mini|Sir John Malcolm, um 1826 (Ölgemälde von Samuel Lane) Sir John Malcolm GCB (* 2. Mai 1769 in Farm Burnfoot, Westerkirk, Dumfriesshire; † 31. MaiLaut Frykenberg, Malcolm, in ODNB 2004, S. 295; Kaye und J.A.H. geben beide den 30. Mai an 1833) war ein britischer Offizier, Historiker und Diplomat der britischen Ostindien-Kompanie sowie Gouverneur von Bombay.

Leben Herkunft und Ausbildung Malcolm war der vierte Sohn einer durch Spekulation verarmten schottischen Farmerfamilie. Er hatte siebzehn Geschwister, von denen fünfzehn das Erwachsenenalter erreichten; vier davon wurden in den Ritterstand (Knight) erhoben: Sir Pulteney (1768–1838), Vice-Admiral der Royal Navy; Sir James (1767–1849), Lieutenant-Colonel der Royal Marines, Sir Charles (1782–1851), Vice-Admiral der Royal Navy, und John Malcolm selbst.

Aufgrund der Empfehlung eines Onkels verließ der unternehmungslustige Junge bereits mit dreizehn Jahren die Schule und wurde 1782 Kadett bei der britischen Ostindien-Kompanie, wo er zunächst in Vellore, dann in Machilipatnam als Ensign in einer Sepoy-Einheit diente und bald als guter Reiter und Schütze bekannt wurde.J.A.H. in DNB, S. 404 Nach turbulenten Militärjahren mit Spielwut und Schulden wurde sein Regiment 1790 nach Hyderabad verlegt, wo er mit dem britischen diplomatischen Korps in Verbindung kam, was in dem lebhaften und aufgeweckten, aber fast ungebildeten jungen Mann das Interesse an fremden Sprachen, vor allem an der Hof- und Diplomatensprache Persisch, die er bald fließend beherrschte, weckte und den Ehrgeiz nach einer Laufbahn im diplomatischen Dienst wachrief.

Dienst in Indien, Englandaufenthalt 1792 fanden seine Fähigkeiten Verwendung im dritten Mysore-Krieg bei der Belagerung von Shrirangapattana, als Lord Cornwallis ihn aufgrund seiner militärischen und Sprachkenntnisse als Verbindungsmann zwischen dem Nizam von Hyderabad und den Kompanietruppen einsetzte. Im selben Jahr wurde er zum Lieutenant befördert. Seit dieser Zeit stand Malcolm nicht der aktiven Truppe zur Verfügung, sondern war nur noch in Stäben und diplomatischen Missionen oder unter eigenem Kommando tätig. Zur Herstellung seiner Gesundheit kehrte er 1794 nach England zurück, wo er seine Eltern zum letzten Mal lebend antraf.

Eine Denkschrift über die schlechten beruflichen Bedingungen der Offiziere erregte die Aufmerksamkeit des Kriegsministers und gleichzeitigen Präsidenten des Führungsgremiums der Ostindienkompanie, Henry Dundas, woraufhin Malcolm 1795 als Mitglied des Stabes von General Alured Clarke an einer Expedition ans Kap der Guten Hoffnung teilnehmen durfte. Der Gouverneur von Madras, General George, ernannte den 27-jährigen Lieutenant 1796 zu seinem Sekretär und zum Stadtkommandanten von Fort St. George (Madras/Chennai), 1797 folgte die Beförderung zum Captain. Als 1798 Lord Mornington (ab 1799 Marquess Wellesley) als Oberbefehlshaber in Indien eintraf, übersandte er ihm eine Denkschrift über den Umgang mit den indischen Fürsten. Einen Aufstand der aus den Diensten des Nizam von Hyderabad entlassenen Sepoys konnte er mit Hilfe einiger ihm ergebener Soldaten abwenden; den Bericht über die Ereignisse überreichte er persönlich dem Generalgouverneur in Kalkutta. Während der kriegerischen Ereignisse um die Einnahme von Srirangapatnam, der Hauptstadt Tipu Sultans, spielte Malcolm bereits eine Schlüsselrolle als Verbindungsoffizier zwischen den Truppen und dem Generalgouverneur. Nach dem Ende des Vierten Mysore-Krieges und dem britischen Sieg im Jahr 1799 empfahl ihn der Oberbefehlshaber der Truppen, Sir Thomas Munro (1761–1827) dem Generalgouverneur als seine Vertrauensperson, die bei der Regierung der wieder eingesetzten Wodeyar-Dynastie von Mysore entscheidend mitwirkte.

