mini|St.-Bartholomäus-Kirche in Hasborn-Dautweiler mit Pfarrhaus mini|Ansicht der Kirche von Osten Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus steht in Hasborn-Dautweiler, einem Ortsteil der Gemeinde Tholey im Landkreis St. Wendel. Sie zählt mit knapp 60 Metern Länge und rund 1000 Sitzplätzen zu den größten Dorfkirchen des Saarlandes. Sie gehört zum Dekanat St. Wendel im Bistum Trier. In der Denkmalliste des Saarlandes ist sie als Einzeldenkmal aufgeführt. (PDF). Abgerufen am 11. Juni 2015
Geschichte Vorgeschichte Im 10. Jahrhundert wurde erstmals eine Pfarrei in Hanoschebrunen (Hasborn) erwähnt. In einer Urkunde zwischen 972 und 981 wird von einer Schenkung der Kirchen Hasborn, Neunkirchen, Lockweiler und Bosen an das Kloster St. Paul Verdun durch den damaligen Bischof Wigfried von Verdun berichtet. Aus dieser Zeit ist nachgewiesen, dass Hasborn eine Kirche besaß.Zur Geschichte der Kirche
Vier weitere Urkunden aus dem 13. Jahrhundert dokumentieren die Schenkung des Patronatsrechtes der Kirche von Hasborn durch die Herren von Schwarzenberg an das Augustinerinnenkloster Fraulautern. Diese Kirche stand wahrscheinlich dort, wo heute das „Alte Rathaus“ von Hasborn-Dautweiler steht.
Alte Kirche (1771–1904) mini|Barocke Dorfkirche unmittelbar vor ihrem Abriss 1909 mini|Ehemalige Kirche St. Bartholomäus in Hasborn; erbaut 1770, abgerissen 1909 Am 15. November 1771 wurde der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche als einfache barocke Saalkirche, wie sie vielerorts in dieser Region typisch war, durch Pastor Joann Augustin Lauxem aus Theley geweiht. Der aus Hottingen im Schwarzwald stammende Joseph Thomann wirkte als Baumeister der Kirche. Das Gebäude besaß eine Länge von 26 m und eine Breite von 11 m. Der schlichte Kirchturm mit Zwiebelhaube wurde 1784 durch Eigeninitiative der Gemeinde fertiggestellt und mit einer 56 Pfund schweren Glocke des Glockengießers Christian Schmidt aus Trier ausgestattet.
Der einschiffige Kirchenraum verjüngte sich im vorderen Drittel zu einem einfachen Chorraum, der durch eine Chorschranke abgetrennt war. Am Ende des Chorraumes befand sich ein barocker Hochaltar, der 1804 angeschafft wurde und zuvor im Kloster St. Irminen in Trier als Seitenaltar gedient hatte. Über dem Eingangsportal existierte eine kleine einfache Holzempore. Eine Orgel konnte nicht nachgewiesen werden. Es ist daher zu vermuten, dass die musikalische Begleitung der Gottesdienste später durch ein Harmonium erfolgte. Nach der Schließung der alten Kirche wurde dieser Altar an die Abtei St. Michael in Siegburg weiterverkauft, wo er 1944 mit dem Gebäude zerstört wurde.Gerd Zöhler: Die Pfarrei St. Bartholomäus Hasborn-Dautweiler: Geschichte entdecken – Kirchen erleben. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2013.
Wenige Jahre nach dem Bau der neuen Pfarrkirche wurde die alte 1909 abgerissen und an ihrer Stelle ein Schulhaus errichtet. Das Schulgebäude (und spätere Rathaus) wurde mit einem Turm abgeschlossen, der dem der alten Kirche originalgetreu nachgebildet ist, um an dieses Vorgängergebäude an selbiger Stelle zu erinnern. Darüber hinaus ist das unverglaste Bleiskelett der alten Fensterrose, die sich mittig über dem Eingangsportal befand und einen Durchmesser von etwa 1,35 m hatte, erhalten.
Neue Kirche (seit 1904) mini|Blick zum Hauptportal mini|Innenraum, nach der umfangreichen Innenrenovierung 2019 mini|Übergang zum neuen Teil mini|Innenraum, nach der umfangreichen Innenrenovierung 2019 Die heutige Kirche wurde ab dem Bartholomäustag (24. August) 1902 im neugotischen Stil nach den Plänen des Architekten Ernst Brand errichtet, da die spätbarocke Vorgängerkirche für die wachsende Gemeinde zu klein war. St. Bartholomäus wurde am 24. Oktober 1904 geweiht.
