Die Operation Polarstern () vom 10. Februar bis 1. April 1943, war im Deutsch-Sowjetischen Krieg eine Operation der Roten Armee gegen die deutsche Wehrmacht und fand am nördlichen Abschnitt der Ostfront statt. Die Operation endete mit einem Misserfolg – keines der von der Stawka vorgegebenen Ziele für die Leningrader Front und die Wolchow-Front konnte erreicht werden. Nur am Südabschnitt der Offensive gelang es der Nordwestfront, den Demjansker Kessel zu erobern, nachdem die deutschen Truppen den Frontvorsprung bereits planmäßig (bis 2. März 1943) geräumt hatten.
Ausgangslage miniatur|310px|Operationsplan zu Polarstern, Beschriftung in kyrillisch. Oben ist Leningrad und der schmale Korridor südlich des Ladogasees erkennbar, in der Mitte rechts der Demjansker Kessel. Nachdem die sowjetischen Truppen in der Zweiten Ladoga-Schlacht einen schmalen Korridor südlich des Ladogasees nach Leningrad freigekämpft und damit die Leningrader Blockade teilweise gesprengt hatten, sollte die Blockade endgültig beendet werden.
Der Hauptstoß sollte weiter im Süden, südlich des Ilmensees erfolgen: der von deutschen Truppen weiterhin gehaltene Kessel von Demjansk sollte erobert, die dortigen Truppen eingekesselt und alle deutschen Verbände im Norden abgeschnitten werden.
Planungen Im Januar 1943 war die Initiative im Raum Leningrad auf die sowjetischen Truppen übergegangen. Die Stawka beschloss, gestärkt durch den Erfolg in der Operation Iskra, eine allgemeine Offensive in nordwestlicher Richtung mit dem Codenamen Operation Polarstern zu beginnen. Die Koordination der sowjetischen Truppen in der Operation Polarstern wurde Georgi Schukow übertragen, der zum Stawka-Vertreter bei der Nordwestfront ernannt worden war. Die beteiligten Einheiten hatten an mehreren Stellen die deutsche Heeresgruppe Nord anzugreifen, um die 18. Armee und große Teile der 16. Armee einzukreisen, die beidseitig Leningrad und am Wolchow verteidigte. Die Pläne sahen einen aufeinander abgestimmten Angriff der Nordwestfront (Marschall S. K. Timoschenko), der Wolchow-Front (Generaloberst Kirill Merezkow) und der Leningrader Front (Generaloberst Leonid Goworow) vor. In einer etappenmäßig abgestimmten Operation hatten Teile der Leningrader Front (55. und 67. Armee), der Wolchow-Front (2. Stoßarmee, 54. und 52. Armee), der Nordwestfront (27., 11., 35. und 53. Armee) sowie der Spezialgruppe Chosin (68. Armee und 1. Panzerarmee) von Norden, Osten und Süden anzugreifen, um die Belagerung von Leningrad vollständig aufzuheben.
Die Flanken der deutschen 18. Armee sollten von Norden und Osten durch die Armeen der Leningrader- und Wolchow-Front angegriffen werden und die Vereinigung der Angriffszangen im Raum Tosno hergestellt werden, mit dem Ziel, die Heeresgruppe Nord entscheidend zu schlagen und deren Verbände bis nach Pskow und Narva zurückzuwerfen. Eine Hauptvoraussetzung für den geplanten Erfolg der Operation war die Liquidierung des Frontvorsprunges von Demjansk. Der durch die sowjetische Winteroffensive gewonnene Frontbogen war bereits ein Jahr lang von den Deutschen gehalten worden. Die Truppen der Nordwestfront sollten jetzt den schmalen Zugang zum Frontbogen – der Korridor bei Ramuschewo angreifen und die Kesselbildung vervollständigen. Die Vorbereitung der sowjetischen Offensive kam für die deutsche Führung nicht überraschend. Als GFM von Küchler die Schwierigkeit erkannte, den Brückenkopf von Demjansk zu halten, bat er Hitler, den Rückzug der Truppen auf eine Linie hinter den Lowat von Staraja Russa und Cholm zuzulassen. Hitler weigerte sich zunächst, änderte aber am 29. Januar seine Meinung. Das Oberkommando der 16. Armee (GFM Ernst Busch) begann sofort mit der Umsetzung des Rückzuges. Gleichzeitig verteidigten die deutschen Truppen weiterhin ihre starken Stellungen.
