Schwalldorf ist ein Stadtteil von Rottenburg am Neckar im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg (Deutschland).

Geographie

Schwalldorf liegt etwa 7 km südwestlich von Rottenburg auf der Gäuhochfläche südlich des Neckartales. Der Höhenlage der Gemarkung erstreckt sich von 360 bis 492 Meter. Der Ort selbst liegt auf einer Höhe von etwa 470 Metern.

Ausdehnung

Die Gemarkungsfläche des Ortes beträgt 581 ha. Davon entfallen 65,1 % auf landwirtschaftliche Fläche, 8,6 % auf Siedlungs- und Verkehrsfläche, 25,6 % auf Waldfläche und 0,7 % auf die übrige Nutzung.

Nachbarorte

Folgende Orte grenzen an Schwalldorf, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Bad Niedernau, Weiler, Dettingen, Hirrlingen, Frommenhausen, Bieringen und Obernau (alle Landkreis Tübingen). Mit Ausnahme von Hirrlingen sind alle angrenzenden Orte Stadtteile von Rottenburg.

Bevölkerung

Schwalldorf zählt mit einer Einwohnerzahl von 763 (Stand: Ende Juni 2013) zu den kleineren Stadtteilen Rottenburgs. Bei einer Fläche von 5,81 km² entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 136 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Religion

Der Ort ist überwiegend katholisch. Rund 100 Einwohner sind evangelischen Glaubens. Ein kleiner Teil ist konfessionslos oder gehört einer anderen Religion an. Ein evangelischer Gottesdienst findet jeden 4. Sonntag im Monat um 11 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Andreas statt.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner 1581 (geschätzt) 225 1764 (geschätzt) 315 1771 364 1804 477 1810 503 1822 622 1834 737 1846 621 1858 578 1880 693 1890 682 1895 530 1900 522 Jahr Einwohner 1910 494 1925 458 1939 417 1950 536 1960 445 1970 458 1980 510 1990 659 2000 783 2003 769 2006 794 2008 781 2015 769

Geschichte

Schwalldorf wird um 1100 im Codex des Klosters Hirsau (Codex Hirsaugiensis) erstmals erwähnt. Im Codex wird zudem ein Adeliger mit Namen Fridericus de Swaldorf genannt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes entstammt jedoch einer Schenkungsurkunde vom 7. Juli 1304. Der Vogt der Grafen von Hohenberg, Heinrich der Amman, beschenkte das Dominikanerinnen-Kloster Kirchberg mit einem Gut zu Schwalldorf. 2004 beging der Stadtteil aufgrund dessen sein 700-jähriges Jubiläum.Karlheinz Geppert: 700 Jahre Schwalldorf S. 10, ISBN 3-924123-51-9

Man vermutet, dass der Ort dagegen viel älter ist. Aus der Wortendung „-dorf“ lässt sich eine Entstehung im 7. oder 8. Jahrhundert erahnen, zumal dies durch zahlreiche Grabungsfunde bestätigt wird. Die Urkunde vom 7. Juli 1304 ist jedoch der einzig anerkannte Beweis.

Im Jahre 1357 wird erstmals eine Kapelle erwähnthttp://www.rottenburg-schwalldorf.de/. Zur damaligen Zeit war Schwalldorf Filiale der Pfarrei Dettingen, welche der Johanniterkommende Hemmendorf angehörte. In einer Urkunde vom 28. August 1437, in welcher eine Kuratkaplanei errichtet wird, ist erstmals der Patron St. Andreas erwähnt. Im Jahr 1507 bekam Schwalldorf eine eigene Pfarrei. Die Kapelle wurde zur Pfarrkirche erhoben.Karlheinz Geppert: 700 Jahre Schwalldorf S. 42, ISBN 3-924123-51-9

Der Ort gehörte von 1381 bis 1806 der Landschaft Niederhohenberg an. Mit dem Verkauf der Grafschaft Hohenberg, durch Rudolf III. von Hohenberg, kam der Ort 1381 an Vorderösterreich. Durch den Pressburger Frieden fiel der Ort 1805 mit der Grafschaft Hohenberg an Württemberg. 1807 wurde er dem neu gegründeten Oberamt Rottenburg zugewiesen. Rottenburg war auch Sitz eines österreichischen Oberamtes, bevor es zu Württemberg kam. Nach der Auflösung des Oberamts (Kreis Rottenburg) kam der Ort zum Landkreis Tübingen. Am 1. Januar 1972 wurde die bisher selbständige Gemeinde Schwalldorf in die Stadt Rottenburg am Neckar eingegliedert.

