mini|hochkant=1.5|Karte des Dorfs Farchant von 1861 ohne dem Mühldörfl Der erste schriftliche Beleg für die Geschichte Farchants im Werdenfelser Land in Oberbayern ist eine Notiz aus den Jahren 791 bis 802 in einer Streitsache zwischen Graf Irminher aus dem Tiroler Inntal und Bischof Atto von Freising. In dieser Notiz bekunden Graf Irminher und Bischof Atto, den Streit wegen der Farchanter Kirche beizulegen. Archäologische Funde im Gebiet der heutigen Gemeinde Farchant gehen jedoch weiter zurück und legen eine Besiedlung seit vorrömischer Zeit nahe.

Die Geschichte von Farchant ist untrennbar mit der Herrschaft des Hochstifts Freising im Werdenfelser Land verbunden, die über 500 Jahre, von 1294 bis zu ihrer Auflösung durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 dauerte. Anschließend kam der Ort zu Bayern, und im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Mit dem Bahnanschluss Ende des 19. Jahrhunderts begann ein starkes Bevölkerungswachstum, das bis um Anfang des 21. Jahrhunderts anhielt.

Archäologische Funde mini|hochkant=1.5|Die Gegend um Farchant lag in der Kontaktzone zwischen den Kelten und den Rätern sowie an einem wichtigen Verkehrsweg zwischen dem Voralpenland und dem Tiroler Inntal (orange Pfeile). Schon seit der Bronzezeit spielte das Loisachtal als Verkehrsweg zwischen dem bayerischen Voralpenraum über den Seefelder Sattel ins Inntal eine wichtige Rolle. Das für die Bronzeherstellung im Voralpenraum so wichtige Kupfer musste aus dem Inntal beschafft werden, das besonders in der Schwazer Gegend reich an Kupfererzen war. Bis 1993 waren dies jedoch nur theoretische Überlegungen, denn es konnte in Südbayern nur für einen Fund aus dem Starnberger Raum die Verwendung von Schwazer Kupfer archäologisch bestätigt werden.

Der Oberammergauer Emil Bierling fand bei einem Spaziergang im September 1993 auf dem Spielleitenköpfl Keramikscherben, Bronzefibeln, Bronzegussstücke, Eisengerät und verbrannte sowie unverbrannte Knochen. Um den Wert der Fundstücke prüfen zu lassen, schickte er diese an das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Akademische Direktorin am Institut, Amei Lang, begutachtete die Stücke und datierte diese in die jüngere Hallstattzeit. Ebenfalls fand Emil Bierling in der Nähe des heutigen Friedhofes eine Pferdchenfibel, sie wird der Frühlatènezeit, ca. 450–300 v. Chr. zugeordnet.

Bei ersten Grabungen konnten ein Brandopferplatz, Teile eines hallstattzeitlichen Eimers sowie zahlreiche Fibeln, Keramiken und Werkzeuge aus Stein, Bronze und Eisen gesichert und dokumentiert werden. Das Resümee der Grabung ist, dass der Fundplatz an einem Verkehrsweg zwischen dem Inntal und dem Alpenvorland gelegen sein musste, da südbayerische wie inneralpine Elemente vertreten sind. Ebenso stammt das bei den Bronzegegenständen verwendete Kupfererz mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem Inntal. Die Pferdchenfibel ordnet das Grabungsteam den Kelten zu; das unterstreicht, dass die Gegend um Farchant als direkte Kontaktzone zwischen Kelten und Rätern angenommen werden kann.

Bei Grabungen 2009 fand das Grabungsteam Grundmauern von zwei kleineren Kultgebäuden aus der Hallstattzeit. Sowie in einer in den Kalkfels eingehauenen Grube überraschend grobkeramische Scherben, die von Gefäßen aus der jüngeren Bronzezeit stammen. Diese Fundstücke sind auf etwa 1700 v. Chr. bis 1500 v. Chr. zu datieren und damit ein Beweis, dass schon 1000 Jahre vor der Errichtung der Kultgebäude auf dem Spielleitenköpfl Opfervorgänge stattgefunden haben. Eher unwahrscheinlich erachtet das Grabungsteam, dass sich eine Höhensiedlung der jüngeren Frühbronzezeit an dieser Stelle befunden hat. Die Grube ist als Deponierung zu sehen, die in dieser Zeit recht häufig an unzugänglichen Plätzen angelegt wurden. Dennoch belegt dieses am weitesten in die Alpen vorgeschobene und frühbronzezeitliche Fundensemble, die Bedeutung des Loisachtals als Teil eines frühbronzezeitlichen Verkehrswegs zwischen dem Alpenvorland und dem Inntal.

