mini|Rathaus mini|St. Laurentius (Buchbach) Steinbach am Wald (amtlich Steinbach a.Wald, regional Stabich) ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern.

Geografie Geografische Lage Der staatlich anerkannte Erholungsort Steinbach liegt am Rennsteig und im Naturpark Frankenwald. Der Altort zieht sich durch das Tal des Steinbaches. Etwa 1,5 km nordöstlich befindet sich der ehemalige Gemeindeteil Steinbach Bahnhof mit dem Bahnhof, Wohnsiedlungen und einem größeren Gewerbegebiet. Zwischen beiden Gemeindeteilen befindet sich eine Wasserscheide, die durch eine in Stein gemeißelte Gedenktafel gekennzeichnet ist. Alles Wasser, das in Richtung Ludwigsstadt fließt, mündet in die Elbe und alles Wasser, das in Richtung Kronach fließt, in den Rhein. Dort verlief auch die Grenze zwischen den katholischen Gemeinden des Hochstifts Bamberg und den evangelischen Gemeinden des Fürstentums Bayreuth.

Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern Einwohnerzahl Stand 2017) Dort werden neun Gemeindeteile angegeben, da Berghof noch als Gemeindeteil aufgelistet ist. und besteht aus fünf Gemarkungen, die den ehemaligen Gemeinden entsprechen: das Pfarrdorf Buchbach (515) das Kirchdorf Hirschfeld mit der Einöde Aumühle (447) das Kirchdorf Kehlbach (330) das Pfarrdorf Steinbach am Wald mit den Einöden Kohlmühle und Steinbachermühle (1103) das Pfarrdorf Windheim (896)

Steinbach a.Wald Bhf., später nur noch Steinbach a.Wald Dorf wurde, obwohl weiterhin baulich getrennt, ab etwa 1987 nicht mehr als Gemeindeteil geführt. Die Einöde Berghof, die zur Gemeinde Hirschfeld gehörte, ist zu gleicher Zeit abgebrochen worden.

Geschichte Die Besiedelung des Frankenwaldes (Nortwald) durch Rodungssiedlungen begann auf Geheiß der Bamberger Bischöfe Mitte des 12. Jahrhunderts. 1190 wurde der Ort als „Steynbach“ erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1388 gehörte er zum „Eygen Teuschnitz“, einem großen Besitztum des Klosters Langheim. Der Besitz ging durch Kauf an das Bistum Bamberg.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Steinbach am Wald mit Kohl- und Steinbachermühle eine Realgemeinde bestehend aus 36 Anwesen (1 Gut, 2 Dreiviertelgüter, 13 Halbgüter, 8 Viertelgüter, 2 Achtelgüter, 6 Tropfhäuser, 2 Häuser, 1 Mahlmühle, 1 Mahl- und Schneidmühle). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Teuschnitz aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Kastenamt Teuschnitz inne. Neben den Anwesen gab es eine Kirche, ein Halbgut und zwei Viertelgüter, die unbewohnt waren.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 508.

Infolge der Säkularisation kam Steinbach am Wald zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde Steinbach dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Windheim zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Steinbach, zu der Kohlmühle und Steinbachermühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Teuschnitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Rothenkirchen (1919 in Finanzamt Rothenkirchen umbenannt). 1837 wurde Steinbach dem Landgericht Ludwigsstadt zugewiesen. Von 1862 bis 1880 und von 1888 bis 1931 gehörte Steinbach zum Bezirksamt Teuschnitz, von 1880 bis 1888 und ab 1931 zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Ludwigsstadt (1879 in Amtsgericht Ludwigsstadt umbenannt, das 1956 zu einer Zweigstelle des Amtsgerichts Kronach wurde).

Am 30. März 1945 heiratete der NS-Verbrecher Julius Streicher vor dem Standesamt Steinbach seine zweite Ehefrau Adele.Daniel Roos: Julius Streicher und „Der Stürmer“ 1923–1945. Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77267-1, Seite 396.

Die Finanzverwaltung war 1929 dem Finanzamt Kronach übertragen worden.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 600. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 6,951 km², die sich 1951 durch die Eingemeindung von Steinbach am Wald Bahnhof zunächst auf 6,996 km² vergrößerte, um 1961 schließlich auf 7,374 km².

