Otto Karl Werckmeister (* 26. April 1934 in Berlin; † 7. Juni 2023), auch O. K. Werckmeister bzw. O.-K. Werckmeister, war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben und Werk Otto Karl Werckmeister wurde als Kind des Kunsthändlers Karl Werckmeister und der Künstlerin Rose Petzold 1934 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin, wo er 1958 mit einer Arbeit über spätkarolingische Goldreliefs promoviert wurde. Für das akademische Jahr 1961/62 erhielt er das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts.

1965 zog Werckmeister in die Vereinigten Staaten und lehrte dort Kunstgeschichte an der University of California, Los Angeles. 1981/82 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium. Von 1984 bis 2001 war er Mary Jane Crowe Distinguished Professor of Art History an der Northwestern University in Evanston (Illinois). Er war Gastprofessor an den Universitäten Marburg und Hamburg und übernahm Forschungsaufträge für das Londoner Warburg Institute und das Deutsche Archäologische Institut. Er wurde auch als Essayist und durch Vorträge bekannt.

Zu Beginn seiner Karriere befasste sich Otto Karl Werckmeister mit mittelalterlicher Buchmalerei und den dazugehörigen Bucheinbänden. Sein kunstgeschichtlicher Ansatz ist vom Marxismus geprägt; sein Essay über die politische Ideologie des Teppichs von Bayeux gilt als Beispiel hierfür. 1976 gehörte er mit David Kunzle und Timothy J. Clark zu den Gründungsmitgliedern des Caucus for Marxism and Art der College Art Association of America.

In seinem Buch Zitadellenkultur thematisiert Werckmeister die Zitadelle als Metapher für eine Gegenwartskultur, die sich aus dem Wohlstand heraus Krisen zuwendet, aber deren politische Behebung nicht mehr beabsichtigt, sondern im Gegenteil stabilisierend und normalisierend wirkt. In seinem Buch Linke Ikonen analysiert der Autor fünf Kunstwerke des 20. Jahrhunderts in ihrer Bedeutungsverschiebung vom Revolutionären hin zur Verklärung und Funktionalisierung.Guernica, Angelus Novus, Panzerkreuzer Potemkin, Kafka von Steven Soderbergh und die Comicstrips von Enki Bilal: In seinem Buch Der Medusa-Effekt, beschäftigt sich Werckmeister mit der politischen Bildersprache nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und in der fotografischen Kriegsberichterstattung. Neue elektronische Bildverarbeitungs- und Verbreitungsverfahren verändern Werckmeister zufolge die Wirkung von Bildern auf den Betrachter, indem sie die Realität nicht lediglich verzeichnen, sondern selbst auf sie einwirken.

Ab 2001 lebte Werckmeister wieder in Berlin. Beiträge von ihm erschienen seitdem im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Werckmeister veröffentlichte 2006 einen Artikel unter dem Titel The Political Confrontation of the Arts: From the Great Depression to the Second World War, 1929–1939, aus: OPAC - Kunsthistorisches Institut in Florenz, Max-Planck-Institut und brachte 2020 unter diesem Titel ein umfangreiches Buch heraus.The Political Confrontation of the Arts in Europe from the Great Depression to the Second World War arthistoricum.net

Otto Karl Werckmeister war von 1965 bis 1983 mit der 1944 geborenen Literaturwissenschaftlerin María Eugenia Lacarraauch: Maria Eugenia Lacarra de Werckmeister, z. B. als Autorin: Ideology and social conflict in the "Poema de mio cid", Dissertation, Univ. of California, Univ. Microfilms International, Ann Arbor 1976 () und andere Namensvarianten. (, ) verheiratet. Die Malerin Veronica Werckmeister Lacarra ist seine Tochter. Er verstarb am 7. Juni 2023 im Alter von 89 Jahren, fünf Tage nach seiner früheren Ehefrau.Stefan Trinks, Was sehen die Pilger am Portal? Zum Tod des Kunsthistorikers Otto Karl Werckmeister. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Juni 2023 (Online)

Schriften (Auswahl)

Literatur Radical Art History: Ein akademisches Gespräch über O. K. Werckmeister. In:

Weblinks

Eintrag im Dictionary of Art Historians Literatur von Otto Karl Werckmeister bei WorldCat Literatur von Otto Karl Werckmeister bei Regesta Imperii Beiträge in der F.A.Z.: Kafkas Sätze: Der Einzelne ohne Mandat. 18. September 2008 Moderne Kriegsführung. Das Collateral Murder Video. 6. Mai 2010 Panzerknacker – David vs. Goliath heute, von Prag bis Syrien. 17. September 2011 Andrew Hemingway: Otto Karl Werckmeister 1934–2023 (Nachruf auf historicalmaterialism.org).

Einzelnachweise und Anmerkungen

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