100px|rechts|Wappen der Stadt Avignon mini|hochkant=1.2|Blick auf den Papstpalast, etwa 1617(nach einer Zeichnung von Étienne Martellange) mini|hochkant=1.2|Stadtgebiet um 1649(aus dem Atlas van Loon)
Die Geschichte der Stadt Avignon umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Avignon von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie reicht bis ins Neolithikum zurück. Auf dem steilen Felshügel Rocher des Doms, der als natürlicher Schutzwall diente und vor regelmäßigen Hochwassern der Rhone schützte, entstand in der Antike eine erste keltoligurische Siedlung. Dank der strategisch günstigen Lage am Zusammenfluss von Rhône und Durance gründeten Griechen wenig später einen Handelsstützpunkt namens Avenio. Im Mittelalter stieg Avignon zu einer wichtigen Stadt im Königreich Provence auf. Das vierzehnte Jahrhundert war von besonders hoher Bedeutung, da sich die Päpste für das Exil entschieden und ihren Sitz nach Avignon verlegten. Nach dem Weggang der Päpste blieben die Stadt und die benachbarte Grafschaft Venaissin für viele Jahrhunderte unter Verwaltung eines päpstlichen Gesandten. Während der Französischen Revolution wurde Avignon zur Hauptstadt des Départements Vaucluse.
Toponymie Namensherkunft Die ältesten Formen des NamensCharles Rostaing: Essai sur la toponymie de la Provence, depuis les origines jusqu'aux invasions barbares, Éd. Jeanne Laffitte, 1994, S. 30. sind durch die Griechen überliefert: (Stephanos von Byzanz; Strabon 4,1,11), (Ptolemaios 2,10). Die römische Bezeichnung Avennĭo Cavarum (Pomponius Mela 2,575, Plinius der Ältere 3,36), übersetzt „Avignon der Kavaren“, macht deutlich, dass Avignon eine von drei Städten des kelto-ligurischen Volksstammes der Kavaren war, zusammen mit Cavaillon und Orange.
Die heutige Toponymie des Namens geht auf eine vor-indoeuropäische Übersetzung ab-ên gefolgt von der Endung -i-ōn(e)Albert Dauzat, Charles Rostaing: Dictionnaire étymologique des noms de lieux en France, Éd. Larousse, 1968, S. 1689. zurück. Diese Übersetzung wäre ein Hydronym und ein Oronym, also eine Bezeichnung für einen Ort, der an einem Fluss liegt (Rhône), oder möglicherweise auch an einem Gelände (Rocher-des-Doms).
Das griechische Auenion wurde im ersten Jahrhundert als Avennĭo (oder Avēnĭo), -ōnis latinisiert, um sich dann im klassisch Okzitanischem als AvinhonRobert Bourret: Dictionnaire Français-Occitan, Éd. Lacour, Nîmes, 1999, S. 59. zu schreiben, oder Avignoun in der mistralischen Schreibung.Xavier de Fourvière: Lou Pichot tresor, Éd. Auberon, 2000, S. 62. Die Einwohner nennen sich auf Okzitanisch oder Provenzalisch avinhonencs oder avignounen.
Präpositionsstreit In Frankreich gibt es eine Kontroverse, ob man den Ausdruck „in Avignon“ mit „à Avignon“ oder „en Avignon“ übersetzt. Normalerweise wird im Französischen für Städte die Präposition à benutzt, en hingegen nur für weibliche Ländernamen („en France“) oder Länder, die mit einem Vokal beginnen („en Iran“).Langenscheidt Premium Schulwörterbuch Französisch, 2009, S. 1045. Die Internetseite der Stadt von Avignon empfiehlt die Verwendung von à, wenn man von der Stadt im strengeren Sinne spricht.Internetseite der Stadt von Avignon Die Formulierung „en Avignon“, wenn sie es auch erlaubt einen etwas unstimmigen Hiatus zu vermeiden, ist dennoch inkorrekt, wenn sie auf die Stadt innerhalb ihrer Gemeindegrenzen angewendet wird. Ihr Gebrauch erinnert in diesem Fall an eine Unkenntnis oder eine Pedanterie, die sich manchmal auf Nostalgien des Ancien Régime stützt.…Die angemessene Formulierung ist „à Avignon“, wenn man von der Stadt stricto sensu spricht, so wie man es bei „à Aix“, „à Albi“ oder „à Amboise“ macht.
