Die Afrikanischen Elefanten (Loxodonta) sind eine Gattung der Elefanten (Elephantidae). Sie enthält mit dem Afrikanischen Elefanten (L. africana) und dem Waldelefanten (L. cyclotis) zwei der drei rezenten Elefantenarten. Die dritte Art stellt der Asiatische Elefant (Elephas maximus) dar, der sich von den Elefanten Afrikas in mehreren anatomischen Details unterscheidet. Afrikanischer Elefant und Waldelefant kommen nur auf dem afrikanischen Kontinent vor. Erstere bewohnt eine Vielzahl verschiedener Landschaftsräume, letztere ist in waldreichen Habitaten beheimatet. Die Tiere leben in Sozialverbänden mit komplexen Verwandtschaftsverhältnissen und variantenreicher Kommunikation. Sie wandern in einem jährlichen Rhythmus, der weitgehend vom Nahrungsangebot bestimmt wird. Ernährungsgrundlage bilden harte und weiche Pflanzenteile, die Zusammensetzung der Nahrung variiert regional und saisonal. Die Fortpflanzung erfolgt ganzjährig, wobei zumeist ein Kalb pro Muttertier geboren wird. Die Brunft der Kühe setzt in einem mehrjährigen Abstand ein, Bullen kommen einmal jährlich in die Musth. Die Stammesgeschichte der Afrikanischen Elefanten reicht mehrere Millionen Jahre in die Vergangenheit. Sie differenzierten sich als Gattung im Übergang vom Miozän zum Pliozän heraus. Es sind mehrere ausgestorbene Arten belegt, die allesamt ein afrikanisches Verbreitungsgebiet besaßen. Der heute gültige Gattungsname wurde im Jahr 1827 etabliert, basiert aber auf einem älteren Namensvorschlag. Der Gesamtbestand der Afrikanischen Elefanten gilt als gefährdet.
Merkmale Habitus mini|Vergleich von Kopf und Vorderteil des Körpers von Asiatischem (1) und Afrikanischem (2) Elefanten
Die beiden heutigen Arten der Gattung Loxodonta zeichnen sich durch den typischen Körperbau der Elefanten, der aus einem kompakten Körper mit säulenförmigen Beinen, kurzen Hals und massigen Kopf mit Stoßzähnen in der oberen Zahnreihe und typischer Rüsselbildung besteht. Der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) ist der größere der beiden Vertreter und repräsentiert das größte landlebende Säugetier der heutigen Zeit, der Waldelefant (Loxodonta cyclotis) ist kleiner und kann als typische Waldform angesehen werden. Vom Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) unterscheiden sich die Afrikanischen Elefanten in erster Linie durch einzelne äußerliche Merkmale. Hinsichtlich der Körpergröße steht der Asiatische Elefant zwischen den beiden anderen Arten. Zu den anatomischen Unterschieden gehören unter anderem die höheren Schultern. Der höchste Punkt der Afrikanischen Elefanten sind die Schultern, der Rücken ist konkav ausgebildet. Beim Asiatischen Elefanten ist der höchste Punkt hingegen der Kopf, während der Rücken gerade oder konvex verläuft. Die Ohren der afrikanischen Elefanten sind, im Verhältnis zum Kopf, sehr viel größer als die des Asiatischen Elefanten. An der Rüsselspitze tragen Afrikanische Elefanten zwei gegenüberliegende Rüsselfinger, während der Asiatische Elefant nur einen besitzt. Zudem haben bei Loxodonta in der Regel beide Geschlechter ausgeprägte Stoßzähne, beim Asiatischen Elefanten häufig nur die Bullen. Bei allen heutigen Elefanten weisen die Hände und Füße jeweils fünf Strahlen auf mit einem sechsten zusätzlichen Knorpelstrahl (Präpollex und Prähallux). Sie sind in einer runden bis ovalen Sohle ohne äußerlich getrennte Finger oder Zehen eingebettet. An der vorderen Außenseite bestehen aber nagelartige Strukturen, deren Anzahl an Vorder- und Hinterfüßen häufig zur Unterscheidung der Arten herangezogen werden. Allerdings variiert die Anzahl stark. Der Afrikanische Elefant besitzt so häufig je vier an den Händen und drei an den Füßen. Innerhalb einzelner Populationen variiert der Wert jedoch zwischen fünf und vier an den vorderen und drei und vier an den hinteren Füßen. Beim Waldelefanten liegen die entsprechenden Werte bei fünf vorn und vier hinten, ebenso beim Asiatischen Elefanten.