Politik Schultheißen, Bürgermeister, Ortsvorsteher

In Schwalldorf gab es seit 1425 einen Schultheiß, der Vorsitzender des Dorfgerichtes war. Der Name des ersten Schultheißen ist nicht bekannt. Am 10. Juli 1470 wird Hans Gefrör als zweiter Schultheiß in einer Urkunde erstmals namentlich erwähnt.Karlheinz Geppert: 700 Jahre Schwalldorf S. 12 und 286

Jahr Schultheiß 1425 Nicht bekannt 1470 Hans Gefrör 1472 Hans Eckenweiler 1560, 1576 Hans Linsenmann 1594 Michael Herrmann 1637 Johannes Miller 1658 Martin Straub 1680 Hans Flach 1721–1737 Hans Jerg Flach 1738 Adam Teufel 1757 Ulrich Linsenmann vor 1768 Konrad Kauß Jahr Schultheiß 1768 Jakob Mayer 1770 Bernhard Flach 1791 Stefan Zettel 1798 Isidor Baum 1804–1807 Josef Straub 1808–1817 Thomas Straub 1817–1820 Thomas Daub 1821–1841 Jakob Flach 1841–1848 Johannes Letzgus 1848–1860 Johannes Linsenmann 1860–1886 Clemens Kienzle 1886–1917 Zacharias Baur

Bürgermeister von 1917 bis 1972

Ab 1917 trug der Schultheiß den Titel Bürgermeister.

1917–1940: Lukas Jungel 1940–1945: Jakob U. Wiest (ohne Wahl) 1946–1972: Fabian Straub

Ortsvorsteher ab 1972

Mit Eingemeindung des Ortes in die Stadt Rottenburg am Neckar am 1. Januar 1972 wurde der Bürgermeister durch einen Ortsvorsteher abgelöst.

1972–1979: Fabian Straub 1980–1989: Adolf Straub 1989–2004: Ernst Rößner, Oberstaatsanwalt 2004–2019: Klaus Krajewski seit 2019: Daniela Steiger

Ortschaftsrat In Schwalldorf gab es mindestens seit dem 15. Jahrhundert ein Dorfgericht, das vom Schultheißen geführt wurde. Das Dorfgericht gilt als Vorläufer des späteren Gemeinderats. Die Namen der Gemeinderäte der ehemaligen Gemeinde Schwalldorf sind ab 1932 überliefert. Der Schwalldorfer Gemeinderat hatte in den Amtsperioden ab 1932 zwischen sechs und zehn Mitgliedern.

Durch die Eingemeindung des Ortes in die Stadt Rottenburg wurde der Gemeinderat durch einen Ortschaftsrat ersetzt, der seitdem aus sieben Mitgliedern besteht. Der Ortschaftsrat vertritt die Interessen der Bürger des Stadtteils gegenüber der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat. Dabei tritt der Ortschaftsrat als Verwaltungsorgan auf. Der aktuelle Ortschaftsrat wurde bei den letzten Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 gewählt. Alle aktuellen Mitglieder gehören der Wählervereinigung Bürgerliste Schwalldorf an.

Wappen Das Wappen des Ortes wurde 1952 angefertigt und von der Gemeinde eingeführt. Es zeigt eine heraldisch nach links fliegende blaue Schwalbe und eine blaue Turmschnecke getrennt durch einen blauen Wellenbalken, auf einem silbernen Schild. Die blaue Turmschnecke unterhalb des Wellenbalkens soll auf einen der zwei Siedlungskerne des Ortes hinweisen, den „Schneckenhof“. Der blaue Wellenbalken stellt eine große Wassermenge dar und deutet so die Entstehung des Ortsnamens von Schwalldorf, der sich nach einer Annahme von Schwalbrunnen ableiten soll. Eine andere Theorie wird mit der blauen Schwalbe oberhalb des Wellenbalkens vertreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Pfarrkirche St. Andreas Die heutige Pfarrkirche St. Andreas wurde 1733 im Stil des Barock erbaut und ist dem Heiligen Andreas geweiht. Zuvor befand sich an dem Ort eine Kapelle, die 1357 erstmals erwähnt wurde und die gemäß einer Urkunde aus dem Jahr 1437 dem Heiligen Andreas geweiht war. Mit der Errichtung der Pfarrei im Jahr 1507 wurde diese Kapelle zur Pfarrkirche erhoben. Als diese Pfarrkirche für die wachsende Gemeinde zu klein wurde, entschloss man sich 1732 eine neue Pfarrkirche zu errichten.

mini|Alte Brücke bei der Wolfsschlucht

Vereine und Einrichtungen Vereine Liederkranz Schwalldorf 1892 e. V. Schützenverein Schwalldorf 1928 e. V. Sportverein Schwalldorf 1968 e. V. Lumpenkapelle Schwalldorf 1977 Narrenzunft Schwalldorf 1989 e. V. Heimatverein Schwalldorf (2009) e. V. – Verein zur Pflege alten Brauchtums Vesperverein Schwalldorf (2016) e. V.