Einige behaupten gleichzeitig, dass es eine Konvention in der französischen Sprache geben würde Im Abschnitt - „Noms géographiques et leurs articles“ -: Man kann nicht die Redewendungen „en Arles“ und „en Avignon“ verurteilen, die gut durch die besten Autoren belegt sind, und die sich zugleich als Archaismen (Die Benutzung von en anstelle von à vor den Namen von Städten, vor allem vor einem Vokal stehend, war in der klassischen Epoche stark verbreitet) und als provenzalische Regionalismen erklären lassen. Es scheint indessen, dass der Gebrauch im Rückgang ist., die es einem erlaubt eine Örtlichkeit innerhalb von Avignon mit en anstelle von à zu bezeichnen und auch die Académie française lehnt diese Verwendung nicht grundsätzlich ab.
Für die Herkunft von en gibt es zwei Erklärungen: Linguistik und Literatur: Die okzitanische Sprache lässt keine Lücke zwischen zwei Vokalen zu.Guy Martin, Bernard Moulin: Grammaire provençale et cartes linguistiques, Éd. Comitat d'estudis occitans C.R.E.O.-Provença, Diffusion Edisud, 1998. Deshalb spricht man im Provenzalischen (einem Dialekt des Okzitanischen) von an AvinhonCentre regionau d'estudis occitans-Provença, Dictionnaire de base français-provençal, Éd. CREO-Provença, 1992., à-n-AvignounDer Trésor du Félibrige online., wie an Arle, à-n-Arle, aber auch as Aiz, a-z-Ais (à Aix). Frédéric Mistral führt außerdem en Avignoun auf. Diese Besonderheit müsste die französische Sprache örtlich beeinflusst haben, wie auch eine Vielzahl anderer Beispiele zeigt (im FranzitanischenClaude Martel: Le parler provençal, Éd. Rivages, 1988.). Historisch: Die Redewendung en Avignon weist auf den Kirchenstaat von Avignon hinErgänzende Erklärungen zu diesem Thema auf der Internetseite der Stadt von Avignon und in diesem Video von TV5., der noch bis 1791Der Kirchenstaat von Avignon umfasst heute mehrere Gemeinden: Bédarrides, Châteauneuf-du-Pape, Entraigues-sur-la-Sorgue, Le Pontet, Morières-lès-Avignon, Sorgues und Vedène. existiert hat. Man war wohnhaft en Avignon so wie man auch en Provence residieren konnte.
Die Verwendung des Ausdrucks en Avignon ist in der Bevölkerung und der Presse auf nationaler Ebene weiterhin verbreitet, scheint aber allmählich zurückzugehen.
Weitere Orte mit Avignon als Namensbestandteil Insgesamt acht weitere französische Orte haben Avignon als Namensbestandteil, darunter vier in Avignons unmittelbarer Umgebung: Cabrières-d’Avignon, Morières-lès-Avignon, Saint-Saturnin-lès-Avignon (alle Département Vaucluse) und Villeneuve-lès-Avignon. Darüber hinaus existieren die Gemeinden Avignon-lès-Saint-Claude (Département Jura) und die Gemeinden Avignonet (Département Isère), Avignonet-Lauragais (Département Haute-Garonne) und Chavignon (Département Aisne).
Vor- und Frühgeschichte Die Gegend von Avignon wurde bereits im Neolithikum besiedelt, wie Ausgrabungen am Rocher-des-Doms und im Quartier de la Balance gezeigt haben. (französisch)
Ausgrabungen am nördlichen Teil vom Rocher-des-Dom unter Leitung von Sylvain Gagnière haben Anfang der 1960er eine kleine anthropomorphe Stele (Höhe: 20 cm) zutage gefördertS. Gagnière, J. Granier: Stèle anthropomorphe trouvée à Avignon (Vaucluse), „Ogam“, t. XIII, fasc. 6, 1961, und Catalogue raisonné des stèles anthropomorphes chalcolithiques du musée Calvet d’Avignon Avignon 1976., die eine „Begräbnisstele“ darstellt. Sie zeigt auf der Vorderseite eine stilisierte menschliche Figur und auf der Rückseite eine SonnendarstellungStèle du rocher des Doms im Musées Calvet., was eine einzigartige Entdeckung für diesen Stelentyp darstellt.
Im Vergleich zu identischen SonnenfigurenDie identischen Sonnendarstellungen existieren auf Felswänden oder als Höhlenmalereien entlang der provenzalischen Küste, bei Mont Bégo, auf der iberischen Halbinsel und in der marokkanischen Wüste. zeigt diese Stele den „ersten Avignonesen“ und wird innerhalb einer Zeitspanne eingeordnet, die sich zwischen der Kupfersteinzeit und der Frühbronzezeit erstreckt und dem meridionalem Chalkolithikum entspricht.In der Provence datieren diese anthropomorphen Stelen (Lauris, Orgon, Sénas, Trets, Goult, L’Isle-sur-la-Sorgue, Avignon) zwischen 3000 und 2800 v. Chr. und werden mit der Lagozza-Kultur in Verbindung gebracht. Sie sind Zeugen einer Landwirtschaft, die in den niederen Tälern der Rhône und der Durance vorherrschend war.