Gesandtschaft nach Persien Im gleichen Jahr 1799 sandte ihn Lord Wellesley, mit dem er lebenslang befreundet war, von seinem derzeitigen Dienstort Kalkutta aus als ersten Gesandten seit der Zeit Elisabeths I. (1533–1603) nach Teheran, um mit Schah Fath Ali Schah ein Bündnis abzuschließen. 1796 hatte Paul I. von Russland Georgien, das Persien für sich beanspruchte, von seinen Truppen besetzen lassen und annektiert. Die britische Ostindien-Kompanie ihrerseits sah sich durch Pläne zu einer französisch-russischen Expedition nach Britisch-Indien bedroht.John Holland Rose, Ernest Alfred Benians, Arthur Percival Newton: The Cambridge history of the British Empire. S. 331. Von Madras aus über Hyderabad, Pune und Bombay erreichte Malcolm über Maskat und Buschehr im Jahr 1800 Schiras, Isfahan und schließlich Teheran, wo er im Dezember vom Schah empfangen wurde. 1801 konnte er einen Handels- und Beistandsvertrag abschließen, die erste Allianz zwischen Persien und einem europäischen Staat überhaupt. Die beiden (nie offiziell ratifizierten)J.A.H. in DNB, S. 406 Verträge ermöglichten der Ostindiengesellschaft Handelsansiedlungen (Faktoreien) an der Küste und im Landesinneren und sollten Indien gegen Angriffe Frankreichs und Afghanistans unter Zaman Shah (1770–1844) sichern.Zu den europäisch-persischen Beziehungen zu dieser Zeit siehe Gustav Edmund von Grunebaum (Hrsg.): Der Islam II. Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel. Weltbild, Augsburg 1998 (Weltbild Weltgeschichte Bd. 15, Nachdruck von Fischer Weltgeschichte Bd. 15, Fischer, Frankfurt 1971), Kap.2 Iran und Afghanistan, S. 179–182 Malcolm kehrte im gleichen Jahr über das türkische Bagdad nach Bombay zurück.

Als die afghanische Gefahr durch den Sturz Zaman Shahs (1800) schwand und die französische Bedrohung durch den Frieden von Amiens (1802) abnahm, verlor der Vertrag für die Briten an Wert. Als sich ein Krieg Persiens mit Russland über die Einflusssphären im Kaukasus abzeichnete (Russisch-Persischer Krieg (1804–1813)), verwiesen die Briten auf den Wortlaut des Vertrages, der den Bündnisfall nur bei Konflikten mit Afghanistan und Frankreich vorsah. Die Perser wandten sich daraufhin an Napoleon Bonaparte, mit dem sie 1807 den Vertrag von Finckenstein schlossen.

Zweiter Marathenkrieg, erneut Gesandter in Persien 1802 war Malcolm für Wellesley als Privatsekretär bereits unentbehrlich geworden, er galt als dessen „Faktotum und als größter Mann in Calcutta“J.A.H. in DNB, S. 406; diplomatische Missionen führten ihn nach Bombay sowie nach Hyderabad und Pune, wo er die politische Lage an den Höfen des Nizam und des Marathen-Peshwa sondierte. Als 1802 in Bombay der persische Botschafter Haji Halil Khan bei einer Auseinandersetzung mit Kompaniesoldaten ums Leben kam, veranlasste Malcolm, dass von Buschehr aus eine Gesandtschaft mit einem Entschädigungsgeschenk an den Hof des Schahs geschickt wurde.

