mini|Die Volksbadewanne der Kraußwerke Als Volksbadewanne wurde eine blecherne Badewanne bezeichnet, die der Klempner Karl Louis Krauß ab Ende des 19. Jahrhunderts in großen Stückzahlen produzierte.

Geschichte Ab 1887 stellte Karl Louis Krauß in seiner Klempnerei in Neuwelt (Schwarzenberg) Geräte für den häuslichen Gebrauch her.Script zur Sonderausstellung im Schlossmuseum Schwarzenberg Ein Jahrhundert Waschgeräte aus Schwarzenberg vom 20. Oktober-19. November 1995. Inspiriert durch die Wellenbadeschaukel des Klempners Carl Dittmann in BerlinPatentschrift 51766, Deutsches Reich, 29. Oktober 1889. begann er in den 1890er Jahren eigene Badewannen aus feuerverzinktem Blech zu entwickeln, die besonders den Anforderungen der einfacheren Bevölkerungsschichten genügten.Produktprospekt Bade-Apparate System Krauß um 1900. Sie sollten in großen Stückzahlen zu einem erschwinglichen Preis herstellbar, leicht zu transportieren und für beengte Räumlichkeiten geeignet sein. Ein Werbespruch aus damaliger Zeit, „Jedem Deutschen wöchentlich sein Bad“, verdeutlicht, dass Krauß durch seine Entwicklung auch bewusst einen neuen Abschnitt in der Volkshygiene für die einfachen Leute einleitete.Karl Louis Krauß. Ab 1910 wurden diese Badewannen nach ihrer BauartLouis Krauß: Broschüre Metallwarenfabrik in Schwarzenberg (Erzgebirge) zum 25-jährigen Bestehen der Firma, April 1912. bezeichnet. Neben anderen Blechprodukten und Waschmaschinen war die Volksbadewanne bis 1945 ein bekanntes Produkt der Kraußwerke in Schwarzenberg.

Im 19. Jahrhundert stellten Ärzte, Wissenschaftler und Politiker zur Vermeidung der Übertragung von Krankheiten das Händewaschen und das Baden des gesamten Körpers in den Mittelpunkt der Körperhygiene.Die Hygiene im Laufe der Zeitgeschichte. Ab dem 19. Jahrhundert wurden neben den Holzbottichen und den Holzbadewannen auch Badewannen aus Kupferblech, Weißblech und seit ca. 1840 auch aus feuerverzinktem Stahlblech hergestellt. Typisch für Bäder waren schwere Wannen aus emailliertem Gusseisen. Auch diese Wannen konnten industriell in größeren Stückzahlen produziert werden. Der Verkaufspreis lag aber weit über dem einer Blechbadewanne. Sie erforderten einen festen Platz und konnten nicht leicht transportiert werden..

Blechbadewannen wurden zunächst vorwiegend in Handarbeit von Blechnern, Kupferschmieden oder Gürtlern gefertigt. Dazu wurden die Abwicklungen der Einzelteile aus Blech ausgeschnitten. Die Einzelteile wurden in Form gebracht und dann durch Löten, Falzen, Nieten, nach 1840 im Falle von Stahlblech auch durch Autogenschweißen und nach 1900 auch durch Elektroschweißen zusammengefügt. Die kompletten Stahlteile gelangten dann zum Beizen und Badverzinken.

Die Kupferbadewannen waren damals die teuersten im Sortiment. Sie standen meist in den Badezimmern wohlhabender Familien und waren dort fest installiert.

mini|Sitzbadewanne mit Kohlefeuerung Für die Versorgung der Badewannen mit heißem Wasser nutzte man zur damaligen Zeit teilweise schon Badeöfen. So sind Kohlebadeöfen um 1880 bekannt, die über Rohrleitungen mit der Badewanne verbunden waren und das Wasser nach dem Zirkulationsprinzip erwärmten.Patentschrift 18467, Deutsches Reich, 9. Dezember 1881. Auch Gasheizungen, die direkt unter der Badewanne angeordnet waren, dienten um 1890 zur Badewassererwärmung. Eine Kuriosität der Wassererwärmung aus dem Jahre 1890 ist eine Sitzbadewanne mit integrierter Kohleheizung.

