Das Kaliwerk Vereinigte Ernsthall war eine Schachtanlage mit angeschlossener Kalifabrik der „Mansfeldschen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft“ unweit der Ortschaft Wansleben am See im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Der einst nördlich von Wansleben gelegene Salzige See, dessen Wasser eine permanente Gefahr für die Grubenbaue des Mansfelder Kupferschieferbergbaus darstellte, wurde 1894 trockengelegt. Eine im Seerandgebiet geteufte Erkundungsbohrung wies 1896 ein ca. 35 m mächtiges Kalilager nach.

Geologische und hydrogeologische Lagerstättenverhältnisse Geologische und lagerstättenwirtschaftliche Situation mini|Die vom Schacht Ernsthall durchteuften Gesteinsschichten mini|Die vom Schacht Neu-Mansfeld durchteuften Gesteinsschichten Die Grubenfelder von Neu-Mansfeld und Ernsthall liegen an der NE- bzw. SW-Flanke des von Delitz über Teutschenthal in Richtung Eisleben verlaufenden Teutschenthaler Sattels. Östlich von Wansleben ist der Teutschenthaler Sattel noch als konformer Salzsattel vorhanden; im Bereich westlich von Wansleben ist dagegen – infolge der Heraushebung der Sattelachse in nordwestlicher Richtung – der Sattelkopf abgelaugt worden. Die Baufelder der beiden Schächte grenzen dicht an das so entstandene Auslaugungsgebiet, die sogenannte Eisleber Niederung an. Der Ostrand der Auslaugungssenke (identisch mit dem Ostufer des ehemaligen Salzigen Sees) folgt dem umlaufenden Streichen des Kalilagers und ist auch morphologisch deutlich erkennbar. Der Salzspiegel wird bei einer Teufe von −150 m NN angenommen. Das gesamte Auslaugungsgebiet ist durch stärkere Senkungs- und Erdfalltätigkeit gekennzeichnet. Nordwestlich der Grubenfelder Ernsthall/Neu-Mansfeld wird der Teutschenthaler Sattel von der WSW-ENE verlaufenden Hornburger Tiefenstörung durchquert, die u. a. die große Queraufsattelung des sog. Salzke-Sattels verursacht. Im Bereich der Schachtanlagen Ernsthall/Neu-Mansfeld bzw. deren näheren Umgebung wurden um die Jahrhundertwende einige Erkundungsbohrungen niedergebracht, die teils im Bereich des konformen Salzsattels, teils im bereits abgelaugtem Gebiet stehen.

Geologische Verhältnisse der Schachtanlage Ernsthall Der Schacht selbst wurde etwa im Bereich der Sattelachse des Teutschenthaler Sattels niedergebracht. Von hier aus erfolgte der Aufschluss der Baufelder in Richtung Norden und Westen bis auf eine Entfernung von rund 200–300 m an den Bereich des Salzspiegels heran. Nach dem Schachtprofil und den Ergebnissen der untertägigen Bohrungen war das Normalprofil des Zechsteins bis zum Roten Salzton vollständig entwickelt. Das Einfallen der Schichten lag im Nordfeld bei durchschnittlich 30° Ost, im Westfeld bei 25° Süd. Die Mächtigkeit des Kalilagers schwankte zwischen 10–12 m im Nordfeld und 15–20 m im Westfeld. Bemerkenswert waren die (durch fließtektonische Vorgänge im Gefolge der Hornburger Tiefenstörung bedingten) Lagerverdopplungen, wie sie auch im Schachtprofil angetroffen wurden. Die Mächtigkeit des oberen Lagers erreichte hierbei allerdings nur Werte von 3–4 m; der K2O-Gehalt des oberen Lagers wird mit 12,6 % angegeben.

Eine Analyse des gewinnbaren Salzes des unteren (Haupt-)Lagers aus dem Jahre 1902 weist 13,5 % KCl, 27,3 % NaCl, 14,0 % MgSO4, 2,8 % CaSO4, 18,3 % MgCl2 und 24,1 % H2O nach. Spätere Proben (vornehmlich Hackproben) weisen dagegen K2O-Gehalte zwischen 9,7 und 12,1 % auf. Im Allgemeinen war das Carnallitgestein meist als graugefärbter kieseritischer Trümmercarnallit entwickelt. Der Steinsalzgehalt wurde als gering eingeschätzt. Tachhydritvorkommen sind nur im Bereich der Verbindungsstrecke zwischen den Schächten Ernsthall und Neu-Mansfeld im mittleren Lagerteil beobachtet worden.