Unmittelbar nach Erhalt der Genehmigung durch den Generalstabschef Zeitzler legte der Oberbefehlshaber der 16. Armee einen Plan für den Abzug des II. Armeekorps aus der Region Demjansk vor. Im Frontvorsprung befanden sich Ende Januar 1943 noch die 12., 30., 32., 58., 81., 123., 225., 254., 290. und 329. Infanterie-Division. Die 5. und 8. Jäger-Division, die 126. und 290. Infanterie-Division standen innerhalb des besonders wichtigen Ramuschewo-Korridor.
Der erste Offensivweisung der mit der 45. und 63. Garde-Schützen-Division verstärkten sowjetischen 55. Armee (Generalleutnant Wladimir Petrowitsch Swiridow) sah vor, die für die deutsche 18. Armee wichtige Rollbahn Leningrad-Moskau von ihrer Startposition in Kolpino in Richtung Tosno zu unterbrechen. Die Wolchow-Front unterstützte durch einen nach Norden gerichteten Zangenangriff der 54. Armee, um dabei die deutsche Formationen im Raum Mga einkreisen. Die Rollbahn war eine wichtige Straßen-/Eisenbahnverbindung zwischen Moskau und Leningrad. Der Dreh- und Angelpunkt dieser Rollbahn war das zwischen der Autobahn und der Eisenbahnlinie gelegene Krasni Bor. Sobald der Angriff der 55. Armee durchschlug, sollten die Streitkräfte der zweiten Staffel durch die Lücke in Richtung Tosno vorrücken. Um den Vormarsch zu beschleunigen, plante die Stawka zusätzlich eine amphibische Operation zur Eroberung des strategischen Eisenbahnknotenpunkts Dno, wofür Teile der 68. Armee – die 5. Garde-Luftlande-Division – herangezogen wurden.
Die neu aufgestellte 68. Armee war am 1. Februar 1943 auf der Grundlage des Oberkommandos der an der Stalingradfront freigewordenen 57. Armee (Generalleutnant Fjodor Tolbuchin) aufgestellt worden, sie bestand aus der 37. Schützendivision, der 1., 5., 7., 8. und 10. Garde-Luftlandedivision, der 32., 33. und 137. Schützen-Brigade, der 26. Ski-Brigade sowie eine Reihe separater Einheiten. Die 68. Armee wurde bei der speziellen Gruppe des Generaloberst M. S. Chosin aufgenommen und im März der Nordwestfront übertragen, um am Brennpunkt des Kessels von Demjansk den Angriff der 1. Stoßarmee zu verstärken.
Verlauf Offensive von Krasny Bor (10. bis 13. Februar 1943) Der Angriff der 55. Armee wurde am 10. Februar im Raum Kolpino angesetzt, um 6:45 Uhr bombardierten etwa 1000 sowjetische Kanonen und Mörser die deutschen Linien. Um 8.45 Uhr verlagerte sich das Bombardement auf Krasny Bor selbst und traf vor allem die Dörfer Podolwo und Raikelewo (östlich bzw. südöstlich von Krasny Bor), wobei letzteres der Standort des vorderen Kommandopostens von General Emilio Esteban-Infantes war. Die 55. Armee führte den Angriff mit einer Streitmacht von ungefähr 33.000 Mann und 30 Panzern in der ersten Staffel aus, gefolgt von einer mobilen Gruppe, bestehend aus der 122. Panzerbrigade und der 35. Ski-Brigade. Gegen 8:40 Uhr rückten die 45. und 63. Garde- und die 72. Schützendivision vor, gefolgt von einigen Panzern, die in Richtung Mga (östlich von Krasny Bor), Krasny Bor, Raikelewo und Podolwo vorrückten, wobei die 63. Garde-Schützendivision der 250. Infanterie-Division (spanische Blaue Division) gegenüberstand. Durch zwei Stunden anfängliches Bombardement festgenagelt, konnten sich die spanischen Formationen nicht in Richtung der Stadt zurückziehen und kämpften in vielen Fällen bis zum Tod. Die Front wurde durchbrochen, viele spanische Formationen wurden vernichtet. Von 9:00 bis 10:40 Uhr wehrten sich nur noch isolierte spanische Einheiten sowjetische Angriffe ab, wurden jedoch abgeschnitten, als die Sowjets die Oktjabriski-Eisenbahn-Linie erreichte. Die Sowjets nahmen das Dorf Raikelewo ein, das Podolwo von Krasny Bor trennte. Um 12:00 Uhr meldete die 63. Garde-Schützen-Division die Eroberung von Krasny Bor an das Hauptquartier, obwohl die südliche Hälfte des Ortes noch von den Spaniern kontrolliert wurde.
