Der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e. V. (BVK) ist ein Wirtschaftsverband der Kalkindustrie mit Sitz in Köln. Nach Angaben des Verbandes sind in ihm rund 50 Unternehmen an über 80 Standorten vertreten, die 2024 mit fast 3.000 Beschäftigten rund sechs Millionen Tonnen Branntkalk produzierten und einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielten.
Geschichte Die eigenständige Interessenvertretung der deutschen Kalkindustrie entstand 1892, als sich die Sektion Kalk vom 1865 gegründeten „Deutschen Verein für Fabrication von Ziegeln, Tohnwaaren, Kalk und Cement“ löste. 1908 ging daraus der selbstständige Verein Deutscher Kalkwerke hervor. Im Zuge der Neuordnung des wirtschaftlichen Verbandswesens durch das nationalsozialistische Regime wurde die Branchenvertretung 1934 als Fachgruppe Kalkindustrie in die Wirtschaftsgruppe Steine und Erden innerhalb der Reichsgruppe Industrie eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich in den westlichen Besatzungszonen zunächst eigenständige Verbände der Kalkindustrie. In der britischen Besatzungszone entstand 1946 in Goslar der Fachverband Kalkindustrie e. V. Ab 1948 arbeiteten diese Organisationen in der Arbeitsgemeinschaft Kalkindustrie zusammen. Auf einer Mitgliederversammlung am 23. Juni 1953 in Bad Homburg wurden die Voraussetzungen für die gemeinsame bundesweite Verbandsorganisation geschaffen. Mit der Eintragung in das Vereinsregister am 22. September 1953 wurde der Fachverband Kalkindustrie e. V. in Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e. V. umbenannt.
Tätigkeit Der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie ist überregional aktiv und vertritt als Branchenverband die Interessen der deutschen Kalkindustrie insbesondere in der Energie-, Klima-, Umwelt- und in Rohstofffragen. Er beteiligt sich an Verbandsanhörungen zu Gesetzgebungsverfahren und übermittelt Stellungnahmen an Bundesministerien und Mitglieder des Deutschen Bundestages. So beteiligte er sich unter anderem an den Beratungen zur Umsetzung der novellierten EU-Industrieemissionsrichtlinie in deutsches Recht sowie 2026 an der Verbändeanhörung zum Gesetz zur Beschleunigung der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie.
Der Verband ist seit dem 25. Februar 2022 im Lobbyregister des Deutschen Bundestages verzeichnet und führt unter anderem Regelungsvorhaben zur Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid, zum europäischen Emissionshandel, zum Industriestrompreis sowie zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für die Rohstoffgewinnung auf. Darüber hinaus erhebt der BVK anlagenspezifische Produktionsdaten der deutschen Kalkindustrie. Das Umweltbundesamt verwendet diese Daten als Aktivitätsdaten für die Emissionsberechnung zur Kalkproduktion im deutschen Informative Inventory Report; nach Angaben des Umweltbundesamtes stellt der BVK die Produktionsdaten für die gesamte dort erfasste Zeitreihe bereit.
Organisation Der BVK wird von einem Vorstand geleitet. Vorsitzender ist seit Juni 2026 Burkhard Naffin; stellvertretende Vorsitzende sind Alexia Spieler und Kai Schaefer. Hauptgeschäftsführer ist Martin Ogilvie. Die fachliche Verbandsarbeit ist in Ausschüssen für Klima und Energie, Technik, Recht und Umwelt, Kalk, Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation sowie Kommunikation organisiert. Den Ausschüssen sind teilweise themenspezifische Arbeitskreise mit Fachleuten der Industrie zugeordnet. Sie behandeln Fachfragen und bereiten Entscheidungsgrundlagen für den Vorstand vor.
Der Kalkverband Agrar ist eine eigenständige Fachabteilung des BVK für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung von Kalk. Organisatorisch mit dem Verband verbunden sind außerdem das rechtlich eigenständige Institut für Kalk- und Mörtelforschung e. V. (IKM) und die Forschungsgemeinschaft der Kalkindustrie e. V. (FG); die Mitglieder des BVK sind zugleich Mitglieder dieser beiden Vereine.
Das rechtlich eigenständige Institut für Kalk- und Mörtelforschung e. V. (IKM) ist das Prüfungsinstitut des BVK und untersucht unter anderem Baustoffe, Bindemittel, Mörtel, Steinmehle und Düngekalke auf ihre physikalische und chemische Zusammensetzung und Beschaffenheit. Ebenfalls eigenständig ist die Forschungsgemeinschaft der Kalkindustrie e. V. (FG), die gemeinsam mit Universitäten, Forschungsinstituten und Industriepartnern verschiedene Forschungsvorhaben unter anderem zu CO₂-Minderung, Karbonatisierung, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz durchführt.
Mitgliedschaften Der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie ist Mitglied der European Lime Association (EuLA) sowie der International Lime Association (ILA).
Laut Lobbyverzeichnis ist der Verband zudem Mitglied im Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden, dem Energiedialog 2050, dem Verband Energieintensive Industrien Deutschland (EID), dem DIN e.V. sowie dem Wirtschaftsforum der SPD, dem Wirtschaftsrat der CDU und der Wirtschaftsvereinigung der Grünen.
Weblinks Website des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie Registereintrag des BVK beim Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung Ausstellung Faszination Kalk des BVK im Museumspark Rüdersdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Verein (Bundesverband) Kategorie:Bauwirtschaft (Deutschland) Kategorie:Vereinsgründung 1953 Kategorie:Baustoffe Kategorie:Verein (Köln) Kategorie:Eingetragen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags