Dorchester ist eine frühere Gemeinde und heutiger Stadtteil (Neighborhood) von Boston im Bundesstaat Massachusetts der Vereinigten Staaten. Der Stadtteil wurde nach der Stadt Dorchester in der englischen Grafschaft Dorset benannt, von wo die puritanischen Auswanderer emigrierten. Heute wird der Stadtteil von seinen Bewohnern liebevoll (Pünktchen) genannt.

Dorchester wurde gemeinsam mit einem Großteil der heutigen Stadt Boston im Jahr 1630 gegründet. Dennoch war die Stadt bis zu ihrer Annektierung durch Boston im Jahr 1870 ein eher ländlicher Flecken mit nicht mehr als 12.000 Einwohnern. Die Anbindung durch Straßen und Straßenbahnen an die umliegenden Gebiete brachte Dorchester ein kräftiges Wachstum, so dass die Einwohnerzahl sprunghaft auf 150.000 im Jahr 1920 anstieg. Heute ist der Stadtteil wesentlich von der Arbeiterklasse bewohnt und hat viele Afroamerikaner und aus Europa stammende Anwohner. Immer noch kommen Latinos und Immigranten aus Irland, der westlichen Karibik sowie aus Asien hier an.

Seit Anfang der 2000er Jahre erfährt Dorchester einen großen Zuwachs von Berufsanfängern, Schwulen, Lesben, Transsexuellen, Diversen und arbeitenden Künstlern, was die Vielfalt des Stadtteils positiv beeinflusst hat.

Geografie Geografische Lage Dorchester liegt südlich des Zentrums von Boston und ist umgeben von den Stadtteilen South Boston, Roxbury, Mattapan und South End. Außerdem grenzt er an die Städte Quincy und Milton, von denen er durch den Neponset River getrennt wird. Dorchester umfasst die Postleitzahlenbereiche (ZIP-Codes) 02121, 02122, 02124 und 02125.

Ausdehnung des Stadtteils mini|Karte mit wichtigen Orten in Dorchester Dorchester ist der größte und zugleich bevölkerungsreichste Stadtteil in Boston und besteht aus einer Vielzahl kleinerer Abschnitte und Plätze. Aufgrund seiner Größe von etwa wird das Gebiet häufig für statistische Zwecke in Nord- und Süd-Dorchester aufgeteilt. Dabei umfasst Nord-Dorchester die Bereiche nördlich der Quincy Street, East Street und Freeport Street. Die dortige Innenstadt befindet sich rund um Uphams Corner an der Kreuzung zwischen Dudley Street und Columbia Road. Süd-Dorchester wird im Osten durch die Dorchester Bay und im Süden durch den Neponset River begrenzt. In diesem Teil befinden sich die Ortszentren bei Fields Corner an der Kreuzung von Dorchester Avenue und Adams Street sowie am Codman Square an der Kreuzung von Washington Street und Talbot Avenue.

Die Dorchester Avenue bildet mit ihrem Süd-Nord-Verlauf von Lower Mills bis nach Downtown Boston das Rückgrat des Stadtteils. Der südliche Teil von Dorchester ist vorwiegend von Wohngebieten geprägt und durch Kirchengemeinden strukturiert. Hier wohnen viele Familien bereits seit Generationen. Der nördliche Teil hat hingegen eher städtischen Charakter mit einem größeren Anteil an Apartmenthäusern und Industriegebieten.

Die Bezirke South Bay Center und Newmarket bieten vielen Einwohnern Arbeitsplätze, während einige große Arbeitgeber in Harbor Point (dem früheren Columbia Point) ihren Sitz haben, darunter der Bostoner Campus der University of Massachusetts Boston, die Massachusetts Archives sowie die John F. Kennedy Library. Der gesamte Stadtteil befindet sich fortwährend im Wandel, was sich unter anderem im jüngsten Wachstum der Geschäftsbezirke Bowdoin/Geneva, Fields Corner, Codman Square, Peabody Square, Adams Village und Lower Mills niederschlägt. Einige Bereiche bleiben jedoch Wohngebieten vorbehalten: Savin Hill, Jones Hill, Four Corners, Franklin Field, Franklin Hill, Ashmont, Meeting House Hill, Neponset, Popes Hill und Port Norfolk.