Geologische Verhältnisse der Schachtanlage Neu-Mansfeld Der Schacht wurde auf der NE-Flanke des Teutschenthaler Sattels abgeteuft. Im Schachtprofil sind oberhalb des Hauptanhydrits nur noch die Auslaugungsreste des Zechstein 3 und 4 angetroffen worden. Das Grubenfeld wurde etwa im Streichen der Lagerstätte angelegt und entwickelte sich in Richtung NW und SE. Das Kalilager ist überwiegend als graugefärbter kieseritischer Trümmercarnallit entwickelt, lediglich im Nordfeld wurde auch rotgefärbter Carnallit angetroffen. Aus älteren Unterlagen geht hervor, dass im Südfeld daneben ein „sylvinreiches opalisierendes Carnallitgestein“ mit einem K2O-Gehalt von 20 % in Form einer Linse am Liegenden des Lagers beobachtet wurde.

Im übrigen Baufeld lag der K2O-Gehalt des Carnallitits bei durchschnittlich 10 %. Die Durchschnittsmächtigkeit betrug rd. 15 m. Tachhydrit trat ebenso wie in der Schachtanlage Ernsthall nur im mittleren Lagerteil auf. Das Grubenfeld von Neu-Mansfeld ist durch das Auftreten verschiedener tektonischer Störungszonen gekennzeichnet. Als Fließerscheinungen der an den Eckpunkten der Hornburger Tiefenstörung aufgestiegenen „Salzbeule“ wurden schuppenartige Verdopplungen des Kalilagers mehrfach angetroffen. So liegt u. a. im Bereich der 280-m-Sohle unmittelbar über dem unteren Kalilager das Liniensalz (Na3) auf, ihm folgt eine nur einen Meter mächtige Kieseritregion, die von einem zweiten geringmächtigem Kalilager überlagert wird. Auch am NW-Ende der 400-m-Sohle liegt infolge tektonischer Verpressung des Hauptanhydrits und des Grauen Salztones das Liniensalz direkt auf dem Kalilager auf. Ebenfalls im NW-Feld tritt am Hangenden des Kalilagers ein Hartsalzvorkommen auf.

Hydrogeologische Verhältnisse Die hydrogeolog. Verhältnisse im Gebiet der Schachtanlagen Ernsthall/Neu-Mansfeld werden durch die in der näheren Umgebung umgehende Auslaugung sowie durch die Tätigkeit des Kupferschiefer- und Braunkohlenbergbaus z. T. beeinflusst. In der Auslaugungssenke der Eisleber Niederung existieren gegenwärtig außer dem Süßen See noch der in der Nähe der Schachtanlage Neu-Mansfeld gelegene Kerner See und der weiter westlich gelegene Binder See. Letztere sind die Reste des Salzigen Sees.

Zur allgemeinen hydrogeologischen Einschätzung der in der Umgebung der beiden Schächte anstehenden bzw. durchteuften und durchbohrten Schichten ist folgendes zu bemerken:

Känozoikum: allgemein geringe Wasserführung infolge geringer Niederschlagsmengen und kleinem Einzugsgebiet. Oberer Buntsandstein: Wasserführung hauptsächlich in den Dolomit- und Gipshorizonten des Röt. Mittlerer Buntsandstein: wichtigster Grundwasserleiter. Unterer Buntsandstein: porenarme wasserundurchlässige Gesteine, Grundwasserleiter hauptsächlich Rogensteinhorizonte. Zechstein: starke Wasserführung. Bildung von unterirdischen Lösungsflächen (Salzspiegel) und Hohlräumen.

Die früher in der Eislebener Niederung bekannten Solequellen gingen nach dem Wassereinbruch in die Grubenbaue des Mansfelder Kupferschieferbergbaus von 1889 zurück. Zu erwähnen sind im Zusammenhang mit den Auslaugungserscheinungen die Deformationen der Oberfläche in Form von Erdfällen und ausgedehnten Senkungsmulden. Erstere konzentrieren sich – in Abhängigkeit vom Verlauf der Hornburger Tiefenstörung – besonders im Raum Rollsdorf. Ein direkter Zusammenhang bzw. eine Verbindung zwischen dem Erdfallgebiet Rollsdorf und der nahegelegenen Schachtanlage Neu-Mansfeld konnte bis zur Verfüllung der Schachtröhre nicht festgestellt werden.

Geschichte

Am 1. März 1898 begann man mit dem Abteufen des Schachtes „Ernsthall“ – in älteren Unterlagen auch als „Georgi-Schacht“ (benannt nach Otto Georgi) bezeichnet. Der Schachtansatzpunkt – unmittelbar am Ostrand der Ortslage Wansleben und ca. 100 m südlich der Bahnlinie Halle-Eisleben gelegen – befand sich im Bereich einer Ziegelei (vormals Henkel & Co.), die im Jahr 1898 von der Mansfeldschen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft gekauft wurde. Sie führte neben den Schachtbauarbeiten auch die Ziegelei auf eigene Rechnung fort.