Die Badeöfen mit senkrecht stehenden, schlanken und drucklosen Behältern und Unterfeuerung wurden schon um 1890 erfunden. Diese Badeöfen waren entweder mit einer Kohlefeuerung oder mit einem Gasbrenner ausgerüstet. Diese Art der Badeöfen wird in verbesserter Ausführung noch bis heute produziert.Badeofen. Vorteilhaft war diese Entwicklung zunächst nur für wohlhabendere Bevölkerungsschichten. An der breiten Masse der Bevölkerung ging die Entwicklung weitgehend vorbei. Auch die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts für die ärmeren Schichten der Bevölkerung eingerichteten Badestuben (Volksbäder) konnten den Missstand nicht grundlegend beheben, denn ein Großteil der Menschen, vor allem auf dem Lande und in den Kleinstädten, hatten finanziell oder wegen der Entfernung nicht die Möglichkeit, die öffentlichen Badeanstalten zu besuchen.Auftraggeber F.E. Krauß: Das blaue Badewannebuch, Feldhaus und Friedrich, 11. Privatdruck. Der Eintritt in eine Badeanstalt kostete oft das Dreifache des Tagesverdienstes eines Arbeiters.

Bis hinein in die 1920er Jahre gab es somit für weite Teile der Bevölkerung wenig Möglichkeiten für ein regelmäßiges wöchentliches Bad. Die Entwicklung und Massenfertigung der Volksbadewanne trugen dazu bei, dies zu verbessern.

Die Volksbadewanne der Kraußwerke Ende des 19. Jahrhunderts wurden sogenannte Wellenbadeschaukeln bereits in relativ großen Stückzahlen hergestellt. Hauptproduzent war die Firma für Badeapparate „Moosdorf & Hochhäuser“ in Berlin. Der Erfinder der Wellenbadeschaukel war der Klempner Carl Dittmann. Karl Louis Krauß erkannte das Potential dieses Produkts für seinen Betrieb. Er entwickelte und produzierte ebenfalls eine Wellenbadeschaukel, die er als „Triumph-Wiegenbad-Schaukel“ vermarktete. Die Triumph-Wiegenbad-Schaukel war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Volksbadewanne.

Die Wellenbadeschaukel des Klempners Carl Dittmann mini|Wellenbadeschaukel des Klempners Carl Dittmann Der Klempner Carl Dittmann aus Berlin konstruierte 1889 eine Badewanne mit gewölbtem Boden.Arbeitskreis Bild, Druck, Papier: Tagungsband 2000, Ute Protte: Die Wellenbadeschaukel ein Reklamefeldzug um 1900. Der gewölbte Boden ermöglichte es dem Badenden, die Wanne in Schaukelbewegungen zu bringen und auf diese Weise Wellen selbst zu erzeugen. Er ließ die Wellenbadeschaukel mit einem Patent schützen.Patentschrift 51766, Deutsches Reich, 29. Oktober 1889. 1894 verkaufte er das Patent an die Firma für Badeapparate „Moosdorf & Hochhäusler“. Sie produzierte und verkaufte eine große Stückzahl von dieser Wellenbadeschaukel. Der Preis lag je nach Größe zwischen 42 und 48 Mark. Die Badewanne bestand aus feuerverzinktem Blech mit relativ geringem Gewicht und war somit auch leicht zu transportieren.

Der Boden verläuft von einem geraden Teil (1) in ein gekrümmtes Teil (2). Der Querschnitt der Badewanne ist trapezförmig gestaltet, d. h. die Seiten (3) der Badewanne sind nach innen geneigt, sodass ein Herausspritzen von Wasser (4) während der Schaukelbewegungen gemindert wird. Die Einstiegsöffnung ist mit einem gerollten Wulst (5) versehen. Durch Anziehen und Strecken der Beine erfolgt eine Schwerpunktverlagerung des Badenden und die Badewanne wird in Schaukelbewegung versetzt, sodass das Wasser auf diese Weise wellenartig über den Badenden strömt.

Von der Wellenbadeschaukel zur Volksbadewanne mini|Werbeanzeige für die Triumph-Wiegenbad-Schaukel Sechs Jahre nach der Wellenbadeschaukel von Carl Dittmann entwickelte auch Louis Krauß in seiner Klempnerwerkstatt in Neuwelt (Schwarzenberg) ein eigenes Modell. Die Wellenbadeschaukel mit Schaukelbewegungen längs des Körpers war patentrechtlich von Carl Dittmann geschützt. Seine Lösung hatte den Nachteil, dass „der Körper des Badenden nur in gekrümmter bzw. sitzender Lage Aufnahme finden kann und eine Bewegung der Wanne zwecks Umspülung des Körpers mit Wasser nur unter Gebrauch der Arme und Beine (durch Strecken und Wiederanziehen) unter bedeutender Anstrengung möglich“ war.Patentschrift 86351, Deutsches Reich, 19. April 1895. Auf Grund dieses Nachteils entwickelte Louis Krauß eine neue Lösung der Wellenbadeschaukel, bei der die Wellen quer zur Längsachse des Körpers verlaufen. Diese Lösung ließ Louis Krauß mit Patent-Nr. 86351 vom 19. April 1895 im Deutschen Reich und mit Patent-Nr. 10477 vom 26. Juni 1895 in der Schweiz schützen. Er bezeichnete seine Wellenbadeschaukel als „Triumph-Wiegenbad-Schaukel“. Die Wanne ist so ausgebildet, dass der Badende bequem Platz in der Wanne findet.

Durch einen wechselseitigen Druck der Schultern, die an der Wannenrundung anliegen, kommt die Wanne in die gewünschte Schaukelbewegung. Das Wasser überspült wechselseitig und wellenartig den gesamten Körper. Die Arme liegen bequem am Körper an. Bei Benutzung der Wanne als Vollbadewanne und ohne die Schaukelbewegung können vier Standfüße ausgelenkt werden, die dann der Wanne einen festen Halt geben. Wird die Badewanne als Schaukelbadewanne genutzt, so werden die Füße hochgeklappt. Die Wanne ist leicht und dadurch bequem zu transportieren. Sie kann hochkant an der Wand aufgehängt oder auf dem Boden senkrecht abgestellt werden, sodass wenig Platz benötigt wird. Die Wanne konnte auch als Dampf- und Schwitzbad genutzt werden. Dabei wurde die Wanne mit einer Plane mit einer Öffnung für den Kopf verschlossen. Die Wanne ist über einen Schlauch mit einem Dampferzeuger verbunden.Patentschrift 86351, Deutsches Reich, 19. April 1895.

Das Entscheidende dieser Entwicklung war aber, dass die Wanne auch für ein Vollbad ohne Schaukelbewegungen genutzt werden konnte. Dabei sicherten die ausklappbaren Füße einen festen Stand der Wanne.Patentschrift 86351, Deutsches Reich, 19. April 1895. Die von Louis Krauß 1895 entwickelte Schaukelbadewanne unterschied sich zur damaligen Zeit durch ihre Geometrie von allen anderen bisher bekannten Badewannen. Die ursprünglich als Schaukelbadewanne konzipierte Lösung wurde auf Grund der raffinierten Geometrie und technologischen Auslegung schon um 1910 von ca. zehn Firmen als „normale“ Badewanne nachgebaut.Louis Krauß: Broschüre Metallwarenfabrik in Schwarzenberg (Erzgebirge) zum 25-jährigen Bestehen der Firma. Diese von Louis Krauß 1895 entwickelte Schaukelbadewanne (Patent-Nr. 86351) wurde in den kommenden Jahren als „normale“ Badewanne stetig weiterentwickelt und ab 1910 als Volksbadewanne bezeichnet. Bei der Volksbadewanne wurden die Aufstellfüße der Badewanne starr angeordnet. Die Badewannenproduktion musste auf Grund eines Patentstreites von 1898 bis 1903 eingestellt werden.Louis Krauß: Broschüre Metallwarenfabrik in Schwarzenberg (Erzgebirge) zum 25-jährigen Bestehen der Firma. Die Wiederaufnahme der Produktion im Jahre 1904 erfolgte in einem neu errichteten Betrieb in Schwarzenberg. Dieser Betrieb wurde in den folgenden Jahren erweitert und firmierte ab 1922 als Kraußwerke. Die Produktionsstückzahl der Badewannen stieg stetig an und so wurden nach 1925 von dieser Volksbadewanne täglich bis zu 1000 Stück produziert.

Einige grundlegende Merkmale trugen zum Erfolg der Volksbadewanne entscheidend bei: Die konische Form, die von einem liegenden Körper abgeleitet wurde (am Oberkörper breit, am Fußende schmal). Damit wird trotz Vollbad weniger Wasser als bei den herkömmlichen Wannen benötigt. Der halbrunde Querschnitt ermöglicht eine einfache Fertigung des Wannenrumpfes. Das schräggestellte Kopfstück sorgt für eine bequeme Lage von Oberkörper und Kopf. Der senkrechte Abschluss am Fußende gestattet ein senkrechtes und damit platzsparendes Abstellen der Wanne. Die feuerverzinkte Blechkonstruktion. Sie lässt sich preisgünstig fertigen, sodass sie auch für breite Schichten des Volkes bezahlbar ist. Blechkonstruktionen sind relativ leicht und demnach gut zu tragen.

Die Verzinkerei der Kraußwerke