Schädel- und Gebissmerkmale In Bezug auf die Schädelanatomie und Zahnmorphologie stellen die Afrikanischen Elefanten gegenüber dem Asiatischen die konservativeren Formen dar. Allen Vertretern der Gattung Loxodonta gemein ist ein rundlicher Schädel, der nicht so nach oben gestreckt erscheint wie beim Asiatischen Elefanten. Die Stirnlinie wölbt sich in Vorderansicht auf oder verläuft weitgehend gerade, während der Asiatische Elefant dort zwei Buckel mit einer tiefen Eindellung dazwischen besitzt. Weitere Merkmale finden sich in den nicht verlängerten Scheitelbeinen und den am Ende divergierenden Alveolen der oberen Stoßzähne. Ein auffälliges Kennzeichen aller Elefantenarten findet sich in den luftgefüllten, bienenwabenförmigen Kammern, die die Schädeldecke ausfüllen. Durch diese Pneumatisierungen vergrößert sich die Oberfläche des Schädels, wodurch mehr Ansatzfläche für die Nacken- und Kaumuskulatur zur Verfügung steht, gleichzeitig vermindert sie das Gesamtgewicht des Schädels. Der Unterkiefer verfügt im Vergleich zum Asiatischen Elefanten über einen gestreckten horizontalen Knochenkörper. Der aufsteigende Ast strebt senkrecht nach oben, während sich der Kronenfortsatz in der zweiten Hälfte des Unterkiefers befindet. Beim Asiatischen Elefanten ist der aufsteigende Ast nach innen gerichtet und der Kronenfortsatz erhebt sich über der Mitte des stark gestauchten horizontalen Knochenkörpers. Die Symphyse am vorderen Ende des Unterkiefers ist bei den Vertretern der Gattung Loxodonta nach vorn orientiert und nicht nach unten wie beim asiatischen Vetter.
mini|hochkant|Backenzähne von Elefanten im Vergleich. Oben: Afrikanischer Elefant. Mitte: Asiatischer Elefant. Unten: Wollhaarmammut Das Gebiss zeigt den typischen Aufbau der Elefanten. Es setzt sich im vorderen Gebiss aus den oberen Stoßzähnen, die den jeweils zweiten Schneidezahn repräsentieren, und im hinteren Gebiss aus je drei Prämolaren und drei Molaren je Kieferbogen zusammen. Die Zahnformel lautet demzufolge: , die Anzahl der Zähne beträgt 26. Bedingt durch die Form der Stoßzahnalveolen ragen die Stoßzähne bei den Afrikanischen Elefanten seitlich schräg nach unten. Sie sind außerdem über ihre gesamte Länge leicht gekrümmt und nicht wie beim Asiatischen Elefanten nur im letzten Drittel. Im hinteren Gebiss werden die Zähne horizontal gewechselt, ein typisches Charakteristikum zahlreicher Rüsseltiere, das sich vom vertikalen Zahnwechsel der meisten anderen Säugetiere unterscheidet. Dadurch befindet sich in der Regel nur ein oder anderthalb Zähne je Kieferast gleichzeitig in Kauposition, ein nachfolgender Zahn schiebt sich durch das Abkauen des voranliegenden Zahnes heraus. Der horizontale Zahnwechsel führt dazu, dass die heutigen Elefanten im Laufe des Lebens und nach der Eruption des ersten Zahns fünfmal den Zahn in jedem Kieferbogen austauschen können. Generell sind die hinteren Zähne bei den Elefanten durch einen lamellenartigen Aufbau – bestehend aus mehreren hintereinanderliegenden Schmelzfalten – charakterisiert. Bei den Afrikanischen Elefanten zeigen sich die Schmelzfalten dicker und weniger eng gesetzt als beim Asiatischen, so dass letzterer durchschnittlich mehr Schmelzfalten aufweist. Die Lamellenformel der Afrikanischen Elefanten lautet 4 bis 5 (Anzahl der Lamellen auf 10 cm Zahnlänge), auf dem jeweils letzten Molaren können 10 bis 14 Schmelzfalten auftreten. Auffälligster Unterschied der Afrikanischen Elefanten zum Asiatischen Elefanten ist die in der Mitte rautenförmige Ausbuchtung der Schmelzfalten. Die Zähne sind außerdem weniger hochkronig als beim Asiatischen Elefanten, die Höhe eines Zahns übertrifft in nur geringem Maße dessen Breite.
