Shandong, deutsch nach Stange auch Schantung oder Lessing-Othmer Schandung genannt (), ist eine Provinz an der chinesischen Ostküste. Shandong liegt am Unterlauf des Gelben Flusses (Huang He). Von 1898 bis 1914 war mit dem Gebiet Kiautschou ein Teil der Provinz Pachtgebiet des Deutschen Reichs. Nachbarprovinzen sind Anhui, Hebei, Henan und Jiangsu.

Geographie Lage Den Osten der Provinz bildet die Shandong-Halbinsel zwischen dem Golf von Bohai und dem Gelben Meer. Die Küste von Shandong ist 3345 km lang, entsprechend etwa einem Sechstel der gesamten chinesischen Meeresküste. Die Landfläche beträgt 157.900 Quadratkilometer (etwa 44 Prozent der Fläche Deutschlands) und die zugehörige Meeresfläche (in offizieller chinesischer Sicht) 159.500 Quadratkilometer. Der Huang He mündet in Shandong in den Bohai-Golf. Es gehören auch einige Inseln, insbesondere die Miaodao-Inseln zum Gebiet Shandongs. Westlich der Provinz befindet sich das Taihang-Gebirge, wodurch Shandong seinen heutigen Namen erhielt, den man mit östlich der Berge übersetzen kann.

Topographie Man kann das Gebiet der Provinz in vier Teile einteilen: Die Ebene in Nordwest-Shandong wurde durch Ablagerungen des Gelben Flusses gebildet und ist ein Teil der Nordchinesischen Ebene. Durch die Ebene verlaufen der Gelbe Fluss und der Kaiserkanal. Sie ist ein wichtiges Landwirtschaftsgebiet. Die Jiaol-Ebene reicht bis an die Küste und liegt zwischen den hügeligen Gebieten in Süd- und Zentral-Shandong. Die Flüsse Jiaolai He, Wei He und Dage He fließen durch diese Ebene. Die Gebirge in Zentral- und Süd-Shandong bestehen aus mehreren über 1000 Meter hohen Bergen, wie zum Beispiel dem Tai Shan, Lu Shan, Yi Shan und Meng Shan. Hier befindet sich auch der höchste Punkt der Provinz, der 1545 m hohe Tai Shan. Das Jiaodong-Hügelland besteht aus den weniger als 1000 Meter hohen Daze Shan und Kunzu Shan. Es macht einen großen Teil der Shandong-Halbinsel aus.

Klima Shandong hat ein Monsunklima der warmgemäßigten Zone mit heißen, regnerischen Sommern und trockenen, sonnigen Wintern. Es gibt deutliche klimatische Unterschiede zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 11 °C an der nordöstlichen Küste und 14,5 °C im Westen und Süden. Der Jahresniederschlag beträgt im Nordwesten 560 mm und im Südosten 1170 mm. Da 60 bis 70 % der Niederschläge im Sommer fallen, kann es zu Überschwemmungen und in anderen Jahreszeiten zu Dürre kommen.

Gewässer mini|Delta des Gelben Flusses

Der Gelbe Fluss beeinflusst die Provinz Shandong sehr stark, denn er ist einerseits für die Schwemmebene, auf welcher der Großteil der Provinz liegt, verantwortlich, und andererseits hat er seinen Lauf mehrmals gewechselt, wobei die Bevölkerung der Provinz und deren Behausungen oft in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine besonders starke Flut wurde im Jahr 1876 verzeichnet, nach enormen Regenfällen schwollen Ufer von Seen und Flüssen an und überfluteten ganze Dörfer. Darauf folgte eine Hungersnot, in welcher nahezu 10.000 Menschen ihr Leben ließen. Insgesamt betrug die Summe der Opfer fast 100.000, da die gesamte Region betroffen war. Am 30. April finden seither Gedenktage statt, obwohl diese seit 1976, 100 Jahre nach dem Unglück, von der Regierung offiziell verboten sind. mini|Weishan-See Bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. verlief der Gelbe Fluss in mehreren Armen durch die heutige Provinz, wobei die meisten dieser Arme nördlich seines heutigen Laufes lagen. Bereits vor etwa 2000 Jahren begann man mit dem Bau von Deichen entlang des Flusses, wobei diese Deiche die Änderung des Flusslaufes etwas begrenzt haben, andererseits jedoch die Überschwemmungen verschlimmern, wenn der Fluss über die Deiche tritt. In den 3000 Jahren der Geschichtsschreibung in China wurden die Unterläufe des Gelben Flusses mehr als 1500 Mal überschwemmt. Eine bedeutende Änderung des Flusslaufes geschah im Jahre 1128, als nach einer großen Überschwemmung der Gelbe Fluss im nördlichen heutigen Jiangsu in das Gelbe Meer zu münden begann. Im Jahre 1855, wiederum nach einer katastrophalen Überschwemmung, bewegte sich das Flussbett wieder in Richtung Norden, wo es sich bis in das 12. Jahrhundert befand und wo es sich auch heute befindet. Eine Folge dieser Überschwemmung war auch, dass der Kaiserkanal seine Schiffbarkeit einbüßte.

