mini| Die Felsengräber von el-Kab sind in den Sandstein eines Felshangs am Nordostufer des Nils gehauene altägyptische Gräber aus der Zeit des Neuen Reiches nahe dem heutigen Ort el-Kab (; auch Elkab). Sie befinden sich etwa 18 Kilometer nordwestlich der Stadt Edfu in Oberägypten. Die wichtigsten Gräber der Nekropole sind an der Südseite des Felsmassivs über eine Treppe erreichbar. Die Grabeingänge liegen 450 Meter nördlich der Nordecke von el-Kabs Umfassungsmauer, der noch zu großen Teilen erhaltenen Lehmziegelmauer, die als Stadtmauer des altägyptischen Necheb errichtet wurde.
Forschungsgeschichte Die Felsengräber wurden bereits 1799 durch Gelehrte der ägyptischen Expedition unter Napoleon Bonaparte entdeckt. Im Jahr 1825 kopierte James Burton Szenen und Inschriften in den Gräbern. Danach arbeiteten Jean-François Champollion und Ippolito Rosellini, dann Robert Hay und John Gardner Wilkinson in el-Kab. Die bedeutendsten frühen Publikationen über die Felsengräber wurden im 19. Jahrhundert von Richard Lepsius sowie Heinrich und Emil Brugsch veröffentlicht. Lepsius schrieb über el-Kab in einem Brief:
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten die britischen Archäologen James Edward Quibell, Frederick William Green, Archibald Henry Sayce, Joseph John Tylor und Somers Clarke in el-Kab und gruben dabei einige der Felsengräber aus.
Auflistung der Felsengräber Die Gräber der Nekropole sind unter der Bezeichnung „EK“ für el-Kab von Ost nach West durchnummeriert. Im Einzelnen sind sie den nachgenannten Grabinhabern zugeordnet. Über einige von ihnen ist kaum etwas überliefert, andere sind gut belegt:
mini| EK1: Tentis, spätes Neues ReichTitel: Sistrumspieler der Nechbet EK2: Ahmose Pennechbet nebst Bruder Chaemwaset, Anfang 18. DynastieTitel des Ahmose Pennechbet: Erbprinz, Gaufürst, Siegler des Königs, Oberster Schatzmeister, Herold [seines Herrn, …], Erzieher der Prinzessin Neferu-Re EK3: Paheri, Anfang 18. DynastieTitel: Gaufürst von Necheb und Junyt, Schreiber, Erzieher des Prinzen Wadjmose EK4: Setau, Anfang 20. DynastieTitel: Erster Priester der Nechbet EK5: Ahmose, Sohn der Ibana, Anfang 18. DynastieTitel: Oberster der königlichen Matrosen (Admiral) EK6: Ipusoneb EK7: Renni, Anfang 18. DynastieTitel: Gaufürst (Bürgermeister) von Necheb, Vorsteher der Priester der Nechbet EK8: Mann (Name unbekannt) mit Ehefrau Ahneferu, Neues Reich EK8(a): Bebi, 18. DynastieTitel: General der Herrschertruppe EK8(b): (neuerdings EK 46) Djaty Senusret, 12. Dynastie EK9: Rensonb, Zweite ZwischenzeitTitel: General der Herrschertruppe EK10: Sobeknacht II., Ende 17. DynastieTitel: Gaufürst von Necheb
Bedeutende Gräber der Nekropole Grab des Paheri (EK3) Koordinaten:
mini| Das Grab des Paheri ist das größte und am reichsten ausgestattete Grab der Felsengräber von el-Kab. Es stammt aus der Zeit der 18. Dynastie des Neuen Reiches. Paheri war in der Herrschaftszeit von Pharao Thutmosis III. Gaufürst (ḥ3.tj-ˁ Hatia; auch als Nomarch oder Bürgermeister bezeichnet) von Necheb und Junyt im Nechengau, dem 3. oberägyptischen Gau, sowie oberster Priester des Kults zu Ehren der Göttin Nechbet. Als Schreiber war er auch für die Getreideversorgung in einem weiten Bereich im Süden Oberägyptens verantwortlich.
