Die Aquarius (seit August 2018 Aquarius 2, seit 2021 водолей) ist ein Vermessungsschiff im Dienst des Russischen Verteidigungsministeriums. Es ist am Aufbau des Unterwasser-Spionagesystems Garmoniya beteiligt.
Von 2016 bis 2018 war es als Rettungsschiff der privaten Hilfsorganisation SOS Mediterranee im Mittelmeer eingesetzt. Unter dem Namen Meerkatze war es von 1977 bis 2008 als staatliches Fischereischutzschiff der Bundesrepublik Deutschland im Einsatz. Durch seine Fahrt von der Straße von Sizilien nach Valencia in Spanien wurde das Schiff im Juni 2018 weltweit bekannt. Ende 2018 wurden die Einsätze des Schiffes eingestellt.„Aquarius“ beendet Einsatz im Mittelmeer. In: Spiegel Online, 6. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
Technische Daten Das Schiff wird dieselelektrisch angetrieben. Die Fahrmotoren sind zwei Elektromotoren der Siemens AG Dynamowerke mit einer Leistung von jeweils 1125 kW, die auf einen Festpropeller wirken. Für die Stromerzeugung stehen vier Dieselgeneratoren mit insgesamt 2897 kW Leistung sowie ein Hafen- bzw. Notgenerator mit 158 kW Leistung zur Verfügung. Das Schiff ist mit einer Querstrahlsteueranlage ausgestattet.
Geschichte Meerkatze Das Schiff wurde unter der Baunummer 13453 auf der Fr. Lürssen Werft gebaut. Die Kiellegung fand am 9. Juni und der Stapellauf am 19. November 1976 statt. Die Fertigstellung des Schiffes erfolgte am 9. Dezember 1977. Das Schiff, das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bereedert wurde, ersetzte die Meerkatze II, das ehemalige Forschungsschiff Anton Dohrn, das diesen Namen seit der Außerdienststellung der ersten Meerkatze getragen hatte.
Das vom Germanischen Lloyd klassifizierte Schiff verfügt über die Eisklasse E2. Es wurde schwerpunktmäßig in der mittleren Nordsee und im Nordatlantik eingesetzt. Durch seine Bauform ist das Schiff selbst bei schwerem Wetter außerordentlich seetüchtig. Zum Jahresbeginn 2009 wurde es außer Dienst gestellt und im April desselben Jahres durch einen gleichnamigen Neubau ersetzt.
Aquarius mini|rechts|Vermessungsschiff Aquarius (2012)
Nach der Außerdienststellung 2008 wurde das Schiff von der Reederei RS Research Shipping (heute: Jasmund Shipping) in Bremen ersteigert, am 2. April 2009 übergeben und anschließend umgebaut. Unter dem Namen Aquarius kam es unter der Flagge Gibraltars als privates Vermessungsschiff wieder in Fahrt. Bis Ende 2015 war es zu Öllagerstätten unterwegs oder wurde bei der Verlegung von Meereskabeln und im Windenergiegeschäft eingesetzt. Es war zuletzt in Mukran auf Rügen stationiert, dem Heimathafen des Lietzower Reeders Christoph Hempel. Ihr vorerst letzter Einsatz als Vermessungsschiff führte die Aquarius im Spätherbst 2015 vor die sibirische Küste. In: Ostsee-Zeitung, 11. Dezember 2015, abgerufen am 12. Juni 2018.
Einsatz in der Flüchtlingskrise Ab Februar 2016 charterte die Organisation SOS Méditerranée das Schiff und setzte es im Mittelmeer im Rahmen der Seenotrettung von Menschen ein, die ohne Einreisepapiere über die Mittelmeerroute in die EU gelangen wollen.Dominik Straub: Italien schloss Häfen für Flüchtlingsboot. In: Der Standard, 11. Juni 2018, abgerufen am 15. Juni 2018.MS „Aquarius“: Seenotretter für das Mittelmeer. In: Hamburger Abendblatt, 27. Januar 2016, abgerufen am 12. Juni 2018. (Homepage)Hunderte Flüchtlinge müssen im Mittelmeer ausharren. In: FAZ, 11. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.
Bei ihren Einsätzen kreuzte die in Catania auf Sizilien stationierte Aquarius unter anderem in den Gewässern um Lampedusa und in der Nähe der libyschen Küste. Bereits im Jahresverlauf 2016 nahm sie im Mittelmeer mehr als 10000 Menschen aus Seenot auf. In: Ostsee-Zeitung, 4. Januar 2017, abgerufen am 12. Juni 2018. An Bord befanden sich neben der Mannschaft 23 Mitarbeiter der das Schiff betreibenden Hilfsorganisationen: dreizehn Helfer von SOS Méditerranée und zehn Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF).Naiara Galarraga Gortázar: “No somos la solución, somos un síntoma”. In: El País, 18. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.
Im Sommer 2017 gehörten die Betreiber der Aquarius zu den privaten Organisationen, die den vom damaligen italienischen Innenminister Marco Minniti vorgelegten Verhaltenskodex der italienischen Regierung unterzeichneten, der Rettungsfahrten in Eigenregie ausschließt. Sämtliche Rettungsaktionen müssen vom zentralen Einsatzkommando der italienischen Küstenwache (MRCC Rom) koordiniert werden.
Im Jahr 2018 waren neben der Aquarius und dem im März 2018 von der italienischen Staatsanwaltschaft vorübergehend beschlagnahmten spanischen Schlepper Open Arms nur noch die deutsche Sea-Watch 3, die unter niederländischer Flagge fahrenden Schiffe Lifeline und Seefuchs und einige kleinere Boote in der Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer aktiv.Constanze Reuscher: Warum die Flüchtlingsretter Italiens geringstes Problem sind. In: Die Welt, 12. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.„Aquarius“ nach tagelanger Irrfahrt in Valencia angekommen. In: Die Welt, 17. Juni 2018, abgerufen am selben Tage.
Im Dezember 2018 gab die Organisation bekannt, den Einsatz der Aquarius zu beenden, weil der politische Druck zu groß sei. Man beklagte einen „Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See“. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Aquarius etwa 30.000 Migranten auf See gerettet.
Irrfahrt mit Flüchtlingen im Juni 2018 Die Zahl der Abreisen von der libyschen Küste in nicht seetauglichen Schlepperbooten hatte Anfang Juni 2018 wieder markant zugenommen. Neben der Jahreszeit spielte eine Rolle, dass die libysche Küstenwache wegen des wieder aufflammenden Bürgerkriegs in Libyen kaum noch präsent schien. In der Zeit vom 8. bis 10. Juni 2018 wurden von verschiedenen Schiffen, darunter die Aquarius, über 1200 Menschen gerettet.
Auf der Aquarius befanden sich 629 Migranten, die im Zuge einer neunstündigen Rettungsfahrt am Abend des 9. Juni von diversen Booten an Bord genommen worden waren und aus 31, großteils subsahara-afrikanischen Ländern stammten.Naiara Galarraga Gortázar: Los Ulises del siglo XXI. In: El País, 17. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.Reiner Wandler: Valencia bereitet sich auf Flüchtlinge der Aquarius vor. In: Der Standard, 16. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.España acoge ya a los 629 inmigrantes rescatados por el Aquarius tras llegar al Puerto de Valencia. In: El Mundo, 17. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Nach Angaben der Hilfsorganisation, die die geretteten Bootsinsassen zuvor gewöhnlich nach Italien brachte, waren darunter 123 unbegleitete Minderjährige, elf kleine Kinder sowie sechs bis neun schwangere Frauen.Flüchtlingsschiff soll nach Spanien gebracht werden. In: Die Welt, 12. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.Cristina Vázquez: Un dispositivo de 2.300 personas recibe de madrugada en Valencia a la flotilla del ‘Aquarius’. In: El País, 16. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Außerdem waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen, die den Transport medizinisch betreuen, Verletzte auf dem Schiff, die während ihrer Rettung Unterkühlungen erlitten hatten oder reanimiert werden mussten, sowie 21 Patienten mit Verätzungen durch Kontakt mit Brennstoffen.Buques italianos llevarán a los migrantes del Aquarius a España. In: Heraldo, 12. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Zwei junge Migranten gelten nach Angaben der Helfer als vermisst und sind wahrscheinlich im Rahmen der schwierigen Rettungsaktion der Aquarius ertrunken.
Der kurz zuvor ernannte italienische Innenminister Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen italienischen Partei Lega Nord, erklärte am 10. Juni überraschend, er werde das Schiff in seinem Land nicht anlanden lassen; und die maltesische Regierung verweigerte der Aquarius die von Italien geforderte Einfahrt in den Hafen von Malta. Nach zwei Tagen diplomatischen Streits zwischen Italien und Malta erklärte der kurz zuvor ins Amt gewählte Regierungschef Spaniens, der Sozialist Pedro Sánchez, sein Land werde die Migranten aufnehmen.Rettungsschiff "Aquarius": Spanien nimmt 629 Flüchtlinge auf. In: Spiegel Online, 11. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.Spanien will die Migranten an Bord der «Aquarius» aufnehmen. In: NZZ, 11. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. In: buten un binnen, 11. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Die Aquarius befand sich zu dieser Zeit 1300 Kilometer von der spanischen Küste entfernt, was eine Reise von etwa vier Tagen bedeutete. Da die Witterungsbedingungen für die weite Fahrt zu schlecht seien und an Bord die Nahrungsmittelvorräte zu Ende gingen, bot auch die von den korsischen Nationalisten dominierte Regionalregierung der französischen Insel Korsika an, einen korsischen Hafen für die Aquarius zu öffnen. Kurz zuvor hatte die Seenotrettungsleitstelle MRCC Rom entschieden, die Menschen auf italienischen Schiffen in den Hafen von Valencia zu bringen.Korsika stellt Macron bloß. In: FAZ, 12. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Etwa 500 Personen wurden auf zwei italienische Schiffe verteilt, während die übrigen Schiffbrüchigen auf der Aquarius blieben. Unterdessen versorgte ein italienisches Schiff die Aquarius über Beiboote mit frischen Lebensmitteln.
mini|hochkant=1.5|Fahrt der Aquarius vom 8. bis 17. Juni 2018Quelle: El País, Naiara Galarraga (Korrespondentin auf der Aquarius)
Nach der Umladung ihrer Passagiere nahm die Aquarius am Abend des 12. Juni kurz vor 22:00 Uhr zusammen mit ihren beiden Begleitschiffen, den Hochseepatrouillenbooten L. Dattilo der italienischen Küstenwache und Orione der italienischen Marine, Kurs auf Valencia.El Aquarius y dos barcos italianos con 630 migrantes ponen rumbo a Valencia. In: La Vanguardia, 12. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2018.La última hora del barco Aquarius rumbo a València. Liveticker in: Levante, ab 12. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2018. Auf der Aquarius befanden sich noch 106 Aufgenommene: 51 Frauen, 45 Männer und 10 Kinder.Los migrantes del Aquarius ponen rumbo a Valencia en tres barcos. In: RTVE, 12. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2018. Bei der von einer Triagekommission von Ärzte ohne Grenzen unter großem Zeitdruck getroffenen Auswahl handelte es sich um die als besonders verwundbar eingestuften Fälle unter den Mitreisenden: neben Verletzten und Kranken die Schwangeren und Kleinkinder mit ihren Müttern sowie deren männliche Begleitpersonen; zuletzt auch einige unbegleitete Jugendliche, die alle jünger als 15 Jahre alt sein und aus dem Sudan und Eritrea stammen sollen.Naiara Galarraga Gortázar: La odisea de Mohamed, un niño valiente. In: El País, 15. Juni 2018, abgerufen am selben Tag. Für die Reise waren schwere Wetter mit über vier Meter hohen Wellen und Gewittern angekündigt. Nach dem Verlassen der Straße von Sizilien geriet das Schiff in der Nacht in bis zu 30 Knoten starke Winde, viele Leute an Bord waren seekrank und sehr erschöpft.Schiff mit Flüchtlingen wird keinem Hafen zugewiesen. In: FAZ, 14. Juni 2018, abgerufen am 15. Juni 2018. In kritischem Zustand befand sich nach Angaben der Helfer aber keiner der Passagiere. Nach dem Durchfahren der Straße zwischen Korsika und Sardinien am 14. Juni verbesserten sich die Wetteraussichten. Die ursprünglich für Samstag, den 16. Juni, erwartete Ankunft in Valencia verzögerte sich um knapp einen Tag.Rom fordert nach Macron-Kritik eine Entschuldigung von Frankreich. In: Die Welt, 13. Juni 2018, abgerufen am 14. Juni 2018.El Gobierno no descarta derivar a los migrantes del ‘Aquarius’ a los CIE. In: El País, 14. Juni 2018, abgerufen am selben Tag.