mini|200px|Teil des Samerberg-Siedlungsgebiets (untere Bildhälfte) um das Dorf Törwang (unterhalb Bildmitte), von der Hochries aus gesehen

Samerberg ist eine Gemeinde im Landkreis Rosenheim, Regierungsbezirk Oberbayern. Die Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Törwang, einen Gemeindeteil namens Samerberg gibt es nicht.

Geographie Geographische Lage Die Gemeindeteile von Samerberg, einer ländlichen Region des Chiemgauer Voralpenlandes mit einer Reihe von Weilern und Einödhöfen, liegen östlich des Inns und östlich von Neubeuern räumlich weit verstreut auf einem hügeligen Hochplateau, das im Südosten von einer Bergkette, der Hochriesgruppe (von Nordosten nach Südwesten: Heuberg (), Riesenberg (), Hochries (), Karkopf (), Feichteck ()) flankiert wird und im Westen zum Inntal hin abfällt. Die Wohngebiete liegen auf einer Höhe zwischen etwa 600 und ; die größten Orte sind Törwang und Grainbach.

Das Gemeindegebiet, das sich in westöstlicher Richtung über eine Länge von etwa sieben Kilometern erstreckt, grenzt im Süden und Südwesten an Nußdorf am Inn, im Nordwesten an Neubeuern, im Norden an Rohrdorf und im Osten an Frasdorf. Im Südosten grenzt es außerdem an die Gemeinden Aschau im Chiemgau und Erl (Österreich), zu denen aber keine direkten Verbindungsstraßen bestehen.

mini|Aussichtskapelle in Obereck bei Törwang; im Hintergrund links der Simssee, rechts der Chiemsee mini|Fernblick von der Aussichtskapelle über Untereck, im Hintergrund rechts von der Bildmitte der Simssee mini|Streuwiese mit Orchideen am Samerberg

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Samerberg hat 78 Gemeindeteile:

Nachbargemeinden

Natur Der Samerberg besitzt bedeutende Streuwiesen und Quellmoore. Beide bieten Lebensraum für bayernweit hochgradig gefährdete Tier- und Pflanzenarten, beispielsweise verschiedene Orchideen- und Enzianarten, dem Alpen-Fettkraut, den Mehlprimeln und Wollgräsern. Die Quellmoore und Streuwiesen sind ein Teil des Samerberger Tourismuskonzepts, wie zum Beispiel der Naturlehrpfad „Samerberger Filze“ und der Lehrbienenstand.

Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Inschutznahme des Schwarzen Sees und Umgebung als LSG (LSG-00135.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Hochriesgebiet und Hangwälder im Aschauer Tal (8239-371) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Mausohrkolonien im südlichen Landkreis Rosenheim (8037-372)

Einer alten Sage zufolge soll sich in der Niederung westlich von Grainbach, die vom Achenbach durchflossen wird, einmal ein See befunden haben, der sich bis zu den Gemeindeteilen Dorfen im Westen und Schöffau im Süden erstreckte. Aufgrund einer Unterspülung sei der See dann plötzlich über den Steinbach in Richtung Nußdorf am Inn ausgelaufen, wo die abstürzenden Wassermassen beträchtliche Schäden verursacht haben sollen.Sebastian Dachauer, loc. cit., S. 259 ff.

Geschichte Bis zur Gründung der Gemeinden Die Bezeichnung Samerberg geht auf einen wichtigen historischen Erwerbszweig dieser Region zurück: Über den Samerberg führte seit dem Mittelalter ein Saumweg,Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung (Fortsetzung). In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischer Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, Heft 2, 1843, S. 219–270, insbesondere S. 254–260.Morgenblatt für gebildete Leser. Band 42, Nr. 196 vom 16. August 1848, S. 782, rechte Spalte ff.J. J. Lentner, in: Altbayerische Monatsschrift (Historischer Verein von Oberbayern, Hrsg.). Band 13, 1915, S. 13. über den Säumer (bairisch: Samer)Johann Georg Krünitz, Hrsg.: Ökonomisch-technologische Encyclopädie, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, und der Kunstgeschichte in alphabetischer Reihenfolge. 137. Teil, Berlin 1824, S. 677.Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache. Teil IV: S und T. Braunschweig 1810, S. 47.Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen. Band III: von M–Scr. Leipzig 1798, S. 1301, rechte Spalte. auf Saumrossen (Packpferden) Salz aus Berchtesgaden, Traunstein und Reichenhall sowie Getreide, Wein und andere Güter beförderten. In einer lateinischen Schenkungsurkunde der Propstei Berchtesgaden aus dem 12. Jahrhundert heißt der Samerberg Rossoltesperge (etwa ‚Rösselsberg‘).Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte (Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, herausgegeben auf Befehl von Maximilian II., Band 1, München 1856, S. 330).