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An der rechten Seite des Eingangs zum Felsengrab befindet sich ein Relief des Paheri, kniend, die Arme nach Süden gerichtet und mit einem Schurz bekleidet. Die beschädigte Hieroglypheninschrift beinhaltet eine Hymne an Nechbet: „Huldigung dir, Herrin der Mündung der beiden Täler, Herrin des Himmels.“ Der Rest der Fassade, an der sich Inschriften mit Gebeten zu anderen Gottheiten befanden, ist stark beschädigt. Die beiden linken Kolumnen enthalten eine Anbetung des Amun-Re. Hinter dem Eingang an der Südseite des Grabes öffnet sich ein 8,30 Meter langer und 3,80 Meter breiter Raum mit einer in der Grabesmitte 3,50 Meter hohen Decke, die einem geraden Tonnengewölbe gleicht. Wände und gewölbte Decke des aus dem Felsen herausgearbeiteten Innenraums sind mit erhabenen flachen Reliefs (Basreliefs) verziert.
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In der Mitte der dem Eingang gegenüberliegenden Wand ist eine 1,80 Meter hohe, 1,50 Meter breite und 1,73 Meter tiefe Nische eingelassen, in der Hochreliefs, ähnlich Skulpturen, den Grabherrn Paheri, rechts von ihm dessen Ehefrau Henut-er-neheh und links seine Mutter Kem in sitzender Haltung darstellen. Alle drei Sitzbilder sind, zum Teil stark, beschädigt. Die Figuren sind umgeben von farbigen Wandreliefs. Sie zeigen auf der Westseite Paheri und seine Frau neben einem Opfertisch sitzen, während ihr Sohn Amunmose die geopferten Lebensmittel weiht. Darunter erscheinen die sechs Kinder des Paheri, drei Söhne und drei Töchter. An der Ostwand der Nische steht Paheri vor den sitzenden Königssöhnen Wadjmose und Amunmose, Söhne des Pharaos Thutmosis I., sowie den hinter diesen sitzenden Eltern des Paheri. Unter ihnen sind die sechs Söhne und drei Töchter der Kem abgebildet, unter ihnen ihr Sohn Paheri. Die lange Inschrift um die Nische an der Rückwand des Grabes, leicht eingeschnitten in den Sandstein und mit blauer Farbe gefüllt, nennt die Verdienste des Paheri, enthält Gebete für eine glückliche Zukunft und den Wunsch der Rezitation der Opferformeln seitens der Besucher des Grabes, um für den Ka des Verstorbenen zu beten.
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Die Reliefdarstellungen an der westlichen Grabwand sind in drei große Sektionen unterteilt. Die erste zeigt Paheri in seiner Funktion als Schreiber und Bürgermeister. Danach folgen Szenen seiner Aktivitäten im privaten Bereich und in Richtung nordwestlicher Ecke wurden Darstellungen des Totenkults gewählt. Für Altertumswissenschaftler besonders interessant ist dabei der vordere Bereich gleich links des Eingangs, wo in drei Registern untereinander das landwirtschaftliche Leben im Alten Ägypten über das ganze Jahr von der Saat bis zur Ernte abgebildet ist, flankiert von dem links größer dargestellten Paheri mit den Attributen der Macht in seinen Händen, einem Stock und dem Sechem-Zepter. Unter den landwirtschaftlichen Szenen erscheinen Tierherden aus Rindern, Eseln, Ziegen und Schweinen, dahinter das Wiegen von Gold aus den Bergwerken, gefolgt von zwei Schiffen mit Kabinenaufbau und zwei, die Weizen und Gerste geladen haben. Über Darstellungen des Vogelfangs und der Fischerei gibt es ein Bildnis des sitzenden Paheri, der den nackten Prinzen Wadjmose auf dem Schoß hält. Es wird angenommen, dass Paheri in jungen Jahren wie auch sein Vater, der Schreiber Atefrura, Lehrer und Erzieher des Prinzen war. Das nördliche Ende der Westwand stellt eine Totenprozession dar, die unten rechts mit der Anbetung des Osiris seitens Paheri endet.