Erloschene Vereine und Einrichtungen

Ehemalige Vereine und Einrichtungen in Schwalldorf, die aufgelöst wurden:Karlheinz Geppert: 700 Jahre Schwalldorf S. 281/282

1886–1937: Kriegerverein Schwalldorf 1886 1908–1965: Spar- und Darlehenskasse Schwalldorf 1923–1963: Dreschgenossenschaft Schwalldorf 1930–1970: Viehversicherungsverein 1934–1978: Milchverwertungsgenossenschaft 1956: Flurbereinigungs-Teilnehmerschaft 1997–2007: Kulturverein „Treffpunkt Schule“ in Schwalldorf e. V. Einrichtungen

Freiwillige Feuerwehr Schwalldorf (1886) Katholische Kirchengemeinde Schwalldorf Kirchenchor Schwalldorf Kath. öffentliche Bücherei Schwalldorf Kirchengemeindehaus St. Franziskus Kath. Kindergarten St. Andreas Grundschule Schwalldorf-Frommenhausen Jugendraum Schwalldorf Dorfstüble Schwalldorf

Regelmäßige Veranstaltungen

Schwäbisch-alemannische Fastnacht: Die Fasnet hat im Raum Rottenburg einen großen Stellenwert. In Rottenburg wird bereits Anfang des 15. Jahrhunderts eine „Vassnacht“ erwähnt. Im katholischen Rottenburg und seiner Umgebung ist das närrische Treiben Tradition. 1984 wurde in Schwalldorf die erste Fasnetsgruppe gegründet, die Elbenlocher Hexen; 1989 wurde dann die Narrenzunft aus der Taufe gehoben. Die Fasnetssaison beginnt offiziell am 6. Januar mit dem traditionellen Maskenabstauben. Die Fleggafasnet mit Umzug durchs Dorf findet am Samstag vor der Hauptfasnet statt, eine Woche vor der Hochsaison in Rottenburg. In den letzten Jahren nahmen über 1000 Hästräger am örtlichen Umzug teil. Zwiebelbeetenfest: Am letzten Wochenende der Sommerferien in Baden-Württemberg veranstalten die örtlichen Vereine das Zwiebelbeetenfest. Zwiebelbeet ist die lokale Bezeichnung für Zwiebelkuchen. Es ist eine kleine beschauliche „Hockete“ im Ortskern. Das Zwiebelbeetenfest besteht seit 1986 und hat sich als Dorffest etabliert.

Schwalldorfer Heimatlied

Pfarrer Franz Egger war von 1935 bis 1944 Pfarrer in Schwalldorf und hat während dieser Zeit das Schwalldorfer Heimatlied geschrieben.*Schwalldorfer Heimatlied (Text) Hier eine mehrstimmige, instrumentale Interpretation des Schwalldorfer Heimatliedes

Infrastruktur

Schwalldorf liegt abgelegen und fernab großer Verkehrswege. Anders als in anderen Rottenburger Stadtteilen konnte in Schwalldorf kein großer Anstieg der Einwohnerzahl verzeichnet werden.

Verkehr

Die Kreisstraße 6943 (früher Landesstraße 392) führt entweder von Bad Niedernau (aus Richtung Rottenburg) oder von Frommenhausen in den Ort. Die Straße verbindet die Landesstraßen 370 und 392. Sie mündet in Frommenhausen in die L 392 und kurz vor Bad Niedernau in die L 370. Das Verkehrsaufkommen ist gering, wodurch eine geringe Lärmbelästigung gewährleistet ist.

Öffentlicher Nahverkehr

Im Öffentlichen Nahverkehr verkehren tagsüber Busse der Linie 7626 zwischen Rottenburg am Neckar und Eyach, sowie vereinzelte Fahrten der Ergänzungslinie 7623A zwischen Schwalldorf und Hirrlingen. Der Ort liegt in der Wabe 112 des Verkehrsverbundes Neckar-Alb-Donau (Naldo). Die Linien 7626 und 7623A sind Teil des Linienbündels West 1 des Landkreises Tübingen und werden seit dem 1. Januar 2018 vom Busunternehmen Edel GmbH & Co. KG aus Rottenburg im Auftrag des Landkreises Tübingen befahren.

Linie 7626 Auf der Linie 7626 verkehren von 5 Uhr morgens bis 20:30 Uhr abends Niederflurbusse nach Rottenburg und in umgekehrter Richtung von etwa 5 Uhr morgens bis kurz nach 19 Uhr von Rottenburg aus in den Ort. Die Linienbusse verkehren nach keinem einheitlichen Takt. In den Morgenstunden von 5 Uhr bis etwa 9 Uhr (Hauptverkehrszeit) besteht annähernd eine halbstündliche Verbindung nach Rottenburg mit einzelnen Verstärkerfahrten im Schülerverkehr. Umgekehrt besteht von 12 Uhr bis kurz vor halb sieben Uhr abends (Hauptverkehrszeit) eine annähernd halbstündliche Verbindung von Rottenburg aus in den Ort. Ansonsten verkehren die Linienbusse morgens von Rottenburg in den Ort annähernd stündlich und nachmittags von in Richtung Rottenburg annähernd stündlich.

Am Samstag verkehrt die Linie 7626 tagsüber stündlich. Vom Ort aus in die Kernstadt Rottenburg fahren die Busse von etwa halb acht Uhr morgens bis halb sieben abends. Von der Stadt in den Ort verkehrt die Linie samstags von kurz vor halb acht Uhr morgens bis kurz vor halb sechs Uhr abends.

Anrufsammeltaxi