Eingemeindungen Steinbach am Wald Bahnhof lag ursprünglich auf Lauenhainer Gemarkung. Er wurde 1951 eingegliedert.Andreas Schmitt: Bahnhof Steinbach am Wald: Der Scheitelpunkt der Frankenwaldbahn musste erst eingemeindet werden. infranken.de, 6. Dezember 2018 Am 1. Januar 1974 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Kehlbach nach Steinbach eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Buchbach, Hirschfeld und Windheim hinzu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3686 auf 3111 um 575 bzw. um 15,6 %. Am 31. Dezember 1990 hatte Steinbach am Wald 3832 Einwohner.

Gemeinde Steinbach am Wald Jahr Einwohner HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. Quelle 1840 264 1852 296 1855 315 1861 342 1867 352 1871 372 49 1875 366 1880 386 1885 411 59 1890 402 64 1895 402 1900 433 61 1905 463 1910 425 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1919 444 1925 525 74 1933 576 1939 733 1946 1065 1950 1196 133 1952 1211 1961 1356 218 1970 1320 1987 3736 975 2008 3459 2015 3180 1028 2019 3087 1034

Ort Steinbach am Wald Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2017Einwohner 225 321 357 400 416 513 663 616 557 1282 1103Häuser 33 57 58 72 84 112 331 Quelle Gemeindeteil Steinbach auf der Website steinbach-am-wald.de

Kirchen mini|hochkant|Die Wehrkirche St. Johannes Baptista ist eines der Wahrzeichen der Gemeinde. In Steinbach am Wald befinden sich mit der um 1500 errichteten Wehrkirche St. Johannes Baptista und der 1966 geweihten Pfarrkirche St. Heinrich zwei katholische Kirchen. Der Ort gehörte seit 1478 der Pfarrei St. Nikolaus in Windheim an, seit 1969 bildet Steinbach am Wald eine eigene Pfarrei.Steinbach am Wald, Wehrkirche St. Johannes Baptista auf der Website des Ökumenischen Kirchenportals im Landkreis Kronach, abgerufen am 5. Oktober 2018.Steinbach am Wald, Pfarrkirche St. Heinrich auf der Website des Ökumenischen Kirchenportals im Landkreis Kronach, abgerufen am 5. Oktober 2018. Die evangelische Christuskirche Steinbach am Wald wurde im Jahr 1953 eingeweiht. 1958 wurde Steinbach am Wald eine eigenständige evangelisch-lutherische Pfarrei.

Politik Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014 und 2020 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: 2002 2008 2014 2020 CSU 8 9 9 8 SPD 4 4 4 3 Soziale Demokraten Umland 1 n. a. n. a. n. a. Bürgerliste Kehlbach 1 1 1 1 Freie Wähler 2 2 2 2 Bürgerliste Steinbach am Wald n. a. n. a. n. a. 2 Gesamt 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze

Bürgermeister Im März 2017 wurde Thomas Löffler (CSU) mit 60,5 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt. Bis zur Neuwahl des Bürgermeisters führte die Zweite Bürgermeisterin Monika Barnickel (CSU) die Amtsgeschäfte. Klaus Löffler (CSU) war seit dem 1. Mai 2002 Bürgermeister. Er wurde zum Landrat des Landkreises Kronach gewählt und trat die Nachfolge des am 20. Dezember 2016 ausgeschiedenen Landrats Oswald Marr (SPD) an.

Wappen und Flagge Die Gemeinde führt seit 1990 ein Wappen.

Wappen

Altes Wappen 100px|links|Ehemaliges Wappen von Steinbach am Wald Die Blasonierung des alten Wappens lautet: „Über blauem Wellenschildfuß eine durchgehende silberne Mauer, darüber in Blau nebeneinander eine wachsende eintürmige Wehrkirche in Seitenansicht und ein goldener Kelch mit daraus wachsendem goldenem Abtstab.“

Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-blau-gelb.

Kultur und Infrastruktur Vereinsleben Das musikalische Leben des Ortes prägt der Musikverein Steinbach am Wald, der im Jahr 1909 gegründet wurde. Weitere Vereine sind zum Beispiel der SC Rennsteig, die Rennsteigschützen, die Freiwillige Feuerwehr Steinbach, die FUN-Biker Steinbach am Wald, der Dart-Club Effendi, der CSU-Ortsverband und der SPD-Ortsverein. Die Vereine sind im Vereinsverbund (VVB) zusammengeschlossen.

Veranstaltungen Ein Höhepunkt im Jahresverlauf ist die Trachtenkirchweih, die alljährlich am zweiten Wochenende im Juli von der Zechgemeinschaft veranstaltet wird. Die Jugend des Dorfes lässt dabei den alten Brauch des Zechens aufleben und präsentiert sich in der Steinbacher Tracht. Am letzten Augustwochenende lädt der Schützenverein zum Schützenfest mit Rockabend, Festzug und Königsproklamation. An vier Tagen im November steht die örtliche Theatergruppe auf der Bühne, um Komödien aufzuführen. Im Dezember organisiert der VVB die Dorfweihnacht auf dem Rathausplatz. Jeweils um die Jahreswende veranstalten die Schachfreunde Windheim seit 1984 das Internationale Windheimer Neujahrsopen, ein Schnellschachturnier, das Gäste weit über die Region hinaus anzieht.http://wp.sf-windheim.de/turniere/int-neujahrsopen/

Bau- und Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Größter Arbeitgeber der Gemeinde ist Wiegand-Glas mit Tochterunternehmen in den thüringischen Orten Ernstthal, Großbreitenbach und Schleusingen und in der Slowakei. Das Werk in Steinbach hat 570 Mitarbeiter (Stand: 2018).

Verkehr mini|Bahnhofsgebäude Der Bahnhof Steinbach am Wald liegt am Scheitelpunkt der Frankenwaldbahn.

Die Bundesstraße 85 führt nach Ludwigsstadt (5,2 km nördlich) bzw. nach Förtschendorf (5,5 km südlich). Die Staatsstraße 2209/L 1096 führt nach Kleintettau (7 km nordwestlich) bzw. nach Lehesten (6,7 km nordöstlich). Die Kreisstraße KC 8 führt nach Haßlach (1,9 km südöstlich). Die Kreisstraße KC 35 führt nach Windheim (1,7 km südwestlich).

Sonstiges In Steinbach am Wald befindet sich seit 1939 ein Unterwerk der Bahnstrecke Nürnberg–Leipzig. Die von diesem Unterwerk nach Zapfendorf errichtete Bahnstromleitung verlief nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Wörlsdorf und Welitsch durch DDR-Gebiet und wurde 1966, nachdem es wiederholt durch zu hoch wachsende Bäume zu Erdschlüssen kam, durch eine neue Leitung ersetzt, die ausschließlich auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland verlief.Ralf Roman Rossberg: Grenze über deutschen Schienen 1945–1990. 2. Auflage, EK-Verlag, Freiburg 1991, ISBN 3-88255-829-6, S. 214 ff.

Persönlichkeiten Rudolf Rauh (1908–1973), Historiker und Archivar Werner Schnappauf (* 1953), ehemaliger Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (bis 2007), Ehrenbürger Günther Thyzel, Ehrenbürger Konrad Wiegand (1937–2021), Ehrenbürger und Unternehmer Joachim Wiegand, Ehrenbürger und Unternehmer Heinz Köhler (* 1942), Landrat a. D., ehemaliger Abgeordneter des Europaparlaments und des Bayerischen Landtags, Ehrenbürger Klaus Löffler, Landrat, Ehrenbürger Udo Vetter (* 1964) im Ortsteil Buchbach geborener Rechtsanwalt, Dozent und Blog-Betreiber Holger Mück (* 1975), Musiker (Ortsteil Buchbach), Träger der Ehrenmedaille der Gemeinde Steinbach am Wald (2024) Ewald Fehn, Musiker, Träger der Ehrenmedaille der Gemeinde Steinbach am Wald (2025) Roland P. Rauschert, Ehrenbürger und Unternehmer

Literatur

Weblinks

Website der Gemeinde Steinbach am Wald (PDF; 1,45 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Frankenwald Kategorie:Ersterwähnung 1190 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)