Ursprünglich besaß der Kirchturm vier Ecktürmchen und einen Umgang am Fuß der Turmspitze. Dieser wurde 1936 entfernt, ebenso wie die Ecktürmchen und der Dachreiter über dem Kirchenschiff. Im Innern war die Kirche reich ausgemalt. Dieser Innenanstrich wurde bei der Innenrenovierung 1955 zum ersten Mal vereinfacht, indem die Ornamente zwischen den Kreuzrippen weiß überstrichen wurden. Die Kreuzrippen selbst sowie die Säulen behielten zunächst ihren roten Farbton. Ebenfalls 1955 wurde die Orgelempore aufgrund des stark gewachsenen Kirchenchores erheblich vergrößert. Die neue säulenlose Empore von 1955 besaß eine weit auskragende U-Form, die bis an das erste Seitenschiffjoch heranreichte. Die Säulen der ersten Orgelempore befinden sich noch heute in Einzelteilen auf der angrenzenden Wiese und neben der Kirche.Gerd Zöhler: Die Pfarrei St. Bartholomäus Hasborn-Dautweiler: Geschichte entdecken – Kirchen erleben. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2013, ISBN 978-3-938889-18-3.
In den sechziger Jahren zählte man bis zu 1400 Gottesdienstteilnehmer pro Messe, von denen es damals jeden Sonntag zwei gab. So wurde 1969 mit der Vergrößerung der Kirche begonnen. Die alte Apsis wurde abgerissen und an ihrer Stelle entstand ein breites und hohes modernes Querhaus. Der Erweiterungsbau nach den Plänen des Architekten Rudolf Krüger wurde 1971 geweiht. Im Frühjahr 1972 wurde der alte Teil renoviert und umgestaltet; die Gottesdienste fanden währenddessen im bereits eröffneten Erweiterungsbau statt. Der gesamte Innenraum des alten Teils wurde grau überstrichen und die neuen Kirchenbänke besaßen die Breite des Hauptschiffes, sodass kein Mittelgang mehr vorhanden war. Zudem wurde die 1955 eingebaute Orgelempore entfernt und durch ein erheblich kleineres Modell ersetzt, auf dem der Hochaltar seinen Platz fand. Ende 1972 war die Pfarrkirche St. Bartholomäus in ihrer heutigen baulichen Form fertiggestellt.
Der ockerfarbene Außenanstrich des alten Kirchenteils wurde 2004 angebracht. 2018/2019 fand eine umfangreiche Innenrenovierung statt, bei der der alte Kirchenteil innen farblich neu gefasst wurde. Zudem wurde eine neue steinerne Altarinsel, samt steinernem Volksaltar errichtet, der das Provisorium, welches von 1971 bis 2018 existierte, ersetzte. Des Weiteren wurden die Bänke des Langhauses wieder geteilt und so der 1971 verschlossene Mittelgang wiederhergestellt, dadurch gleichzeitig die Anzahl der Sitzplätze reduziert und die Bänke mit neuen Polstern ausgestattet. Die Buntglasfenster des alten Kirchenteils wurden ebenfalls restauriert. Die Wiedereinweihung der Kirche fand am 3. Adventssonntag, 15. Dezember 2019, statt.Ankündigung der Renovierung
Aufbau Die Kirche St. Bartholomäus ist nach Süden hin ausgerichtet. Das Hauptportal und der Turm befinden sich also im Norden. Der alte Teil der Kirche bildet das Langschiff, der neue das Querhaus. Das Langschiff besitzt fünf Joche. Ab dem zweiten ist links und rechts jeweils ein Seitenschiff vorhanden, das zunächst, wie üblich, halb so hoch wie das Langschiff ist. Ab der Hälfte des Langhauses erhöhen sich zwei Seitenschiffjoche, wie in einer Hallenkirche.
Die Kirche besitzt zwei Emporen. Die erste, im Langhaus, dient nur als Aufstellungsort für den Hochaltar und ist über den Turmaufgang zu erreichen. Sie ist die Nachfolgerin der alten Orgelempore und hat nur noch eine Breite von etwas mehr als einem Meter. Die zweite Empore befindet sich direkt über der Sakristei. Hier steht die Orgel und hier befinden sich viele weitere Sitzplätze, die an Festtagen von einem Chor eingenommen werden. Der Altar befindet sich im modernen Teil der Kirche auf einer Altarinsel und kann von drei Seiten eingesehen werden.
Ausstattung Kreuzweg Die Bilder des Kreuzwegs verteilen sich von unterhalb der Orgelempore im östlichen Querhausarm durch die ganze Kirche bis an die der Orgelempore gegenüberliegende Wand im westlichen Querhausarm. Sie stellen eine Kopie der vierzehn Bilder im Dom zu Antwerpen dar.
Hochaltar Der Hochaltar wurde 1904 durch den damaligen Pfarrer Joseph Weber gestiftet und stand früher an seinem üblichen Platz vorne in der Apsis. 1958 wurde das ursprüngliche Holzschnitzwerk renoviert und vergoldet. Nach dem Umbau der Kirche wurde er 1988 in Einzelteilen auf die mittlerweile stark verkleinerte alte Empore gehoben und ist seither dort aufgestellt, wo früher die Hock-Orgel gestanden hatte. Der linke Flügel des Hochaltars zeigt die Krippenszene, während der rechte Flügel die Emmausgeschichte abbildet. Somit fasst der Altar die beiden wichtigsten christlichen Hochfeste Weihnachten und Ostern bildlich zusammen.
Volksaltar Ende 2022 wurde der bisherige schlichte hölzerne Volksaltar durch ein steinernes Exemplar ersetzt und am Vorabend zum 3. Adventssonntag durch Bischof Stefan Ackermann geweiht. Dieser Altar stammt aus der profanierten Pfarrkirche Herz-Jesu in Elversberg.Ankündigung der Weihe des neuen Volksaltars
Taufstein Der Taufstein der Pfarrkirche stammt aus der Barockkirche von 1771 und befindet sich heute in der Nähe des Hauptportals. Er wird heute nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion, sondern als Weihwasserbecken genutzt.
Marienaltar Der Marienaltar befindet sich im westlichen Seitenschiff. Ihn schmückt ein Antependium, welches ebenfalls aus der alten Pfarrkirche von 1771 stammt.
Orgeln Ehemalige Hock-Orgel (1908–1971) mini|Ehemalige Hock-Orgel (1908–1971) Die Kirche St. Bartholomäus besaß schon vor dem Umbau eine Orgel. Das romantisch geprägte Instrument wurde 1908 durch die Firma Mamert Hock (Saarlouis) errichtet. Es besaß 13 Register, verteilt auf zwei Manualen und Pedal. 1917 mussten wie nahezu überall die Prospektpfeifen mit ursprünglich geschwungener Labienführung zu Kriegszwecken abgegeben werden. Diese wurden 1920 durch die Firma Nikolaus Franzen aus Trier durch neue Zinkpfeifen mit einer geraden Labienführung ersetzt. Nach Schließung des alten Kirchenteils, in dem bis zur Fertigstellung des Erweiterungsbaus 1971 noch Gottesdienste stattfanden, wurde das Instrument verkauft und durch eine elektronische Dereux-Orgel ersetzt.
I Manual 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Flöte 8′ 4. Gamba 8′ 5. Octave 4′ 6. Kornett III ′ 7. Trompete 8′ II Manual 8. Lieblich Gedeckt 8′ 9. Salicional 8′ 10. Aeoline 8′ 11. Traversflöte 4′ Pedal 12. Subbass 16′ 13. Cello 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Suboktavkoppel: II/I Superoktavkoppel: II/I Spielhilfen: Piano, Forte, Tutti, Alles Ab
Mühleisen-Orgel (seit 1991) mini|Mühleisen-Orgel (seit 1991) mini|Spieltisch (mit neu belegten Klaviaturen seit 2020) 1991 wurde auf der Empore über der Sakristei im östlichen Querhausarm durch die Firma Mühleisen (Leonberg) eine neue Orgel errichtet. Ursprünglich waren 26 Register geplant. Vor der Fertigstellung wurden drei weitere Register in Auftrag gegeben. Im Hauptwerk kamen die Gamba 8’ und das Cornet 8’ hinzu, sowie das Clairon 4’ im Pedal, sodass das Instrument heute 29 Register auf zwei Manualen und Pedal umfasst. Die neue Orgel ist, im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, am Barock orientiert. Die Spieltraktur ist mechanisch. Zur Registersteuerung ist eine Doppeltraktur vorhanden, um einen elektrischen Setzer zu ermöglichen.
Im Jahr 2020 fand eine umfassende Generalüberholung und Reinigung der Orgel durch die Erbauerfirma statt. Dabei wurden sämtliche Register nachintoniert sowie die Klaviaturbeläge gewechselt. Darüber hinaus wurden Füllungen am Rückpositiv- und Hauptwerksgehäuse überarbeitet um die Zugänglichkeit des Pfeifenwerkes bei Wartung und Stimmung erheblich zu verbessern. Die Disposition wurde nicht verändert und lautet wie folgt:Info zur Orgelgeschichte und den Instrumenten auf OrganIndex
I Rückpositiv C–g3 1. Quintade 8′C–e0 mit Gedackt 8’ verführt. 2. Gedackt 8′ 3. Principal 4′ 4. Blockflöte 4′ 5. Sesquialter 6. Doublette 2′ 7. Quinte ′ 8. Scharff VI ′ 9. Dulcian 16′ 10. Cromorne 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 11. Bordun 16′ 12. Principal 8′ 13. Rohrflöte 8′ 14. Gamba 8′ 15. Octave 4′ 16. Flöte 4′ 17. Quinte ′ 18. Octave 2′ 19. Mixtur V 2′ 20. Cornet V 8′Ab a0 21. Trompete 8′ Tremulant Pedal C–f1 22. Subbaß 16′ 23. Octave 8′ 24. Bordun 8′ 25. Choralbaß 4′ 26. Mixtur IV ′ 27. Posaune 16′ 28. Trompete 8′ 29. Clairon 4′ Koppeln: I/II, I/P, II/P