Die Geschichte der Lübecker Tageszeitungen setzt im 17. Jahrhundert ein. Vorausgegangen war der Buchdruck, darunter anfangs vorwiegend theologische, später geographische, grammatische und auch erzählende. Der Reineke Fuchs gehörte zu den lübeckischen Frühdrucken. Der Buchdruck hatte jedoch kaum mit dem Ende des 17. Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelnden Zeitungswesen Verbindung.

Vorgeschichte Die ersten wandernden Buchdrucker kamen um 1440, kurz nach der Erfindung und Nutzbarmachung der Kunst Gutenbergs, nach Lübeck. Eine Drucksache, Cabinett des gelehrten Frauenzimmers, gibt im Impressum Lübeck 1452 an. Diese Ziffer wird jedoch angezweifelt und 1492 statt ihrer angenommen

Die Weltbeschreibung Rudimentum Novitiorum, ein Exemplar ist noch heute in der Lübecker Stadtbibliothek erhalten, wurde 1475 in Lübeck von Lucas Brandis gedruckt. Als weiteres Werk der frühen Lübecker Buchdruckerkunst ist die Lübecker Bibel (1494) von Stephan Arndes zu nennen.

Zu den berühmtesten Lübecker Druckern zählten außer den bereits genannten: Bartholomäus Ghotan Matthäus Brandis Ludewich Dietz von Speier aus Rostock Jürgen Richolff Hans van Ghetelen Johann Balhorn der Ältere Johann Balhorn der Jüngere.

Geschichte Die erste Zeitung in Lübeck soll laut Salomons Geschichte des Deutschen Zeitungswesens anno 1692 erschienen sein. Die ersten Versuche, die literarischen Erzeugnisse in einem Nachrichten- und Ankündigungsblatte zusammenzufassen, lassen sich jedoch erst um 1698 nachweisen. In jenem Jahr brachten die Buchhändler Böckmann & Wiedemeyer die Literaturzeitung des Ostseegebiets und des Nordens die sich bis 1708 haltende nova literaria maris balthici heraus. Eine weitere fortlaufende Publikation war 1725 die bibliotheca Lubecensius bei Johann Christ. Schmid. Weitere Erscheinungen dieser Art sind in Lübeck von 1753 bis 1757 nachzuweisen.

Als direkter Vorläufer der Zeitung erschien 1750 das Alegorische Bilderkabinett. Am 6. März 1751 erschienen die vorläufigen Nachrichten in der Beschaffenheit der Lübeckischen Anzeigen, von der kurz darauf die erste Ausgabe erschien.

Zunächst einmal wöchentlich im Klein-Quartformat, erschien es bereits 1759 zweimal wöchentlich. Während der Franzosenzeit (1811–1813) mussten die Lübeckischen Anzeigen mit französischsprachiger Übersetzung erscheinen.

Ab 1845 erschien das Blatt viermal wöchentlich, seit 1848 täglich und nach der Fusion mit der Lübecker Zeitung zweimal täglich.