In der Zwischenzeit hatte sich der Marathenpeshwa Baji Rao II. im Vertrag von Bassein (1802) auf die Seite der Briten geschlagen. Im daraus entstehenden Zweiten Marathenkrieg (1803–1805) zwischen der Kompanie und den Marathenfürsten Holkar, Sindhia und dem Peshwa nahm Malcolm teil, Durchfallerkrankungen und Fieber setzten ihm jedoch so zu, dass er sich in Bombay auskurieren und seinen Adjutantenposten an der Seite Wellesleys zeitweise an Elphinstone abtreten musste. Er versäumte dadurch die entscheidenden Schlachten von Assaye und Argaum. Beim Friedensschluss 1804 geriet Malcolm durch seinen Einsatz für den geschlagenen Sindhia, dem er seine Hauptfestung und Residenz Gwalior beließ, in Konflikt mit seinem Oberbefehlshaber, Lord Wellesley, dessen Tadel ihn hart traf. Dennoch konnte man auf seine Expertise beim endgültigen Friedensschluss im Jahr 1806 nicht verzichten und zeichnete ihn für seine Verdienste nachträglich aus.

1807 wurde Malcolm nach einem Aufenthalt beim Generalgouverneur in Kalkutta als Resident im Fürstenstaat Mysore eingesetzt. Obwohl die in jeder Hinsicht anstrengenden Missionen der letzten Jahre bei ihm in finanzieller und gesundheitlicher Hinsicht Spuren hinterlassen hatten, heiratete Malcolm im Alter von 38 Jahren (1807) Charlotte, die Tochter des Colonels und späteren Oberkommandierenden der Madras Army, Alexander Campbell. Seinen Plan, eine Militärmission nach Basra anzuführen, verfolgte er weiter. Stattdessen sandte ihn 1808 der neue Generalgouverneur Earl of Minto erneut nach Persien, da man als Folge des Friedens von Tilsit zwischen Russland und Frankreich – wie schon 1803Napoleon hatte 1803 dem savoyardisch-französischen General und Kenner Indiens, Benoît de Boigne, vorgeschlagen, als Oberbefehlshaber einer russisch-französischen Invasionstruppe von Russland aus über Afghanistan in Nordindien einzumarschieren; de Boigne hatte den chimärischen Plan seinerzeit abgelehnt. - Gabrielle Sentis: Un nabab savoyard – le général de Boigne, éd. Didier-Richard, S. 131 – erneut Pläne für eine Invasion Nordindiens durch russisch-französische Truppen befürchtete. Ausgestattet mit einer kleinen Streitmacht von drei Fregatten und 500 Marinesoldaten und Sepoys versuchte er vergeblich, von Bombay aus via Buschehr über Shiras hinaus auch nach Teheran zu gelangen. Fath Ali Schah präferierte jedoch die französische Militärmission unter der Leitung von General Claude Mathieu de Gardane und verwies ihn an den Gouverneur von Fars. Verärgert zog sich Malcolm zurück und schlug Earl of Minto als Warnung Persiens und zur Eindämmung von Frankreichs Einfluss die Besetzung der Golfinsel Charg vor.Farhang Mehr: A colonial legacy. The dispute over the islands of Abu Musa, and the Greater and Lesser Tumbs. Lanham. New York. Oxford 1997, S. 101. 1809 kehrte Malcolm mit leeren Händen nach Bombay zurück.C. U. Aitchison: A Collection of treaties, engagements, and sunnuds, relating to India and neighbouring countries. Vol. 7. O. T. Cutter, Military Orphan Press, Calcutta 1865, S. 93. Ein neuerliche Persiengesandtschaft noch im gleichen Jahr 1809 wurde schon im Anfangsstadium abgebrochen.

mini|Die englische Delegation am Hof von Fath Ali Schah 1808: John Malcolm, Harford Jones und Gore Ouseley.

Militärische Unruhen in Madras Zurück in Kalkutta, wurde er mit der Niederschlagung eines Aufstandes der britischen Offiziere in Machilipatnam in der Präsidentschaft Madras beauftragt, der „white mutiny“, was er durch Verhandlungen erfolgreich, aber zum Unwillen des Gouverneurs von Madras, Barlow, erledigte; dieser wünschte eine strenge Bestrafung der Meuterer, während Malcolm den Konflikt durch Argumente beilegte.John Malcolm, Oberservations on the Disturbances in the Madras Army in 1809. Miller/Murray, London 1812, v. a. S. 94 Digitalisat

Erneute Gesandtschaft nach Persien