Der Sammelbegriff Samerberger für die Bewohner dieser Vorgebirgsregion war bereits vor 1800 in Gebrauch.Joseph Hazzi: Statistische Aufschlüsse über das Herzogtum Baiern. Band 1, Nürnberg 1801, S. 311. Um an das historische Gewerbe des Säumers zu erinnern, wurde 1997 im Ortszentrum von Grainbach der sogenannte Samerbrunnen aufgestellt; das Denkmal hat die Gestalt einer hufeisenförmigen Pferdetränke, die aus Kalkstein gehauen und mit einer auf einer Säule thronenden Bronzestatuette eines Säumers mit Samross verziert ist.

Wie aus dem Indiculus Arnonis hervorgeht, hatte der Gemeindeteil Roßholzen, seinerzeit unter dem Namen Hrossulza bekannt, bereits vor dem Jahr 798 eine eigene Kirche.Sebastian Dachauer, loc. cit., Heft 2, S. 260.

Das Gebiet gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Rosenheim des Kurfürstentums Bayern und teilte sich in die Hauptmannschaften Grainbach, Törwang, Steinkirchen und Roßholzen. 1818 wurden aus den früheren Hauptmannschaften Gemeinden im heutigen Sinn.

19. und 20. Jahrhundert Vor der Revolution 1848 unterstanden einige Steuerdistrikte des Landgerichtsbezirks Rosenheim, darunter auch der gesamte Samerberg, dem Patrimonialgericht der Herrschaft Hohenaschau mit Sitz in Prien.Vgl. z. B. Joseph von Obernberg: Das Bayerische Alpengebirge nebst angränzenden Theilen von Tirol und Salzburg. München 1832, S. 189.

Im Jahr 1969 entschieden sich 88 % der Wähler in einer Volksbefragung für eine Gemeinde Samerberg mit Sitz in Törwang. Am 1. Januar 1970 wurde die neue Gemeinde durch den Zusammenschluss der bisher selbstständigen Gemeinden Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang gebildet. Die vier silbernen Rauten im seit 1978 geführten Gemeindewappen stehen für diese ehemaligen Gemeinden und nicht in erster Linie für Bayern.

Der Samerberg lockte in der Vergangenheit Kunstschaffende an. Seit sich 1909 Karl Hermann Müller-Samerberg in Törwang niederließ, haben über 40 weitere Maler an dieser bayerischen Landschaft gemalt.Hans Heyn: Süddeutsche Malerei aus dem bayerischen Hochland, 1980.

Einwohnerentwicklung + Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner Anmerkungen 1824 236 in Grainbach 158 (in 24 Häusern),Adolph von Schaden: Topographisches Handbuch für den Isarkreis im Königreich Bayern. München 1824, S. 149. Törwang 60 (in elf Häusern),v. Schaden, loc. cit., S. 496. Steinkirchen zehn (in einem Haus),v. Schaden, loc. cit., S. 470. Roßholzen acht (in zwei Häusern) Einwohnerv. Schaden, loc. cit., S. 413. 1846 1245 1871 1140 am 1. Dezember 1871, in Grainbach 241 (in 51 Häusern),Königl. bayerisches Statistisches Bureau: Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern - mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875, München 1877, Sp. 243 (online), Törwang 326 (in 68 Häusern),Bayerisches Statistisches Bureau, loc. cit., Sp. 255 (online), Steinkirchen 293 (in 64 Häusern),Bayerisches Statistisches Bureau, loc. cit., Sp. 253 (online), Roßholzen 280 (in 49 Häusern) EinwohnerBayerisches Statistisches Bureau, loc. cit., Sp. 251 (online). 1885 1159 Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins, 1887. 1933 1328 in Grainbach 316, Töwang 405, Steinkirchen 329, Roßholzen 278 Einwohner 1939 1288 in Grainbach 317, Törwang 422, Steinkirchen 305, Roßholzen 244 Einwohner 1988 2018 1991 2177 1995 2319 2005 2618 2010 2670 2015 2811 2018 2814 seit 1988 796 Einwohner mehr, d. h. Zuwachs um 39,4 %.

