mini|Ahmad Badr ad-Din Hassun (2016) Ahmad Badr ad-Din Hassun (auch Ahmad Bader Eddin Hassoun oder Ahmed Badreddin Hassoun, , * 1949 in Aleppo)Hannelore Müller: Religionen im Nahen Osten: Irak, Jordanien, Syrien, Libanon. Otto Harrassowitz Verlag: 2009. S. 172. war von 2005 bis 2021 der Großmufti von Syrien.Nawar Shora: The Arab-American Handbook: A Guide to the Arab, Arab-American and Muslim Worlds. 2008. S. 237f. ISBN 978-1-885942-14-2

Leben Hassun hat einen Abschluss in arabischer Literatur und promovierte in islamischer Rechtswissenschaft schāfiʿitischer Prägung an der al-Azhar-Universität in Kairo.

Hassun lehrte an unzähligen Schulen und predigte in verschiedenen Moscheen in der Provinz Aleppo. Obwohl Hassun keiner Partei angehörte, war er von 1990 bis 1998 Mitglied des syrischen Parlaments, wo er dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und Beratung angehörte. Zunächst wurde er 2. Mufti und schließlich 1. Mufti von Aleppo. Nach dem Tod seines Vorgängers Ahmad Kuftaru wurde Hassun auf dessen Wunsch hin von einem geistlichen Gremium zum Großmufti der Syrischen Arabischen Republik gewählt und von der syrischen Regierung verfassungsgemäß (Dekret 302 des Jahres 2005) bestätigt. Unabhängig von seiner Funktion als Großmufti bekleidet er als Vorsitzender des Fatwa-Rates ein weiteres sehr hohes Amt.

Hassun vertrat ursprünglich als liberal wahrgenommene Positionen. Seine Position verdeutlichte er bei Reden auf verschiedenen internationalen Konferenzen, unter anderem in Europa und Russland. Hassun war einer der 138 Unterzeichner des offenen Briefes Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch (engl. A Common Word Between Us & You), den Persönlichkeiten des Islam an „Führer christlicher Kirchen überall“ (engl. Leaders of Christian Churches, everywhere …) sandten (13. Oktober 2007).Ein Gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch (Zusammengefasste Kurzform). (PDF; 186 kB) In: acommonword.com. Er sprach 2008 vor dem Europäischen Parlament. Außerdem trat er bei Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung auf.

So verurteilte er Ehrenmorde als schwere Verbrechen, die wie jeder andere Mord behandelt werden müssten.Hans-Georg Ziebertz: Gender in Islam und Christentum: theoretische und empirische Studien. LIT Verlag. Münster: 2010. S. 25. Er gilt als Gegner des umstrittenen Artikel 548, der zur Legitimation von Ehrenmorden herangezogen wird. Aufgrund dieser Haltung ist seine Akzeptanz in der Bevölkerung jedoch eingeschränkt. Einigen gilt er nicht als „wahrer Muslim“; seine Ansichten würden sich nur nach denen der herrschenden Partei richten.Katherine Zoepf: A Dishonorable Affair. The New York Times. Late Edition, 23. September 2007. Hassun kritisierte zudem Entführungen und Selbstmordanschläge im Irak. Außerdem schlug er vor, die deutsche CDU solle aus Gründen der Säkularität das „C“ in ihrem Namen streichen.

Im Bürgerkrieg in Syrien stellte sich Hassun auf die Seite des Präsidenten Baschar al-Assad. Am 10. Oktober 2011 wurde sein 22-jähriger Sohn Saria Opfer eines Attentates. Im März 2013 erließ er ein religiöses Dekret, in dem er „alle Mütter und Väter im Heimatland“ dazu aufrief, ihre Kinder in die Streitkräfte Syriens einzurücken, um eine „Verschwörung ausländischer Feinde, darunter verräterische Araber, Zionisten und Westler“ zu zerschlagen. Im April 2015 forderte Hassun die vollständige Zerstörung aller Regionen, die noch von Oppositionellen gehalten wurden. 2018 empfing er eine Delegation deutscher AfD-Abgeordneter. Im November 2021 beschloss Präsident al-Assad nach einem Zerwürfnis mit Hassun, das Amt des Großmufti per Dekret abzuschaffen.

Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 wurde Hassun festgenommen. Im August 2026 wurde er wegen Anstiftung zur Gewalt und Rechtfertigung von Mord für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Literatur Safaa M. Afifi El-Scheikh: Westliche Kirchen im Bild der zeitgenössischen ägyptischen und arabischen Religionsgelehrten: Ein Beitrag zum Offenen Brief an Papst Benedikt XVI. (Promotion der HU zu Berlin) Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktorin der Philosophie 2012 (Online; PDF; 1,8 MB) (s. S. 133 ff.: Scheich Dr. Badr al-Din Hassoun)

Weblinks Spiegel-Gespräch: „Assad könnte zurücktreten“. Der Spiegel 45/2011, S. 114. (Onlineversion) Nir Rossen: A conversation with Grand Mufti Hassoun. Al Jazeera, 3. Oktober 2011. Christen, Moslems und Juden reichen sich die Hand, Besuch Hassuns an der Universität Marburg, 25. Oktober 2007

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Einzelnachweise

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