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In die Ostwand wurde in späterer Zeit ein Durchgang zu drei weiteren Kammern gehauen, die ungeschmückt blieben. Dadurch wurden Teile der Reliefs der Ostwand zerstört. Links des Durchgangs sind Paheri und seine Frau Henut-er-neheh im Großformat auf einer Bank sitzend dargestellt, zu ihren Füßen ein angeleinter Affe. Sie blicken in Richtung Grabeingang, wo sich vor ihnen möglicherweise ein Gabentisch befand, der durch das Einfügen des Durchgangs zu den anderen Kammern nur noch bruchstückhaft kenntlich ist. Rechts des Durchgangs steht mit Blick zu seinen Eltern deren wahrscheinlich ältester Sohn Amunmose, bekleidet mit einem einen Sem-Priester kennzeichnenden Pantherfell, der die Geschenke darbringt. Hinter Amenmes erscheinen die Teilnehmer am Totenmahl, zunächst in zwei Reihen untereinander die Großeltern des Paheri mütterlicherseits Ahmose und seine Frau Iput sowie unter ihnen die Eltern Atefrura und Kem, dahinter in vier Reihen weitere Verwandte, oben Männer und unten Frauen. An Ahmose, Sohn der Ibana, den Großvater von Paheri, erinnert ein eigenes Felsengrab in el-Kab, das als EK5 bezeichnet wird. Nahe dem Eingang werden nochmals Paheri und Henut-er-neheh im Großformat gezeigt, diesmal hintereinander stehend, wie sie Opfergaben an die Götter darbringen. Hinter Henut-er-neheh sind in kleinerem Maßstab drei ihrer Kinder dargestellt, die Tochter Tatetes oben, die Söhne Amunmose in der Mitte und Rahetep unten.
An der Südwand sind von den Reliefs über und neben dem Ein- bzw. Ausgang nur die östlichen erhalten. Man nimmt an, dass die westlichen Reliefs symmetrisch zur östlichen Darstellung des dort stehend abgebildeten Paheri gestaltet waren. Paheri trägt dort einen Schurz und einen transparenten Umhang. Über ihm steht in Hieroglyphen: „Geh hinaus ins Land zu sehen die Sonne […]“ Darüber befindet sich ein Schiff als östlicher Teil des nicht mehr vollständigen Reliefs über dem Türsturz.
Grab des Setau (EK4) Koordinaten:
mini| Setau war in der Zeit der 20. Dynastie Erster Priester (Hohepriester) der Nechbet unter Ramses III. und Ramses IV. Im Relief der Fassade rechts des Grabeingangs erkennt man ihn mit seiner hinter ihm stehenden Gemahlin bei der Anbetung des Gottes Re-Harachte. Darüber befindet sich, von Pavianen flankiert, Chepre mit der Sonnenscheibe in einer Barke. Das Fassadenrelief ist ansonsten stark beschädigt. Das Grab des Setau gleicht vom Aufbau und der Ausschmückung dem des Paheri, ist aber über vier abwärts führende Stufen erreichbar und die Decke besteht aus unbearbeitetem Fels. Es weist zwei niedrige Nebenkammern auf, die nachträglich gefertigt wurden. Deren Zugänge an der Westseite der Rückwand und der Ostwand sind nur etwas über einen halben Meter hoch.
mini|links| In der Rückwand gab es wohl keine Statuennische, wie in der des Paheri. Jedenfalls ist eine solche nicht mehr erkennbar, die Wand ist heute glatt verputzt. Zu den Seiten der Wand befinden sich Reste einer Hieroglypheninschrift auf rotem Grund. Auch die Reliefs der Westwand sind stark zerstört. Erhalten sind Teile von vier Schiffen, eines mit einem Schrein, die Barke der Nechbet, anlässlich eines Jubiläums von Ramses III.
An der nördlichen Seite der Ostwand sitzen wie im Grab des Paheri der Grabinhaber, hier Setau und seine Ehefrau, auf einer Bank, unter ihnen ein angeleinter Affe. Große Teile des Reliefs der Darstellung Setaus und des mutmaßlichen Gabentischs vor dem Paar sind nicht mehr vorhanden. Rechts davon folgt ihr Schwiegersohn Ramsesnacht mit dem Pantherfell eines Sem-Priesters, danach ein Paar vor einem Speisetisch sitzend. Unter diesem würde man, analog zum Grab des Paheri, ein weiteres Paar erwarten. Dort befindet sich jedoch der niedrige Durchgang in die oben genannte östliche Nebenkammer. Es schließen sich die vier Reihen männlicher und weiblicher Gäste an, wahrscheinlich Verwandte des Setau. Die Ostwand endet im südlichen Abschnitt mit Bildern von Setau und seiner Frau im Großformat beim Opfern für die Götter.
Wie im Grab des Paheri erscheint an der Südwand des Ein- und Ausgangs der Grabinhaber im Großformat mit Blick Richtung Türöffnung. Setau trägt hier jedoch ein Pantherfell unter dem durchsichtigen Umhang. Auch die weitere Gestaltung der Reliefs bis über den Türsturz unterscheidet sich vom östlich gelegenen Grab des Paheri, ist aber wie jenes stark beschädigt. Mehrmals erscheint im Grab Merire, der das Grab dekoriert hat.
Grab des Ahmose, Sohn der Ibana (EK5) Koordinaten:
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