Verbreitung mini|Verbreitung der Afrikanischen Elefanten (Gattung Loxodonta) im Jahr 2007
Die Afrikanischen Elefanten sind heute auf das Afrika südlich der Sahara beschränkt. Der Afrikanische Elefant bewohnt unterschiedlichste Landschaftsräume, die von teils geschlossenen Wäldern über offene Gras- und Savannenlandschaften, Feuchtgebiete wie Überflutungsflächen oder Sümpfe bis hin zu wüstenartigen Arealen reichen und sich sowohl in Tieflands- als auch in höheren Gebirgslagen bis über 4000 m befinden können. Sein Verbreitungsgebiet umfasst den östlichen, südlichen und westlichen Teil des Kontinentes. Der Waldelefant ist dagegen an die tropischen Regenwälder des zentralen und des westlichen Afrikas angepasst. Beide Elefantenarten hybridisieren im Kontaktbereich ihrer jeweiligen Lebensräume. Die gesamte, von den Afrikanischen Elefanten bewohnte Fläche wird mit rund 5,2 Millionen Quadratkilometern angegeben, dies macht aber nur rund 20 % des nutzbaren Lebensraumes aus.
Lebensweise Territorialverhalten Die Lebensweise der Afrikanischen Elefanten ist vor allem für die größere Savannenform, in geringerem Maße auch für die kleineren Waldform umfangreich erforscht. Die Tiere leben in Sozialverbänden, die Kerneinheit bildet die Herde oder Familiengruppe bestehend aus einer oder mehreren, häufig miteinander verwandten Kühen und deren Nachwuchs. Die Herde führt eine Leitkuh an, die einzelnen Rangstufen sind linear organisiert. Dadurch übernimmt nach dem Tod der Leitkuh zumeist die älteste Tochter die Gruppe. Mitunter können sich größere Verbände dann auch in einzelne kleinere aufspalten. Mehrere Herden wiederum bilden übergeordnet Clans, die häufig ähnliche Aktionsräume nutzen. In gewissen Abständen treffen sich die einzelnen, zusammengehörigen Familiengruppen und trennen sich nach einer Weile wieder. Die Lebensweise wird als fission-fusion-Sozialgemeinschaft („Trennen und Zusammengehen“) bezeichnet. Die Bullen des Afrikanischen Elefanten formen wiederum „Junggesellenverbände“, während die des Waldelefanten in der Regel einzelgängerisch leben. Die Aktionsräume haben je nach Landschaft unterschiedliche Ausdehnungen. Sie sind in offenen Gebieten generell ausgedehnter mit den größten in trockenen bis wüstenartigen Lebensräumen. In Waldhabitaten weisen sie dagegen geringere Größen auf. Die Kommunikation innerhalb der Herde und zwischen den verschiedenen Herden findet mittels Lautgebung im niederfrequenten Bereich statt. Warnrufe liegen zumeist in einem Wellenbereich, der auch für den Menschen hörbar ist. Ansonsten besteht ein reichhaltiges Spektrum an verschiedenen Gesten und Körperhaltungen, die ebenfalls der Verständigung untereinander dienen, ebenso wie chemische Signale über den Kot und Urin wahrgenommen werden. Aktivitäten der Afrikanischen Elefanten sind sowohl tagsüber als auch nachts zu verzeichnen.
Ernährung mini|hochkant|Waldelefant (Loxodonta cyclotis) im Nationalpark Ivindo, Gabun
Die Afrikanischen Elefanten ernähren sich von gemischter Pflanzenkost (mixed feeder), wobei harte Grasnahrung überwiegend in der Regenzeit im frischen Zustand bevorzugt wird. Weichere Pflanzen wie Blätter oder Früchte dominieren in der Trockenzeit. Die genaue Zusammensetzung der Nahrung ist aber abhängig von regionalen Gegebenheiten, wodurch eine große geographische Variabilität besteht. Die jeweilige Verfügbarkeit verschiedener Nahrungspflanzen bestimmt auch das Wanderungsverhalten der Familiengruppen. Einen Großteil ihres täglichen Zeitbudgets verbringen die Afrikanischen Elefanten mit der Nahrungsaufnahme. Sie sind außerdem wichtige Verbreiter von Samen, die sie durch den Kot ausscheiden. Hohe Bedeutung haben darüber hinaus Minerallecken und Wasser.
Fortpflanzung