche erhielten am 20. Oktober 1715 ihre Weihe durch den Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg. Über das Kircheninnere befand Daniel Frei, der Ratschreiber von Brandenberg und Fahl, folgendes:700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 40.
Vierte Kirche Am 14. September 1772 brannten 14 Häuser und der Kirchturm ab; dabei schmolzen auch die vier Glocken. Die Wiederstellung unter Abt Martin Gerbert fand von 1775 bis 1778 statt. Dabei erhöhte man den Turm um 6,60 Meter und der Schönauer Franz Josef Becker malte das Turmuntergeschoss aus, in dem der Chor untergebracht war. Die neuen Glocken wurden 1775 von der Freiburger Gießerei Sebastian Bayer gegossen. Die 1000, 672, 336 und 152 Pfund schweren Glocken wurden zu einem Preis von 708 fl 46 kr geliefert.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 41. Der ehemalige Benediktiner Moritz Moyaux aus dem Kloster St. Blasien wurde mit der Säkularisation 1806 Pfarrer in Todtnau. Er startete unter den Pfarrmitgliedern den Aufruf, sich um eine Orgel für die Kirche zu bemühen. Mitte 1808 erhielt der Orgelbauer Xaver Bernauer (1768–1831) aus Staufen im Breisgau den ursprünglichen Auftrag, eine Orgel mit zehn Registern herzustellen. Nach Prüfung der Pläne durch den Kapellmeister Schmittbauer aus Karlsruhe musste Bernauer die Disposition überarbeiten und schuf ein Instrument mit 12 Registern, das schließlich genehmigt wurde.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 42–44.
Projektierter aber nicht ausgeführter Neubau Mit dem Anwachsen der Todtnauer Bevölkerung wurden Friedhof und Kirche zu klein. In einem Bericht des Bezirksamts Schönau vom 12. Juli 1822 wird zum einen festgehalten, dass eine Vergrößerung der Pfarrkirche dringend geboten sein; zumindest aber seien die notwendigen Reparaturarbeiten an den Kirchenstühlen und Säulen der Empore vorzunehmen. In dem Bericht an die Kreisdirektion Freiburg wird weiter festgestellt, dass die Gemeinde zu arm sei, die notwendigen Arbeiten aus eigener finanzieller Kraft tragen zu können. Aus diesem Grund wurde 1823 Baumeister Frinz von Lörrach beauftragt, einen Vorschlag für einen Neubau einzureichen. Die Pläne wurden jedoch zum einen aus Geldmangel, zum anderen aber auch aufgrund fehlender Unterstützung des Kreisdirektoriums nicht umgesetzt. Auch eine Überarbeitung der Pläne von Frinz konnte nicht überzeugen. Dabei wurden verschiedene Varianten in Erwägung gezogen. Einerseits sollte zur Kostensenkung möglichst viel der alten Bausubstanz erhalten bleiben, anderseits konnte man sich nicht zu sehr an dem bisherigen Bau orientieren, da durch das begrenzte Grundstück ein Neubau nicht wesentlich größer ausfallen konnte. Erst 1826 entschloss man sich endgültig, die Pläne von Frinz nicht weiter zu verfolgen und entlohnte den Baumeister lediglich für den Aufwand, die Pläne hergestellt zu haben.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 44–47. Da die Probleme weiterhin bestanden, kam es als Notlösung 1826 zu Instandsetzungsarbeiten und 1859 zur Verlängerung des Langhauses. Da mit 624 Plätzen die Kirche nach ihrer Erweiterung dennoch zu klein war, kam der Vorschlag auf, 25 dieser Plätze zu vermieten.
Brandkatastrophe und Errichtung der heutigen Kirche Am 19. Juli 1876 brach zur Mittagszeit im Dachraum der Papierfabrik Emil Ziegler ein Feuer aus, welches sich schnell auf die umliegenden Bauwerke und schließlich auf weite Teile der Stadt ausbreitete. Erst vier Stunden später konnte der Brand an einer weiteren Ausbreitung gehindert werden. Er machte über 1000 Menschen obdachlos und verwüstete 149 Bauwerke in Todtnau, darunter das Pfarrhaus und die Kirche. Noch im selben Jahr errichtete man neben der Friedhofskapelle eine Notkirche, die der Gemeinde bis 1881 diente. Im Januar sprengte man die nicht mehr rettbare Kirchenruine.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 48.