Die Sektionen von Dorchester sind jeweils aus fest definierten ethnischen, sozioökonomischen und herkunftsbezogenen Kriterien zusammengesetzt. In den östlichen Bereichen (insbesondere zwischen Adams Street und Dorchester Bay) leben vorwiegend Europäer und Asiaten gemeinsam mit Iren und Vietnamesen, während im Westen und im Zentrum sowie teilweise im Süden von Dorchester hauptsächlich Afroamerikaner aus Haiti, Jamaika, Barbados und Trinidad und Tobago leben. In Neponset an der südöstlichen Ecke des Stadtteils prägen ebenso wie in Teilen von Savin Hill im Norden und Cedar Grove im Süden Iren das Straßenbild.

Der nördliche Teil von Dorchester bildet gemeinsam mit dem südwestlichen Teil von South Boston das Polnische Dreieck, in dem vorwiegend Immigranten aus Polen leben. In Savin Hill leben ebenso wie in Fields Corner viele Vietnamesen. In Uphams Corner gibt es eine Gemeinschaft von Einwanderern von den Kapverdischen Inseln.

Stadtgliederung Ashmont Der Bezirk Ashmont befindet sich an der Grenze zu Milton und besteht aus den Bereichen Ashmont Hill, Peabody Square und Ashmont-Adams. Die wichtigsten Straßen sind Ashmont Street, Gallivan Blvd. und Dorchester Avenue.

Der Stadtteil entwickelte sich nach der Annektierung von Dorchester durch Boston im Jahr 1870. Die Struktur wurde wesentlich durch die Familien Welles und Carruth geprägt, die ihre Grundstücke für den Bau größerer viktorianischen Häuser zur Verfügung stellten, für welche die Gegend bis heute berühmt ist. An anderen Stellen in Ashmont finden sich eher Zwei- und Dreifamilienhäuser. Der Bereich entlang der Dorchester Avenue ist eher geschäftlich geprägt.

An der Ashmont Station hält die U-Bahn MBTA-Red Line, ebenso gibt es eine Verbindung zur Ashmont–Mattapan High Speed Line, die nach Mattapan führt.

Sehenswert ist auch die vom Architekten Ralph Adams Cram gemeinsam mit Bertram Goodhue entworfene und 1892 erbaute Episkopalkirche All Saints' Church an der Adresse 211 Ashmont Street, die mit der Nummer 80000678 am 16. Juni 1980 in das National Register of Historic Places aufgenommen wurde. Sie ist eine Gemeinde der Episcopal Diocese of Massachusetts.

Codman Square District Der Codman Square District ist ein Historic District in Dorchester, der von den Straßen Norfolk, Talbot, Epping, Lithgow, Centre und Moultrie begrenzt wird. Der Distrikt wurde größtenteils im Jahr 1806 errichtet und am 23. Juni 1983 in das National Register of Historic Places unter der Nummer 83000602 aufgenommen.

Lower Mills Der mit vollem Namen korrekt bezeichnete Dorchester-Milton Lower Mills Industrial District ist als Historic District eingetragen und erstreckt sich auf beiden Seiten des Neponset River in Dorchester und Milton. Lower Mills ist daher sowohl ein Stadtteil von Dorchester als auch von Milton – vor dem Jahr 1662 war Milton ein Teil von Dorchester. Der Bezirk befindet sich ganz im Süden von Dorchester und wird im Osten durch die Dorchester Bay bzw. im Süden durch den Neponset River begrenzt.

Der Distrikt wurde im Jahr 1868 errichtet und am 2. April 1980 in das National Register of Historic Places unter der Nummer 80000675 aufgenommen.

Savin Hill mini|Deutsche Karte des Boston Harbor aus dem Jahr 1890 mit Dorchester in der linken unteren Ecke Der Bezirk Savin Hill wurde nach dem Hügel benannt, auf dem er sich befindet und den er auch umgibt. Er umfasst ein Gebiet von etwa und beherbergt ca. 15.000 Einwohner. In der Nähe befinden sich Savin Hill Beach und Malibu Beach, die als Erholungsgebiete auch für andere umliegende Gemeinschaften dienen. Der öffentliche Personennahverkehr wird vor allem durch die Station Savin Hill der MBTA angebunden.

In Savin Hill befindet sich am Morrissey Boulevard der 1875 als Savin Hill Beach Association gegründete und 1888 umbenannte Savin Hill Yacht Club.

Die Neponset-Indianer, die Teil des größeren Stamms der Massachusett waren, verbrachten über Jahrhunderte die Sommermonate in Savin Hill, bis die Europäer kamen. John Smith, der erste englische Siedler in Amerika, besuchte Dorchester 1614 und handelte mit den Neponset.