Kirchspiel Die katholische Bevölkerung des gesamten Samerbergs wurde noch während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Pfarrei Rohrdorf aus seelsorgerisch betreut, bis dann ein Pfarrvikar nach Törwang abgestellt wurde. 1820 machte eine ältere Törwanger Gastwirtin eine Stiftung für den Unterhalt eines zusätzlichen Hilfspriesters.S. Sebastian Dachauer, loc. cit., S. 256. Törwang blieb weiterhin ein Expositurort von Rohrdorf. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Pfarramt Törwang mit den vier Filialen Törwang, Grainbach, Roßholzen (vormals Schilding) und Steinkirchen für insgesamt 81 Nebenorte auf dem Samerberg zuständig.Der Wittwen- und Weisenfreund – eine pädagogische Zeitschrift. Band 23, München 1846, 195. Das Pfarramt Törwang gehört heute zum Pfarrverband Rohrdorf.

Ehemalige Priester Vikare Johann Pichler 1572–1611 Martin Strein 1674–1678 Georg Katzmayr 1687–1714 Johann Murböck 1720–1723 Josef Niedermeier 1730–1743 Christoph Gmachl 1764–1766 Stephan Kirchbichler 1777–1801 Silvester Spitzer 1829–1830 Pfarrer Josef Dürnegger 1901–1952 H. H. Felix Scheurmann 1952–1965 Alfons Vordermayer 1966–1973 Georg Blabsreiter 1974–1997Pfarrer mit Leib und Seele. heimatzeitung.de, Artikel vom 3. Juli 2010. Abgerufen am 29. Oktober 2013.

Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahl 2020 erbrachte folgende Sitzverteilung:

Überparteiliche Wählergruppe (ÜPW): 5 Sitze CSU/Bürgerliste: 4 Sitze Zukunft Samerberg: 3 Sitze Bürger für Samerberg: 2 Sitze

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Törwang Kirche Sankt Bartholomäus in Roßholzen Kirche Sankt Ägidius und Nikolaus in Grainbach Kirche Sankt Peter in Steinkirchen Hochriesbahn (Seilbahn) in Grainbach zum Hochriesgipfel

Sportanlagen Der größte Sportverein der Gemeinde ist der WSV Samerberg e. V. (Wintersportverein Samerberg) mit einer Abteilung für alpines Skifahren, Skilanglauf und Rodeln sowie weitere Abteilungen für Fußball und Tennis. Die Tennisabteilung verfügt über eine Tennisanlage mit Clubhaus und vier Sandplätzen. Die Tennisplätze können von Nichtmitgliedern angemietet werden. Im Winter werden auf dem weitläufigen Gemeindegebiet bei ausreichenden Schneeverhältnissen ausgedehnte Loipen präpariert.

Weithin sichtbare Aktivitäten entfaltet während der wärmeren Jahreszeit der GSC Hochries Samerberg e. V. (Gleitschirmclub Hochries Samerberg). Auf dem Gipfel der Hochries stehen Startrampen für Drachenflieger zur Verfügung; als Landeplätze für Drachenflieger und Gleitschirmflieger dienen große Wiesen bei Grainbach am Fuße der Hochries. Flugschüler werden von einer Flugschule ausgebildet, die ihr Schulgebäude in Grainbach gegenüber der Talstation des Sessellifts der Hochriesbahn hat.

Seit Frühjahr 2011 steht Mountainbike-Geländefahrern unterhalb der Mittelstation der Hochries ein offizieller Bikepark mit einer kurvenreichen Downhill-Geländepiste zur Verfügung. Die Sportfahrräder können mit dem Sessellift bis zur Mittelstation der Hochriesbahn mitgenommen werden, wo die Abfahrtsrennstrecke ihren Ausgangspunkt hat.

Regelmäßige Veranstaltungen Am dritten Adventssonntag findet die traditionelle Dorfweihnacht in Törwang auf dem Dorfplatz statt. Nach Weihnachten veranstaltet der Trachtenverein Grainbach regelmäßig Bauerntheater im Festsaal des Gasthofs Maurer in Grainbach. Waldfest am Parkstüberl (an der Talstation der Hochriesbahn) Waldfest im Buchenwald (bei Törwang) Dorfplatzfest des Burschenvereins Dorffest der Gebirgsschützen und der Fußballabteilung des WSV Samerberg in Törwang Dorffest Grainbach der Freiwilligen Feuerwehr Grainbach Bauerntheater des Trachtenvereins Roßholzen beim Badwirt in Roßholzen Ball der Vereine im Fasching (wechselweise beim Badwirt in Roßholzen und im Gasthof Maurer, Grainbach)

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr