Pfohren ist ein Dorf in Deutschland in Baden-Württemberg, gelegen im Schwarzwald-Baar-Kreis und heute Stadtteil der Großen Kreisstadt Donaueschingen. Der Ort zählt etwa 1.600 Einwohner.
Geographie mini|Donau Pfohren ist geographisch flussabwärts von Donaueschingen aus gesehen die erste Ortschaft an der jungen Donau nach dem Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Brigach und Breg, dem sogenannten Donauzusammenfluss.Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 420.
An die Gemarkung Pfohren grenzen die Gemarkungen folgender Ortschaften (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Aasen, Oberbaldingen, Unterbaldingen, Gutmadingen, Neudingen, Sumpfohren, Hüfingen, Allmendshofen und Donaueschingen.Uebersichts-Plan der Gemarkung Pfohren, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 134f.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die vom griechischen Historiker Herodot erwähnte keltische Siedlung Pyrene soll sich auf Pfohren beziehen. Damit wäre Pfohren die älteste schriftlich erwähnte Ortschaft Deutschlands.Friedrich Creuzer: Herodoti Musae, Bd. 4, Leipzig 1835, S. 556.Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen keltischen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Bd. 35, S. 184–188.Thomas H. T. Wieners: Cheneinga marca & capella sancti Martini. Die Urmark Klengen und die Urkirche Kirchdorf im Spiegel der frühmittelalterlichen Urkundenüberlieferung des Klosters St. Gallen, in: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.): Das Brigachtal im frühen Mittelalter (= Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Bd. 67), Weinstadt 2013 (ISBN 978-3-942227-14-8), S. 95–131, hier S. 96. Systematische archäologische Ausgrabungen haben in Pfohren bisher noch nicht stattgefunden. Es existieren allerdings einige Streufunde aus dem Bereich der Pfohrener Gemarkung, so etwa ein keltischer Eisenbarren.Michael Nick: Wein gegen Sklaven – Der keltische Handel, in: Andrea Bräuning, Andreas Burkhardt, Rolf Dehn, Eckhard Deschler-Erb, Saskia Dornheim, Andrea Hagendorn, Christoph Huth, Michael Nick, Norbert Spichtig, Holger Wendling und Jean-Jacques Wolf: Kelten an Hoch- und Oberrhein (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 24), Konrad Theiss Verlag, Esslingen 2005, ISBN 3-8062-2034-4, S. 48–54, hier Abb. 52, S. 53.
Frühmittelalter Mit sieben im Stiftsarchiv St. Gallen überlieferten Urkunden ist Pfohren der für die Karolingerzeit am besten dokumentierte OrtThomas H. T. Wieners: Zinsen für die Ewigkeit. Die Vergabungen im Schwarzwald-Baar-Kreis an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2006. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, F. 30, S. 157–159, hier S. 157. der gesamten Baar.Peter Erhart: Herr und Nachbar. Beziehungen zwischen dem Kloster St. Gallen und der Baar in der Karolingerzeit, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft, Ostfildern 2010, S. 127–160, hier S. 151. Seine erste urkundliche Erwähnung fand Pfohren am 4. Juni 817Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, hrsg. v. Hermann Wartmann, Zürich 1863, Bd. 1, Nr. 226, S. 227f. als Forrun in einem Diplom Kaiser Ludwigs des Frommen.Die Pfohrener Übergabeurkunden an das Kloster St. Gallen aus der Karolingerzeit aus dem Mittellateinischen von Thomas H. T. Wieners, in: ders., Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann: Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, S. 27–39, hier S. 27f. Pfohren war der namengebende Vorort einer Urmark. Die alte St. Michaelskirche, heutiges Patrozinium ist Johannes der Täufer, zählt zu den Urkirchen der Baar. Die Burg Pfohren aus dem 11./12. Jh. ist wüst gefallen.
Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus 1932 wurde in Pfohren von der Abteilung 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ ein Lager des Reichsarbeitsdienstes zur Riedentwässerung gegründet. Nach kurzer Zwischenstation in Donaueschingen wurde dieses Arbeitslager schließlich 1935 komplett nach Hüfingen verlagert.Rüdiger Schell: Das RAD-Lager der Abt. 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ in Hüfingen und seine wechselvolle Geschichte, Hartung-Gorre-Verlag, Konstanz 2014, ISBN 978-3-86628-488-3.