Das heutige Savin Hill wurde im Juni 1630 gegründet und besiedelt, nur wenige Monate nach der Gründung von Boston. Als erste erreichten Puritaner das Gebiet, die mit der Mary and John aus England gekommen waren. Zunächst siedelten sie weiter südlich an der Küste in der Gegend um Hull, zogen dann aber weiter nördlich zu einem Hügel, der Blick auf einen geschützten Hafen (heute Dorchester Bay) bot. Die Siedler bauten eine Siedlung für etwa 140 Menschen in der Nähe der heutigen Kreuzung von Grampian Way und Savin Hill Avenue. Ursprünglich nannten sie das Gebiet Rock Hill, um 1780 wurde der Name jedoch zu Old Hill geändert.

Die ursprüngliche Ausdehnung von Dorchester reichte beinahe bis an die Grenze zu Rhode Island. Im Laufe der Zeit zogen jedoch Einwohner fort, so dass bis 1870 die Stadt schrumpfte – zu diesem Zeitpunkt verschwand sie vollständig von der Landkarte, da sie nach Boston eingemeindet wurde und ihr Name nun einen Stadtteil bezeichnete. Der Rocky Hill, wo die Puritaner sich zuerst angesiedelt hatten, wurde im gleichen Zug in Savin Hill umbenannt. Der Name wurde bereits 1819 von Joseph Tuttle erfunden, einem örtlichen Gastwirt, der ein Luxushotel an der Kreuzung der heutigen Savin Hill Avenue und Tuttle Street eröffnet hatte. Er geht auf Wacholderbäume (englisch savin tree) zurück, die in der Gegend in großen Mengen wuchsen.

Nach dem Ende des Sezessionskriegs begann die Familie Worthington, die einen Großteil der Landfläche im heutigen Savin Hill besaß, Grundstücke für den Häuserbau zu verkaufen. Zu dieser Zeit wurden die meisten der viktorianischen Häuser errichtet, die heute noch am Hang stehen.

Der kontinuierliche Ausbau des Transportwesens beeinflusste auch die Entwicklung des Bezirks. Die Shawmut Branch Railroad verband Savin Hill ab 1872 mit dem Zentrum von Boston. Schon bald wurde die Gesellschaft durch die Old Colony Railroad aufgekauft. Die heute genutzte Station Savin Hill der MBTA wurde 1927 Teil des Bostoner Gesamtnetzes und wird durch die Red Line bedient.

Als Savin Hill in den frühen 1930er Jahren im Zuge der Errichtung des Morrissey Boulevard vom Meer getrennt wurde, konnten die Grenzen des Bezirks innerhalb von Dorchester erstmals klar definiert werden. Diese wurden durch den Bau des Southeast Expressway (Interstate 93) in den späten 1950er Jahren noch weiter verfeinert.

Die relative Isolation sowie eine hohe Bevölkerungsdichte und die Nähe zur Innenstadt von Boston haben wesentlich dazu beigetragen, Savin Hill in den vergangenen Jahren umfassend zu gentrifizieren. Viele der dort ursprünglich errichteten traditionellen Zwei- und Dreifamilienhäuser wurden seit den späten 1990er Jahren in Eigentumswohnungen umgewandelt. Befürchtungen, dass langjährige Einwohner aufgrund von Preissteigerungen aus dem Viertel vertrieben werden, haben sich nicht bewahrheitet.

Savin Hill wurde am 9. Mai 2003 unter der Nummer 03000385 als Historic District in das National Register of Historic Places eingetragen.

Uphams Corner Der Distrikt Uphams Corner wurde nach John Upham benannt, der für viele Jahre dort ein Lebensmittelgeschäft betrieb, wird jedoch auch häufig als Columbia Square bezeichnet. Das Gebiet wird durch mehrere Buslinien der MBTA Fairmount Commuter Rail bedient.

In Uphams Corner gibt es die größte Gemeinschaft von Immigranten von den Kapverdischen Inseln in ganz Boston. Außerdem können dort einige historische Sehenswürdigkeiten besichtigt werden, darunter das Strand Theatre, die Columbia Square Barbonic Hall und der Dorchester North Burying Ground, der als zweitältester Friedhof in den gesamten USA gilt. Der Jones Hill und Edward Everett Square werden ebenfalls häufig als Teil von Uphams Corner bezeichnet, tatsächlich handelt es sich jedoch um separate Gebiete.

Einige der Außen- und Innenansichten des Films Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel, bei dem Ben Affleck Regie führte, wurden in Uphams Corner gedreht.

Geschichte Ansiedlung und Eingemeindung mini|Blick von Dorchester nördlich in Richtung Boston, ca. 1781