Die 45. Garde-Schützen-Division (Oberst Anatoli Andrejewitsch Krasnow, ab 16. Februar Saweli Michailowitsch Putilow) stürmte am Nachmittag Mischkino. Generalleutnant Swiridow beschloss seine mobile Gruppe erst spät am Tag in die Schlacht einzusetzen, aber sie wurden durch eine Kombination aus heftigem Widerstand und einem plötzlichen Tauwetter gestoppt, wodurch die Ski-Brigade behindert wurde, im Angriffsgelände zu operieren. Die 63. Garde-Schützen-Division (Generalmajor Nikolai Pawlowitsch Simonjak) rückte bis in den zentralen westlichen Teil des Ortes vor und schaffte es nach 15:15 Uhr, eine kleine Formation in den hinteren Teil des vorderen Kommandopostens der spanischen Division zu schieben. Teile der deutschen 212. Infanterie-Division entlasteten die spanischen Truppen, die immer noch die südliche Hälfte von Krasny Bor hielten. Am Abend des Tages war die 63. Garde-Schützen-Division vier oder fünf Kilometer vorgerückt und hatte Krasny Bor, Mischkino, Staraja Mirsa, Stepanowka und die Bahnstation Popowka erobert. Am linken Flügel hatte der Angriff der 43. Schützendivision und der 34. Ski-Brigade erste Erfolge gezeigt, indem die deutsche 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division über den Fluss Tosno gedrängt werden konnte. Im Sektor des Flusses Ischora drängte die 72. Schützendivision (Oberst Ilja Iwanowitsch Jastrebow) die spanischen Truppen zum Fluss zurück und zerschlug das Feld-Ersatzbataillon, erlitt dabei jedoch bis zu 70 % Verluste.
Am nächsten Tag, dem 11. Februar konnte die 63. Garde-Schützen-Division am Abend die Kontrolle über Krasny Bor erlangen. Ein geplanter Gegenangriff der 212. Infanterie-Division (Generalleutnant Hellmuth Reymann) hätte Erfolg versprochen, wurde aber letztendlich aus Sorge um die Gesamtposition der 18. Armee nicht durchgeführt.
Am 13. Februar hatte die 55. Armee fast ein Drittel ihrer ursprünglichen Stärke und die meisten ihrer Panzer verloren und konnte dadurch nicht mehr angreifen. Der erzielte Geländegewinn am 14 Kilometer breiten Angriffsabschnitt hatte die Tiefe von vier bis fünf Kilometern nicht überschritten. Der Angriff der 55. Armee erleichterte einen flankierenden Angriff der 67. Armee im Raum Sinjawino, wo der Abzug der deutschen Streitkräfte erfolgt war. Die Kritik des sowjetischen Generalstabs nach der Schlacht hob die Gründe für das Scheitern der Angriffe während der Operation Polarstern hervor: stark befestigte Verteidigung, fehlerhafte Aufklärung, schlechte Führung und Kontrolle auf allen Ebenen, ungeschickter Einsatz von Panzern und ineffektive Artillerieunterstützung. Der Landkorridor, der Leningrad mit dem Rest des Landes verband, konnte nicht erweitert werden, der strategische Eisenbahnknotenpunkt bei Mga und die Sinjawino-Höhen befanden sich weiterhin unter deutscher Kontrolle.
Der mangelnde Erfolg der nördlichen Angriffszange führte aus ähnlichen Gründen bei den anderen angreifenden Armeen zum allgemeinen Scheitern der großartig konzipierten Operation Polarstern. Am 15. Februar meldete die Blaue Division bereits Verluste von 3.645 Toten und Verwundeten, dazu kamen 300 Vermisste, was einen Ausfall von 70–75 % der an der Schlacht beteiligten Truppen entsprach. Von gegnerischen Seite wurde behauptet, dass in den fünf Tagen ab dem 9. Februar 11.000 Mann der sowjetischen 55. Armee getötet worden seien. Aufgrund dieser schweren Verluste und des Drucks der Alliierten auf die spanische Regierung wurde die Blaue Division nach Deutschland zurückgezogen und später aufgelöst.
Demjansker Angriffsoperation (15. bis 28. Februar 1943) Die Vorbereitung der sowjetischen Offensive kam für die deutsche Führung nicht überraschend. General von Küchler hatte einen mehrstufigen Truppenabzug mit einem stufenweisen Abbau der besetzten Front geplant. Bis zum 16. Februar wurden zuerst nicht benötigte Vorräte und Ausrüstungen abgezogen und am 17. Februar wurde der Befehl gegeben, mit dem Abzug der Truppen zu beginnen. Gleichzeitig begann das sowjetische Kommando bereits am 15. Februar, die Stellungen des Ramuschewo-Korridors anzugreifen.