Verzeichnis der Lübecker periodischen Zeitungsliteratur mini|Lübeckische Anzeigen (1914) seit 1751 Lübeckische Anzeigen mit Beilage Der bemühte Lübecker später Der Bemühte vor die Teutsche Nation Verlag Johann Nicolaus Green, dann Gebrüder Borchers GmbH wird mit der Ausgabe vom 30. Dezember 1933, wie in der Ausgabe steht völlig überraschend, eingestellt. Der Lübecker General-Anzeiger führt, wie die Lübeckischen Anzeigen es mit dem Titel der Lübecker Zeitung machten, die Lübeckischen Anzeigen in deren Kopf weiter. 1752–92 Der Lübeckischen Fama Verleger Dan. Aug. Fuchs, später Römhild 1768–69 Antikritikus (Schmidt & Donatius) C. H. Wichmann 1793–96 Lübeckisches gemeinnütziges Wochenblatt für den Bürger und Landmann Römhild 1809 Erhebungen Fr. Herrmann (Niemann & Comp) 1813–17 Die Lübecker Zeitung oder der politische Anzeiger J. H. C. Borchers 1813 Hanseatischer Beobachter Römhild 1814–15 Correspondent der freien und Hansestadt Lübeck (Extrablätter) Römhild 1814 Irmensäule Zeitschrift fürs Vaterland 1818–20 Unterhaltungsblatt für gebildete Leser (später: Aller Stände) 1820 Gemeinnützige Beilage zu dem Lübeckischen Anzeigen Borchers 1821–22 Erholungen (eine Wochenzeitschrift) 1827–28 Lübeckische Blätter G. E. Schmidt 1828–29 Die Glocke H. C. A. Overbeck, später Ernst Deecke (von Rohden, Druck bei Rahtgens) seit 1837 Neue Lübeckische Blätter später Lübeckische Blätter Rahtgens 1849 Lübecker Zeitung Elard Biskamp 1849–66 Lübecker Zeitung, Organ für Politik, Handel, Schiffahrt und Industrie Rahtgens 1849–65 Der Volksbote für Lübeck und den Grenznachbarn Fr. Grube-Lübeck 1854–56 Der Lübecker Landbote, später Lübecker Bote Schmidt 1863–64 Travemünder Wochenschrift Johs. Bock - Lübeck 1865–1920 Eisenbahn-Zeitung, später Lübecker Nachrichten und Eisenbahn-Zeitung Christoph Marquard Ed seit 1842 in Bergedorf, seit 1865 in Lübeck 1866–1897 Lübecker Nachrichten, Beiblatt zur Eisenbahn-Zeitung 1865–66 Wirtschaftliche Zeitung für Norddeutschland 1866–67 Lübecker Vaterstädtische Blätter Fr. Grube (Johs. Bock) 1867 Neue Lübecker Zeitung Fr. Grube (Lübeke) 1867–68 Lübecker Courier C. H. Gehlsen (Eigentümer und Herausgeber des Nordischen Courier Hamburg-Bergedorf) mini|Lübecker Zeitung (1883) seit 1872 Lübecker Zeitung Verlag Gebrüder Borchers seit 1. Oktober 1891 aufgegangen in den Lübeckischen Anzeigen 1879–80 Lübecker Presse (red. C. Weisflog, Lübeck) Johs. Bock 1881 Lübecker Sonntagsbote – Wochenschrift (red. H. Oldenburg und Krause) Werner & Hörnig 1881–82 Nordische Presse Johs. Bock 1881–82 Der Spotvogel, Humoristische satyrische Wochenschrift Herausgeber: Angelius Beutin A. D. Krause später Oldenburg & Richter seit 1882 General-Anzeiger/für Lübeck und Umgebung Johs. Bock seit 1884 Chr. Coleman 1933 gleichgeschaltet, nach dem 29. März 1942 eingestellt 1884 Norddeutsches Fremdenblatt Max Schmidt 1887–88 Neue Zeitung/Freisinniges Organ für Lübeck und Umgegend Johs. Oldenburg seit 1888 Lübecker Wochenblatt für Landwirtschaft und Gartenbau Beilage zum General-Anzeiger mini|Von Lübecks Türmen (1908) seit 1891 Von Lübecks Türmen - eigenständige Unterhaltungsbeilage des General-Anzeigers Charles Colemann Anfang 1933 eingestellt mini|Lübecker Volksbote (1932) seit 1894 Lübecker Volksbote Friedr. Meyer & Co. 1933 gleichgeschaltet und Parteiblatt der NSDAP, nach dem 29. März 1942 eingestellt mini|Vaterstädtische Blätter (1920) seit 1896 Vaterstädtische Blätter – eigenständige Unterhaltungsbeilage des Lübeckischen Anzeigen (Red. W. Dahms) Gebrüder Borchers erschien anfangs wöchentlich, nach dem Weltkrieg 14-täglich und wurde mit der Ausgabe vom 19. Dezember 1933 kommentarlos eingestellt. 1899–1903 Lübecker Fremdenblatt Eugen Radtke 1902–08 Lübecker Stadt- und Landbote Jul. Heise 1917 Landwirtschaftliches Wochenblatt Albrecht & Vorkamp 1919 Demokratische Blätter Albrecht & Vorkamp 1921–23 Lübecker Neueste Nachrichten Verlag der Lübecker Neuesten Nachrichten GmbH An Stelle der Lübecker Nachrichten (früher Eisenbahn-Zeitung) 1942–45 Lübecker Zeitung 1945–46 Nachrichtenblatt/Militärregierung 1946–69 Lübecker Freie Presse Fortführung des Lübecker Volksboten vor 1933 seit 1946 (ab 1950 eigenständig) Lübecker Nachrichten

Zeitungsspiegel anno 1922 Anlässlich des Treffens der Mitglieder des Deutschen Zeitungs-Verleger-Vereins am 17. Juni 1922 in Lübeck veröffentlichte die illustrierte Unterhaltungsbeilage der Lübeckischen Anzeigen, die Vaterstädtischen Blätter, einen Spiegel über die derzeit in der Stadt täglich erscheinenden Zeitungen.

Titel Ausgabe Turnus seit OrientierungLübeckische AnzeigenAusgabe Atäglich1751rechtsgerichtetLübeckische AnzeigenAusgabe Btäglich1898unparteiischLübecker General-Anzeigertäglich1882unparteiischLübecker Volksbotetäglich1894sozialdemokratischLübecker Neueste Nachrichtentäglich1921mittelparteilich

1923 Infolge der starken den Betrieben erwachsenden Unkosten erfuhr das lübeckische Zeitungswesen 1923 erhebliche Einschränkungen.

Die „Lübecker Neuesten Nachrichten“, die eine Fortsetzung der seit 1866 im Edschen Verlag erschienenen „Eisenbahn-Zeitung“ bildete, stellte ihr Erscheinen ein und wurde mit dem gleichfalls im Colemannschen Verlage erscheinenden „General-Anzeiger“ vereinigt.

Die „Lübeckischen Anzeigen“ und „Lübecker Zeitung“ gingen vom zweimaligen zum einmaligen Erscheinen als Abend-Ausgabe über.

Der sozialdemokratische „Volksbote“ nahm außer bereits im Fortfall gekommenen Beilagen weitere Einschränkungen vor.

Das Zeitungswesen Lübecks war, nach dem Umfang gerechnet, auf etwa die 70er Jahre des vorangehenden Jahrhunderts zurückgeführt worden. Rubrik: Chronik. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1922/23, Nr. 25, Ausgabe vom 23. September 1923, S. 100.

Verweise Quellen Zusammenstellung des Professors Deeke aus dem Jahre 1837 Vaterstädtische Blätter; Nr. 19, Ausgabe vom 18. Juni 1922, Artikel: Zur Geschichte der Lübecker Tageszeitungen Norbert Beleke (Hrsg.): Festschrift - 425 Jahre Schmidt-Römhild, Deutschlands ältestes Verlags- und Druckhaus 1579-2004, Lübeck 2004, ISBN 3-7950-7006-6

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