Die Todtnauer Gemeinde hatte bereits vor dem Brand wegen klammer finanzieller Mittel den Neubau der Kirche nicht vornehmen können. Durch das Unglück verschärfte sich die Lage, da die Gemeinde vorrangig Rathaus, Krankenhaus und weitere öffentliche Bauwerke neu errichten musste. Aus diesem Grund startete am 8. August 1876 der Oberstiftungsrat einen Aufruf an alle Kirchengemeinden in der Erzdiözese Freiburg, der vom Brand heimgesuchten Gemeinde zu helfen. Bereits 1877 nahm der Kirchenneubau konkrete Formen an. Dazu besuchte am 5. April 1877 der Architekt Georg Schäfer den Bauplatz, um sich ein Bild von der Situation vor Ort machen zu können. Er stellte fest, dass durch den erhöhten Standort die Kirche eine imponierende Lage einnehmen würde. Gleichzeitig schlug er zur Kostensenkung vor, den Berghang auf bis etwa 64 Meter Tiefe abzutragen, um damit bereits Material für das Fundament des Platzes zu haben. In seiner Planung berücksichtigte er auch, dass das auftretende Bergwasser abgeleitet werden müsse, um den Kirchenstandort trocken zu halten.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 52. Da die Pläne Schäfers bei der Vorstellung im Erzbischöflichen Bauamt sehr gut ankamen, gab dieses bereits am 3. Mai einen Beschluss bekannt, dass die Pfarrkirche schnellstmöglich wiederaufgebaut werden solle. Am 5. Februar 1878 übergab der Architekt dem Kapitels-Vikariat in Freiburg die Pläne mit dem Kostenvoranschlag von 213.735,20 Mark. Bereits am 21. Februar stimmte die kirchliche Behörde den Plänen zu, merkte aber an, dass die geplanten überlebensgroßen Posaune blasenden Engelsfiguren auf den Kirchturmspitzen nicht ausgeführt werden sollten.Hermann: Katholische Kirchen Todtnau, S. 8. Auch die Finanzierung war gesichert, nachdem ohne auswärtige Hilfe bis 1878 Spenden in Höhe von 61.544,75 Mark gestiftet worden waren.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 54.
Nachdem bereits 1878 die ersten Sprengarbeiten am Berghang begonnen hatten, fand die Grundsteinlegung zum Neubau am 30. Juni 1879 statt. Nach Fertigstellung der Steinrampe und Auffahrtswege wurde der Kirchenbau auf massivem Felsgrund errichtet. Der weiße Sandstein wurde aus Aarburg in der Schweiz herbeigeholt. Am 23. Oktober 1881 fand ein feierlicher Einzug und die Benediktion des Gotteshauses statt.700 Jahre St. Johannes der Täufer Todtnau, S. 59. In den Jahren 1882 bis 1883 wurden die beiden Kirchtürme erbaut. Die in der Firma Cansardin in Colmar gefertigten Glocken gingen auf eine Spende einer Privatperson zurück. Nach Fertigstellung wurde am 20. Juni 1888 durch Erzbischof Johann Christian Roos die Kirche zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers geweiht.
Die Pfarrkirche erhielt durch die Gebrüder Moroder, welche bereits 1911 den Hochaltar durch ein neues Tabernakel mit dem vergoldeten Flachrelief Mariä Verkündigung auf den Türen abgeändert hatten, 1912 einen gotischen Fronleichnamsaltar (für Ph. Schubnell) und 1913 auf Bestellung des Stadtpfarrers Winterhalder einen Marienaltar (Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe).Werner Scheurer: Die Altäre der Offenburger Altarbauer Moroder. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 147–182, hier: S. 177.
Während in den 1950er-Jahren das Äußere der Kirche renoviert wurde – 1951 wurde das Kirchendach mit Schiefer neu eingedeckt und 1959 die Sakristei erweitert sowie um den Chor zur Entwässerung ein Graben ausgehoben – wurde Anfang der 1960er-Jahre das Kircheninnere mit einem Aufwand von 360.000 Mark neu gestaltet. Neben einem Neuputz erhielt die Kirche ein neues Kirchengestühl, zwei Glasgemälde in den Querschiffen sowie das Chormosaik von Hans Baumhauer. Am 18. Juni 1961 erfolgte die Weihe des Hochaltars durch Weihbischof Karl Gnädinger. 1964 erhielt das Gotteshaus eine neue Orgel. In der ersten Hälfte der 1980er Jahre wurden beide Kirchtürme saniert – 1982 bis 1983 der Westturm, 1984 bis 1985 der Ostturm. Weitere Sanierungsmaßnahmen, die bis Ende der 1980er-Jahre durchgeführt wurden, beanspruchten Kosten von über 2,8 Millionen Mark. Am 8. September 1988 beging die Gemeinde die 700-Jahr-Feier ihres Bestehens und stellte aus diesem Anlass eine Schutzmantelmadonna vom Rheinfelder Künstler Leonhard Eder am östlichen Treppenaufgang zur Kirche auf.Hermann: Katholische Kirchen Todtnau, S. 11.
Beschreibung Lage und Kirchenbau mini|hochkant|Blick von Süden