1910 erfolgte das Abteufen eines zweiten Schachtes. Dieser „Schacht Neu-Mansfeld“ (die Schreibweise ist auch oftmals Neumansfeld) – wurde ca. 1,5 km nördlich der Ortslage Wansleben, am Ostrand des ehemaligen Salzigen See‘s, abgeteuft. Teile des Grubenfeldes „Ernsthall“ liegen südlich und nördlich der Bahnlinie und innerhalb der Ortslage. Das Hauptfeld der Grubenbaue befindet sich östlich der Ortslage. Unterhalb der Bahnlinie wurde in einem Streifen von ca. 40 m Breite kein Abbau betrieben. Dieser stehengelassene Sicherheitspfeiler wurde mit Strecken, die mit Ausbau versehen waren, mehrfach durchörtert. Nach Abteufen des Schachtes Neu-Mansfeld erfolgte auf der 302-m-Sohle eine Verbindung zum Schacht Georgi.

mini|links|Lage der Schächte Georgi (Ernshall) und Neu-Mansfeld mini|Lageplan des Kaliwerkes „Vereinigte Ernsthall“ und die Berechtsame der ehemaligen „Mansfeldschen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft“

+ Übersicht: Schachtanlagen Ernsthall (Georgi) / Neu-Mansfeld Detail Schacht Ernsthall (Georgi) Schacht Neu-Mansfeld Abteufzeitraum 1898 1910 Ein- oder Ausziehschacht ausziehend einziehend Schachtdurchmesser 6,00 m 4,25 m Schachthöhenlage über NN 108,50 m 86,45 m Schachtteufe 400,0 m 415,6 m Sohlenteufe 1. Sohle 302,0 m. 2. Sohle 385,0 m 1. Sohle 285,0 m. 2. Sohle 400,0 m

Schachtabteufen/Schachtausbau

Mit dem Abteufen des Schachtes Ernsthall (Georgi) wurde am 1. März 1898 begonnen; am 27. März 1900 wurde das jüngere Steinsalz erreicht. Das Ausrichten des Grubenfeldes und der Beginn der Kalisalzförderung erfolgte im Jahr 1901. Die Gesamtteufe des Schachtes beträgt 400 m. Die Ackersohle liegt bei . Der Schachtmantel wurde gemauert und nur im Abschnitt zwischen 105 m und 215 m Teufe mit Tübbingausbau versehen. Der offene Durchmesser des Schachtes beträgt 6,0 m. Im Schacht Neu-Mansfeld begannen am 1. September 1910 die Teufarbeiten. Der Schacht wurde im Jahre 1911 von der 302-m-Sohle (Verbindungsstrecke Schacht Ernsthall) aus angefahren (Füllort der 280-m-Sohle). Die weiteren Abteufarbeiten bis zur Gesamtteufe von 415,6 m wurden dann vom Füllort in 280 m Teufe aus betrieben. Beim Teufen anfallende Bergemassen wurden in das Grubenfeld Ernsthall abgefördert und versetzt. Im Jahre 1912 begann die Ausrichtung des Abbaufeldes auf der 400-m-Sohle im Carnallititlager. Der Ausbau des Schachtes besteht durchweg aus Mauerwerk; der offene Querschnitt hat einen Durchmesser von 4,25 m.

Das Einfallen des Kalilagers ist unterschiedlich und liegt etwa zwischen 25 und 30°. Die abgebauten Lagerstättenteile bestanden aus Hartsalz und Carnallitit. Der überwiegende Förderanteil stammte vermutlich aus dem Carnallititlagerteil. Die untertägigen Grubenräume beider Anlagen sind auf der 302-m-Sohle (280-m-Sohle) verbunden. Weitere Verbindungen zu anderen Grubenbauen bestehen nicht. Zwischen den Baufeldern Ernsthall und Teutschenthal steht ein bergmännisch unverritzter Lagerstättenteil von rund 1.000 m Breite an. Das in steiler Lagerung angetroffene Kaliflöz wurde im Kammerpfeilerbau mit Teilsohlenförderung oder etagenweiser Förderung abgebaut (s. Abbildung links). Von der Hauptsohle aus wurde die Unterfahrung in voller Abbaubreite hergestellt. Nach der Gewinnung und Abförderung der Flachen First wurde die Hohe First bis in Firsthöhe der ersten Etagenstrecke gedrückt (zu Bruch gesprengt) und abgefördert. Vor Gewinnung des nächsten Teilabschnittes der Steilkammer wurde der nun offene Hohlraum bis zur Sohle der ersten Etagenstrecke versetzt. Der Gewinnungs- und Fördervorgang wiederholte sich in der bereits erwähnten Form. Bei geringerem seigerem Abstand der Etagenstrecken entfiel die Gewinnung der Flachen First.

Das Abbaufeld des Schachtes „Ernsthall“ mini|Prinzip-Skizze einer Teilsohlen- bzw. etagenweisen Förderung bei steiler Lagerung des Salinars mit Erläuterung der Gestellförderung in einem Flachen Dieses Abbaufeld lässt sich in 4 Baugruppen unterteilen:

Baugruppe nördlich des Schachtes Sie umfasst die Abbaue I–XXX (Abbaubeginn 1901, Restversatz bis 1926).