Weitere Funde waren zwei aus grünem Gestein geschliffene Äxte, ein für die Pasteurs des plateaux („Hirten der Hochebene“) typisches Steingerät, einige chalkolithische Schmuckobjekte und Überreste von einheimischen oder importierten (ionisch und phokäisch) Hallstatt-Töpferwaren.
Antike mini|links|hochkant=0.6|Griechische Stele aus Avignon, Lapidarium Museum.
Der Name der Stadt reicht ungefähr bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die erste Erwähnung Avignons (Aouen(n)ion) erfolgte durch Artemidor von Ephesos. Sein geographisches Werk ging zwar verloren, ist jedoch durch eine Kurzfassung des Markian von Herakleia bekannt geblieben und durch das geographische Lexikon Ethnika des Stephanos von Byzanz, der sich auf diese Schrift stützt. Er nennt dort: Dieses Toponym hat zwei Deutungen: „Stadt des starken Windes“ oder noch wahrscheinlicher „Herr des Flusses“. Die anderen Quellen führen seinen Ursprung auf das gallische mignon (Sumpf/Moor) und den keltischen bestimmten Artikel zurück.
Die Stadt wurde gegen 539 v. Chr. als griechisches Emporion durch die Phokäer von Marseille gegründet. Die Massalioten begannen im Laufe des 4. Jahrhunderts v. Chr. Bündnisverträge mit einigen Städten des Rhônetals wie Avignon und Cavaillon zu unterzeichnen. Ein Jahrhundert später gehörte Avignon zur „Region der Massalioten“Der Ausdruck wurde im Pseudo-Aristoteles in den „Wunderschriften“ benutzt. oder zum „Land von Massalia“.Die Bezeichnung wurde von Dionysios Periegetes in Periegesis tes oikumenes verwendet.
mini|Römische Überreste des 1. Jahrhunderts, hinter dem Papstpalast. Befestigt auf ihrem Fels war die Stadt für lange Zeit Hauptstadt der Kavaren.Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,36, Pomponius Mela, De Choregraphia. Nach Ankunft der römischen Legion um 120 v. Chr. verbündeten sich die mit den Massalioten alliierten Kavaren mit den Römern. Unter der Vorherrschaft des römischen Reiches wechselte der Name von Aouenion zu Avennio. Die Stadt wurde zunächst Teil der Gallia Narbonensis (118 v. Chr.), dann Teil von Viennensis II. Avignon blieb bis zur Eroberung durch die römischen Feldherren Gaius Trebonius und Decimus Iunius Brutus Bündnispartner von Marseille. Histoire d’Avignon wurde Avignon eine Stadt des römischen Rechts und 43 v. Chr. erwarb sie den Status einer lateinischen Kolonie. Pomponius Mela zählte sie zu den blühendsten Städten der Provinz.Pomponius Mela, De chorographia 2,5.
Im Laufe der Jahre 121 und 122 hielt sich Kaiser Hadrian in der Provincia auf, wo er Vaison, Orange, Apt und Avignon besuchte. Avignon gewährte er den Status einer römischen Kolonie („Colonia Julia Hadriana Avenio“)Edward Togo Salmon: A history of the Roman world from 30 B.C. to A.D. 138, 1990, S. 805 und die Bürger ließen sich in die Tribus einschreiben.
Nach der Durchreise von Maximianus Herculius, der gegen die Bagauden kämpfte, wurde eine erste hölzerne Brücke über die Rhône gebaut und Avignon auf deren rechten Ufer vereinigt. Die Brücke konnte mittels Dendrochronologie ins Jahr 290 datiert werden. Im 3. Jahrhundert n. Chr. existierte eine kleine christliche Gemeinde außerhalb der Stadtmauern, die als Vorläufer der Abtei Saint-Ruf gilt.
Frühmittelalter Wann es genau zur Christianisierung der Stadt kam, ist ungewiss. Sicher ist, dass der erste historische Bischof von Avignon, Nectarius (Julius), am 29. November 439 an einem regionalen Konzil in der Kathedrale von Riez teilnahm, bei dem die dreizehn Bischöfe der drei Provinzen von Arles anwesend waren.