Römische Herrschaft mini|Die Via Raetia bei Klais In dem vom römischen Kaiser Augustus geführten raetischen Krieg unterwarf der Feldherr Drusus im Jahr 15 v. Chr. die Räter und besetzte dabei das Gebiet um Farchant. In den Jahren 195–210 v. Chr. ließ Kaiser Septimius Severus den bereits seit Jahrhunderten vorhandenen Saumpfad über die Alpen zu einer Handels- und Militärstraße, der Via Raetia, ausbauen. Diese Straße führte über Verona – Trient – Sterzing (Vipiteno) – Matrei am Brenner (Matreio) – Wilten/Innsbruck (Veldideno) – Zirl (Teriolis) – Mittenwald (Scarbia) – Partenkirchen (Parthanum) nach Augsburg (Augusta Vindelicum). Während dieser Zeit verbesserten die Römer den bei Farchant befindlichen Saumpfad durch Brückenbauten und Wasserregulierungen. Diese Straße stellte nach ihrer Fertigstellung die kürzeste Verbindung von Rom nach Augsburg dar und lief dabei der älteren Via Claudia Augusta den Rang als primäre Verkehrsverbindung zwischen Rätien und Rom ab.

Mittelalter Germanisierung Im 5. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Werdenfelser Landes immer noch Teil der weströmischen Provinz Raetia, obwohl die römische Führungsschicht die Provinz schon verlassen hatte. Im Jahr 526 starb der König der Ostgoten und der Herrscher von Italien, Theoderichs der Große. Ab diesem Zeitpunkt schwand der Machteinfluss aus Italien in den Gebieten nördlich der Alpen, so dass das aufstrebende Frankenreich unter den Merowingern formell die Herrschaft über die ehemalige Provinz Raetia übernahm. Mitte des 6. Jahrhunderts bildete sich aus verschiedenen Volksgruppen der Stamm der Baiovarii (Bajuwaren). Dieser, von der fränkischen Oberhoheit nicht ganz unabhängige Stamm siedelte im gesamten heutigen Altbayern, mit Ausnahme der Grenzgebieten im Norden, Osten und Süden. Um 600 n. Chr. entstanden schließlich im Loisachtal, an der noch in Teilstücken gut zu befahrenden Römerstraße Via Raetia im Auftrag des bayerischen Herzogs Tassilo I. neue bayerische Ortschaften. Das zu besiedelnde Gebiet war jedoch nicht menschenleer, denn die Siedler trafen in den Alpentälern auf die Reste der romanisierten keltischen und rätischen Urbevölkerung, die sich mit den Nachkommen der an den Reichsgrenzen eingesetzten germanischen Söldnern vermischt hatte. Wahrscheinlich entstanden die neuen Siedlungen auf den von Römern kultivierten Böden. Farchant befand sich ebenfalls unter den neuen Ortsgründungen sowie etwa zwei Kilometer südlich davon das etwas kleinere Aschau. Die Siedler nannten ihre neue Siedlung nach dem vorherrschenden Landschaftsbild Forchheida (Föhrenheide). Die Heimatforschung geht davon aus, dass diese neuen Siedlungen direkt dem Herzog unterstanden.

Die ersten Gründer des Ortes (etwa ein halbes Dutzend Familien) hausten in einfachen Blockhäusern und betrieben ihre Dreifelderwirtschaft ausschließlich südlich der Linie Spielleitenweg-Gern-Wankstraße. Nördlich der kleinen Ortschaft grenzte das gewaltige Loisachmoos an, das in das Murnauer Moos überging. Bei dem Bau der Eisenbahnlinie von München nach Garmisch fanden die Bauarbeiter im Jahr 1889 im Bereich des heutigen Bahnhofs in Farchant etwa 20 Reihengräber aus der Zeit um 650. Die heidnischen Grabbeilagen sind bis heute verschollen. Man kann jedoch durch diesen Fund mit Sicherheit ausgehen, dass die ersten Siedler Farchants noch Heiden waren.

Christianisierung Um 750 bekehrten irische und schottische Mönche das Oberland zum Christentum, wobei die Gründung namhafter Klöster in der Umgebung Zeugnis ablegen: Schlehdorf und Benediktbeuern 740, Polling 757 und Scharnitz 763. Es wird vermutet, dass sich in dieser Zeit die Einwohner Farchants und Aschaus zum Christentum bekehrten und eine Holzkirche in Forchheida errichteten. Diese Kirche ersetzte eine alte Kultstätte der heidnischen Ortsgründer. Ihre Toten bestatten die Farchanter seitdem nicht mehr in Reihengräbern, sondern auf dem Friedhof bei der Kirche.

Erste schriftliche Erwähnung mini|hochkant|Wappen derer von Andechs Bei der ersten schriftlichen Erwähnung von Farchant handelt es sich um eine Notiz aus den Jahren 791 bis 802 in einer Streitsache zwischen Graf Irminher aus dem Tiroler Inntal und Bischof Atto von Freising. Mit diesem vom Schreiber Tagabert einfach Zettel genannten, schriftlichen Beleg vereinbarten die beiden, in Zukunft weiteren Streit wegen der Farchanter Kirche zu vermeiden.

11. bis 13. Jahrhundert Um 1100 lag die Grundherrschaft in Farchant fast ausschließlich in den Händen des Adels und der Ritterschaft. Am häufigsten werden die mächtigen Grafen von Dießen-Andechs als Herren über Menschen, Tier und Grund genannt. Nur langsam bekamen die Klöster des bayerischen Oberlands durch Schenkungen Einfluss auf das Dorf. Es lassen sich 1060 Graf Otto von Dießen-Andechs und um 1070 der Graf Ambras in Tirol mit je einem Anwesen, der Ritter Rudolf von Ohlstadt mit zwei Anwesen in Farchant nachweisen. Die aus einer in Andechser Diensten stehenden Familie stammende Wiltrud von Hohenwart gründete 1081 in der Nähe von Schrobenhausen ein Frauenkloster. Zur Gründung verschenkte sie ihr gesamtes Vermögen, darunter einen Hof aus Farchant. Ein weiterer Andechser Dienstmann, Bernhard von Weilheim vermachte seiner Tochter Mechthild bei ihrem Eintritt in das Frauenkloster Wessobrunn ebenfalls einen Hof in Farchant.

Um 1200 wurde auf einem schroffen Felskegel über der Straße zwischen Garmisch und Farchant die Burg Werdenfels errichtet. Der Gründungszeitpunkt der Burg wird in der Burgenforschung kontrovers diskutiert. Die Erbauung dürfte jedoch zwischen den Jahren 1180 und 1230 anzusetzen sein. Der Bauherr und die Zweckbestimmung der ursprünglichen Anlage sind ebenfalls unbekannt.

Dass die Bewohner des Dorfes mehrheitlich in Leibeigenschaft lebten, macht eine Urkunde des Marschalls Berthold von Schiltberg aus dem Jahre 1247 deutlich. Mit dieser Urkunde verzichtete er zugunsten des Klosters Dießen auf alle Ansprüche „über das Weib des Diemar zu Vorchhaim und deren Kinder“. Seine Schwiegermutter hatte diese Untertanen dem Kloster Dießen geschenkt.

Unter Freisinger Herrschaft mini|hochkant|Wappen des Hochstifts Freising 1249 wechselte für 250 Pfund Augsburger Münzen die Burg Werdenfels und die Feste Falkenstein mit ihrem Umland den Besitzer. Ritter Schweiker von Mindelberg verkaufte an Bischof Konrad von Freising sein Vermögen im oberen Loisachtal. Dazu gehörten neben den zwei Burgen, die Wälder und Berge zwischen Plansee und Partnach sowie von der Zugspitze bis zum „Hängenden Stein“ bei Oberau. Ebenso gingen die Fischwasser der Loisach sowie des Eibsees an den Bischof. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Freisinger Bischofsstaat im oberen Loisachtal durch bloße Grundherrschaft in Erscheinung getreten. Jetzt rückte er zu Gerichts- und Verwaltungsmacht vor, der drei Dörfer unterstanden: Germarsgau (Garmisch), Aschau und Vorchhaidt (Farchant). Auf die Burg zog ein Ritter als Burghüter und Richter ein.

1294 dehnte der Freisinger Bischof Emicho durch Käufe die Macht des Hochstift Freising im Loisachtal entscheidend aus. Vom letzten Grafen von Eschenlohe erwarb das Hochstift die Märkte Partenkirchen und Mittenwald sowie das Isartal und das Karwendelgebirge. Die Freisinger fassten ihre gesamten Besitztümer zur Grafschaft Werdenfels zusammen, die damit das größte Teilterritorium des Hochstift Freising war. In einem Urbar ließ 1315 Emicho von Freising die Rechte und Besitztümer in der Grafschaft zusammenschreiben, hierbei wird auch Farchant erwähnt. Im Ort steht die St.-Andreas-Kirche und das Dorf hat einen eigenen Friedhof. Farchant gehörte zur Pfarrei Garmisch, die damals von Scharnitz bis nach Oberau reichte.