Eingemeindung Am 1. Januar 1972 wurde Pfohren in die Stadt Donaueschingen eingegliedert. Die Fläche der ehemaligen Gemeinde betrug 15,69 km². Seither bildet die Gemarkung der ehemaligen Gemeinde eine Ortschaft mit Ortschaftsrat unter Vorsitz eines Ortsvorstehers nach der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg (§ 68 bis 71.).
Wappen Der Wappenschild zeigt zwei schräggekreuzte silberne Jagdspeere überlagert von einem goldbeschlagenen silbernen Jagdhorn auf rotem Grund, umgeben von einem blau-silbernen Wolkenfeh. Der Wolkenfeh verweist auf die jahrhundertelange Ortsherrschaft der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, die Jagdattribute stehen symbolisch für das örtliche fürstenbergische Jagdschloss, die Entenburg.Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 22.
Politik Liste der Vögte 1496: Konrad KuttlerGottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 20f. 1509: Michael Fritschi 1552–1585: Hans Fritschi 1587: Jacob Münzer 1648: Jacob Fritschi 1663: Ottmar Engesser 1668–1685: Jacob Fritschi 1700–1715: Jacob Engesser 1735: Gottlieb Engesser 1742: Joseph Hirt 1749: Christian Grieshaber 1757: Hans Höfler 1758: Christian Grieshaber 1768: Johannes Höfler 1774–1797: Johann Georg Seyfried 1798: Othmar Engesser 1809: Johann Fehrenbacher 1830–1831: Johann Engesser
Liste der Bürgermeister um 1832: Josef BetzGottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 21. 1838–1848: Joseph Wiehl 1848–1849: Johann Bausch 1849–1852: Joseph Scherer 1852–1864: Joseph Wiehl 1865–1868: Adolf Welte 1868–1883: Karl Hasenfratz 1883–1913: Matthä Wolf 1913–1923: Heinrich Ohnmacht 1923–1933: Xaver Wolf 1933–1936: Martin Reichmann 1936–1941: Franz Straub 1941–1945: Hermann Engesser 1945: Siegfried Sigg 1945–1963: Franz Josef Engesser 1963–1971: Karl Ohnmacht
Liste der Ortsvorsteher 1972–1989: Karl Ohnmacht 1990: Franz Scherer 1991–2014: Gottfried VetterMelanie Löffler: Gerhard Feucht ist neuer Ortsvorsteher, in: Südkurier vom 25. Juli 2014. seit 2014: Gerhard Feucht
Sagen mini|hochkant|Kirche St. Johannes der Täufer in Pfohren miniatur|Die Entenburg
Rund um die Burg Entenburg rankt sich die Sage, dass in ihren Mauern der Geist des angeblich im Pfohrener Ried erstickten Kaisers Karl III. als sogenannter ‚Schnufer‘ spuke.Johannes Künzig: Schwarzwald Sagen. S. 273, Diederichs Verlag, 1930.
Verkehr In Pfohren gab es schon früh eine Poststation für die Teilstrecken der Postrouten Hausach–Hornberg–Krummenschiltach–Villingen–Donaueschingen–Pfohren – Geisingen–Tuttlingen und Neustadt–Unadingen–Donaueschingen–Pfohren–Geisingen–Tuttlingen.Walter Leibbrand: Postrouten (Postcourse) in Baden-Württemberg (1490–1803), in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1972–1988, hier Karte X,2 (1979).
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Joseph Weißhaar (1814–1870), Gastwirt, Politiker und Anführer einer badischen Freischaartruppe Martin Reichmann (1907–2000), Politiker
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben Hermann Dischler (1866–1935), Maler, lebte und malte 1896 in Pfohren
Literatur Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, ISBN 3-00-008750-8. Thomas H. T. Wieners: Irdische Güter für himmlischen Lohn. Die Pfohrener Vergabungen an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2005. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 29, S. 160–163. Thomas H. T. Wieners, Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann (Hrsg.): Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, ISBN 3-00-016373-5. Thomas H. T. Wieners: Wandel am Rande. Ein Heiligenfestverzeichnis des 17. Jahrhunderts als Quelle für den Wechsel des Pfohrener Pfarrpatroziniums, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Band 52 (2009), S. 159–166. Thomas H. T. Wieners: Capellae regiae. Pfohren und Kirchdorf, zwei Urkirchen der Baar – Otolf und Ruotbert, zwei Priester der königlichen Hofkapelle, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft. Tagung des Alemannischen Instituts vom 6.–8. März 2008 in Donaueschingen (= Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Band 77), Ostfildern 2010 (ISBN 978-3-7995-0851-3), S. 161–176. Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 35, S. 184–188.
Einzelnachweise
Weblinks
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