Geschichte Altertum Wegen seiner Lage am Rande der nordchinesischen Ebene war Shandong schon sehr früh dem Einfluss der chinesischen Zivilisation ausgesetzt. Schon die frühesten Dynastien (Shang-Dynastie und Zhou-Dynastie) kontrollierten West- und Zentralshandong. Die Shandong-Halbinsel lag dagegen zunächst außerhalb der chinesischen Einflusssphäre. Dort lebte das Volk Laiyi, das als barbarisch angesehen wurde und schnell sinisiert wurde.

Zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und zur Zeit der Streitenden Reiche gab es in Shandong zwei Staaten: Qi im Gebiet des heutigen Linzi und Lu im Gebiet des heutigen Qufu. Lu war die Heimat von Konfuzius. Es war jedoch relativ klein und unterlag schließlich dem im Süden gelegenen Chu. Der Staat Qi dagegen war die ganze Epoche über eine größere Macht.

Zur Zeit der Qin-Dynastie gab es erstmals einen zentralisierten chinesischen Staat. Während der darauffolgenden Han-Dynastie gab es im Gebiet des heutigen Shandong zwei Provinzen: Qingzhou und Yanzhou.

Zur Zeit der Drei Reiche gehörte Shandong zum Königreich Wei.

Nach einer kurzen Zeit der Einheit wurde Shandong zusammen mit dem Rest Nordchinas von Nomaden aus dem Norden erobert. Im nächsten Jahrhundert wechselten die Herrscher Shandongs schnell.

Mittelalter Zu Beginn des 12. Jahrhunderts, zur Zeit der Song-Dynastie, spielt einer der klassischen Romane der chinesischen Literatur, die Abenteuergeschichte der Räuber vom Liang-Schan-Moor in Shandong. Sie gibt einen detailreichen Einblick in das Leben dieser Zeit (niedergeschrieben im 14. Jahrhundert).

Nachdem die Song-Dynastie China zunächst wiedervereinigt hatte, war sie gezwungen, Nordchina 1142 an die Jin-Dynastie der Jurchen abzutreten. Unter der Jin-Dynastie wurde der Name Shandong erstmals benutzt.

Unter der Ming-Dynastie umfasste die Provinz ungefähr dasselbe Gebiet wie heute, dazu einige Gebiete Liaonings (im Süden der Mandschurei).

Die Mandschu eroberten ganz China, 1644 Shandong, und gründeten die Qing-Dynastie. Unter dieser Dynastie nahm Shandong mehr oder weniger seine heutigen Grenzen an. Shandong war eine der Regionen Chinas mit den meisten Rebellionen gegen die Qing. Nennenswert sind etwa die Aufstände der Weißer-Lotus-Sekte, die Gruppe der Acht Trigramme, die im Jahr 1780 rebellierte, oder die Nian-Rebellion; auch der Boxeraufstand hatte seine Wurzeln in Shandong.

Shandong wurde im Jahr 1668 durch ein Erdbeben der Stärke 8,5, mit Epizentrum bei Linyi, verwüstet, wobei 43.000 bis 50.000 Menschen ums Leben kamen.

19. bis 21. Jahrhundert Im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet China zunehmend unter westlichen Einfluss und Bedrohung. Shandong war durch seine Lage an der Küste besonders betroffen. Das Gebiet Kiautschou in der Provinz Shandong war deutsche Kolonie. Durch den Versailler Vertrag ging das Gebiet 1919 an Japan, was die Bewegung des vierten Mai auslöste.

In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft Shandongs – vor allem des Ostens – sehr schnell entwickelt, und Shandong ist zu einer der reichsten Provinzen Chinas geworden.

Administrative Gliederung Shandong ist in zwei provinzunmittelbare Städte und 14 bezirksfreie Städte unterteilt (Stand: Volkszählung 2020):

+Verwaltungsgliederung der Provinz ShandongRegionChin.Hanyu PinyinVerwaltungs-sitzFläche(km²)Einwohner(2020)ShandongShāndōng ShěngJinan157.901,06101.527.453— Provinzunmittelbare Städte —JinanJǐnán ShìLixia10.244,459.202.432QingdaoQīngdǎo ShìShinan11.282,0010.071.722— Bezirksfreie Städte —ZiboZībó ShìZhangdian5.964,924.704.138ZaozhuangZǎozhuāng ShìXuecheng4.563,533.855.601DongyingDōngyíng ShìDongying8.243,262.193.518YantaiYāntái ShìLaishan13.851,507.102.116WeifangWéifāng ShìKuiwen16.143,149.386.705JiningJǐníng ShìRencheng11.186,988.357.897Tai’anTài'ān ShìTaishan7.761,415.472.217WeihaiWēihǎi ShìHuancui5.796,982.906.548RizhaoRìzhào ShìDonggang5.358,572.968.365LinyiLínyí ShìLanshan17.191,2111.018.365DezhouDézhōu ShìDecheng10.357,675.611.194LiaochengLiáochéng ShìDongchangfu8.628,015.952.128BinzhouBīnzhōu ShìBincheng9.172,193.928.568HezeHézé ShìMudan12.155,238.795.939

Größte Städte Die größten Städte der Provinz mit Einwohnerzahlen der eigentlichen städtischen Siedlung auf dem Stand der Volkszählung 2020 sind die folgenden:

RangStadtEinwohnerRangStadtEinwohner1Qingdao6.165.2798Tai’an1.416.5912Jinan5.648.1629Zaozhuang1.349.8833Zibo2.750.31210Weihai1.339.6454Linyi2.743.84311Heze1.293.7675Yantai2.311.88512Rizhao1.147.1756Weifang1.998.40513Liaocheng1.020.4307Jining1.700.05414Dongying961.300

Bevölkerung +Volkszählungen in ShandongJahrEinwohnerzahl 1954 48.876.548 1964 55.519.038 1982 74.419.054 1990 84.392.827 2000 89.971.789 2010 95.792.719 2020 101.527.453 Shandongs liegt mit 101,5 Mio. Einwohnern nach Guangdong hinsichtlich Bevölkerung auf dem zweiten Platz unter den Provinzen Chinas. 7,2 % der Bevölkerung der Volksrepublik lebt in dieser Provinz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 643,8 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit die dritthöchste unter den chinesischen Provinzen beziehungsweise die sechsthöchste, wenn man die regierungsunmittelbaren Städte mit einbezieht. Das Bevölkerungswachstum ist jedoch im nationalen Vergleich niedrig, trotz der Zuwanderung in die wohlhabenden Städte. Das Geschlechterverhältnis ist einigermaßen ausgeglichen (etwa 102 Männer auf 100 Frauen im Jahr 2000). Die Urbanisierungsrate für 2016 wurde mit 55 % angegeben. 2019 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 78,7 Jahren und damit über dem chinesischen Durchschnitt (77,6 Jahre).

99,3 % der Bevölkerung sind Han. Größere ethnische Minderheiten sind die Hui (0,6 %) und die Mandschu.

Wirtschaft Im Jahr 2015 war die Wirtschaft Shandongs mit einem BIP in Höhe von 6,30 Billionen Yuan (1.011 Milliarden US-Dollar) die drittgrößte Chinas. Das BIP pro Kopf betrug 67.706 Yuan (10.194 US-Dollar / KKP: 19.495 US-Dollar) pro Jahr (Rang 9 unter den chinesischen Provinzen). Das Wohlstandsniveau in der Provinz lag damit ungefähr auf dem Niveau von Argentinien und betrug 125 % des chinesischen Durchschnitts.

Zwischen der Provinz Shandong und dem Freistaat Bayern existiert bereits seit über 30 Jahren eine Partnerschaft für Wirtschaft und Entwicklung.

Landwirtschaft Die Landwirtschaft erwirtschaftet etwa 15 % des BIP, beschäftigt jedoch mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte Shandongs. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Weizen, Mais, Sorghum, Hirse, Kartoffeln und Bohnen. Weitere wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Baumwolle, Erdnüsse, Tabak und Flachs. Shandong ist eines der drei wichtigsten Baumwollanbaugebiete in Nordchina, außerdem gehört es zu den bedeutendsten Anbaugebieten von Obst und Gemüse. Etwa 40 % der Erdnüsse Chinas werden in Shandong angebaut. In zwei Jahren werden normalerweise drei Ernten eingebracht. In manchen Gebieten mit guter Bewässerung kann man sogar zwei Ernten pro Jahr erzielen.

Die Viehzucht ist ebenfalls bedeutend: Shandong ist der wichtigste Produzent von Geflügelfleisch in China, daneben gehört es zu den führenden Provinzen in der Rinder-, Schweine- und Schafzucht. Die Küstenregionen sind reich an Fischen, Krebsen und Seetang; trotzdem stammt der überwiegende Teil des Fischfanges aus Zuchtbetrieben.

Bergbau Die abbauwürdigen Ressourcen sind Gas, Öl, Kohle, Eisen, Bauxit, Diamanten, Saphir und Gold. Der Goldabbau in Shandong (Yantai) ist führend in China. Im Nordwesten Shandongs, in der Nähe von Dongying, liegt das Shengli-Ölfeld, das zu Chinas größten Ölfeldern gehört.

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